Nach 12 Jahren Grabenkämpfen und gegenseitigen Anschuldigungen ist es an diesem Wochenende endlich wieder soweit: Die USA haben wieder eine gemeinsame Monopostoserie und die startet in der Nacht von Samstag auf Sonntag ihr erstes Rennen. Nun soll es endlich wieder aufwärts gehen mit dem US-Formelsport, doch leicht wird es nicht werden, die Fans zurück an die Strecke zu bekommen. Da ist sehr viel Prozellan zerschlagen worden und viele Fans werden sich die Sache vermutlich erst einmal aus der Distanz anschauen. Wenn die IRL allerdings wieder so eine Saison wie letztes Jahr hinlegt, dann werden die Stadien schnell wieder voll sein.

Auch wenn alle die Übernahme der ChampCar Serie durch die IRL begrüßen, es gibt noch viele Probleme, die die Serie zu bewältigen hat. Zum einen gibt es nicht genügend Chassis von Dallara. Graham Rahal, der seinen Wagen bei den Tests neulich in die Mauer warf, wird am Wochenende nicht antreten können, da sein Einsatzfahrzeug irreparabel ist. Zum anderen beklagen sich die ehemaligen ChampCar Teams schon jetzt darüber, dass sie in Sachen Abstimmung und Wissen weit hinter den etablierten IRL Teams zurückhängen. Für Paul Stoddart war das sogar der Grund, nicht in die IRL zu wechseln. Auch ein paar Topfahrer aus der CC-Serie sitzen noch ohne Cockpit da. Paul Tracy und Robert Doornbos, die vor ein paar Wochen noch dachten, sie würden um den Titel fahren, haben kein Team gefunden, dass sie so kurzfristig übernimmt. Vor allem Tracy ist schon ein Verlust, da er bei den Fans außerordentlich beliebt ist.

Die IRL muss sich zunächst einmal wieder einen Namen machen. Sie muss ihre Stars schaffen und für spannende Rennen sorgen. Das Starterfeld von über 26 Wagen in der Saison wird sicher für gute Rennen sorgen, beim ersten richtigen Indy 500 seit Jahren werden vermutlich mehr als 30 Wagen an den Start gehen. Die Vorzeichen für eine gute Saison sind jedenfalls nicht schlecht. Wenn man dann ab 2009 die Saison nicht mehr so elend früh im September beendet, sollte es mit dem Formelsport in den USA wieder richtig bergauf gehen. Im letzten Jahr zeigte man auf der Webseite indycar.com alle Rennen als Livestream. Im Moment finde ich dieses Angebot auf der Seite aber nicht. Kann aber sein, dass das kurzfristig hochgeschoben wird.

Die Teams im Einzelnen:
(Ich hätte gerne ein paar Bilder reinpackt, aber die Mediaseite der IRL funktioniert mal wieder nicht)

– Team Penske
Man startet mit Helio Castronewes und als Ersatz für Sam Hornish jr. hat man sich Ryan Briscoe geholt. Der Australier ist in der IRL kein Unbekannter, denn er war schon für einige Rennen bei Chip Ganassi und A.J. Foyt unterwegs. Im letzten Jahr steuerte er für Penske einen Porsche RS Spyder in der ALMS und konnte immerhin drei Rennen gewinnen. Penske wird sicher auch in diesem Jahr wieder um die Meisterschaft fahren, auch wenn Castronewes in der letzten Saison etwas unsortiert aussah.

– Ganassi Racing
Keine großen Veränderungen bei Ganassi. Dan Wheldon und Scott Dixon starten auch dieses Jahr und beide gilt es zu schlagen, wenn man Meister werden will. Zusätzlich hat sich Chip Ganassi die Dienste des Nachwuchstalent Alex Lloyd gesichert, der bei einigen Rennen (Indy 500) zum Einsatz kommen soll

– Andretti Green Racing
AGR geht auch in diesem Jahr mit den meisten Fahrern an den Start. Danica Patrick, Tony Kanaan und Marco Andretti sitzt Hideki Mutoh im vierten Wagen, nachdem Franchitti ja auch in die NASCAR abgedampft ist. Mutoh hat in der IRL erst ein Rennen absolviert (Chicagoland 2007), bei dem er aber die schnellste Runde hinlegte. Muss man sehen, ob es wieder ein Kamikaze-Pilot ist, oder ob er mehr kann. Schwierig wird die Saison für Marco Andretti, der so langsam mal zeigen muss, dass er in die großen Fußstapfen seines Vaters Michael und seines Großvaters Mario passt. Beste Chance rechne ich Tony Kanaan aus.

– Rahal Letterman Racing
Die sind weiterhin nur mit gebremsten Schaum unterwegs und haben sich Ryan Hunter-Reay geholt, nachdem man mit Scott Sharp im Unfrieden auseinander gegangen ist. Ein-Wagen-Teams habe es in der IRL bekanntermaßen schwer, weil ein Abgleich der Daten fehlt. Allerdings arbeitet man mit dem Newman/Haas/Lanigan Racingteam zusammen.

– A.J. Foyt Racing
Erstaunlicherweise kommen A.J. Foyt und sein Fahrer Darren Manning immer noch miteiander aus. Der siebenfache USAC Meister (Vorläufer der CART) Foyt gilt ja bekanntermaßen nicht gerade als ausgeglichener Zeitgenosse, der seinen Fahrern gerne auch mal handgreiflich klar macht, was er von schlechten Ergebnissen hält. Mit Mannig hat er allerdings einen Mann gefunden, der mit dem mittelmäßigen Material wirklich gut unterwegs ist. Kein Meisterschaftskandidat, aber auf jeden Fall für einen Sieg gut.

– Vision Racing
Nachdem man mehrfach knapp an der Pleite vorbei geschrammt ist, hat man in diesem Jahr wieder zwei Autos am Start. Die Besetzung der Cockpits ist wie im letzten Jahr. A. J. Foyt IV hat in seiner Karriere ausser einem dritten Platz im letzten Jahr in Kentucky noch nicht viel gerissen, allerdings ist er mit 24 Jahren auch noch sehr jung für die Ovale. Ed Carpenter ist schon in der vierten Saison bei Vision und gilt als fleissiger Punktesammler. Nie ganz vorne, aber immer gut im Mittelfeld.

– Dreyer & Reinbold Racing
Man startet auch dieses Jahr mit dem 2005er Sieger des Indy 500, Buddy Rice. Neben ihm hat man Milka Duno gesetzt. Das ehemalige Modell aus Venezuela fährt zur Erleichterung der anderen Fahrer aber keine gesamte Saison, sondern wechselt sich mit Townsend Bell. Duno war im letzten Jahr mehrfach hart kritisiert worden, weil sie zu langsam war und immer auf der Rennlinie rum hing.

– Roth Racing
Das Team des Kanadiers Marty Roth wird erstmalig mit zwei Wagen an den Start gehen. Neben ihm selber wird Jay Howard an den Start gehen. Der hat 2006 immerhin zwei Siege in der Indy Pro Serie einfahren können, seitdem steckt seine Karriere aber fest.

– KV Racing Technology
Das ist dass Team von Kevin Kalkhoven. Er hat sich Oriol Servia und Will Power als Fahrer geholt. Unterstützt wird er vom Chip Ganassi Team. Ich würde KV durchaus Chancen einräumen, ganz vorne mitzufahren. Nicht bei jedem Rennen, aber hier und da schon. Will Power gehört ja eher zu den besseren Fahrern und auch Servia sollte man nicht unterschätzen. Es aber insgesamt schwierig die neuen Teams in der IRL einzuschätzen, weil die, wie erwähnt, einfach noch einen Wissensrückstand haben.

– Conquest Racing
Das Team kennt die IRL einigermaßen, weil man 2002 schon mal hier unterwegs war, bevor man zu den ChampCars wechselte. Dort lief es aber auch nicht sonderlich gut und als Mike Lanigan Ende 2006 den Finanzierungsstöpsel zog, wollte man schon dicht machen. Es tauchten aber wieder Sponsoren auf und auch für die IRL Saison ist man relativ sicher aufgestellt. An den Start gehen der ehemalige Formel Eins Pilot Enrique Bernoldi und Franck Perera, den man ja noch aus der F3 Euro und der GP2 kennt.

– Newman/Haas/Lanigan Racing
Neben KV Racing hat dieses ehemalige CC-Team wohl die besten Siegchancen. Das sind ja beileibe keine Anfänger, die da unterwegs sind und mit Justin Wilson und Graham Rahal hat man zwei sehr gute Fahrer am Start. Ich gehe davon aus, dass die Ressourcen des Teams so gut sind, dass sie schnell regelmäßig in den Top 10 auftauchen werden. Beide Fahrer sind auch für Siege gut, vor allem auf den Strassenkursen.

– Dale Coyne Racing
Hier sieht es ein wenig anders aus. Das Team gibt es zwar auch schon seit 1986, aber so richtig erfolgreich war man nie. Dieses Jahr hat Bruno Junquiera als Nummer Eins verpflichtet. Der Brasilianer ist so Fahrer, bei dem man nie weiß, was man erwarten soll. Entweder tobt er in den Top 3 rum, oder er versinkt lustlos im Nirgendwo. Nummmer Zwei ist ein Mann namens Mario Moraes, ein gerade mal 20jähriger Fahrer, der im letzten Jahr in der britischen F3 Serie unterwegs war, und mir jetzt nicht sonderlich aufgefallen ist. Dale Coyne arbeitet aber in dieser Saison mit AGR zusammen, was dem Team sicher sehr helfen wird.

– HVM Racing
Dahinter verbirgt sich das alte Minardi USA Team, dass ohne Paul Stoddart weiter macht. Keith Wiggins hat sich entschlossen, die Sache wieder selber in die Hand zu nehmen, allerdings bringt er nur einen Fahrer, Ernesto Viso, an den Start. Der war 2006 immerhin sechster in der GP2, hat aber so gut wie keine Oval Erfahung.

– Panther Racing
Neues Jahr, neuer Versuch von Panther zusammen mit Vito Meira endlich den ersten Sieg einzufahren. Meira war vor allem 2006 schon so oft knapp davor, dass er einem schon leid tun konnte. Drei zweite und drei dritte Plätze waren es 2006, letztes Jahr kam man nicht so recht in Schwung. Panther hat nach dem Gewinn der Meisterschaft 2001 und 2002 irgendwie den Faden verloren. Was auch an Problemen mit den Sponsoren lag. Mit einem Ein-Wagen-Team ist man, wie erwähnt, nicht so wirklich gut aufgestellt und ob Meira endlich mal einen Sieg einfahren kann, wird auch 2008 die große Frage sein. Das Potenzial hat das Team auf jeden Fall.

Und sonst?
Wie gestern schon erwähnt: die BTCC startet die Saison 2008 in Brands Hatch.

Ich werde das Indy Rennen vermutlich nicht live sehen können, Analyse folgt dementsprechend später.

NASCAR Streams bei den üblichen Stellen.

ACHTUNG: Samstag auf Sonntag werden die Uhren in Deutschland vorgestellt. Dementsprechend sind es wieder sechs Stunden Zeitunterschied zur Ostküste der USA (neun Westküste)


29.03.2008

Aufz. 11:20 Uhr Frz. GT Nogaro MotorsTV
Aufz. 12:40 Uhr Frz. Porsche Cup Nogaro MotorsTV
LIVE 15:00 Uhr NASCAR CTS Martinsville Quali SpeedTV
LIVE 18:00 Uhr NASCAR CTS Martinsville FOX (!)
Aufz. 18:00 Uhr NASCAR SC Bristol Premiere
Aufz. 21:00 Uhr ARCA Talladega 2007 MotorsTV
Aufz. 23:00 Uhr GrandAM Homestead SpeedTV


30.03.2008

LIVE 01:00 Uhr IRL Homestead Premiere, indycar.com?, ESPN 2
LIVE 03:00 Uhr NASCAR SC Martinsville Training SpeedTV
Aufz. 10:30 Uhr IRL Homestead Premiere
Aufz. 14:00 Uhr ARCA Talladega 2007 MotorsTV
LIVE 17:30 Uhr NASCAR Raceday Martinsville SpeedTV
LIVE 19:30 Uhr NASCAR SC Martinsville FOX
Aufz. 22:20 Uhr Frz. Porsche Cup Nogaro MotorsTV
Aufz. 22:45 Uhr Frz. GT Nogaro MotorsTV