Man kann vom Chase halten, was man will – immerhin macht die Meisterschaft durchaus spannend. In diesem Jahr mehr denn je.
Zunächst – Analyse Richmond schenke ich mir diese Woche. Zum einen habe ich das Rennen nur teilweise gesehen, zum anderen kann man die Spannung, die gegen Ende zwischen Busch und Vickers herrschte, im Text eh nicht wieder geben. Also – lieber ein Blick nach vorne und auf einen Chase, der mich vor ein Rätsel stellt. Denn einen eindeutigen Favoriten sehe ich in diesem Jahr nicht. Man kann sich auf die üblichen Verdächtigen konzentrieren, aber das wäre etwas zu einfach. Dafür ist die Zahl der “Dark Horses” in diesem Jahr so hoch wie nie. Man kann jetzt schon sagen, dass es extrem spannend wird.
Ich geh den Chase nach dem Stand nach Richmond, aber vor der Bereinigung auf die Chase Punkte durch:
1. Tony Stewart
Ich darf mich mal genüsslich selber zitieren, als ich Anfang des Jahres einen Blick auf die Saison geworfen habe:
Ein Sieg wäre schon fast sensationell, der Einzug in den Chase fast eine Meisterschaft. Stewart hält den Ball sehr flach, aber Top 20 Ergebnisse sollten es schon sein. Prognose: Kein Sieg. Kein Chase.
Tja, knapp vorbei. Aber seit wann ist es in der NASCAR der Neuzeit auch neuen Teams erlaubt, so erfolgreich zu sein? Wenn das jeder machen würde… aber ernsthaft. Natürlich ist Stewart einen Meisterschaftskandidat. Er hat schon zwei Titel, er weiß also, wie es geht. Seine letzten Rennen 3 Siege, 13 Top 5, 18 Top 10. So kann man Meister werden. Die letzten Rennen liegen allerdings nicht so gut, wobei man sagen muss, dass auch die anderen Hendrick Piloten nicht ganz vorne zu sehen waren.
Prognose: ich bin ja nicht verrückt…
2. Jeff Gordon
Nur ein Sieg in diesem Jahr. Das ist für ihn wenig. Es läuft immer noch nicht so rund für Gordon, und so richtig glaube nicht, dass er in diesem Jahr einen Chance haben wird. Erstaunlicher weise schwankten seine Rennen auch immer wieder zwischen “schlimm” und “ok, jedenfalls von seinem sonstigen Niveau ausgehend. Aber da ist er ja bei Hendrick nicht alleine. Natürlich sollte man ihn nicht unterschätzen, denn er hat jede Menge Erfahrung, wie man einen Titel gewinnen kann. Da ihm aber dieses Jahr die Siege fehlen, wird sehr schwer für ihn. Es fehlt ein Quentchen Glück, Speed und vielleicht auch die Lust, nachdem er im Moment jedes Rennen mit Rückenschmerzen absolviert.
3. Jimmie Johnson
Bei Hendrick lief es in diesen Jahr nicht so richtig rund und Johnson hatte ein sehr zähen Start ins Jahr. Für einen Moment sah es so aus, als würde er um den Chase kämpfen müssen, aber der Sommer hat es dann wieder gerichtet. Überragend ist seine Bilanz aber nicht. Es gibt es zwar drei Siege, aber nur neun Top 5 und 15 Top Ten Ergebnisse. In der Form wird das nichts mit dem Titel. Auf der anderen Seite: Man kennt Johnson mittlerweile ja gut. Das er bis in den August kaum auffällt ist nichts neues. Denn oft schlägt er dann plötzlich erbarmungslos zu und räumt ab. Zwei Siege im Chase – und schon ist er wieder ganz vorne. Man sollte ihn so lange auf der Rechnung haben, bis er rechnerisch nicht mehr gewinnen kann.
4. Denny Hamlin
Dark Horse Nummer Eins in diesem Jahr. Alle Welt redet über Kyle Busch, aber in diesem Jahr hat in Denny Hamlin ganz klar und locker im Griff gehabt. Zwar nicht was die Anzahl der Siege angeht, aber in Sachen Punkte war Hamlin deutlich besser unterwegs. Er hatte auch einen guten Sommer, was oft ein Hinweis für einen guten Chase ist. Wie es sich heraus gestellt hat, ist es oft besser, den Schwung des Sommers mit in den Herbst zu nehmen, damit man gerade in den wichtigen ersten Rennen die Nase vorne haben kann. Hamlin kann im Chase durchaus über sich heraus wachsen und den Titel holen, zu Mal sich das Gibbs Team komplett auf ihn konzentrieren kann. Ein deutlicher Vorteil.
5. Kurt Busch
Busch ist vor allem deswegen im Chase, weil er einen fantastischen Start ins Jahr hatte. Der neue Dodge Motor funktioniert gut und vor allem in Sachen Leistung zugelegt. Busch selber merkte man an, wie sehr ihm die Erfolge wieder Selbstbewusstsein gegeben haben und wie gut plötzlich auch das gesamte Penske Team da stand. Doch seit Mitte des Jahres läuft es nicht mehr ganz so rund, was mich zu dem Schluss bringt, dass er die Meisterschaft nicht holt. Ich halte ihn nicht mal für ein Dark Horse, dafür fehlt Penske einfach noch ein Stück nach vorne. Aber er könnte den Chase lange offen halten, wenn er regelmäßig in die Top 5 fährt..
6. Mark Martin
Tony Stewart mag in Sachen Punkten in der klassischen Wertung vorne sein, aber Mark Martin ist mit Sicherheit der Favorit auf den Titel. Er hat 4 Siege, 9 Top 5, 14 Top 10 und 6 Pole in diesem Jahr geholt, wurde aber zeitweise auch vom Defektteufel verfolgt. Genau das darf Martin nicht passieren, sonst kann er den Titel komplett abschreiben. Mal davon abgesehen, dass es absolut niemanden gibt, der Martin den Titel nicht gönnen würde – ich wüsste auch nicht, warum er ihn nicht gewinnen sollte, wenn man mal von der Leistungsschwäche des Hendrick Teams absieht. Martin hat den letzten Oval-Sieg im Juli in Chicago eingefahren (letzter Hendrick Sieg überhaupt). Man kann den Chase lange nach der “Biffle” Methode offen halten. Also viele, viele Top 5 Ergebnisse einfahren, ohne zu siegen. Aber um Meister zu werden braucht man doch einen oder mehrere Siege und da sieht es bei Hendrick im Moment dünn aus. Trotzdem: Mark Martin ist bei mir Kandidat Nummer Eins für den Titel.
7. Kasey Kahne
Kahne hat genau das, was man für einen guten Chase braucht: ein guten Lauf, einen guten Wagen und die Motivation von einem Sieg. Das könnte reichen, dass er den Chase lange offen halten kann, aber ich traue Dodge und RPM einfach nicht zu, dass sie es durchziehen können. Die Formschwankungen von Kahne und RPM waren in diesem Jahr einfach riesig, auch wenn hier der Einsatz des neuen Dodge Motors ab Ende schon ziemlich viel gebracht hat. Aber noch fehlt mir die Konstanz von allen Seiten, dazu kommt der Switch von Dodge zu Ford im Jahr 2010. Kahne hat aber immerhin mal wieder ein gutes Jahr, und dem neuen Team täte ein würde ein erfolgreicher Chase gut tun. Vor allem, was die Sponsoren angeht.
8. Carl Edwards
Neun Siege waren es 2008, in 2009 konnte Edwards noch keinen einzigen Sprint Cup Sieg erringen. Das sagt eigentlich schon alles aus. Roush ist in diesem Jahr als Favorit in die Saison gestartet, aber komischerweise lief es nie so recht für das Traditionsteam. Irgendwas schien nicht zu passen. Hatte Ford bei der Motorentwicklung geschlafen? Oder haben die anderen Teams einen Schritt beim Chassis gemacht? Schwer zu sagen, bei Roush hält man sich zu dem bedeckt. Und daher ist Edwards in diesem Jahr für mich auch kein Favorit auf den Titel. Der gebrochene Fuss kommt noch dazu, mit dem wird er in New Hampshire und Martinsville noch Spaß haben.
9. Ryan Newman
Die Überraschung schlecht hin. Tony Stewart mag man ja noch zugetraut haben, dass er seinen Wagen in den Chase quetscht, aber Newman? Ich gebe gern zu, dass ich den Mann unterschätzt habe. Bei Penske wurde er immer wieder von Kurt Busch abgekocht, bei Stewart/Haas war er für mich auch eher der Wasserträger. Gut – es fehlt ihm der Sieg in diesem Jahr, aber er war oft knapp dran und eine Pole hat er auch. Er ist also deutlich besser, als ich ihm das zugetraut habe. Also: Respekt für Ryan Newman. Aber auch für Stewart/Hass. Beide Wagen im Debütjahr in den Chase zu bekommen, ist schon eine Leistung. Im letzten Jahr hatte das Team nicht mal einen Top 35 Platz. Meister wird er aber trotzdem nicht.
10. Juan Pablo Montoya
Es ist vermutlich unrealistisch darüber nachzudenken, ob Montoya den Titel holen könnte. Aber unwahrscheinlich ist es nicht unbedingt. Montoya hat eine fabelhafte Saison und vor allem im Sommer eine geradezu phänomenale Serie an Top 10 Platzierungen abgeliefert. Sein erster Sieg auf einem Oval ist nur noch eine Frage der Zeit. Es hätte schon mehrfach in diesem Jahr soweit können, zu letzt in Pocono, aber da hinderte ihn auch die eigene Sorge um den Einzug in den Chase an einer letzten Attacke. Das Team steht überraschend stabil da, was auch daran liegt, dass man sich komplett auf ihn konzentriert. Das ist Chase durchaus ein Vorteil und bekanntermaßen mag es Montoya, wenn er ordentlich bemuttert wird. Sein Sieginstinkt ist ja nicht weg und sollte nach der Halbzeit noch in naher Distanz zur Spitze sein, sollte man ihn auf dem Zettel haben. Aber dafür müsste er dann auch sein erstes Oval-Rennen gewinnen.
11. Greg Biffle

Der fast unscheinbare Biffle ist mal wieder im Chase. Wie in den letzten Jahren geschah das durchaus etwas überraschend, denn so richtig vorne war er in diesem Jahr selten. Das sah in den anderen Jahren aber ähnlich aus, und dann war im Chase plötzlich da. Biffle ist auch so einer, der gut “hamstern” kann, also Punkte mit nimmt und lange Chancen auf den Sieg hat. Aber ein Siegetyp wie Martin, Edwards, Montoya, Stewart oder Johnson ist er nicht. Deswegen halte ich es auch für unwahrscheinlich, dass um die Meisterschaft fahren kann. Das Team wird zu dem mehr auf Edwards blicken.
12. Brian Vickers
Den WM-Titel in der Formel Eins wird Red Bull wohl nicht mehr holen, aber hat man Chancen in der NASCAR? Vickers hat einen durchwachsenen Sommer hinter sich. Der erste Sieg für Red Bull war dabei, aber auch viele unscheinbare Rennen, in denen wenig ging. Aber da wären auch noch die sechs Poles, die man geholt hat, und die zeigen, dass Red Bull auf dem Weg ist, sich ganz vorne zu etablieren. Ich glaube zwar nicht, dass Vickers im Chase eine Rolle spielen wird, aber ein guter Chase könnte dem Team für die kommende Saison helfen.
Die Regeln:
Nicht anders, als sonst. Die 12 Fahrer bekommen zu Beginn des Chase alle 5000 Punkte. Jeder Sieg, den ein Fahrer in dieser Saison eingefahren hat, bringt zusätzliche 10 Punkte. Also liegt Mark Martin mit 5040 Punkte in diesem vorne, aber der Abstand ist dann wirklich vernachlässigenswert. Die Punkte im Rennen werden dann nach dem normalen Schema vergeben, es gibt aber keine 10 Punkte Siegerbonus mehr.
Die Strecken:
Der Chase ist in diesem Jahr etwas anders aufgeteilt. Die Mischung soll es machen:
1. New Hampshire / Shorttrack, 1 Meile, 12 Grad Banking
2. Dover / Shorttrack, 1 Meile, 24 Grad Banking
3. Kansas / 1,5 Meilen, 15 Grad Banking
4. Fontana / 2 Meilen, 14 Grad Banking
5. Charlotte / 1,5 Meilen, 24 Grad Banking
6. Martinsville / Shorttrack, 0.5 Meilen, 12 Grad Banking
7. Talladega / 2.5 Meilen, 33 Grad Banking
8. Texas / 1,5 Meilen, 24 Grad Banking
9. Phoenix / Shorttrack, 1 Meile, 9 & 11 Grad Banking
10. Homestead / 1.5 Meilen, 20 Grad Banking
Martinsville und New Hamsphire sind “richtige” Shortracks. Dover und Phoenix sind deutlich schneller. Fontana hat zum ersten Mal einen Platz im Chase. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich davon halten soll, aber die 2 Meilen Ovale haben so ihre eigenen Gesetze, also könnten sie den Chase noch mal in Schwung bringen. Es ist auf jeden Fall gut, dass man die Zahl der 1.5 Meilen Oval nicht noch mehr erhöht hat. Talladega ist auch so eine Nummer. Das restrictor plate Rennen passt vielen Fahrern nicht ins Konzept, weil Siege und Platzierungen auf solchen Ovalen meist eher durch Glück und Zufall bestimmt werden. Da könnte aber in diesem Jahr durchaus der Chase eine Vorentscheidung sehen.
Übertragung/Streams
ABC überträgt alle Rennen, das Team von ESPN übernimmt die Abwicklung. Man merkt vom ersten Tag an, dass ABC einsteigt, weil die Kommentare noch mal eine Ecke steifer werden und die Kameraführung sich komplett auf die Top Ten konzentriert. Eine dauerender Anlass für massive Kritik seitens der NASCAR-Fans, die nicht einsehen wollen, warum sich ESPN so anstellt.
Ich habe kein gutes Gefühl, was die Streams angeht. Den es startet nicht nur der Chase, sondern auch die NFL ist in ihre Saison gestartet. Die meisten Rennen finden parallel zu den NFL-Spielen am Sonntag statt, was die Situation bei justin.tv erheblich verschlimmern wird. Wird man schon diesen Sonntag sehen, wie das gehen wird. Und ob überhaupt.
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Danke für die Vorschau Don!
Naja, das mit Stewart konnte man so wirklich nicht erahnen ;)
Ansonsten sehe ich das ähnlich wie du, aber ich glaube leider nicht da MArtin es schafft, ich würde es ihm gönnen keine Frage, aber Johnson wird kommen……
Ich wüsste nicht wieso die NFL einen Einfluss auf die NASCAR Streams haben sollten, die meisten Streams dort werden von NASCAR Fans angeboten die jetzt sicherlich nicht statt dem Chase Football schauen.
Bei STVN kann das schon eher ein Problem werden weil man nur bestimmte Kapazitäten hat, bei Justin sehe ich das absolut nicht.
BTW, der letzte Hendrick-Sieg war nicht der von Mark Martin in Chicago sondern Jimmie Johnson’s eine Woche später beim Brickyard 400.
@ Speedy:
Das deswegen Einfluss auf die Streams, weil justin.tv nur eine begrenzte Serverkapazität hat. Je mehr Leute was schauen, desto weniger Bandbreite steht zur Verfügung und es wird schwieriger, die Streams zu sehen.
Zum Auftakt der NFL-Saison sind die Football-Streams aber einer nach dem anderen gesperrt worden. Wenn die NFL (oder NBC) weiter so konsequent gegen Football-Streams vorgeht, könnte es für Nascar bei Justin wieder ganz gut aussehen ;-)