Renault wird sich nicht mehr gegen die Anschuldigung das Rennen in Singapur 2008 manipuliert zu haben wehren. Und was jetzt?.
Ich verfolge die Formel Eins seit Ende 70er Jahre. Früher nur als Fan, dann gab es mal eine größere Pause, seit Anfang der 90er Jahre wieder sehr intensiv. Es hat viele Skandale in der Zeit gegeben, es wurde viele betrogen, gelogen und geschummelt. Der Spionage-Skandal von 2007 wurde in der Öffentlichkeit heftig diskutiert. Aber nicht deswegen, weil jemand spioniert hatte, so was gehört zu Formel Eins. Sondern weil McLaren nicht zu den Anschuldigungen gestanden hat und gelogen hat. Aber das, was Renault gemacht hat, ist eine völlig andere Sache.
Es gibt immer wieder Ärger in der Formel Eins. Da wird spioniert, da wird Technik geklaut, da werden Fahrer abgeworben, hinter den Kulissen geht es um jede Menge Politik und oft ist das, was auf der Strecke passiert nur ein Bruchteil dessen, um was es in der Formel Eins wirklich geht. Aber eins hat man, zumindest nach meinem Wissen, bisher nicht gemacht: Rennen verschoben.
Autorennen – das war bis in die 50er Jahre etwas für Gentleman, die zu viel Geld, Zeit, Mut und Langeweile hatten. Der letzte aus dieser Garde ist Stirling Moss, einer der Jacky Stewart Ende 60er Jahre noch hart kritisierte, weil der die Sicherheit auf den Strecken verbessern wollte. (Nebenbei: Herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag)
Es ging um den Wettbewerb und es ging um die Ehre. Seit dem hat sich viel verändert in der Formel Eins und im Motorsport allgemein. Vor allem, weil es um viel Geld geht. Aber bis vor ein paar Tagen dachte ich noch, dass die Rennen, wenigstens die Rennen, unantastbar seinen. Zumindest in der Formel Eins.
Flavio Briatore und Pat Symonds haben die Regel gebrochen. Sie haben eine der letzten Dinge, die Rennsport ausmacht, einen Kernpunkt des Sports überhaupt, ignoriert und kriminalisiert. Allein deswegen möchte ich beide nicht mehr in der Formel Eins sehen. Aber was noch viel schlimmer ist: sie haben den Zweifel nun auch in diesen Punkt geweckt.
Nun wird man bei jedem Abflug der einen SC-Phase auslöst sich fragen: War das geplant? Wer profitiert? Wer rutscht jetzt nach vorne? Immerhin – so etwas wie in Singapur kann so schnell nicht mehr passieren, weil die SC-Regeln geändert wurden.
Die DTM hat ihre Glaubwürdigkeit dank diverser „Strategie-Entscheidungen“ schon ziemlich verspielt. Dort gewinnt scheinbar nur der, der einer Konzernspitze gerade passt. In der Formel Eins war das bisher nicht so. Natürlich – Teamintern werden die Positionen auch festgelegt, aber wie man gerade in den letzten zwei Rennen gesehen hat, gibt es auch immer wieder Überraschungen. Ein Force India, der siegen könnte, BrawnGP der seine Fahrer gegeneinander antreten lässt.
Die Formel Eins wird auch diese Affäre überleben. Aber im Gegensatz zu den vielen kleinen Schummeleien, über die man ein paar Jahre später lacht, wird diese Sache immer ein schwarzer Fleck bleiben, weil sie das Herzstück des Motorsports, den Kampf um den Sieg, lächerlich gemacht hat.

11 Kommentare
Ich frage mich, ob das wirklich so neu ist, dass in der Formel 1 Rennen (oder Siege) verschoben werden. Zurückblickend fallen mir einige Situationen auch aus der jüngeren F1-Geschichte ein, bei denen der Sieger nicht derjenige war, der bis kurz vor Schluss vorne lag. Stallregie war zumindest bei Ferrari lange Zeit kein Fremdwort, und so mancher B-Fahrer wurde zu Ende eines Rennens gerne mal auffällig langsam, um den Kollegen dann in der letzten Runde passieren zu lassen. Oder ein Boxenstopp dauerte mal erstaunlicherweise die eine oder andere Sekunde länger als üblich.
Also, wurde in der Vergangenheit schonmal ein Sieg „arrangiert“? Sicher, ohne Zweifel. Natürlich ist es nicht so eklatant wie in der DTM, aber dort fahren schließlich auch nur zwei Hersteller, insofern sind die Möglichkeiten ganz andere.
Die neue Dimension hier scheint mir zu sein, dass man, um diese Verschiebung zu erreichen, bewusst und in voller Absicht einen Unfall herbeigeführt hat und somit die Gesundheit des eigenen Fahrers, aber auch das Leben anderer Fahrer bedingt durch mögliche Folgeschäden (Reifenplatzer durch aufgesammelte Trümmerteile etc.pp.) billigend in Kauf genommen hat. Das ist das Erschreckende an der Geschichte.
Es ist ein Unterschied, ob man teamintern jemanden zurückpfeift, oder ob man Rennen auf diese Art verschiebt.
Das ist auch einer Gründe, warum Williams so vehement gegen Kundenchassis ist. Wenn man nur noch Teams hat, die am Tropf von wenigen Herstellern hängen, hat man schnell DTM Verhältnisse.
Teamorder ist damit überhaupt nicht zu vergleichen! Das betrifft immer nur die beiden Fahrer des Teams, aber nicht alle anderen. Zumal es einfach dazu gehört und auch gar nicht verboten sein sollte. In Singapur wurde aber nicht nur ein Sieg gestohlen, sondern ein SC ändert bekanntlich den gesamten Rennverlauf. Darin sehe ich den Hauptskandal, und deshalb ist es noch eine andere Dimension, als beispielsweise ein illegales Auto ins Rennen zu schicken. Mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit gesehen kostete „Crashgate“ Massa sogar den Titel!
Das mit Massa habe ich auch überlegt. Die SC-Phase kam für ihn ungünstig, es gab viel Hektik an der Box. Aber der Fehler lag an einer nicht funktionierenden Ampelanlage. Das wäre vermutlich auch bei einem normalen Stopp passiert. Den Titel hat Massa in Ungarn verloren, als ihm der Motor kurz vor Schluss platzte.
Für mich ist das kein Unterschied,wenn Barrichello 10m vor der Linie anhält und Schumacher gewinnen lässt oder ob man einem Fahrer sagt,fahr mal in die Wand. Beides ist nicht im Sinne des Sports. Und was in der DTM abläuft,ist schon gar nicht im Sinne des Sports.Das ist Manipulation auf höchstem Niveau.Leider rennen immernoch zuviele Leute in Deutschland an die Rennstrecke,ich persönlich bestreike sowas.
Will ja nicht den Besserwisser spielen. Aber die Ampelanlage funktionierte einwandfrei. Sie wurde aber aufgrund der SC-Phasen-Hektik (Räikkönen direkt hinter Massa in der Box, alle anderen Autos kamen von hinten) ausnahmsweise von nur einer Person „manuell“ bedient, wobei der Bediener aus Versehen zu früh den Knopf drückte. Dies wäre unter normalen Umständen nicht passiert, weil die Ampelanlage normalerweise erst auf Grün schaltete, wenn der Tankschlauch abgezogen ist.
Im übrigen kann man auch sagen, Massa hat den Titel mit seinen Fehlern in den ersten Rennen weggeworfen. Aber ich vertrete eh die Ansicht, dass der Titel vom letzten Jahr sehr wenig wert ist, weil alle Protagonisten sich aussergewönlich dumm anstellten.
@ DonDahlmann:
gar keine Frage, das will ich gar nicht bestreiten, dass das ein qualitativer Unterschied ist.
Nichtsdestotrotz erschien mir Dein Beitrag vor allem darauf abzuzielen, DASS ein Rennen verschoben wurde, und gar nicht so sehr auf das WIE. Mein Punkt dabie ist allerdings, das ich die Tatsache des Rennen-Verschiebens gar nicht für so erschreckend neu halte, sondern eben WIE es in diesem Fall gemacht wurde.
Im gleichen Sinne lese ich auch Deinen Kommentar, insofern mag der Beitrag vielleich anders bei mir angekommen sein als beabsichtigt.
@ Ich:
Wie schon oben gesagt – das ist genau mein Punkt. Es gab immer Teamorder, und sie hat schon des öfteren zu verschobenen Rennen geführt. Dabei waren im Übrigen nicht immer nur Teamkollegen betroffen, sondern es kam auch schon zu Situationen wo ein Auto eines Teams durch langsames Fahren ein Auto eines anderen Teams aufgehalten hat, und so der eigene Teamkollege Vorteile hatte.
Ich zielte mit meinem Kommentar darauf ab, dass dieses Verhalten von Renault eben um ein Vieles schwerwiegender ist als eine „normale“ Teamorder. Das kam mit im Artikel nicht so raus.
Ich habe keine Probleme weiterhin F1 zu schauen, denn man hat diesen fall erkannt und wird reagieren! Wenn man überlegt, sowas ist im radsport z.B. vollkommen undenkbar.
Das hat IMHO eine völlig andere Dimension. Stallorder in einem Team aus zwei Wagen (also nicht wie in der DTM, wo die ganze Serie aus zwei Ställen besteht) halte ich für legitim, F1 ist (auch) ein Mannschaftssport, in dem auch die beiden Fahrer als Team zu agieren haben.
Ein „taktischer Crash“ ist aber ein anderes Ding, das ist viel zu gefährlich, was wäre denn wenn rumfliegendes Zeug irgendwen verletzt hätte? Da ist einfach eine Linie überschritten worden. Das hätte ich nicht für möglich gehalten, so ein Risiko für andere einzugehen wg. eines ordinären GP-Sieg.
Piquet-Juniors Rolle kommt mir bei den Betrachtungen aber zu kurz, er hätte einfach „nö“ sagen können. Den werden wir hoffentlich auch nicht mehr in einem F1-Auto sehen, wie rückgratlos muss man sein um so etwas mitzumachen?
also, wie schon von Janw gesagt sind wir deutlich besser dran als der Radsport wo über jahre systematisch mit illegalen mitteln die fahrer gedoped wurden. hier handelt es sich um einen singulären fall – das ist gut, gesammtgesehn muss man trotzdem sagen das es für den Sport natürlich (man verzeihe mir die ausdrucksweise) SCHEISSE ist. zu einem gewissen teil möchte ich da auch der FIA eine mitschuld geben, für die wirklich beknackte safety-car regelung und die tatsache das man da nicht früher reagiert hat, als man schon einige rennen vorher an heitfeld zb sah wie ungerecht das ist.
ps.: noch ne anmerkung zum radsport, kann man da nicht doping legalisiren? und dann noch den namen des jeweiligen mittels auf die trikots drucken -> prima vermarktung. :)
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