Mittelschweres Erdbeben bei Renault – offenbar haben Briatore und Symonds das Rennen im letzten Jahr doch verschoben. Jetzt müssen sie die Konsequenzen tragen.
Sensationelle Wendung im Fall Renault vs. Briatore vs. Piquet jr. In einer dünnen Mitteilung hat Renault so eben die sofortige Trennung von Flavio Briartore und Pat Symonds bekannt gegeben. Gegen das Team läuft eine FIA-Untersuchung, weil man angeblich Nelson Piquet jr. beim letztjährigen Rennen in Singapur angewiesen hat, zu einem bestimmten Zeitpunkt den Wagen an einer Stelle in die Wand zu setzen, was eine Safety Car Phase auslösen musste. Zu diesem Zeitpunkt profitierte als einziger Fernando Alonso, da dieser genau eine Runde vorher an der Box gewesen war. Alonso gewann das Rennen bekanntermaßen. Nach dem Rauswurf in Ungarn 2009 machte die Familie Piquet die Sache publik und übergab der FIA Beweise für die Absprache. Offenbar hat sich Renault nun entschlossen, einen Schlußstrich zu ziehen und entlässt nun die beiden Verantwortlichen des Teams. Es bleibt allerdings noch die Frage zu klären, wie viel Alonso von der Absprache wusste.
Renault wird die Anschuldigen vor dem Weltrat nicht bestreiten. Offenbar ist man im Hintergrund bemüht, einen Handel zu machen, damit das Team nicht für die restliche Saison und auch für die nächste gesperrt wird. Sollte Renault nachweisen können, dass es sich nur um eine Absprache zwischen Briatore und Symonds gehandelt haben soll, dürfte die Opferung der beiden sicher etwas bringen. Wenn es Beweise gibt, dass weitere Teammitglieder involviert waren, dürfte die Sperre und eine saftige Geldstrafe nicht zu umgehen sein.
Die Frage ist auch, was Renault jetzt generell macht. Es gibt seit Wochen die Gerüchte, dass man sich als Teambesitzer zurück ziehen möchte, als Motorenlieferant aber bleibt. Sofort nach der Entlassung meldete F1 Scoop, dass Dave Richards und Alain Prost das Team übernehmen könnten. Wobei ich mir auch nicht vorstellen kann, dass die Kombi Richards/Prost funktionieren könnte.
Es ist wirklich im höchsten Maße unsportlich, was da getrieben wurde, da die Aktion von Briatore und Symonds eventuell auch die Weltmeisterschaft entschieden haben könnte. Man ist aus der Formel Eins viel gewöhnt, aber das hat eine ganz neue Dimension. Es ist widerlich und enttäuschend, scheint aber zur Person Briatore zu passen.

11 Kommentare
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Gebe dir Recht, die ganze Sache ist widerlich und enttäuschend.
Das man sich an der Person Briatore reiben kann, ist auch klar. Aber der letzte Halbsatz klingt mir zu sehr nach Vorverurteilung. Es gab in der Vergangenheit sicherlich schon einige Aktionen bei denen er unmittelbar als Teamchef beteiligt war. Spontan fällt mir die Tankaffäre und die schwarze Flaggensache in Silverstone in den 90ern ein. Aber andere Teams haben in den letzten Jahren auch schon krumme Dinger gedreht.
Mit dem Renault-Statement ist für mich die Frage geklärt. Mir fehlt nur noch ein Puzzleteil: Warum hat man Piquet mitten in der Saison rausgeworfen, wo er doch ganz offenbar brisante Informationen hatte? Kam Briatore damit einem Wunsch der Renault-Bosse nach, die ja garantiert nichts von Singapur wussten?
Da stimme ich „Ich“ zu, die Entlassung wäre aus der Sicht schön blöd gewesen, weshalb ich auch nicht wirklich an die Sache glaube. Zumal der sehr frühe Zeitpunkt auch alles andere als ideal gewesen wäre. Manchmal sieht einfach die Beweislage so ungünstig aus, dass man sich auch im Unschuldsfall nicht sicher sein kann und dann eben lieber das kleinere Übel wählt.
So dramatisieren würde ich die Sache zudem auch nicht, wir hatten doch schon eine Menge solcher Sachen, auch ein Michael Schumacher hat seinen ersten Titel nach Mauerkontakt durch einen Rammstoß gewonnen und wollte die Monaco-Quali türken, als er eigentlich schon alles gewonnen hatte was es zu gewinnen gab…
Bei wem (Schummel-)Schumi sein Handwerk in der Formel 1 gelernt hat, wissen wir ja…
Und das eigentlich „Dramatische“ an der aktuellen Sache ist in meinen Augen, dass dabei bewusst gesundheitliche Beeinträchtigungen des eigenen Fahrers, der anderen Fahrer und der Streckenposten in Kauf genommen wurde. Für mich ist das deutlich schlimmer (und härter zu bestrafen) als z.B. die Spionageaffäre vergangenes Jahr.
Jetzt verstehe ich auch den Funkspruch nach der Safetycar-Phase an Alonso: „Mach dich bereit, wir werden eine Strafe bekommen“. Völliger Unsinn war das ja, da Alonso klar vor der Safetycar-Phase getankt hatte – logischerweise.
So wollte man vielleicht der Welt mitteilen, dass das auch fürs Team unübersichtlich war.
Ich muss schon sagen: War damals alles eine schauspielerische Meisterleistung.
@ Ich:
Ich denke, sie waren sich sicher, daß Piquet sich nicht selbst beschädigen würde.
Das hat er jetzt getan und trotz aller Aufklärung will ich ihn nie wieder in einem Rennwagen sehen. Dafür kam die Aussage viel zu spät.
Wenn sie sich da so einfach sicher waren, dann waren sie aber sehr naiv. Und wenn Piquet auch mit allem anderen recht hat, dann haben wir vielleicht nie sein wahres Potential gesehen.
also
man kann über piquet jun. sagen was man will, aber als die zeit gekommen ist hat er sich hingestellt und die wahrheit gesagt. inwieweit er das nicht früher konnte (psychisch zu belastet war, da er ja auch in briatores haus wohnte etc etc) weiss man nicht so genau. fakt ist wenn dein lebenstraum F1 fahren ist und du aber beruflich und privat zu abhängig von der person bist die das für dich möglich macht(briatore war ja manager + teamchef für NPJ) dann kann das psychologisch schon zu komischen seiteneffekten kommen. (vgl.: doppelbindungstheorie) aber: ( und da wiederhole ich mich gerne) als die zeit gekommen wahr hat sich piquet hingestellt und ausgepackt – und das bevor er die immunität zugesichert bekommen hat. er ist ein junger mann. er hat einen fahler gemacht – und nun steht er dafür gerade. ich finde das hat auch respekt verdient.
p.s.: wenn nacher rauskommt das piquet versucht hat briatore damit zu erpressen und erst als briatore sich nicht hat erpressen lassen zur FIA gegangen ist revidire ich meine meinung natürlich…
also die ganze Geschichte ist natürlich der Hammer. Ich rechne dennoch mit einer heftigen Strafe (kompletter Punkteverlust + event. Ausschluss für 2009 + Geldstrafe) für Renault. Auch wenn die Initiatoren Briatore und Symonds waren, trägt Renault die Verantwortung.
Woran ich aber auch glaube ist, dass der Piquet-Clan Briatore erpresst hat und gedroht die Sache öffentlich zu machen. So lässt sich auch die erste Reaktion von Briatore erklären.
Seien wir auf die Anhörung gespannt. Wer weiß, was da noch alles ans Licht um „Crashgate“ kommt.
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