Die Strecke:
Wenn man denkt, man hat alles an kranken Strecken aus Europa und Amerika gesehen, dann sollte man mal nach Australien gucken: Denn dort gibt es den Mount Panorama Circuit. Die (Teilzeitrenn)strecke ist der absolute Wahnsinn und würde so heute auf keinen Fall mehr gebaut werden. Beispiele gefällig: Über die „Hell Corner“ kommt man auf die „Mountain Straight“, eine 1 Kilometer lange Gerade, die zuerstmal abfällt – die Strecke hat 174 Meter (!) Höhendifferenz – und an deren Ende man jetzt Auslaufzone erwarten könnte. Diese besteht aus einer Betonwand. Kein Kies, keine Wiese , gefühlte 2 Meter Asphalt. Wer sich hier verbremst, darf sich die Front seines Autos fast immer runderneuern lassen.
Für die anderen Streckenteile zitiere ich aus der sehr schönen letztjährigen Vorschau vom Kollegen Stefan Tegethoff (http://www.racingblog.de/2009/10/09/v8-supercars-bathurst-1000/ ) :
Auf 23 Kurven kommt man bei üblicher Zählweise, und es gibt eben auch das, was man auf modernen Strecke so oft vermisst: klangvolle Namen, die Geschichten erzählen. Die erste Kurve ist die 90°-Links „Hell Corner”, den Berg hinauf durchfährt man unter anderem „The Cutting”, „Reid Park” (benannt nach dem damaligen städtischen Ingenieur Hughie Reid, der dafür Sorge getragen hat, dass die Touristen-Straße auf den Berg so gebaut wurde, dass man dort auch Rennen fahren kann), „Sulman Park” und „McPhillamy Park” (nach der Familie, der mal ein Großteil des Geländes gehört, das heute Park und Rennstrecke beheimatet). Der Gipfel nennt sich „Brock’s Skyline” (ursprünglich nur Skyline, aber man fügte später den Namen des berühmten neunfachen Siegers Peter Brock hinzu), danach geht’s bergab durch die „Esses”, von denen wohl der berühmteste Abschnitt „The Dipper” ist; es folgen „Forrest’s Elbow” (benannt nach einem Motorradfahrer, der sich in dieser Kurve bei einem Sturz den Ellbogen verletzt hat) und die ewig lange „Conrod Straight” (die heißt tatsächlich so, weil da dem Fahrer Frank Kleinig ein Pleuel, also connection rod oder kurz con-rod kaputt gegangen ist).
Seit 1938 werden hier Rennen gefahren und es gab in dieser Zeit nur eine einzige wesentliche Änderung an der Streckenführung. Die Conrod Straight war bis 1986 ganze 2,1 Kilometer lang. Im Jahre 1987 wollte man die neue Tourenwagen-Weltmeisterschaft in Bathurst fahren lassen. Diese unterstand der FIA, die aber keine Geraden von über 1,5 Kilometern Länge erlaubte, sodass man eine Kurvenkombination einbauen musste: „The Chase” wurde hinzugefügt, bestehend aus einem heute mit 300 km/h gefahrenen Rechtsknick und einer darauf folgenden anspruchsvollen Links-Rechts-Kombination – ein durchaus gelungener Umbau.
„The Chase” ist neben „McPhillamy Park” eine von nur zwei Streckenabschnitten mit ausreichenden Kiesbetten
Diese Streckenbauweise ist natürlich auch verdammt gefährlich. Schwere Unfälle sind bedauerlicherweise bei dem Rennen keine Seltenheit. Dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man sich das Rennen anguckt, und auf ein Rennen ohne schlimmere Zwischenfälle hoffen. Denn diese provoziert die Strecke durch ihre an einen Berg angelehnte Bauweise und damit schwer einsehbare Kurven und sehr nahe Mauern.
Das Rennen:
Es ist ein Langstreckenrennen über 1000km, daher auch der Name Bathurst 1000, was einer Rundenanzahl von 161 entspricht. Es ist DAS Rennen, des australischen Motorsports, dort unten auch einfach nur bekannt als „The Great Race“, 52 Ausgaben gab es bisher. Das Event findet im Rahmen der australischen V8-Supercars-Meisterschaft statt. Pilotiert werden die 31 Wagen (modifizierte Ford Falcons oder Holden Commoderes) während des Rennens von 2 Piloten.
Die Fahrer:
Sie kommen natürlich hauptsächlich aus der australischen V8-Meisterschaft, aber einige Gaststarter sind auch dabei. Zu den Bekanntesten zählt sicherlich Ryan Briscoe, der ja sonst in der Indycar Series für Roger Penske fährt. Er wird zusammen mit Andrew Thompson für das Bundaberg Red Racing Team an den Start gehen. Das Auto trägt die Nummer 10. Das zweite Auto dieses Teams (#24) wird pilotiert von Fabian Coulthard, der ein Cousin David Coulthards ist und Craig Baird. Craig Bird ist ein sehr erfolgreicher Tourenwagenfahrer in Neu-Seeland und gewann dort unter anderem den Porsche GT3 Cup und die neuseeländische V8-Meisterschaft.
Auch dabei ist David Brabham, dieses Jahr Klassensieger in Le Mans, der es nach seinem letzten Einsatz 2005 wieder versucht. Zusammen mit dem erfahrenen Tourenwagenfahrer Alex Davison wird er das Auto mit der Nummer 4 von IRWIN Racing pilotieren.
Als eines der Favoriten-Autos gilt sicherlich die Startnummer 1 vom Team Vodafone, ein hochkarätig besetztes Fahrzeug: Jamie Whincup, der das Rennen 2006, 2007 und 2008 gewann wird zusammen mit Steve Owen, der noch keine besonderen Erfolge vorzuweisen hat , versuchen das Rennen ein viertes Mal zu gewinnen. Auf keinen Fall zu unterschätzen ist auch das zweite Vodafone Auto mit der Startnummer #888, pilotiert von Craig Lowndes, 4-maliger Sieger des Rennens. Interessant ist, dass er 3 seiner 4 Siege mit Jamie Whincup zusammen erringen konnte, man sie in diesem Jahr aber in unterschiedlichen Autos fahren lässt. Unterstützt wird Craig Lowndes von Mark Skaife, 5(!)-maligem Sieger des Bathrust 1000. Vom Papier her sicherlich das stärkste Auto.
Nicht zu vergessen sind allerdings auch die 2 Autos vom Team Toll Holden Racing, die die Vorjahressieger, dieses Jahr in getrennten Fahrzeugen beinhalten. Zuerst wäre da die #2, pilotiert von Garth Tander. Der zweite Fahrer ist Cameron McConville, der schon seit vielen Jahren in der V8-Series fährt, die ganz großen Erfolge blieben ihm allerdings bisher verwehrt. Das zweite Auto ist die #22 mit Vorjahressieger WIll Davison. Sein Partner ist David Reynolds, der erst seit letztem Jahr regelmäßig in der V8-Meisterschaft unterwegs ist.
Ebenfalls gut bestetzt ist die Startnummer 5 mit Mark Winterbuttom und Luke Youlden vom Orcon Steel Team. Winterbuttom ist ein erfolgreicher Fahrer in der V8-Meisterschaft. Die letzten 4 Jahre war er immer in den Top 5 der Meisterschaft.
Mein persönliches „Dark Horse“ ist die Nummer 55, die von Greg Murphy und Allan Simonsen pilotiert wird. Greg Murphy ist 4-facher Bathrust 1000 Sieger.
Die Übertragung:
MotorsTv überträgt das komplette Event live von 22.00 Uhr bis 9.00 Uhr unserer Zeit. Da der Rennstart erst um 1 unserer Zeit ist (ohne Gewähr !), sieht es so aus als würde man die Rahmenrennen und das Pre-Race Prozedere mit übertragen. Da aber kaum noch jemand MotorsTv empfängt, muss man entweder auf die üblichen Quellen hoffen, oder darauf ,dass das Rennen auf der offiziellen Website http://www.v8supercars.com.au/ gestreamt wird, was allerdings mit etwas Pech „Geoblocking“ beinhalten dürfte, das heißt man braucht eventuell eine australische IP…

5 Kommentare
Zur Einstimmung auf das was man heute sehen wird:
Hier mal Greg Murphys Pole Lap aus dem Jahre 2003 welche den bis heute gültigen Rundenrekord darstellt: http://www.youtube.com/watch?v=FruFn6iMUuE&feature=related
Ist ja schon Geschichte…
http://www.youtube.com/watch?v=ZLoJLL7I30Q
Ich finde die Serie ist einer der Besten die es gibt.
Dann kann man auch mal sehen was man aus einer 2 Markenmeisterschaft so alles machen kann im Vergleich zur DTM.
Meine Lieblingsstrecke bei „DTM Race Driver 3“! ;-)
@Arne: Kerle, was hab ich auf der Bahn Autos zerlegt. Die Streckenführung ist echt krank.
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