Charles Leclerc hat sich in Italien unsterblich gemacht. Seine Fahrt an der Spitze war weltmeisterlich.
Wer als Ferrari Pilot in Monza gewinnt, der wird in Italien quasi heilig gesprochen. Ascari, Farina, Hill, Surtees, Scarfiotti, Regazzoni, Scheckter, Berger, Schumacher, Barrichello, Alonso. Das sind die Namen sind derjenigen Fahrer, denen das Kunststück gelang in einem Ferrari in Monza zu gewinnen. Charles Leclerc ist nun auch Mitglied in diesem exklusiven Club. Und das zurecht. Der Monegasse brillierte am Wochenende und lieferte eine weltmeisterliche Fahrt im Rennen ab. Mal abgesehen von den kurzen VSC-Phasen hatte er zu keiner Zeit mehr als zwei Sekunden Vorsprung und stand permanent unter Druck. Er musste Angriffe von Hamilton abwehren, er wusste, dass Bottas mit besseren Reifen schnell näher kommen wurde. Leclerc und auch Ferrari wehren die Angriffe ab, sei es auf der Strecke oder an der Box. Kein Wunder, dass der Sieg dann am Ende so überschwänglich gefeiert wurde.
Ferrari hatte klar das beste Auto in Monza. Vielleicht nicht in allen Passagen, aber in den wichtigen Bereichen schon. Der Topspeed des Ferrari war unglaublich. Selbst, als Hamilton rund 5 Zehntel hinter Leclerc hing und DRS hatte, kam er nicht am Ferrari vorbei. Meist blieb der Abstand sogar stabil. Der Mercedes ging zwar besser als gedacht, vor allem in der Quali, blieb aber diese ein oder zwei Zehntel dann doch langsamer. Es war ein Kampf auf Messers Schneide. Und der junge Leclerc behielt die Nerven. Egal, was er noch in der F1 macht oder erreicht, mit diesem Sieg hat er sich in Italien zur Legende gemacht.
Dabei war die Ausgangslage für einen Sieg nicht sonderlich gut. Nach dem Dreher von Vettel war Leclerc vorne alleine vor zwei Mercedes, die den Vorteil hatten, dass sie ihre Strategie splitten konnten. Das erste Renndrittel zeigte, dass der Undercut nicht funktionieren würde. Der Overcut bot Chancen, aber nur schmale. Eine Möglichkeit für Mercedes wäre es gewesen Hamilton zu stoppen nach dem Leclerc drin war und Bottas draußen zu lassen. Eine andere Variante: Hamilton deutlich früher rein holen, Bottas fahren lassen, bis Leclerc aufläuft. Allerdings scheute Mercedes das Risiko Hamilton auf die ganz harte Mischung zu setzen, was die strategischen Möglichkeiten einschränkte. Man entschied sich für die erste Variante, um zwei Pfeile im Köcher zu haben.
Für Ferrari war die Lage einfacher. Man konnte die Strategie vorgeben und einfach das machen, was dem Auto am besten passte. Die Entscheidung für die Hard war dann etwas überraschend, vor allem, weil es relativ kühl war und man weiß, dass der Ferrari schwierig ist, wenn es um die Reifentemperatur geht. Aber Monza hat seine Besonderheiten und die Belastung der Reifen ist hoch genug.
Die Art und Weise, wie sich Leclerc gegen Hamilton zur Wehr gesetzt hat, stieß allerdings nicht überall auf Gegenliebe. Die britische Presse sprach von „harten Manövern“ für die andere bestraft worden wären. Tatsächlich gab es zwei Momente, die man kritisch sehen kann. Beide vor der zweiten Schikane. Einmal ließ der Ferrari Pilot Hamilton verdammt wenig Platz und zwang ihn in den Notausgang, ein anderes mal wechselte er auf den letzten Drücker noch mal die Spur. Die Rennleitung sah da keine Probleme. Wenn Magnussen das mit Norris gemacht hätte… Meiner Meinung nach war es hart an der Grenze, aber noch vertretbar.
Die Ferrari Party wurde allerdings durch das miserable Rennen von Vettel gestört. Der Deutsche leistete sich mal wieder einen seiner Fehler und warf das Auto ohne Not in der Ascari in einen Dreher. Wenn das der erste Fehler von ihm gewesen wäre – geschenkt. Aber seine Fehlerquote der letzten 18 Monaten ist nicht mehr entschuldbar. Wäre er ein Nachwuchsfahrer bei Red Bull, würde die Diskussion lauten, ob er noch lange im Team bleiben wird.
Vettel kostet das Team mittlerweile wichtige Punkte. Und Ferrari Boss Louis Camilleri ließ bei SkyUK auch durchblicken, dass der Deutsche auch nicht mehr die unangefochtene Nummer Eins sei. Man sei mit dieser Einstellung in die Saison gegangen, aber die Dinge würden verändern, je nachdem, wie eine Saison verlaufen würde.
Warum sollte Ferrari auch weiter auf Vettel setzen? Der Newcomer Leclerc liegt in allen Belangen vor dem Deutschen. Er hat mehr Punkte, mehr Siege und auch in der Quali liegt er mittlerweile hinter seinem Teamkollegen. Der Sieg von Leclerc in Monza wird innerhalb des Teams auch dafür sorgen, dass sich die Mannschaft eher hinter dem Monegassen versammelt, als hinter Vettel.
Der ehemalige Weltmeister muss dringend etwas unternehmen, wenn er gegen Leclerc nicht völlig untergehen will. Sein Vertrag mit Ferrari läuft noch bis Ende 2020 und die Chancen, dass er zur Nummer 1b wird, stehen nicht schlecht. Zumindest so lange, wie er nicht endlich mal wieder gewinnt.
Hinter den Top Drei reihte sich etwas überraschend Renault ein. Mit denen hatte man überhaupt nicht gerechnet, aber die Franzosen waren vom ersten Training an schnell. Was genau bei Renault passiert ist, ließ sich nicht genau feststellen. Sowohl Ricciardo als auch Hülkenberg sprachen von einer Summe von Veränderungen über die letzten Monate, die nun zum Tragen gekommen sein. Aber das kam schon so ein bisschen aus dem Nichts, zum Mal der McLaren auf den schnellen Strecken bisher das bessere Auto war.
Aber die Briten taten sich ziemlich schwer. Norris verpasste Q3, Sainz konnte im Rennen nicht mit den Renault mithalten und fiel am Ende nach einem Fehler seiner Boxenmannschaft mit einem losen Rad aus. Immerhin rettete Norris noch einen Punkt auf P10. Vor ihm lagen Giovinazzi, Verstappen, Perez und Albon.
Die Red Bull gingen in Italien ein bisschen unter. Verstappen nahm einen Motorwechsel in Kauf und startete von ganz hinten. Dabei kam beim Start ins Getümmel und beschädigte sich den Frontflügel, was ihn noch weiter zurückwarf. Albon qualifizierte sich nach der Farce in Q3 (alle wollten Windschatten, was dazu führte, dass keiner schnell genug die letzte Runde zurücklegen legte und es so keine Zeitverbesserungen gab) nur auf P8 und hatte zudem einen schlechten Start. Er fiel auf P11 zurück, kämpfte sich dann wieder etwas nach vorne, nur um dann erst hinter Giovinazzi und dann hinter Sainz zu klemmen. Für Verstappen ging es dank der Strategie etwas zügiger nach vorne, aber man konnte sehen, dass die Highspeed Orgie in Monza nicht gerade Sache der Red Bull ist.
In der WM ist die Sache klar. Mercedes hat 154 Punkte Vorsprung in der Team-WM, Hamilton nun 99 Punkte Vorsprung auf Verstappen und 96 auf Leclerc. Bei noch sieben ausstehenden Rennen müsste der Brite schon dreimal ausfallen, damit Verstappen überhaupt in seine Nähe rutschen würde. Bottas hat „nur“ 63 Punkte Rückstand, ist aber halt auch nur die 1b im Team.
Dennoch werden die nächsten Rennen interessant. Singapur könnte die Red Bull richtig gut laufen, die sind da Siegkandidaten. Russland wird eng zwischen Ferrari und Mercedes, die Deutschen dürften aber in Suzuka vorne liegen. Mexiko ist wieder eine Sache für Ferrari oder Red Bull, Brasilien und Abu Dhabi sind Rennen, die völlig offen sind. Und Geschichten hat die Formel Eins ja auch zu erzählen, wenn der WM-Titel schon vergeben ist.
Bilder: Daimler AG, Ferrari, Racing Point, McLaren F1, Alfa, Renault Sport, HaasF1, Williams F1



















5 Kommentare
Leclercs „harte Manöver“ zeigen wieder einmal mehr ein schon etliche Jahre andauerndes Problem in der F1: Regeln sind das eine, ihre Anwendung sind was ganz anderes. Da ist einfach keinerlei Konsistenz, weder von Rennen zu Rennen noch innerhalb eines Rennens. Es gibt aktuelle bestehende Regeln und Vereinbarungen, die Leclercs Manöver klar und deutlich jenseits der roten Linie platzieren (das gute alte „forcing another car off the track“ und alles was da noch an „aggressive maneuvre“-Variationen dranhängt, sowie das gute alte „zick darfste machen, zack nicht mehr“ bei der Positionsverteidigung). Theoretisch. Aber mal werden Regeln nicht angewandt weil ständig wechselnde Stewards und deren beratende (Ex-)Fahrer ständig unterschiedlich interpretieren und sich ergo ständig unterschiedlich entscheiden ob und wenn ja was und wie hart sie bestrafen, mal wird auf Weisung „für die Show“ auch einfach gerade viel durchgehen gelassen weil man als F1 jüngst zuviele negative Schlagzeilen kassiert hat (nicht zuletzt z.B. nach der Bullshit-Strafe gegen Vettel in Montreal) – was die Fahrer ja eigentlich auch so wollen („lasst uns doch einfach fahren“), was natürlich trotzdem niemanden davon abhält, sich lächerlich zu machen indem man am Funk rumheult über die bösen dummen unfähigen anderen Fahrer. Und dann ist da natürlich auch noch die Frage, inwieweit man überhaupt eine Strafe gegen Ferrari in Monza aussprechen kann wenn man anschliessend noch unbeschadet das Land verlassen können will.
Das Q3-Problem hast Du ja nur kurz angeführt. Habt ihr eigentlich noch Hintergrundinfos, was es da an möglichen Ideen bei Liberty Media gibt, mit denen man in 2020 evtl. bei einzelnen Rennen experimentieren möchte um ggf. dann den Ablauf eine Rennwochenendes für 2021 zuändern? Das wäre spannend zu sehen, was da so diskutiert wird. Eine Idee war ja wohl evtl. den Freitag komplett zu streichen.
Hinsichtlich des Qualifings und der möglichen Staubildung, die wir ja schon in Spa und auch in Q2 in Monza in Ansätzen gesehen haben, wäre der Vorschlag von Kubica für ein Einzelzeitfahren doch eine Idee, die man in meinen Augen weiter verfolgen sollte.
Vielleicht auf allen schnellen „Windschatten-Strecken“ mit sehr langen Geraden wie Baku, Spa, Monza (Vietnam ?) zumindest das Q3 als Einzelzeitfahren durchführen? Da würde dann zumindest eher das wahre Leistungsvermögen von Fahrer/Wagen/Team erkennbar. Sowas macht dann natürlich mehr Gerangel im Q2 wahrscheinlich.
Eine bessere Alternative wäre vielleicht sonst eine generelles Einzelzeitfahren für das Qualifing bei diesen Rennen, wobei sich die Reihenfolge z.B. aus den Zeiten im letzten Freien Training. Drei Gruppen führen dann hintereinander ihr Zeitfahren aus. Die ersten zwei Gruppen qualifizieren sich auf die ungeraden bzw. geraden Startplätze ab Platz 11 bzw. 12 (also Q1 für die Plätze 11-13-15-17 uw. und Q2 für die Plätze 12-14-16-18 usw.) und die Top 10 dann im Q3 um die vorderen Startplätze 1-10 im Einzelzeitfahren.
Probleme mit wechselnden Wetterverhältnisse innerhalb dieses Zeitraums würden damit zumindest minimiert.
@nona: Aber es ist doch schon recht konsistent momentan… In Österreich hat man das erlaubt, in Silverstone wurde es angenommen und in Spa ebenso und jetzt halt auch in Monza. Ich sehe da momentan schon eine einheitliche.
@Heiko: Q3 ändern, wieso? Die Teams haben ALLE roundabout 5 Minuten dumm in der Box gestanden. Wenn ich, und es wusste selbst Oma Erna wie das am Ende wird, auf die bekannte Problematik nicht vorher meine Fahrer rausschicken, bin ich doch selbst schuld und verdiene es auch nicht anders.
…. Ein Einzelzeitfahren war damals schon sehr unattraktiv ….
Alternativ: Delta-Zeit für die Outlap. Aber ich sehe keinen Handlungsbedarf. Q3 ist lang genug und die 6 Teams hätten mit ihren 10 Fahrern das in der Zeit handlen können. Wenn abe
@ Don Lec hat 102 Punkte Rückstand.
@Rennen Für mich der größte Beschiss den ich in der F1 je gesehen habe. Das was Lec gemacht hat ist ne klare Strafe und jeder andere Fahrer hät auch eine bekommen. 1. Hamilton abgedrängt.2. Abgekürzt und anschliessend vor Hamilton zick zack gefahren. Die 3 Sachen zusammen sind meiner Meinung nach ne klare Strafe wert.Und egal auf welche Strecke man fährt ,man sollte die Regeln immer gleich anwenden.Nur weil ein Ferrari in Monza führt hat er Narrenfreiheit und so die WM noch etwas spannend bleibt? So brauch sich die F1 nicht wundern das ihnen die Zuschauer weg laufen.
@Xenic:
Es ist „konsistent“ (wenn man das so nennen will) genau seit Kanada, und dem dort verursachten öffentlichen Aufschrei ob der Strafe gegen Vettel. Seitdem wird kaum noch irgendwas spürbar bestraft (aber wenn dann was mal bestraft wird, ist die Schwere derStrafe mMn auch wieder hochgradig uneinheitlich). Man will „Racing“, „Driving Standards“, aggressives Verteidigen und aggressives Angreifen, ganz eindeutig nicht mehr so wie eigentlich vorgesehen sanktionieren. Aber auch da wird das Stewarding-Problem der F1 deutlich, denn das wurde eigentlich nicht kommuniziert. Die Regeln, Abmachungen und vorgesehenen Strafen stehen im Prinzip nach wie vor, da ist nichts gestrichen worden. Man duckmäusert so’n bisschen rum und wendet sie im Moment halt nicht an, um nicht noch mehr Kritik und schlechte Presse zu kassieren. Bis sich irgendwann ein „wichtiger“ Fahrer oder ein „wichtiges“ Team hinreichend laut beschwert wenn ihnen in die Karre gefahren wurde. Das ist alles sehr Wischi Waschi, und wenig mehr als nur eine neue Geschmacksrichtung im uralten Potpourri namens „die F1 und ihr Regelkatalog“…
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