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BTCC: Saisonvorschau 2019

von Sebastian Focks
1 Kommentare 19 minutes read

Brexit hin, Brexit her – für uns Motorsportsüchtigen steht das Vereinigte Königreich auch 2019 wieder ganz hoch im Kurs. Am kommenden Wochenende startet die britische Tourenwagenmeisterschaft BTCC in ihre neue Saison und wie üblich werfen wir einen Blick auf das Fahrerfeld 2019, den Kalender und alle weiteren wichtigen Infos, um Euch auf die Saison einzustimmen.

30 Autos, und damit ein erneut volles Starterfeld, machen sich am 7. April auf die Jagd nach dem BTCC-Titel 2019. Zu den erklärten Top-Favoriten gehören unter anderem der amtierende Champion Colin Turkington, Vizemeister Tom Ingram, die ehemaligen Champions Matt Neal, Andrew Jordan und Ashley Sutton, Jack-Sears-Trophy-Champion Dan Cammish und der im Vorjahr sehr konstante Tom Chilton. Mit Josh Cook, Chris Smiley, Tom Oliphant und Senna Proctor finden sich 2019 zudem vielversprechende Talente in neuen Autos. Und dann ist da noch Jason Plato, der nach einem weiteren frustrierenden Subaru-Jahr in ein frontgetriebenes Auto zurückkehrt und die Speerspitze des Vauxhall-Teams bildet.

West Surrey Racing, BMW 330i M Sport

Colin Turkington (GBR) WSR BMW

Vorjahresmeister Colin Turkington bleibt seinem Team treu und verteidigt seinen Titel am Steuer eines BMW. Statt wie in den letzten Jahren kommen 2019 aber nicht die altbewährten 1er-BMW zum Einsatz, sondern nagelneu aufgebaute Limousinen aus der 3er-Serie. Das 330i im Namen ist dabei natürlich eine kleine, vermutlich aus Marketinggründen erfolgte Mogelpackung: Unter der Haube des neuen Autos verrichtet weiterhin der altbekannte turboaufgeladene Vierzylinder mit reglementsbedingten zwei Litern Hubraum seinen Dienst.

Neu ist auch Turkingtons Teamkollege: Rob Collard hat nach vielen gemeinsamen Jahren mit West Surrey keinen Platz für 2019 bekommen und wird durch Tom Oliphant ersetzt, der vergangenes Jahr eine gute Debütsaison in einem Mercedes von Cicely hingelegt hat. Ein drittes Fahrzeug wird erneut unter der Bewerbung von Pirtek Racing für Andrew Jordan eingesetzt. Jordan ist einer der stärksten Fahrer im Feld, konnte aber seit seinem Titel 2013 nicht mehr ganz an die dominante Leistung seiner Meisterschaftssaison anknüpfen.

Insgesamt muss man West Surrey erneut zu den absoluten Top-Favoriten auf den Titel zählen. Das neue Auto besteht unter dem Blechkleid aus alten und durchweg ausgetesteten Komponenten und sollte von Beginn an konkurrenzfähig sein. Auch fahrerseitig ist man erneut stark aufgestellt. Colin Turkington bleibt zwar die Speerspitze des Teams, aber sowohl Jordan als auch Oliphant, mit dem man Collard mehr als adäquat ersetzen konnte, gehören zum erweiterten Favoritenkreis auf den Titel.

Team Dynamics, Honda Civic Type R

Matt Neal (GBR) Team Dynamics Honda Civic

Alles beim Alten beim Honda-Werksteam: Matt Neal und Dan Cammish pilotieren wie im Vorjahr die beiden Civic Type R. Für beide wird es um nichts weniger als den Titel gehen und dabei wird es spannend zu beobachten sein, ob das Pendel eher in Richtung des Seniors Matt Neal oder des Youngsters Dan Cammish ausschlagen wird. Beide konnten in der vergangenen Saison mit einigen Highlights überzeugen (u.a. Neals eindrucksvolle Vorstellung in Snetterton und Cammishs Doppelpack beim Saisonfinale in Brands Hatch), ließen aber auch an Konstanz vermissen und fielen immer mal wieder aus unerklärlichen Gründen in der Performance stark ab. Dass das im letzten Jahr neu debütierte Civic-Modell nun in seine zweite Saison geht und man folglich auf viele Erfahrungen aus dem Vorjahr zurückgreifen kann, wird definitiv helfen und man sollte beide Hondas von Beginn an an der Spitze erwarten.

Speedworks Motorsport, Toyota Corolla

Zwei Jahre in Folge konnte das kleine Ein-Wagen-Speedworks-Team mit Pilot Tom Ingram nun ein ernsthaftes Wort um die Gesamtmeisterschaft mitreden und sich parallel jeweils den Independent-Titel sichern. 2019 wird man genau da weitermachen wollen, wo man 2018 aufgehört hat, und schickt deswegen den liebevoll „Rocketship“ genannten, aber mittlerweile doch recht betagten Toyota Avensis in Rente. Über den Winter wurde mit der Unterstützung von Toyota Great Britain ein Toyota Corolla als neues Einsatzfahrzeug aufgebaut. Damit einher geht der Aufstieg zu einem Werksteam, der zugleich neue Sponsoren mit an Bord gebracht hat.

Mehr Budget und eine frische technische Basis sollten Pilot Tom Ingram eigentlich genau die Unterstützung verschaffen, die er braucht, um an seine sensationellen Leistungen aus den letzten beiden Jahren anzuknüpfen. Einzige Unsicherheit bildet die Beschränkung auf nur ein Fahrzeug: Positiv daran ist, dass sich alle Kräfte auf Ingram konzentrieren werden, eventuell negativ könnte sich gerade bei einem neuen Auto aber der Verzicht auf teaminterne Vergleichswerte auswirken.

Team BMR, Subaru Levorg

Ash Sutton (GBR) Team BMR Subaru Levorg

Für 2019 hat BMR nur noch zwei Autos gemeldet, nachdem es im letzten noch drei und vor zwei Jahren ganze vier Subarus waren, die man an den Start gebracht hat. Nach einer schwierigen letzten Saison, in der das neue Paket mit neuem Motorenpartner erst spät zum Laufen kam und man nur mit Verspätung in den Meisterschaftskampf einsteigen konnte, wird die Konzentration auf zwei Autos und zwei Fahrer dem Team gut tun. Ashley Sutton bleibt auch für 2019 an Bord und muss auf jeden Fall zu den Titelfavoriten gerechnet werden. Der Champion von 2017 hat sich zu einem der besten und konstantesten Fahrer des Feldes entwickelt, der stets das Maximum aus seinen Möglichkeiten herausholen kann.

Ash Sutton (GBR) Team BMR Subaru Levorg and Senna Proctor (GBR) Team BMR Subaru Levorg

Jason Plato hat nach einem erneut schwierigen Jahr dagegen das Team verlassen und wird durch Senna Proctor ersetzt. Die Fahrerpaarung Sutton und Proctor gehört definitiv zu den interessantesten im Feld und es wird spannend zu beobachten sein, wie sich Proctor im Vergleich zu Sutton schlagen wird. Sein Talent konnte Proctor in den beiden letzten Saisons im Vauxhall-Team immer wieder unter Beweis stellen. Mit dem Wechsel zu BMR sind die Lehrjahre aber nun beendet und Proctor wird sich an seinem starken Teamkollegen messen lassen müssen.

Power Maxed Racing, Vauxhall Astra

Jason Plato (GBR) Power Maxed Racing Vauxhall

Spannend, spannend, spannend kann man da nur sagen. Nachdem Senna Proctor in Richtung BMR abgewandert ist und man überraschenderweise auch den Vertrag mit Josh Cook nicht verlängert hat, hat man sich bei PMR die Dienste von Altmeister Jason Plato und den bei BMW geschassten Rob Collard gesichert. Im letzten Jahr also noch ein an der Fahrerpaarung gemessen sehr junges Team, ist PMR in 2019 so etwas wie die Altherrenmannschaft des Feldes.
Das Ganze ist dabei aus mehreren Perspektiven höchst interessant: Nach zermürbenden Jahren bei Subaru, in denen Kritiker ihm immer wieder vorwarfen, er habe es nicht mehr drauf und sollte besser zurücktreten, kehrt Jason Plato nun an das Steuer eines Fronttrieblers zurück und schlüpft ohne einen störenden Ash Sutton an seiner Seite zugleich in die Teamleaderrolle. Das Auto ist gut und hat im letzten Jahr seine Siegfähigkeit bewiesen. Die Frage ist also: Was kann Plato nun reißen? Macht er seine Kritiker mundtot und geht in die Motorsportanalen als Tourenwagenspezialist ein, der einfach nicht mit heckgetriebenen Autos kann? Oder wird das ganze seine Nemesis und nach 2019 ist dann definitiv Schluss?

Rob Collard (GBR) Power Maxed Racing Vauxhall

Fast das gleiche mag für Rob Collard gelten. Der von vielen als einer der zweikampfstärkten Fahrer im Feld angesehene Collard pilotiert 2019 erstmals nach etlichen BMW-Jahren wieder einen Fronttriebler und fehlte zudem verletzungsbedingt die Hälfte der vergangenen Saison. Kommt Collard von Anfang an gut zurecht und legt seine ausgewiesene Schwäche im Qualifying ab, kann das Ganze für PMR aufgehen, fehlt Collard dagegen der Biss, könnte das schnell zu einer schwierigen Angelegenheit werden.

Aus Teamsicht hat man sich auf jeden Fall zwei mehr als erfahrene Piloten an Bord geholt, die alles auf einer Rennstrecke schon mal erlebt haben und das Auto mit wertvollem Input weiter voranbringen können. Gleichzeitig muss man aber die Frage stellen, ob ein hungriger junger Fahrer à la Josh Cook, Jack Goff oder Dan Lloyd nicht vielleicht eine sinnvollere, zukunftsorientiertere Besetzung für mindestens eines der Fahrzeuge gewesen wäre.

Motorbase Performance, Ford Focus RS

Ollie Jackson (GBR) Motorbase Ford Focus

Tom Chilton ist im vergangenen Jahr fast unauffällig mit durchweg konstanten Punkteresultaten auf den dritten Platz in der Meisterschaft gefahren und geht auch 2019 für Motorbase an den Start. Kann Chilton eine ähnliche Saison hinlegen und seine Leistung noch ein wenig steigern und mehr als einen Sieg holen, mag man ihn auch durchaus mit zum erweiterten Kreis auf den Titel rechnen. Im zweiten Auto ersetzt Ollie Jackson James Cole und hat damit erstmals in seiner BTCC-Karriere siegfähiges Fahrzeugmaterial zur Verfügung. Jackson konnte immer mal wieder in den vergangenen Jahren kleine Ausrufezeichen setzen, gehört aber sicherlich nicht zum Kreis der absoluten Top-Fahrer im Feld.

Nic Hamilton (GBR) Motorbase Performance Ford Focus

Erneut setzt man 2019 ein drittes Auto ein, das im vergangenen Jahr mit Sam Tordoff sehr stark besetzt war. An dessen Leistungen wird sein Nachfolger, BTCC-Rückkehrer Nicolas Hamilton, mit Sicherheit nicht anknüpfen können. Für den jüngeren Bruder von Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton wird es vor allem darum gehen, weiter zu lernen und vom Input seiner erfahrenen Teamkollegen zu profitieren. Neben der BTCC tummelte sich Hamilton in den vergangenen Jahren in diversen Rennserien – u.a. mehrere Saisons im Clio Cup – konnte dabei aber bislang nicht wirklich einen Durchbruch feiern.

BTC Racing, Honda Civic Type R

Chris Smiley (GBR) BTC Norlin Honda Civic

Mein absoluter Geheimtipp auf den einen oder anderen Sieg, den Independenttitel sowie eventuell sogar die Gesamtmeisterschaft ist BTC Racing. Nachdem das Team in den letzten Jahren Stück für Stück aufgebaut wurde, konnten in der vergangenen Saison die ersten Siege gefeiert werden. Für 2019 hat man sich die Vorjahres-Honda-Civic vom Team Dynamics gesichert und verfügt damit über noch mal verbessertes Fahrzeugmaterial als die im Vorjahr eingesetzten Civics der älteren Baureihe. Der sehr überzeugende Chris Smiley bleibt auch 2019 an Bord und bekommt mit Josh Cook einen superstarken Teamkollegen, der weiß, wie man Rennen gewinnt. Man möchte schon fast dazu geneigt sein, das Gesamtpaket bei BTC als mindestens ebenbürtig zum Honda-Werksteam mit Neal und Cammish zu bezeichnen.

Cicely Motorsport, Mercedes Benz A-Klasse

Adam Morgan (GBR) Cicely Racing Mercades A-Class

So gut wie alles beim Alten – und das bedeutet in diesem Fall definitiv nichts Schlechtes – bleibt 2019 beim kleinen Familienteam Cicely. Adam Morgan, der immer mal wieder einen Rennsieg holen kann und auf jeden Fall einer der Top-Favoriten auf den Independenttitel ist, pilotiert auch 2019 die bestens erprobte Mercedes A-Klasse, die in ihre nun schon fünfte Saison geht. Den vom abgewanderten Tom Oliphant freigemachten zweiten Wagen des Teams übernimmt auch 2019 ein vielversprechender Rookie: Daniel Rowbottom hat sich seine Sporen in den vergangenen Jahren im Clio Cup verdient und darf sich nun auf der größeren Bühne beweisen.

Laser Tools Racing, Mercedes Benz A-Klasse

Aiden Moffat (GBR) Laser Tools Racing Mercedes A-Class

Eine dritte A-Klasse wird erneut vom schottischen Moffat-Team für Aiden Moffat eingesetzt. Nachdem man sich über den Winter mit diversen Fahrzeug-Alternativen beschäftigt hat, ist man letzten Endes dem altbewährten Paket treu geblieben, hat sich aber ein Stück weit vom Kooperationspartner Cicely entfernt und die gesamte Fahrzeugvorbereitung und -entwicklung nun ins eigene Haus geholt. Moffat hat mittlerweile bewiesen, dass er Rennen gewinnen kann, muss aber wie in den Vorjahren an seiner Konstanz arbeiten. Ob das parallele Engagement in der neue geschaffenen Touring Car Trophy, für das man sich einen der alten BTCC-Infiniti zugelegt hat, dabei hilfreich ist, wird sich zeigen müssen.

Simpson Racing, Honda Civic Type R

Matt Simpson (GBR) Simpson Racing Honda Civic

Auch Matt Simpson bleibt seinem Fahrzeug aus den letzten Jahren treu und tritt wieder am Steuer eines ehemaligen Werks-Honda-Civics der älteren Baureihe an. Nachdem man sich noch während der letzten Saison vom Partnerteam Eurotech getrennt und den Einsatz des Fahrzeugs fortan selbst übernommen hat, führt man die Rolle des Solisten-Teams auch 2019 fort. Mit seinem Debütsieg und einigen weiteren starken Platzierungen hat Simpson in der letzten Saison seinen Durchbruch gefeiert und wird an die guten Resultate des Vorjahres anknüpfen wollen.

AmD Tuning, Honda Civic Type R

Rory Butcher (GBR) AmD Tuning Honda Civic

Dieses Paket könnte sich zu einem echten Dark Horse entwickeln. AmD Tuning hat die alten MGs aus der Garage geworfen und sich stattdessen die ehemaligen Hondas vom aus der Serie ausgetretenen Eurotech-Team gekauft. Rory Butcher, der im letzten Jahr eine gute Debütsaison hingelegt hat, bleibt als Fahrer an Bord und bekommt als Teamkollegen keinen geringeren als Sam Tordoff. Der ehemalige WSR-Pilot ist einer der besten Qualifikationsfahrer im gesamten Feld und nur viel Pech verhinderte im vergangenen Jahr eine bessere Meisterschaftsausbeute am Steuer des Ford Focus von Motorbase. Mit der Fahrerpaarung und dem Fahrzeugmaterial sollte es für AmD Tuning definitiv einen größeren Schritt nach vorne gehen und der eine oder andere Sieg ist durchaus realistisch. Beim offiziellen Test und Media-Tag in Brands Hatch führte Tordoff die Zeitenliste an.

Trade Price Cars, Audi S3

Mark Blundell (GBR) Trade Price Cars Audi

In Zusammenarbeit mit AmD Tuning setzt das neue Team Trade Price Cars die beiden aus den Vorjahren bekannten Audi S3 ein. Spannender als die Autos, die eher nicht zu den besten im Feld gehören, ist hier die Fahrerpaarung: Ex-Formel-1- und IndyCar-Pilot Mark Blundell gibt nach 16 Jahren sein Comeback im professionellen Motorsport und wird einen der beiden Audis pilotieren. Teamkollege von Blundell wird Jake Hill, der damit leider wieder einmal nicht in einem Top-Auto sitzt, auf den aber auf jeden Fall zu achten sein wird.

Team HARD, Volkswagen CC

Jack Goff (GBR) Team Hard Volkswagen Passat CC

Kommen wir zur Fahrzeugflotte des Team HARD, das erneut vier VW CC einsetzt. Die interessanteste Neuigkeit ist mit Sicherheit die Last-Minute-Verpflichtung von Jack Goff, der nach der Schließung des Eurotech-Teams bis kurz vor Saisonstart noch ohne Cockpit da stand. Mit Goff verfügt das Team über einen Top-Fahrer, der in der Lage sein wird, gute Resultate einzufahren. Dass für Goff ausgerechnet der solide Mike Bushell gehen musste, sorgt dagegen für Verwunderung. Zwei weitere Autos werden von Ginetta-Cup-Vizemeister Carl Boardley sowie von Bobby Thompson pilotiert, der im Vorjahr nicht so recht auf voller Linie überzeugen konnte. Im vierten Fahrzeug nimmt der Ginetta-Cup-Amateurchampion Michael Crees Platz.

Team Parker Racing, BMW 125i M Sport

Stephen Jelley (GBR) Team Parker Racing BMW

Auch wenn WSR zum 3er-BMW wechselt, bleibt uns doch zumindest einer der guten alten 1er-BMW erhalten. Das vor allem aus dem GT-Sport bekannte Team Parker führt den Einsatz des ehemaligen WSR-BMWs mit Pilot Stephen Jelley auch 2019 fort. Vor allem auf Hecktriebler-Strecken wie Croft und Knockhill, wo Jelley im vergangenen Jahr beinahe auf dem Podium gelandet wäre, sind gute Resultate möglich. Ansonsten tat man sich im ersten Jahr mit dem Auto doch eher schwer und wird 2019 hoffentlich von den gesammelten Erfahrungen profitieren können.

Excelr8 Motorsport, MG6

Sam Osborne (GBR) Excelr8 Motorsport MG

Neues Team, neue Fahrer, sehr alte Autos. Excelr8 Motorsport war bislang in der britischen Mini-Challenge aktiv und hat sich die bei AmD Tuning aussortierten Ex-Triple-Eight MGs gekauft. Excelr8, was als Teamname sehr schwer auf der Tastatur zu tippen ist, möchte damit den Einstieg in den Tourenwagensport schaffen und betrachtet 2019 als klares Lernjahr, an dessen Ende man sich nach möglichen anderen Fahrzeugen oder einer Kooperation mit einem Hersteller umschauen möchte. Pilotiert werden die beiden MGs von zwei Rookies: Der langjährige Mini-Challenge-Pilot von Excelr8 Rob Smith bildet mit Clio-Cup-Aufsteiger Sam Osborne die Fahrerpaarung. Anscheinend konnte oder wollte man sich keinen etwas erfahreneren Fahrer reinholen, der hätte helfen können, das Gesamtpaket auf eine solide Basis zu stellen.

Wer fehlt?

  • Dass Eurotech sich wegen Budgetgründen und mangelnder Perspektiven aus der BTCC zurückzieht, wurde bereits zum Ende der vergangenen Saison bekannt. Die BTCC hat damit ein Top-Team, das 2013 sogar den Meistertitel holen konnte, verloren. Die Autos haben wie beschrieben eine neue Heimat bei AmD Tuning gefunden und Teamspitze Jack Goff ist in letzter Minute bei HARD untergekommen.
  • Leider verzichtet auch HMS Racing mit Fahrer Rob Austin und dem erst im letzten Jahr neu eingeführten Alfa Romeo Giulietta auf eine Teilnahme an der Saison 2019. Offenbar hat man sich finanziell ein wenig mit dem neuen Auto verhoben und konnte keine neuen Sponsor-Deals an Land ziehen. 2019 nimmt man mit dem alten Toyota Avensis stattdessen an der neuen Touring Car Trophy teil und plant für 2020 eine mögliche BTCC-Rückkehr.
  • Ohne Fahrerplatz sind für 2019 auch die letztjährigen Piloten James Cole, Dan Lloyd, Mike Bushell und Sam Smelt. Auch Mat Jackson hat überraschenderweise erneut keinen Platz für 2019 gefunden.

Kalender und Rennwochenenden

Bis auf zwei Änderungen bleibt der Kalender 2019 unverändert. Croft und Oulton Park tauschen die Plätze und nach dem Verkauf der Strecke von Rockingham wird es dort 2019 keine BTCC-Rennen geben. Stattdessen findet Ende August eine weitere Veranstaltung auf dem Highspeed-Kurs von Thruxton statt.

1 | Brands Hatch Indy Circuit, 6. – 7. April
2 | Donington, 27. – 28.  April
3 | Thruxton 1, 18. – 19. Mai
4 | Croft, 15. – 16. Juni
5 | Oulton Park, 29. – 30. Juni
6 | Snetterton, 3. – 4. August
7 | Thruxton 2, 17. – 18. August
8 | Knockhill, 14. – 15. September
9 | Silverstone, 28. – 29. September
10 | Brands Hatch GP Circuit, 12. – 13. Oktober

Wie üblich finden an jedem Rennwochenende drei gleich lange Rennen statt. Die Startaufstellung des ersten Laufs ergibt sich aus der Qualifikation am Samstag, die des zweiten Laufs aus dem Ergebnis des ersten Laufs und die des dritten Laufs aus dem Ergebnis des zweiten Laufs unter Berücksichtigung des Reverse Grids: Dabei wird die Pole Position einem der Fahrer, der Lauf zwei auf den Plätzen sechs bis zwölf abgeschlossen hat, zugelost und alle Fahrer, die vor dem gelosten Fahrer platziert waren, starten in umgekehrter Reihenfolge. Alle Fahrer nach dem auf dem Pole gelosten Fahrer starten dagegen weiterhin auf den Plätzen, auf denen sie Lauf zwei beendet haben.

Reglement, Reifen, Sonstiges

Wie üblich müssen alle Fahrzeuge dem 2011 eingeführten NGTC-Reglement (New Generation Touring Car) entsprechen. Das Reglement fokussiert sich auf eine große Zahl an Einheitsbauteilen, mit denen die Autos kostengünstig aufgebaut werden können. Dazu zählen unter anderem der Ansaugtrakt, das komplette Fahrwerk, der Turbo mit dem Ladeluftkühler, Bremsen, die gesamte Elektronik und alle sicherheitsrelevanten Bauteile, wie Feuerlöscher, Sitze usw. Den Fahrzeugrahmen (Rohkarosse des jeweils verwendeten Modells), Karosserie-Anbauteile sowie die Motoren können die Teams innerhalb der Grenzen des Reglements selber entwickeln. Bei den Motoren gilt, dass es sich um turboaufgeladene Benzinmotoren mit vier Zylindern und maximal zwei Litern Hubraum handeln muss und der Motor aus einer käuflich zu erwerbenden Baureihe des Fahrzeugherstellers stammt. Luftmengenbegrenzer und Ladedruck werden von der TOCA individuell für jeden Motor/jedes Fahrzeug festgelegt, um eine einheitliche Balance of Performance zu erreichen.

Tom Oliphant (GBR) WSR BMW

Aktuell entwickeln West Surrey (BMW), Dynamics (Honda), BMR (Subaru) und Motorbase (Ford) ihre Motoren selbst bzw. lassen diese in einem Motoren-Shop vorbereiten. Auch die Honda-Kundenteams BTC, AmD Tuning und Simpson sowie das BMW-Kundenteam Parker verwenden die von Dynamics respektive WSR vorbereiteten Triebwerke. Alle anderen Teams greifen für ihre Fahrzeuge auf den von Swindon hergestellten TOCA-Einheitsmotor zurück, dessen Einsatz jedem Team freisteht und der neben den anderen Einheitsbauteilen eine kostengünstige Möglichkeit bietet, an der Meisterschaft teilzunehmen.

Reifen werden wieder von Serienausrüster Dunlop in den drei Mischungen weich, medium und hart zur Verfügung gestellt, von denen mit der Ausnahme der Rennen in Snetterton und Truxton je zwei Mischungen an jedem Rennwochenende zur Verfügung stehen. Eine Mischung wird dabei als Standard, die andere als Option deklariert und es gilt, dass der Optionsreifen, der in der Regel die weiche oder harte Mischung ist, in einem der drei Rennläufe verwendet werden muss (in der Quali muss stets der Standardreifen verwendet werden).

Für Snetterton gilt in diesem Jahr abweichend, dass in den drei Läufen alle drei Mischungen zum Einsatz kommen müssen, während in Thruxton ausschließlich die harte Mischung gefahren wird, da die Strecke wegen der enorm hohen Geschwindigkeiten sehr reifenfressend ist. Beim Saisonauftakt in Brands Hatch am kommenden Wochenende wird der Medium der Standardreifen und der weiche der Optionsreifen sein.

Punkte erhalten Fahrer und Teams für die Gesamt- und Independentwertung auf den Plätzen 1 bis 15 gemäß des folgenden Schlüssels:

P1: 20 Punkte, P2: 17, P3: 15, P4: 13, P5: 11, P6: 10, P7: 9, P8: 8, P9: 7, P10: 6, P11: 5, P12: 4, P13: 3, P14: 2, P15: 1

Zusätzlich gibt es je einen Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde je Lauf, eine zurückgelegte Führungsrunde sowie die Pole Position im ersten Lauf.

Eine Anpassung gab es beim Erfolgsballast, der leicht reduziert wurde und nun folgendermaßen verteilt wird:

P1: 54 kg, P2: 48 kg, P3: 42 kg, P4: 36 kg, P5: 30 kg, P6: 24 kg, P7: 18 kg, P8: 12 kg, P9: 9 kg, P10: 6 kg

Für die Trainings, das Qualifying und den ersten Lauf einer Veranstaltung wird der Erfolgsballast anhand des o.g. Schlüssels auf Basis des Meisterschaftstands verteilt (beim ersten Lauf des Saisonauftakts treten alle Fahrer ohne Zusatzgewicht an). Für den zweiten und dritten Lauf wird der Ballast dagegen auf Basis des Ergebnisses vom ersten bzw. zweiten Lauf verteilt.

2019 BTCC championship contenders

Ich hoffe, Ihr fühlt Euch nun gut informiert über die neue BTCC-Saison. Das Qualifying für den Auftakt auf dem Indy Circuit von Brands Hatch findet am Samstag um 16:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit statt. Die drei Rennen am Sonntag starten um 12:30, 15:15 und 18:05 Uhr und werden zusammen mit den Rahmenrennen im Livestream auf der Website von ITV4 übertragen. Zu beachten ist allerdings, dass der Stream in der Regel geogeblockt und nur aus Großbritannien zu sehen ist. Zum Umgehen des Geoblocks ist also ein wenig Kreativität gefragt. Allen, denen es nichts ausmacht, zeitversetzt zu gucken, hilft eventuell Youtube weiter: In den letzten Jahren sind die Rennen hier oft relativ schnell und ohne Geoblock aufgetaucht.

Bilder: btcc.net

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1 Kommentare

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