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Formula E: Vorschau Mexico City ePrix

von StefanTegethoff
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Eh man sich’s versieht, ist schon das erste Viertel der Formula E-Saison vorbei. So wollen wir vor dem am Samstag bevorstehenden Lauf in Mexico City einmal auf die vergangenen Läufe zurückblicken und schauen, welche Tendenzen für die erste Gen2-Saison erkennbar sind.  

BMW-Andretti war als Favorit in die Saison gegangen – beim Saisonauftakt in Riad brauchte es noch etwas Glück, um die Techeetahs von Jean-Eric Vergne und Andre Lotterer am Ende hinter sich zu lassen: Dank einer Strafe für diese beiden konnte Antonio Felix da Costa dort siegen. In Marrakesch lagen die beiden BMW-Piloten lange auf den ersten beiden Positionen, nachdem sie den zunächst führenden Sam Bird, teils etwas unsanft, passiert hatten. Doch in Runde 26 startete Alexander Sims einen Versuch, seinen Teamkollegen auf der Außenbahn auszubremsen und zu überholen. Da Costa hielt dagegen, beider Reifen qualmten. Während da Costa geradeaus in die Reifenstapel rutschte, musste Sims auf der Außenbahn erst diesen vorbeischießen lassen, bevor er selbst einlenken konnte, wodurch auch Jerome d’Ambrosio, Robin Frijns und Sam Bird vorbeiziehen konnten.

So lautete schließlich auch das Podium. In der ersten Kurve war bereits Titelverteidiger Jean-Eric Vergne nach einer missglückten Attacke auf den von Pole gestarteten Sam Bird ans Ende des Feldes zurückgefallen, konnte sich allerdings am Ende noch hinter Alex Sims auf Rang 5 einordnen, was eine enorm starke Leistung darstellt. BMW dagegen hatte die Chance verpasst, sich an die Spitze der Wertungen zu setzen, weil beide Fahrer nicht besonders clever agierten: zuerst einmal natürlich Sims, weil er überhaupt versucht hat, seinen Teamkollegen auf der Außenbahn zu überholen – aber eingeschränkt auch da Costa, der mit seiner FE-Erfahrung hätte wissen können, dass das Verteidigen auf der Bremse schwierig werden würde und besser zurückgesteckt hätte. Aber das ist im Nachhinein leicht gesagt, im Eifer des (für da Costa völlig unerwarteten) Gefechts natürlich viel schwieriger getan.

Rückblick auf den Santiago ePrix

Zum zweiten Mal trat die Formula E in der chilenischen Hauptstadt Santiago an, diesmal allerdings nicht mehr im Stadtzentrum, sondern im 80 ha großen Parque O’Higgins, der sich wie der New Yorker Central Park rechteckig durch die Wohnviertel erstreckt. Auf einer großen asphaltierten Paradefläche war der Start-Ziel- und Boxenbereich nebst einigen Spitzkehren abgesteckt, darüber hinaus führte die Strecke über einige Perimeterstraßen des Parks, unterbrochen durch eine Schikane. Diese Bahn lieferte beim Debüt ein sehenswertes Rennen, auch wenn es an einigen Ecken – insbesondere an der Bremsschikane – auch einige Male ungemütlich eng wurde.

Wie in Marrakesch war die Attack Mode-Aktivierungszone wieder auf der Außenbahn einer langgezogenen Kurve angeordnet, was wiederum gut funktioniert hat. Die Fahrer mussten nicht komplett den Schwung aufgeben, um die Sensorschleifen zu durchfahren und konnten sich flüssig wieder in den Verkehr einordnen, bei geschickter Nutzung sogar die Position behaupten. Auch taktisch lernen die Piloten dazu, wann es Sinn macht, den Attack Mode zu nutzen. Pascal Wehrlein schaltete etwa sehr schnell: als er in Kurve 1 von Sam Bird (der den Attack Mode schon nutzte) überholt wurde und dadurch ohnehin etwas indisponiert war, nutzte er die Zone in der unmittelbar folgenden Kurve – an Bird kam er allerdings nicht wieder vorbei, dafür war dieser zu stark.

Zur Rennmitte lag der Brite am Ende einer Full Course Yellow direkt hinter dem vom Start weg führenden Sebastien Buemi – der sofortige Überholversuch beim Wehen der grünen Flagge scheiterte jedoch, beide erwischten den Restart gut. Ein paar Minuten später jedoch setzte Buemi seinen Nissan in die Wand, nachdem er sich (scheinbar) verbremst hatte und den Wagen auf der abseits der Ideallinie dreckigen Fahrbahn nicht mehr rechtzeitig umsetzen konnte. Laut seiner Aussage und der seines Teamchefs ist es jedoch ein Software-Fehler gewesen, der zu diesem Verbremser führte.

Nach einer neuerlichen Gelbphase lebte dann das Duell Bird vs. Wehrlein wieder auf, diesmal ging es allerdings um den Sieg. Doch wieder konnte sich der Virgin-Pilot sämtlicher Angriffe erwehren. In den letzten zwei Runden musste Wehrlein dann allerdings zurückstecken, da die Batterietemperatur sich in den kritischen Bereich bewegte; Rang 2 konnte er jedoch sichern.

Großes Pech hatte Maxi Günther. Nachdem er zweimal aufgrund von Quali-Crashes punktelos ausging, konnte er in Santiago von Platz 7 starten, wurde allerdings nach einigen Runden – auf Platz 8 liegend – von einem technischen Problem gestoppt. Obwohl er durchaus Potential gezeigt hat, wird sein zunächst auf diese drei Läufe ausgelegtes Programm als Renn-Einsatzfahrer bei Dragon Racing zunächst leider nicht verlängert. Stattdessen darf ab dem Mexico City ePrix IMSA-Prototypen-Champion und Ex-F1-Pilot Felipe Nasr ran.

Regel-Rebellion

Nach dem Santiago-Event gab es auch einiges Murren über das Reglement. Vor allem Lucas di Grassi beklagte sich über eine neu eingeführte Regel, die ihn die Pole kostete: auf Wunsch des Chassis-Herstellers Spark war vor dem Santiago ePrix verfügt worden, dass die Piloten in der In-Lap nach ihrer fliegenden Qualifikationsrunde das Bremspedal genauso benutzen wie in der fliegenden Runde. Dagegen verstieß der Ex-Champion – und wurde mit Disqualifikation bestraft. Das wirkt insbesondere deswegen harsch, weil der Grund für diese Regeländerung – so sinnvoll er möglicherweise gewesen sein mag – nicht näher erläutert wurde.

Auch über das Quali-Format wurde erneut gezetert – durchaus nachvollziehbar, wie ich finde und hier auch schon mehrfach geschrieben habe. Auf der dreckigen Bahn hatten wieder einmal die Piloten, die in der ersten Gruppe auf die Strecke mussten, keine Chance. Die besten Piloten aus Gruppe 1 waren die Techeetah-Jungs Vergne und Lotterer, die am Ende – ohne Chance auf die Super Pole-Runde – auf den Plätzen 13 und 15 landeten.

Antonio Felix da Costa und Jerome d’Ambrosio, immerhin die Sieger der ersten beiden Läufe, gingen als Gruppe 1-Qualifier von noch weiter hinten ins Rennen. Bird, Buemi und di Grassi durften danach auf einer gesäuberten Ideallinie ans Werk gehen. Ich meine weiterhin, dass zumindest der Sieger jeder Gruppe eine Chance auf die Super Pole haben müsste, damit die Bedingungen halbwegs fair sind – bei wechselnden Wetterbedingungen kann das Problem sogar noch gravierender sein.

Ein Blick auf die Punktwertungen

Nach dieser Quali verwundert es dann auch nicht weiter, dass es mit Sam Bird den dritten Sieger im dritten Rennen gab. Da da Costa zweimal ausfiel und punktelos blieb, steckt er mit nach wie vor 28 Punkten (Pole und Sieg in Riad) auf Rang 3 der Gesamtwertung fest, punktgleich mit Robin Frijns und Jean-Eric Vergne bildet er die Verfolgergruppe. Vorn liegen Bird mit 43 und d’Ambrosio mit 41 Zählern. Doch wenn die Saison so turbulent weitergeht wie bisher, kann sich dieses Bild auch schnell wieder ändern.

Denn Abwechslung und Spannung hat die Gen2-Debütsaison bisher reichlich geliefert. Lassen wir die unliebsamen Aspekte wie technische Defekte, schwer nachvollziehbare Strafen und das Quali-Format mal außen vor, bleibt festzuhalten, dass im Spitzenfeld eine ganze Reihe von Teams eng beieinander ist: Virgin (mit Audi-Antriebsstrang), Mahindra, DS Techeetah, BMW-Andretti und Audi Team Abt lauten momentan die Top 5 der Teamwertung, die alle schon starke Performances gezeigt haben. Es folgen Jaguar und Nissan, wobei insbesondere auch letztere ins Spitzenfeld vorstoßen könnten, wie Buemis Performance in Santiago – bis zum Crash – gezeigt hat.

Vorschau auf den Mexico City ePrix

Die Strecke in Mexico City ist aus den letzten Saisons bekannt und bleibt unverändert: gefahren wird im Wesentlichen auf dem Oval des Autodromo Hermanos Rodriguez, allerdings mit drei eingestreuten Schikanen und einem Abstecher ins Stadion-Infield „Foro Sol“. Dort hat man auch die Attack Mode-Aktivierungszone platziert, allerdings an einer Stelle, die ich für schwierig halte und die möglicherweise wieder für Diskussionen sorgen könnte.

Denn – wie beim ersten Lauf in Riad – liegt die enge Spur, in der die Piloten zur Aktivierung der Zusatzleistung drei Sensor-Schleifen überfahren müssen, auf der Innenbahn zwischen zwei relativ nah aufeinander folgenden Linkskurven. Sie liegt damit zwar abseits der Ideallinie, aber ich befürchte, dass Piloten schon in der ersten Links verlangsamen müssten, um den ersten Sensor sicher korrekt zu erwischen. Das kann bei enger Folge von Fahrzeugen zu kritischen Situationen führen. Leider drängte sich bei der Streckenkonfiguration in Mexico City keine andere Stelle auf, langgezogene mittelschnelle Kurven mit einer klaren inneren Ideallinie gibt es auf diesem Kurs nicht.

Des Weiteren wird möglicherweise schon bei der Auslosung der Startgruppen wieder eine wesentliche Weichenstellung darüber erfolgen, welche Fahrer und Teams in diesem Lauf die besten Chancen haben, denn wie die bisherigen Läufe gezeigt haben, gibt es kein klares Favoriten-Duo oder -Trio, wie wir es in den Vorjahren eher gesehen haben.

Die Qualifikation zum Mexico City ePrix findet am Samstag um 19 Uhr deutscher Zeit statt, das Rennen startet um 23 Uhr, beides wird live auf Eurosport übertragen.

(Fotos: Formula E Media)

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