Das eigentlich erstaunliche an der Saison von McLaren ist, dass sie am Ende noch relativ weit vorne in der WM lagen.
Was hatte sich McLaren für dieses Jahr nicht alles vorgenommen. Die Messlatte, so Zak Brown vor der Saison und nach dem Umstieg zu Renault, sei ganz klar Red Bull. Darunter wolle man gar nicht erst anfangen. Nun ja, das lief dann doch etwas anders. Oder besser gesagt: das lief überhaupt nicht für McLaren in diesem Jahr. Auch wenn McLaren in den letzten Jahren immer wieder behauptete, man habe das beste Chassis im Feld, könne dies aber wegen des Honda-Motors nicht zeigen – so richtig fehlte dann doch der Beweis. Der hätte dann in diesem Jahr erfolgen können. Dass das neue Chassis nicht auf Anhieb passte, war dann eine Sache. Nicht schlimm, das passiert auch mal anderen.
Was einem allerdings bei McLaren Sorgen machen muss ist die Tatsache, dass man das Problem im Laufe des Jahres nicht in den Griff bekam und es für das Team nur noch nach hinten ging. Von einem „best of the rest“ Kandidaten in den ersten Rennen entwickelte man sich zu einem Team, dass sich nur mit Mühe vor den Williams halten konnte. Diese Entwicklung deutet auf fundamentale Probleme in der Entwicklungs- und Aeroabteilung von McLaren hin. Entweder lag dem Chassis ein grundlegender Fehler zu Grunde und man, wie Williams, wollte eine B-Version bauen. Oder die Sache liegt noch ärger und man bekommt einfach nichts besseres hin.
Dazu kamen massive interne Probleme. Eric Boullier geriet in diesem Jahr in die Kritik. Man warf dem Franzosen mangelnde Sensibilität im Umgang mit den Angestellten vor. Und die sind dank Ron Dennis ja nun eigentlich einiges gewohnt – aber Boullier war wohl noch eine Nummer schlimmer. Die Konsequenz war dann, dass er Mitte des Jahres entlassen wurde und Gil de Ferran übernahm. Aber mit de Ferran, dessen F1-Erfahrung eher schmal ist, ging es auch nicht voran. Der Frust im Team erwischte dann auch Fernando Alonso, der genervt das Handtuch schmiss.
Dazu kommt, dass man sich selber noch als Weltmeister Team sieht und offenbar auch so handelt. Dabei hat McLaren den letzten Titel 2008 gewonnen, der letzte Sieg stammt aus dem Jahr 2012 (Button, Brasilien), das letzte Podium aus dem Jahr 2014 (Magnussen und Button , P2 und P3, Australien). Mit dem Renault-Motor erreichte man in diesem Jahr auch weniger Punkte, als 2016 mit dem Honda. So schlecht steht das Team da. Es ist nicht zu übersehen, dass McLaren massive strukturelle Probleme hat und die dauernden Beteuerungen, dass es in der nächsten Saison besser werden wird, lesen sich bald wie die Aussagen eines Drogenabhängigen, dass er morgen aber wirklich aufhören wird.
Das McLaren in dem ganzen Chaos sogar noch P6 in der Konstrukteurs-WM erobern konnte, ist eine Überraschung. Gefühlt waren sie vor allem ab dem Sommer hinter den Toro Rosso und Sauber. Die gute Position liegt am guten Start in die Saison und daran, dass Force India die Punkte aus der ersten Saisonhälfte gestrichen wurden.
Fernando Alonso konnte man auch in diesem Jahr kaum einen Vorwurf machen. Bei manchen Rennen schien er etwas lustlos bis genervt zu sein, was angesichts der Misere durchaus nachvollziehbar war. Seinen Teamkollege Vandoorne hatte er jedenfalls auch ohne Motivation komplett im Griff. Das Quali-Duell gewann er zu Null, im Rennen lag der Belgier nur einmal vor dem Spanier. Deutlicher kann man ein Duell nicht gestalten.
Warum Vandoorne, der in der GP2/F2 noch so dominiert hatte, bei McLaren so unterging, ist rätselhaft. Entweder reichte das Talent dann eben doch nicht, oder er hatte sich selber in eine Sackgasse manövriert. Wird man vom Teamkollegen so deutlich geschlagen, dann wendet sich das Team meist auch ab. Immerhin bleibt er der F1 am Rande erhalten, denn er wird Simulatorfahrer bei Mercedes.
Bewertung: 3/10
Bilder: McLaren
