Home GT-SerienGuide: 10 Stunden von Suzuka 2018 (IGTC)

Guide: 10 Stunden von Suzuka 2018 (IGTC)

von Philipp Körner
0 Kommentare 9 minutes read

Länger, enger und internationaler – Die neueste Variante der japanischen Traditionsveranstaltung ist mit großen Ambitionen aus der Taufe gehoben worden. Aus den 1000 Kilometern der Super GT wurden kurzerhand zehn Stunden gemacht und die atemberaubende GT500-Klasse musste GT3-Truppen aus der ganzen Welt weichen. Letztere zierten sich im Vorfeld der Debütausgabe jedoch noch, wodurch die Nennliste eher einem asiatischen GT3-Treff gleicht, der von JAF-GT300 und den klassischen IGTC-Teams aufgelockert wird. Auch in Sachen Übertragung hakt es bei der Erstausgabe noch gewaltig, da man entgegen des gewünschten internationalen Anklangs lieber Paywalls hochgezogen hat – in Deutschland beispielsweise in der Form von Eurosport 2 und des Eurosport Players. Wie man das Rennen so kostengünstig wie möglich schauen kann und was uns am Sonntagmorgen erwartet, findet Ihr hier:

Die Übertragung

Eine der besten Eigenschaften der Stéphane Ratel Organisation ist das schon fast traditionelle Anbieten eines kostenlosen YouTube-Livestreams. Dies gilt sowohl für ihre eigenen Veranstaltungen, aber auch für in Kooperation ausgetragene Rennen. Bekannte Beispiele für ihre Zusammenarbeit sind unter anderem die 12 Stunden von Bathurst (Supercars) und der FIA GT World Cup. Bei den 10 Stunden von Suzuka wird der beliebte Service aber nicht angeboten werden, was offen gestanden ein kleiner Schock gewesen ist.

Stattdessen hat Eurosport die Exklusiv-Rechte abseits von Japan und Nordamerika erhalten und will lächerliche 15 Prozent davon in einem Nischensender verbraten. Den Rest lässt man in einem windig programmierten Streaming-Dienst verrotten. Die Ursache dieser für uns undankbaren Lage ist die Verbindung zwischen den Streckenbetreibern der Mobilityland Corporation und Eurosport, die unter anderem die 8 Stunden von Suzuka umfasst. Der SMSC (SUZUKA MOTORSPORTS CLUB) und die Mobilityland Corporation sind laut der Ausschreibung die offiziellen Organisatoren (bzw. die Promoter) und haben auf diesem Weg diverse Rechte in ihrem Besitz.

Somit muss sich der geneigte GT-Fan nicht nur mit den enormen Zeitunterschieden rumärgern, sondern auch noch umständliche Übertragungswege suchen. Diese Optionen hat er:

Option 1 – Nur die Schlussphase im Fernsehen schauen:

Um 11:30 Uhr deutscher Zeit ist es endlich soweit! Die x-ten morgendlichen Aufzeichnungen der Vuelta und der Deutschlandtour sind über die Bildschirme geflimmert und es gab Highlights der Barum Czech Rally Zlín sowie der 6 Stunden von Silverstone zu sehen. Wie toll, wer braucht da schon Live-Sport! Während nun auf Eurosport 1 die MotoGP live ihre Rennrunden in Silverstone dreht, dürfen sich endlich die GT-Autos in Suzuka der Fernsehöffentlichkeit präsentieren. Also dem Teil der Öffentlichkeit, der auf Schlussphasen ohne Kontext steht, Eurosport 2 überhaupt empfängt und nicht lieber eine populärere Art des Motorsports auf dem Hauptsender schaut. Ach ja, auf diesem einen belgischen Kurs soll ja auch noch etwas zur gleichen Zeit fahren.

Option 2 – Ein Abo des Eurosport Players nutzen:

Durch die bereits erwähnte MotoGP und durch die Bundesliga-Rechtelage werden sicherlich einige von Euch ein Abo besitzen. Sehr gut! Warum sich das Einschalten für Euch lohnt, folgt im nächsten Kapitel des Guides.

Wer in Deutschland direkt ein Abo abschließen will, muss aktuell für ein ganzes Jahr bezahlen – es gibt keine eigene Testphase. Für Leser aus unseren Nachbarländern gestaltet sich die Lage teils unterschiedlich, so gibt es zum Beispiel in der Schweiz noch die Möglichkeit eines direkten Monatsabos.

Deutsche Amazon-Prime-Nutzer können grundsätzlich ein Monatsabo für 5,99 Euro im internen Channel-System erwerben, doch gleichzeitig wäre auch eine siebentägige Testzeit möglich (Update: Das Angebot ist seit Samstagmorgen nicht mehr verfügbar). Zudem kann man den Service Prime an sich zunächst 30 Tage lang testen, wodurch die 10 Stunden von Suzuka abzüglich des Mehraufwands und des Kündigungszwangs (Nicht vergessen!) hypothetisch ohne Kosten geschaut werden können.

Option 3 – Nach dem Rennen as-live schauen:

Die SRO hat zwar nicht die Rechte für eine Live-Übertragung erhalten, aber sie hat bereits angekündigt, direkt im Anschluss eine Wiederholung auf YouTube und Facebook auszustrahlen. Immerhin etwas, auch wenn die ersten Stunden schon mal in direkter Konkurrenz zum großen Preis von Belgien stehen werden. Der daran anschließende Abend bietet dann einige Freiräume für einen Blick in die Aufzeichnung. Aber sind wir mal ehrlich: Wer tut sich heutzutage noch Wiederholungen an?

Da möglicherweise auch der Qualifikationsprozess gestreamt werden könnte, bietet es sich an, bereits am Samstagmorgen einen Blick in den Eurosport Player zu werfen. Vielleicht gibt es sogar einen YouTube-Stream! Die IGTC-Sitzungen findet Ihr wie gewohnt in unseren TV/Stream Zeiten.

Das Rennen

Der vom Dreigestirn Mobilityland, GT Association (GTA) und SRO koordinierte 10-Stunden-Lauf feiert am Sonntag formal sein Debüt, steht aber in einer gewaltigen Ahnenreihe. Diesbezüglich sei der Kollege und Japan-Experte Yankee umfassend zitiert:

Drei Jahre nach dem ersten Formel-1-Grand-Prix in Japan fand 1966 erstmals der Langstreckenklassiker auf dem Suzuka Circuit statt, als Sachio Fukuzawa und Tomohiko Tsutsumi im legendären Toyota 2000GT obsiegten. Während das Rennen bis 1982 noch ohne Meisterschaftsintegrierung stattfand, wurde es im folgenden Jahr Teil der innerländlichen All Japan Sports Prototype Championship, in der hauptsächlich Fahrzeuge der legendären Gruppe C sowie IMSA-GTP-Prototypen fuhren. Nachdem die Japanese Automobile Federation (JAF) die JSPC Ende 1992 auflöste und im darauffolgenden Jahr die JGTC (die sich bekanntlich 2005 in die heutige Super GT umbenannte) gründete, wanderte das 1000-Kilometer-Rennen bereits 1992 zu der sich in ihrem finalen Atemzug befindlichen Sportwagen-Weltmeisterschaft (WSC) über. Nachdem das Rennen 1993 dann einmalig Teil des JGTC-Kalenders war, spazierte es 1994 zur BPR Global GT Series, dem Vorgänger der 1997 gegründeten FIA GT. Die Abkürzung BPR stand für die Nachnamen der Seriengründer: Jürgen Barth, Patrick Peter und dem GT-Visionär, Stéphane Ratel. Lediglich in den Jahren 1996 und 1997 waren die 1000 Kilometer in die FIA-GT-Meisterschaft integriert. In den darauffolgenden Jahren fand der Langstreckenklassiker hingegen wie in den Anfangsjahren als unabhängiger Event statt, an dem hauptsächlich die Teams der JGTC um die Krone Nippons rasten. Zwar waren die GT500- sowie GT300-Boliden (ab 1999) in den Jahren zuvor als Gaststarter ebenfalls startberechtigt, was allerdings nur wenige Teams auch tatsächlich nutzten. 2006 fand das damals „Internatonal Pokka 1000 km“ genannte Rennen im Kalender der Super GT endlich seine neue Heimat. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise zur Senkung der hohen Kosten sowie zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes, reduzierte man die Renndistanz im Jahr 2009 auf 700 km. Um nach der verheerenden Naturkatastrophe im März 2011 Energie zu sparen, wurde das Rennen auf 500 km gekürzt. Bereits ein Jahr später feierte die volle Distanz über 1000 km jedoch glücklicherweise bereits ihre Rückkehr. Nachdem sich der jahrelange Hauptsponsor Pokka Sapporo Ende 2013 zurückzog, kommt der Langstrecken-Klassiker seit nunmehr drei Jahren allerdings ohne Hauptsponsor aus.

(Weitere Informationen und Details: https://www.racingblog.de/2017/08/26/super-gt-vorschau-46th-international-suzuka-1000km-the-final/)

Wie kommt es nun, dass die SRO das Rennen im Rahmen der IGTC austragen darf? Hierfür spielten vor allem zwei Dinge zusammen: Der Mobilityland-Wunsch der Internationalisierung und die SRO-Vorherrschaft im GT3-Bereich, welche man in der Form der Blancpain GT Series Asia nun auch auf diesem Kontinent bekundet hat. Mobilityland erhoffte sich, dass durch die SRO Teams aus allen Zweigen der Organisation in die Präfektur Mie kommen würden und versprach sogar Unterstützung für mögliche Reisevorhaben. Obwohl das internationale Interesse kalenderbedingt schlussendlich doch eher schmal ausfiel, wird das Ziel des Internationalen dank der IGTC-Nennungen immerhin erreicht. Auch wenn im Vergleich zum letzten Jahr insgesamt zehn Nennungen weniger eingegangen sind (2017 – GT500: 15 / GT300: 30) – bei einem ursprünglich anvisierten Wert von an die 50 Boliden.

Unabhängig von diesen Anfangsproblemen ist das 47. Summer Endurance Race damit Teil eines sehr illustren Kalenders, der des Weiteren noch die 12 Stunden von Bathurst, die 24 Stunden von Spa-Francorchamps und die 8 Stunden von Laguna Seca in diesem Jahr umfasst. Um die Übergänge zwischen den Rennen zu erleichtern, hat man auch in Suzuka etliche Klassiker der Regularien übernommen.

Neben der typischen Klasseneinteilung (Pro [23], Pro-Am [11] und Am [1]) wird es beispielsweise eine Minimumboxenstoppzeit (Pit IN to Pit OUT; mit Tanken) von 82 Sekunden und Begrenzungen hinsichtlich der Fahrzeit sowie Stints geben (z.B. 65 Minuten als maximale Stintlänge). Ein größerer Unterschied zu den bekannten Regeltexten ist hingegen die Zulassung von JAF-GT300 (MC)-Boliden, die zwar auf GT3-Performanceniveau agieren, aber auf einem anderen Reglementsystem basieren. Als BoP-Partner der Super GT ist die SRO jedoch perfekt mit diesen sehr faszinierenden Autos vertraut.

Dank dieser Besonderheit werden die 10 Stunden eine schöne und einzigartige Gelegenheit bieten, einen kleinen „Krieg der Welten“ auszutragen. Trotz einiger Absagen treffen nämlich immer noch Teams aus verschiedensten Serien und mit unterschiedlichsten Konzepten aufeinander, welche allesamt ihre eigenen kleinen Herausforderungen haben. So kennen diverse Truppen die Strecke nicht, einige hatten bislang nur kurze Tests mit den Pirelli-Pneus und eine nennenswerte Menge muss sich noch in die Welt des SRO-Racings einfinden. Spannung ist also garantiert.

Die Teilnehmer

Für Kenner der europäischen Pro-GT3-Szene gibt es mit dem Audi Sport Team WRT, dem Bentley Team M-Sport, Callaway Competition, Garage 59, Manthey Racing und Strakka Racing durchaus gewohnte Teams in der Nennliste. Sie treffen in Suzuka quasi auf ihre asiatischen Pendants, die hier eher unbekannt sind. So stoßen das Audi Sport Team Absolute Racing und das Audi Team Hitotsuyama zur Audi-Armada hinzu, die Porsche-Phalanx wird um D’station Racing sowie Craft Bamboo Racing ergänzt und der Mercedes-Sternenhimmel scheint dank des Mercedes-AMG Team Goodsmile Racing und des Mercedes-AMG Team GruppeM Racing um etliches heller.

In der Profi-Division sollten des Weiteren noch die Ferrari 488 GT3 von ARN Racing sowie HubAuto Corsa, die Honda NSX GT3 von Modulo Drago Corse sowie des Honda Team Motul, die Nissan GT-R Nismo GT3 ’18 von KCMG sowie GAINER, ein Lamborghini Huracán GT3 des Teams JLOC und ein Toyota 86 MC des TEAM UPGARAGE genannt werden. Da letzterer keine werksseitige Unterstützung erhält, ist Toyota (bzw. Lexus) im Gegensatz zu Nissan und Honda nicht nennenswert in das Event involviert.

Auch in der Pro-Am-Wertung finden sich diverse spannende Namen – allen voran ein weiterer JAF-GT300 in der Form eines Lotus Evora/ABA-122. Einige Pro-Teams haben sogar extra ein zweites Auto für die Pro-Am genannt und das amerikanische Team Black Swan Racing sowie das australisch-finanzierte SunEnergy1-Racing-Mercedes-Projekt sorgen für zusätzliches internationales Flair. Diesen Klassenkampf sollte man keinesfalls aus den Augen verlieren.

Alle Nennungen und die natürlich besonders interessanten Fahrerpaarungen findet Ihr hier:

Steward Decision Bulletin No.05 Entry List(revised)

2018 Suzuka 10h – Provisional Entry List Media

Fazit

Trotz der ziemlich unglücklichen Umstände sind die 10 Stunden von Suzuka ein Rennen, das sich kein GT-Fan entgehen lassen sollte. Neben dem Argument der herausragenden GP-Schleife ist das Fahrzeugfeld so divers-kompetitiv wie nie zuvor und das Fahrerfeld könnte ebenfalls kaum internationaler sein. Der dritte IGTC-Lauf startet um 03:00 Uhr deutscher Zeit am Sonntagmorgen und wird wohl bei traditionell heißen Temperaturen ausgetragen werden. Der Taifun ist ja nun Gott sei Dank abgezogen.

Bilderquelle / Copyright: Audi Sport (via Sutton Images), SRO (Dirk Bogaerts); Porsche Motorsport

Das könnte Dir auch gefallen

  Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC   Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC
Racingblog
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.