Im ersten Teil beschäftigen wir uns mit dem dichten Mittelfeld. Teil zwei (morgen) wird sich die Top Teams vorknöpfen.
Wenn die Regeln stabil bleiben, dann rückt normalerweise das gesamte Feld enger zusammen. Dies wird in diesem Jahr der Fall sein. Dazu kommt, dass es zum ersten Mal seit langer Zeit kein „schwaches“ Team gibt. Sämtliche Rennställe sind gut finanziert und haben teilweise neue und starke Sponsoren an Bord. Das gilt vor allem für Sauber, die im letzten Jahr hoffnungslos unterlegen waren. Aber schon die Tests in Barcelona haben gezeigt, dass Sauber aufgeholt hat. Auch die anderen Teams haben nachgelegt. So wird es in diesem Jahr vermutlich das erste Mal seit langem keinen „Hinterbänkler“ geben. Man unterschiedliche Teams in der letzten Reihe sehen. Die Rangfolge der Teams nach unserer Einschätzung in aufsteigender Reihung.
Sauber
Auch wenn Sauber nachgelegt hat, so waren sie doch bei den Tests noch ein bisschen hinterher. Die beste Zeit, die man zeigte, war eine knappe 1.19min. Damit war man zwar nicht letzter, das war Williams. Aber der Williams war nur auf den Soft unterwegs, während die beste des Sauber auf den Hypersoft erfolgte. Kein gutes Zeichen für das neuformierte Team aus Hinwill. Auf der anderen stimmte es froh, dass man nur zwei Zehntel hinter den Force India lag.
Chef-Designer Jörg Zander gab nach den Tests zu, dass man das Auto noch nicht so ganz verstehen würde. Man suchte lange nach einer passenden Grundabstimmung. Was aber nicht weiter verwunderlich ist. Das Auto ist komplett neu und verfügt über einige sehr interessante Ideen im Bereich der Aerodynamik. Es kann also noch ein etwas dauern, bis Sauber das Potential des C37 voll ausnutzen kann. Spätestens auf der Referenzstrecke von Bahrain wird man aber voran kommen müssen.
Neben Marcus Ericsson, der seine Sache so schlecht nicht macht, kommt dieses Jahr der Ferrari-Zögling Charles Leclerc zum Einsatz. Der wiederum gilt mit seinen 20 Jahren und nach seinen Triumphen in der GP3 und der F2 (jeweils im ersten Jahr Meister) als eines der größten Talente im Motorsport. Vergleiche mit Verstappen sind hier da und schon laut geworden, aber das muss der echte Monegasse erst mal beweisen. Ericsson hat zwar im letzten Jahr gegen Wehrlein in Sachen Punkte verloren, aber den Deutschen immer wieder auf den Zehenspitzen gehalten. Von Leclerc erwartet man zumindest, dass er Ericsson deutlich distanziert.
Williams
In jedem Jahr schreibt man irgendwie „Der Umbau bei Williams geht weiter“. So auch in diesem Jahr. Nachdem Abgang einiger wichtiger Köpfe und der Verpflichtung von Paddy Lowe hat man im letzten Jahr mal wieder vieles auf den Kopf gestellt. Lowe brachte jede Menge frischer Ideen von Mercedes mit, die er dank seiner lächerlich kurzen Sperrfrist von drei Monaten auch bei Williams einsetzen konnte. Das Ergebnis ist der FW41, der zumindest von außen einen sehr interessanten Eindruck macht. Doch bei den Testfahrten tauchte ein lästiges Problem beim Einlenkverhalten des Williams auf. Alles andere war, also Scheitelpunkt und Ausfahrt, aber beim Einlenken bockt der FW41, wie Lowe auch zugab. Die Testzeiten geben allerdings nicht so wirklich wieder, wie gut der Williams ist, da man nur mit den Soft fuhr und nur Setup-Probleme anging. Da ist auf jeden Fall Luft nach oben. Und es muss auch was kommen, denn Martini steigt zum Ende der Saison aus. Williams benötigt also unbedingt einen neuen Hauptsponsor.
Fahrerisch ist das bei Williams so eine Sache. Stroll hat sich im letzten Jahr nicht als Überflieger bewiesen, eher als teilweise solider, teilweise überforderter Nachwuchspilot. Der Kanadier muss unbedingt ruhiger werden, was aber nicht leicht werden dürfte. Denn Sergey Sirotkin ist durchaus eine Hausnummer, auch wenn der seine erste F1-Saison fährt. Der Russe, vor ein paar Jahren ja schon mal bei Sauber im Gespräch, hat in den Nachwuchsserien viel Erfahrung sammeln können. Das Ausscheidungsfahren gegen Robert Kubica konnte er jedenfalls gewinnen.
Der Pole wiederum ist offizieller Ersatzfahrer und damit wird er bei jedem Rennen auch anwesend sein. Und damit hängt er ein bisschen wie ein Damoklesschwert über beiden Einsatzpiloten. Seine Zeiten aus Barcelona konnte jedenfalls nur Sirotkin schlagen.
Toro Rosso
(Fast) neue Piloten, neuer Motorenlieferant. Honda hat sich nach dem Debakel mit McLaren zu Toro Rosso verkrochen und verspricht sich davon mehr Ruhe. Dahinter steckt aber auch mehr. Denn bei Red Bull läuft Ende des Jahres der Vertrag mit Renault aus, mit denen man notorisch unzufrieden ist. Toro Rosso hatte im letzten Jahr den Renault und nun halt den Honda. Man kann also die Daten gut vergleichen und an das große Team weiterleiten. Und sollte der Honda in Sachen Zuverlässigkeit und Leistung einigermaßen auf dem Niveau von Renault erscheinen, dürfte das Hauptteam wechseln. Toro Rosso ist also eine Art Versuchslabor.
Allerdings ist Toro Rosso nicht das. Man hat mit James Key einen sehr guten Designer, Honda unterstützt das Team gerüchteweise in Sachen Aerodynamik und CFD. Der STR13 machte dann auch aus dem Stand in Barcelona einen sehr schnellen Eindruck. Wenn Honda das Team stärker unterstützt, könnte das auch bedeuten, dass Toro Rosso den gravierenden Nachteil beim Budget etwas ausgleichen kann. Also könnten Updates schneller, regelmäßiger und länger in der Saison erfolgen. Gut möglich, dass das Team im Laufe der Saison nach vorne rutscht. Wenn denn der Honda hält.
Die Fahrerpaarung ist schwer einzuschätzen. Pierre Gasly ist mit Sicherheit schnell. Das beweisen seine Erfolge in der GP2 (Meister 2016) und die ultraknappe Niederlage (0,5 Punkte) in der Super Formula Meisterschaft im letzten Jahr gegen Hiroaki Ishiuara. Natürlich muss auch er sich zunächst in der F1 zurecht finden. Zwar hatte er ein paar Rennen im letzten Jahr, die waren aber wegen der knappen Lage bei den Motoren etwas schwer zu beurteilen.
Brandon Hartley kommt als zweifacher WEC-Champion und Le Mans Sieger zu Toro Rosso. Seine ersten Rennen im letzten Jahr in der F1 sahen ok aus, aber für ihn gilt auch, was für Gasly gilt. Zu wenig Rennen, um etwas genaues zu sagen. Mit 28 Jahren ist Hartley ein Späteinsteiger in der Serie, bringt dafür aber halt jede Menge Erfahrung mit. Für ihn ist es tatsächlich einen „Make or break“ Saison. Wenn Gasly ihn regelmäßig schlägt, wird seine F1-Karriere sehr kurz sein.
Force India
Schon jetzt kann man davon ausgehen, dass Force India in diesem Jahr schlechter abschneiden wird, als in den letzten zwei Jahren. Schuld daran sind die gestiegenen Budgets der großen Teams. Das Renault schneller sein wird, ist zu erwarten, vermutlich wird auch McLaren an den Indern vorbeiziehen. Wenn man davon ausgeht, dass die ersten acht Plätze zwischen Mercedes, Red Bull, Ferrari und Renault verteilt werden, dann bleiben Force India, wie allen anderen Teams, nur die Brotkrumen. Um so wichtiger wird es für das Team sein, schnell ein paar Punkte sammeln zu können. Im Update-Rennen wird man vermutlich Probleme haben. Auf der anderen Seite überraschte Force India in den letzten Jahren immer wieder mit eigenwilligen und erfolgreichen Lösungen in Sachen Aerodynamik. Dem gut organisierten kleinen Team fällt immer wieder etwas neues ein und darauf wird man auch dieses Jahr bauen müssen.
Die Fahrerpaarung hat im letzten Jahr für jede Menge Unterhaltung gesorgt. Das Perez und Ocon in ihrer Karriere keine Freunde mehr werden hat sich mittlerweile rumgesprochen. Das wird dieses Jahr nicht anders sein. Perez hat das Problem, dass er von Force India nicht wegkommt, obwohl seine Ergebnisse das befürworten würden. Ocon muss schauen, dass er Perez schlägt, sonst klopft auch beim ihm kein Top Team an. Allein diese Voraussetzung verspricht schon einiges an Drama. Voraussichtlich wird man bei Force India aber in diesem Jahr von Anfang an auf eine sehr strenge Team Order setzen. Wer vorne ist bleibt vorne, es sei denn man hat die frischeren Reifen. Der Funkverkehr dürfte amüsant werden. Vorhersagen, welcher der beiden am Ende die Nase vorne hat, sind schwer zu treffen, aber ich tippe mal auf Perez.
McLaren
Die Briten wollen in diesem Jahr vorne mitfahren und ganz klar ist Red Bull das erklärte Ziel, bzw. das Maß der Dinge. Man hat das sehr gute Auto vom letzten Jahr genommen und noch extremer gestaltet- Teamchef Eric Boullier, dem man den Druck, unter dem er steht, in jedem Interview ansieht, hat verraten, dass man sich deswegen für ein paar revolutionäre Schritte entschieden hat, weil man sonst keine Chance sieht, nach vorne zu kommen. Die komplett neugestaltete Hinterachse mit dem einarmigen, oberen Querlenker ist das sichtbare Ergebnis dieser Maßnahmen. Bei den Tests machte der McLaren einen guten Endruck – wenn er denn lief. Offenbar ist McLaren in Sachen Aerodynamik und Kühlung derartig an Grenzen gegangen, dass der Renault-Motor nicht mehr mitmachte. Ein Problem, dass Red Bull und Toro Rosso kennen.
Aber McLaren muss abliefern, keine Frage. Zum einen ist sonst Fernando Alonso endgültig weg, zum anderen ist man immer noch ohne Hauptsponsor unterwegs. Getragen wird McLaren zum einen von der McLaren Group, zum anderen von den beiden Hauptanteilseigner. Aber ewig wird man das so nicht weiterlaufen lassen können. Es müssen Erfolge her und dazu würde schon ein Podium beitragen.
Fahrerisch hat man die sichere Bank Alonso. Sich wenn der sich so langsam dem Ende seiner F1-Karriere entgegen bewegt, ist er immer noch einer der schnellsten Piloten im Rennen. Interessant wird sein, wie sich sein Engagement in der WEC und in Le Mans auf die Vorbereitung und die Rennen der F1 auswirken wird. Aber ich gehe mal davon aus, dass der Spanier das problemlos hinbekommen wird.
Das sieht für Stoffel Vandoorne ein bisschen anders aus. Der Belgier hat sich im letzten Jahr sehr schwer getan. Das mag am schlecht fahrbaren Honda gelegen haben, dessen Eigenschaften Alonso besser in den Griff bekam. Aber das er so weit hinter dem Spanier hing, war dann doch eine Überraschung. Der Druck auf ihn dürfte auch anwachsen, denn von hinten drängelt Lando Norris, der von McLaren gefördert wird. Das Norris in Daytona neben Alonso an den Start gehen durfte und Zak Brown nicht Vandoorne eingesetzt hat mag damit zu haben, dass Norris noch mehr Erfahrung benötigt. Aber ein kleiner Hinweis ist es vielleicht auch.
Bilder: Sauber, Williams, McLaren, Force India
