Nico Rosberg kommt dem WM-Titel immer näher. Erneut gelang ihm ein fehlerloses Wochenende, während Lewis Hamilton mit Problemen kämpfte.
Die Entscheidung fiel mal wieder am Start. Während Rosberg den Start sauber hinbekam, fiel Hamilton weit zurück. Nach dem Rennen nahm er den Fehlstart auf seine Kappe, machte aber auch die noch leicht feuchte Strecke auf seiner Seite der Startaufstellung für die Probleme verantwortlich. Das Ergebnis war jedenfalls verheerend. Nach einer Runde lag der Brite nur auf P8, während Rosberg vorne schon leicht wegziehen konnte. Für den Deutschen war das Rennen dann mehr oder weniger einfach. Er hielt die Konkurrenz auf Abstand und fuhr mit einer konservativen Strategie sein Rennen zu Ende. Er konnte sich sogar erlauben, den Motor zu schonen, der, laut seiner Aussage, am Ende seines Laufzyklus war. Um keinen Motorschaden zu riskieren, drehte er Leistung und Drehzahl runter, was immer noch reichte, um Verstappen auf Distanz zu halten.
Während es an der Spitze also eher langweilig war, ging es dahinter spannend zu. Red Bull, Ferrari und Hamilton lieferten sich ein schönes Rennen, das am Ende über die Strategie entschieden wurde. Dabei leistete sich vor allem Mercedes keinen Fehler. Interessant war, dass Hamilton beide Ferrari passieren konnte, was auf der Strecke nicht so leicht war, da Ferrari in Suzuka erstaunlich schnell war. Entscheidend war hier der zweite Stint von Hamilton. Auf den Soft tat er sich im ersten Stint sehr schwer mit dem Überholen. Der Verschleiß war zu hoch, der Mercedes ging mit den weichen Reifen nicht gut. Das änderte sich in dem Moment, in dem Hamilton auf die harte Mischung wechselte. Offensichtlich hatte sich Mercedes für eine Abstimmung entschieden, die die harten Reifen deutlich bevorzugte. Man konnte man sehen, wie viel besser das Rennen für den Briten nun lief. Er schnappte sich einen Gegner nach dem anderen und fuhr, über den Stint gerechnet, auch die schnellsten Runden.
Um an den Ferrari vorbeizukommen, griff Mercedes dann zum Undercut. Hamilton kam in Runde 32, da lag er hinter Vettel auf P4, der wiederum eine knappe Sekunde Vorsprung hatte. Ferrari reagierte eine Runde später und gab Vettel die Soft mit. Eine aggressive Entscheidung, immerhin musste Vettel mit den Reifen dann noch 20 Runden fahren. Aber man hatte keine Medium zur Verfügung, hatte also nur die Wahl zwischen den Hard und Soft. Man wusste, dass der Mercedes auf den Hard gut lief, also entschied man sich für die Soft, um etwas entgegensetzen zu können. Das Problem war nur, dass Vettel nach dem Stopp hinter Hamilton auf die Strecke kam. Der Undercut von Mercedes hatte also funktioniert. Der Ferrari kam zwar noch mal ran, aber nicht vorbei. Nach ein paar Runden bauten die Soft dann ab und Vettel musste die Jagd aufs Podium aufgeben.
Immerhin gelang es den Italienern, beide Autos vor den zweiten Red Bull zu bekommen. Ricciardo hatte ein eher zähes Rennen, die Ferrari waren beide auch deutlich schneller. Dass man Verstappen nicht einholen konnte, lag daran, dass man sich in Sachen Strategie an Hamilton orientierte. Red Bull entschied sich, den Niederländer früher als geplant reinzuholen, zunächst in Runde 10, dann in Runde 29. Damit umging man einen möglichen Undercut, musste allerdings auch mit dem Risiko leben, dass die Hard am Ende Schwierigkeiten haben könnten. Tatsächlich kam Hamilton ja ran und war in Reichweite von P2. Ein hartes Manöver von Verstappen beendete dann die Aufholjagd.
Das Blockmanöver war, wie immer bei Verstappen, hart. Den Gegner in den Notausgang zu zwingen, ist mehr als grenzwertig, auch im Sinne der Fairness. Mercedes überlegte wohl zu protestieren, entschied sich aber dann dann doch dagegen. Verstappen musste aber laut Medienberichten dennoch zur Rennleitung, wo man ihm angeblich mitteilte, dass man seine Aktionen kritisch beobachten würde. Ein Hinweis darauf, dass bei einer weiteren Aktion eine Strafe folgen könnte.
Hinter den Top-Teams ging es ruhig zu. Die Force India lagen vor den Williams, was man auch erwarten konnte. Enttäuschend war die Performance von McLaren. Offenbar gelang es nicht, die Reifen auf Temperatur zu bekommen, was dazu führte, dass Alonso und Button hilflos rutschten. Man musste sich mit den Manor und den Sauber rumschlagen. Zwar wusste man schon vorher, dass Suzuka jetzt nicht die Paradestrecke für das Team sein würde, aber der Abstand nach vorne war dann schon erschreckend. Am Motor lag es ausnahmsweise mal nicht, in Japan war das Chassis schuld. Hier hat McLaren also über den Winter einiges zu tun.
Für Rosberg war der Sieg im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert. Denn Hamilton kann aus eigener Kraft nicht mehr Weltmeister werden. Er muss nun alle verbleibenden vier Rennen gewinnen. Aber es kommen, abgesehen von Austin, Strecken, die Rosberg gut liegen. Das gilt vor allem für Brasilien und Abu Dhabi. Und selbst wenn Hamilton alle verbliebenen Rennen gewinnt – Rosberg muss „nur“ auf P2 fahren und er hat den Titel in der Tasche. Gewinnt Rosberg in Austin, vergrößert er seinen Vorsprung sogar auf 40 Punkte bei noch drei zu fahrenden Rennen. Aber durch ist die Sache natürlich nicht. Ein Ausfall von Rosberg gepaart mit einem Sieg von Hamilton und schon ist alles wieder offen. Es bleibt also spannend.
Bilder: Daimler AG, Ferrari, Red Bull Mediahouse/Getty Images, Force India, McLaren F1, Sauber F1, Renault Sport, HaasF1, Williams F1



















