Home Formel EinsF1Formel Eins – Analyse Bahrain 2016 – Es ist eng im Mittelfeld

Formel Eins – Analyse Bahrain 2016 – Es ist eng im Mittelfeld

von DonDahlmann
4 Kommentare 7 minutes read

Während Nico Rosberg sich nach dem Rennen bei Valtteri Bottas bedanken konnte und das Rennen vorne eher überschaubar spannend war, tat sich im Mittelfeld einiges.

F1_Bahrain_Race_2016_22Geradezu entspannt konnte Nico Rosberg sein Rennen nach der ersten Kurve angehen. Der sehr optimistische Überholversuch von Bottas an Hamliton und ein geplatzter Motor bei Vettel noch in der Einführungsrunde warfen die schärfsten Konkurrenten des Deutschen weit zurück bzw. aus dem Rennen. Über das Manöver von Bottas muss man eigentlich nicht viel sagen. Zum Zeitpunkt, als Hamilton etwas ausholte, um Rosberg unter Druck zu setzen, war der Finne noch zwei Wagenlängen zurück. Er bremste so spät, dass er übersteuernd in die erste Kurve fuhr und gewissermaßen noch froh sein konnte, dass er sich bei Hamilton anlehnen durfte. Aufgrund des Einlenkwinkels konnte der Weltmeister auch nicht sehen, dass Bottas da angeflogen kam.

Erstaunlich war, dass der Wagen von Hamilton danach so gut lief. Er hatte einen Schaden an den rechten Luftleitblechen, sein Frontflügel war angeschlagen und der Unterboden etwas beschädigt. Das reichte aber immer noch, um den Mercedes auf P3 zu bringen. Was schon viel über die Überlegenheit der Mercedes aussagt.

Das der Abstand von Räikkönen teilweise auf unter fünf Sekunden fiel, war mehr der Tatsache geschuldet, dass Rosberg vorne im Schongang unterwegs war. Tatsächlich hätte er rund eine Sekunde pro Runde schneller fahren können, wie seine Rundenzeiten nach dem letzten Boxenstopps zeigten. Zu diesem Zeitpunkt fuhr auch der Finne seine schnellsten Runden, kam aber nicht an den Mercedes ran. Rosberg schonte dann nur noch Reifen, Getriebe und Motor.

GP BAHRAIN F1/2016Der zweite Platz von Ferrari sollte nicht täuschen. Im Quali-Trimm fehlen den Italiener rund 0,5 Sekunden, im Rennen ist es ein wenig mehr. Mag sein, dass Vettel im Rennen etwas mehr Druck hätte machen können, aber eine Chance hätte er auch nicht gehabt. Tatsächlich ist der Motorschaden von Vettel ein deutliches Zeichen, dass Ferrari am Rande der technischen Möglichkeiten operiert. Neu sind die Probleme nämlich nicht, denn schon bei den Tests machte der Motor Sorgen. In Australien fiel Räikkönen aus, in Bahrain erwischte es Vettel und Guiterrez. Eigentlich kennt man solche Zuverlässigkeitsprobleme bei Ferrari nicht, aber offenbar hat man die Entwicklungsschraube etwas zu weit gedreht.

Bahrain machte deutlich, dass Mercedes und Ferrari über den Winter einen großen Schritt gemacht haben. Der gesamte Rest hängt hoffnungslos zurück. Red Bull fehlten nach dem Rennen 62 Sekunden auf Rosberg, HassF1 78 Sekunden, Toro Rosso 80 Sekunden. Der gesamte Rest wurde überrundet.

F1_Bahrain_Race_2016_14Besonders schlimm hat es Williams erwischt. In der Quali sieht es nicht mal so schlimm so, aber die Longruns sind eine Katastrophe. Der Wagen frisst die Reifen schneller, als es dem Team lieb ist, da helfen auch keine geteilten Strategien wie in Bahrain. Massa stoppte nur zweimal, Bottas kam dreimal an die Box. Das wäre die schneller Variante gewesen, wenn man die Durchfahrtsstrafe abzieht, die ca. 20 Sekunden gekostet hat. Aber selbst, wenn die abzieht, wäre er nur vor Massa gelandet und immer noch hinter Kvyat. Williams hat ein ziemlich großes Problem, denn man ist hinter Red Bull, Toro Rosso und HaasF1 gerutscht. Offenbar kennt man die Probleme aber seit Barcelona und hat schon für das Rennen in Spanien ein größeres Update angekündigt.

Red Bull hat sich für den Moment als dritte Kraft etabliert. Ricciardo wurde erneut Vierter, Kvyat fuhr mit der etwas verschobenen Strategie ein grandioses Rennen, wenn man in Betracht zieht, dass er von Platz 15 starten musste. Auch zeigte der Renault-Motor, dass er so schwach nun auch nicht mehr ist. Auf den Geraden konnte man relativ leicht überholen. Über den Abstand nach vorn wird man dennoch nicht glücklich sein.

RG at speed-349Die Überraschung ist sicherlich das HaasF1 Team. Nach P6 in Australien, nun P5 in Bahrain. Und dies auch noch relativ ungefährdet. Allerdings sickert so langsam auch durch, wie Ferrari und Haas den Eintritt in die F1 vorbereitet haben. Offensichtlich sind etliche Ingenieure im letzten Jahr von Ferrari zum US-Team gewechselt, um vor der Saison wieder bei Ferrari anzuheuern. Ein Trick, aber völlig legal. Auf der anderen Seite – das Team so funktionsfähig auf die Beine zu stellen, musste Haas dann schon selber schaffen. Teamchef Günter Steiner dürfte hier einen großen Anteil haben. Es ist eine Sache die Einzelteile für ein gutes Team zu haben, die andere ist, diese einzelnen Teile zusammenzusetzen. Und genau das ist Gene Haas gelungen.

Toro Rosso ist weiterhin im vorderen Mittelfeld und wenn man sich die Zeitabstände so anschaut, dann werden sie da zumindest bis zum Sommer auch bleiben. Denn die Konkurrenz schwächelt massiv. Williams mag mit dem kommenden Update noch aufholen können, aber dahinter klafft eine Lücke. McLaren ist besser geworden, aber dem Honda-Motor fehlt es noch an Zuverlässigkeit und Leistung am Ende des Rennens. Die Rundenzeiten des erstaunlichen Stoffel Vandoorne waren am Ende nicht mehr so überzeugend. So ging es auch schon Button in Australien. Offenbar hat Honda da immer noch ein Problem mit dem Energiespeicher. Aber immerhin konnte Vandoorne die ersten Punkte für McLaren ergattern und zeigen, wie groß sein Talent ist. Keine Frage, den sehen wir nächstes Jahr in der Formel Eins – und da gehört er auch hin.

Motor Racing - Formula One World Championship - Bahrain Grand Prix - Race Day - Sakhir, BahrainDen größten Absturz von allen Teams erlebte aber gerade Force India. In der Quali lief es mit P8 für Hülkenberg ja noch erwartungsgemäß, aber im Rennen ging das Team komplett unter. Das lag sicher auch daran, dass beide Piloten wegen Beschädigungen in den ersten Runden an die Box kommen mussten. Aber im Gegensatz zu den Rennen im letzten Jahr konnte Force India nicht mehr vorne fahren. Normalerweise konnten die Inder bei frühen Problemen mit der Strategie arbeiten, aber die überarbeitete Variante des letztjährigen Chassis funktioniert so nicht. Man kommt mit den etwas weicheren Reifen von Pirelli nicht zurecht, der Reifenverschleiß ist deutlich zu hoch. Dazu kommt, dass man sichtbar mit Untersteuern zu kämpfen hat. Der Wagen schiebt über die Vorderachse und lässt sich nur schwer einlenken. Kleinigkeiten, aber wenn das Mittelfeld in der Quali innerhalb von ein paar Zehnteln liegt, reicht das halt, um nach hinten zu fallen. Da wartet viel Arbeit auf das Team.

Dagegen fast erfreulich war die Renn-Performance von Sauber. Klar, von Punkten ist man entfernt, aber im Rennen läuft es bei weitem nicht so miserabel wie in der Qualifikation. Die Pace stimmt durchaus, es fehlt ein wenig Weiterentwicklung, die aber angesichts der angespannten Lage bei Sauber nur schwer zu erreichen ist. Man wird aufpassen müssen, dass man nicht hinter die Manor zurückfällt.

Die Arbeit von Pascal Wehrlein in seinem zweiten Rennen (und auf einer Strecke, die er nicht kannte) war makellos. Kann man nicht anders sagen. P16 in der Quali war schon gut, im Rennen lag er permanent um P13 rum, den er am Ende auch erreichen konnte. Klar, die Ausfälle von Vettel, Guiterrez, Button und Sainz haben da geholfen, aber Manor zeigte zum ersten Mal in einem Rennen, dass man durchaus mitschwimmen kann. Das allein ist schon bemerkenswert, wenn man bedenkt, wo Manor letztes Jahr noch war. Dass Wehrlein vor beiden Force India lag, zeigt, wie gut Fahrer und Chassis funktioniert haben. Mercedes züchtet sich da mit Wehrlein ein echtes Talent heran.

Ansonsten kann man aus Bahrain nur berichten, dass die Politik im Hintergrund mal wieder verrückt spielt. Der zweite Versuch mit dem neuen Quali-Format ging genauso in die Hose wie in Australien. Eigentlich hatten die Teamchefs einmütig (was selten genug ist) beschlossen, das System abzuschaffen, aber in der F1-Strategiegruppe haben wohl die FIA und die FOM Einspruch eingelegt. Im Grunde ist es ein Machtkampf zwischen den Teams, der FIA und der FOM, wobei Ecclestone und Todt ausnahmsweise wohl auf einer Seite stehen. Die FIA will klarmachen, dass man die Regeln bestimmt, nicht die Teams.

Klar ist, dass das alte System weg ist. Es wird auch nicht wieder kommen. FIA und FOM haben jetzt etwas vorgeschlagen, was man aus der WEC kennt. Nicht mehr nur eine Runde zählt, sondern es werden die beiden schnellsten Runden zusammengerechnet. Finden die Teamchefs auch nicht so toll, aber die Alternative ist, dass das 2016er System bleibt.

In Zukunft könnte der Modus also so sein, dass man zwei schnelle Runden fahren muss. Das haben die meisten in den Qualifikationen sowieso gemacht, neu ist nur, dass die zwei besten Zeiten zusammengezählt werden. Genaue Infos, ob man die Zeiten auf einem Satz Reifen fahren muss, oder ob man zwei nehmen kann, gibt es nicht.

Und die Fans werden wie immer nicht gefragt.

Bilder: Daimler AG, Ferrari, Red Bull Mediahouse/Getty Images, HaasF1, WilliamsF1, McLarenF1, RenaultF1, Force India, SauberF1

Das könnte Dir auch gefallen

4 Kommentare

nona 4 April, 2016 - 11:05

Gibt’s eigentlich schon Gegrummel im Hintergrund in Sachen subtiler Teambestrafung? Klar, vorne war alles in Ruhe und im Mittelfeld war es eng, aber es war mal wieder so ein Rennen, wo von den Top-Teams im Vorfeld viel politische Kritik kam (Quali et al), und wo dann im Rennen über sehr sehr weite Strecken die Top-Teams überhaupt nicht im Bild gezeigt wurden.

DonDahlmann 4 April, 2016 - 16:15

Na ja, die Abstände vorne waren aber auch einfach zu groß. Was soll man einen einzelnen Wagen zeigen. Mir ist schon im letzten Jahr aufgefallen, dass die FOM immer dahin schaltet, wo es eng zu geht. Da ist man offensichtlich auch bereit mal Wehrlein gegen Hülkenberg zu zeigen, wenn sonst nix los ist. Wenn es vorne eng wird, geht man auch da hin.

R. Kurz 5 April, 2016 - 07:53

„Und die Fans werden wie immer nicht gefragt.“

Mal ganz ehrlich…wurden die das jemals in irgendeiner Regeländerung bei irgendeiner Sportart?

Klar sollten Änderungen in Sinne der Fans gemacht werden, aber sie direkt zu fragen? Dann hätte man das alte Spiel 2 Ärzte 3 Diagnosen…nur eben nicht 2 sondern 3 Millionen…dann würde es entweder nie zu irgendwelchen Änderungen kommen oder ständig. Es gäbe dann die, die immer gegen alle Änderungen sind zum Beispiel.

nona 6 April, 2016 - 08:56

Ach, es geht ja eigentlich weniger darum ob man buchstäblich „Fans fragt“, sondern eher darum dass man in manchen F1-Führungsebenen so extrem beratungsresistent ist. Das Feedback zum neuen Quali-Format war ja weltweit absolut verheerend, und das ziemlich einhellig, egal ob in den Social Media (wo die Fans sitzen, wenn man sie denn mal fragen wollte…) oder in den Sport- oder Allgemeinmedien. Beim zweiten Rennwochenende war’s nicht anders. Trotzdem gibt man sich ignorant und macht was man will. Das ist schon ziemlich… panne. Und genau das Gegenteil von dem was sich die F1 in ihrer aktuell maladen Situation leisten kann oder öffentlich signalisieren sollte.

Comments are closed.

  Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC   Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC
Racingblog
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.