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Formel Eins: Zwei Pflichtboxenstopps ab 2014?

von DonDahlmann
4 Kommentare 3 minutes read

Im Jahr 2014 müssen sich die F1-Fans auf einige Änderungen einstellen. Dazu könnten auch Pflichtboxenstopps gehören.

Pirelli_2013Die Idee scheint absurd: Ab 2014 will die FIA in der Formel Eins zwei Pflichtboxenstopps einführen. Hinzu kommt, dass es eine zeitliche Beschränkung für die Nutzung der Reifen geben soll. Die harte Mischung soll maximal zu 50% in einem Rennen genutzt werden dürfen, während die weicheren Optionsreifen pro Set maximal 30% der Renndistanz aufgezogen werden sollen. Damit will man erreichen, dass die Teams mindestens zwei Boxenstopps einlegen müssen. Das klingt auf den ersten Blick etwas merkwürdig und wettbewerbsverzerrend, aber die Idee hat einen durchaus überlegenswerten Hintergrund.

Bekannt ist, dass die Motoren im nächsten Jahr die Reifen mehr belasten werden. Die Turbomotoren haben deutlich mehr Drehmoment, was die Hinterreifen belasten wird. Daher geht man davon aus, dass Pirelli etwas härtere Reifen an die Strecken bringt. Diese harten Reifen hatte man schon 2012. Ende der Saison 2012 konnte man beobachten, dass die Teams mit der „harten“ Mischung teilweise ein ganzes Rennen durchfahren konnten, was dazu führte, dass es zu wenig Zweikämpfen auf der Piste kam. 2013 setzte Pirelli auf weichere Gummimischungen mit dem bekannten Ergebnis. Noch so eine Saison will sich Pirelli offenbar nicht antun, was man verstehen kann. Also versucht man, die Spannung durch Pflichtboxenstopps zu erhöhen.

Das muss nicht zwingend eine schlechte Idee sein. In der DTM funktioniert das mitunter durchaus sehr gut, vor allem seitdem man den Teams freigestellt hat, wann der Stopp erfolgen soll. Skeptisch bin ich, was die Beschränkung der Fahrzeit angeht. Lotus hat in diesem Jahr immer wieder Druck auf Red Bull ausüben können, eben weil man einmal weniger stoppen musste. Diese strategische Möglichkeit würde dann wegfallen. Ein überlegenes Team hätte im Rennen eine Sorge weniger. Zudem haben Teams wie Force India oder Sauber haben in den letzten Jahren immer wieder gezeigt, dass man mit einer alternativen Abstimmung die harte Mischung auch mehr als 50% über die Distanz schleppen kann. Man würde ihnen eine Chance nehmen, in die Top 10 zu kommen.

Erfahrungsgemäß gleichen sich die Strategien der Teams im Laufe der Saison immer weiter an. Die Ingenieure begreifen schnell, wie man die Reifen behandeln muss, damit sie in die bestmögliche Strategie passen. Auch in diesem Jahr hat man bei den Topteams selten abweichende Strategien gesehen, McLaren mal ausgenommen. Aber nachdem Mercedes seine Probleme in den Griff bekommen hat, sahen die Strategien von Red Bull, Ferrari und Mercedes immer ähnlich aus. Mit den Pflichtboxenstopps würde es nicht anders aussehen, da man schnell weiß, wie lange man einen Reifen fahren kann, um das Rennen möglichst schnell und möglichst weit vorne zu beenden. Am Ende hätten man zwar zwei Stopps, die aber die Topteams mehr oder weniger gleichzeitig absolvieren.

Die Alternative wäre vermutlich, dass wir im nächsten Jahr sehr viele 1-Stopp-Rennen sehen würden. Was ich aber ehrlich gesagt zunächst nicht so schlimm finden würde, denn es gibt genug strategische Elemente, die den Teams zur Verfügung stehen:

1. Verbrauch
Kein Mensch kann bisher sagen, wie sich die Rennen mit der festgeschriebenen Spritmenge entwickeln werden.

2. Haltbarkeit
Es ist davon auszugehen, dass die Langlebigkeit der Motoren und der neuen Getriebe eine große Rolle in den Rennen spielen wird.

3. KERS
Nachdem KERS in den letzten zwei Jahren kaum mehr eine Rolle in einem Rennen gespielt hat (sei denn es fiel bei Webber aus) wird es 2014 deutlich wichtiger werden. Damit werden Überholmanöver leichter.

4. DRS
Wird weiter ein sehr wichtiger Faktor sein.

5. Reifen
Es ist noch gar nicht raus, wie sich die Pirelli auf den neuen Autos mit den leistungsstärkeren Motoren machen werden.

Unser Vorschlag: Abwarten bis zur Sommerpause! Sollte sich rausstellen, dass das Element der Pflichtboxenstopps für mehr strategische Möglichkeiten sorgt, kann man es immer noch einführen.

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4 Kommentare

speedwriter33 30 November, 2013 - 14:32

Dieser künstliche Unfug scheint immer mehr überhand zu nehmen. Die Formel 1 läuft Gefahr, sich endgültig lächerlich zu machen. Was hat das alles noch mit Motorsport zu tun? Der ist zum billigen (wenn auch teuren) Spektakel mit einer Fülle vollkommen wertloser Überholmanöver verkommen. Besser wäre es, DRS, Reifenwechsel etc. einfach abzuschaffen.

nona 30 November, 2013 - 16:39

Da scheint mir ein kleiner Fehler in der Argumentationskette zu sein. Wenn das höhere Drehmoment der Turbos die Hinterreifen mehr belastet (als bislang), dann ist wegen dieser Mehrbelastung auch nicht wirklich damit zu rechnen, dass analog zu 2012 die Teams (fast) ein ganzes Rennen damit durchfahren, wenn sie die 2012er-Härte haben.

Grundsätzlich halte ich jeden Reifenhersteller für fähig, Material bereitzustellen, das sicherheitsunkritisch ist und genau hinreichenden Abbau aufweist, um Rennspannung zu erzeugen. Sie müssen natürlich irgendwie mit aktuellen Fahrzeugen/Parametern mal testen dürfen, und bestimmte Sachen sollten per Regelwerk festgeschrieben werden (Sturz, Druck) damit die Teams nicht Schindluder treiben und der Einsatz dadurch unsicher wird, aber all das ist einigermassen problemlos machbar und sollte kein Grund sein, per künstlichem Regeleingriff in den Rennablauf via solchen Unfugs wie z.B. Pflichtboxenstopps für mehr Spektakel zu sorgen (und nichts anderes ist das).

Hascherl 30 November, 2013 - 18:31

Mich persönlich stört nicht _diese_konkrete Idee, sondern diese anhaltende reglementierungswut. Die technische und strategische Freiheit wird seit Jahren sukzessive eingeschränkt und das lässt mein Interesse an diesem meinem Lieblingssport zunehmend sinken.

Ralf G. 1 Dezember, 2013 - 12:03

@ Hascherl:

In der Tat, ein weiterer Sargnagel für die Formel 1. Das soll die Königsklasse sein und kein Markenpokal oder ein Zirkus wie die DTM. Was kommt als nächstes, zur Halbzeit des Rennens fahren alle an die Box und der Erste muss das Auto mit dem Letzten tauschen, der Zweite mit dem Vorletzten usw.?

Der Weg aus der Krise ist m.E.: Weg mit diesem ganzen künstlichen Zeugs. Das fängt schon beim Qualifying.

Das Reglement soll einen Rahmen schaffen in dessen Parametern sich jeder frei in seinem Rennen bewegen kann (egal ob mit 0,1,2,3 oder 4 Boxenstopps). Und dann mal den Kalender wieder auf die frühere Größe zurückführen. Das man mehrere und eigene Wege in Sachen, Auto, Motor und Strategie entwickeln konnte war jahrzehntelang der Reiz der die Formel 1 ausgemacht hat. Mit Reglementierungswut, künstlicher Spannung und einem elendig ausgedehnten Rennkalender wird man die Formel 1 früher oder später erledigt haben.

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