Home Formel EinsF1Formel Eins: Vorschau Türkei GP / Streit geht weiter

Formel Eins: Vorschau Türkei GP / Streit geht weiter

von DonDahlmann
2 Kommentare 7 minutes read

Der GP der Türkei steht an aber wie auch beim letzten Rennen, wird der Sport mal wieder im Schatten der Politik stehen.

Aber bevor ich noch ein paar Worte zum Thema FIA/FOTA verliere, erst mal ein Ausblick auf das Rennen in der Türkei. Dort geht es auf einer der schönsten und durchaus anspruchvollsten Strecken der Saison um den Sieg. Das, was Dauer-Baumeister Hermann Tielke da hin gezaubert hat, ist wirklich ein echtes Schmuckstück. Aber da kann man dann auch mal sehen, was Tielke kann, wenn man ihm ein nettes Gelände gibt. Zumindest aus Sicht des Fahrers kann man die Strecke nur lieben. Aus Zuschauersicht sieht das dann doch leider wieder etwas anders aus, denn auch diese Strecke lädt nicht gerade zum Überholen ein:

Ausnahme ist die Anbremszone von Turn 12, wo man schon einige Manöver gesehen hat. Für die Fahrer dürfte allerdings Turn 8 deutlich wichtiger sein. Die jetzt schon legendäre Kurve ist aber wirklich extrem schwer zu nehmen, weil sie nur dann voll geht, wenn man die Linie auf den Millimeter trifft. Das ist schon in den Simulationen schwer, wo man normalerweise mehr „Spielraum“ für Fehler hat, in der Wirklichkeit braucht man wohl noch bessere Nerven, auch wenn die Auslaufzonen so groß wie ein Fußballfeld sind. Die Kurve ist wirklich genial, auch wenn es am Fernsehen vermutlich nur zum Teil rüber kommt. Ich empfehle da jede wirklich mal eine gute Simulation auszuprobieren.

Die Strecke ist schnell, aber die vielen, vielen schnellen Kurven verlangen auch jede Menge Abtrieb. Ein Vorteil für alle, die schon einen Doppel-Diffusor haben und deren Wagen vor allem über jede Menge aerodynamischen Grip verfügen. Es spricht da also viel für BrawnGP und Red Bull, die in dieser Disziplin bisher am besten waren. Toyota sollte man, trotz der schwachen Ergebnisse, nicht vergessen, denen könnte die Strecke und die Hitze liegen. Ferrari rechnet sich selber zum Favoritenkreis, aber bisher fehlte dem Wagen der aerodynamische Grip. Es ist schwer einzuschätzen, wo die Italiener auf dieser schwierigen Strecke stehen werden.

Renault hat Rennen schon jetzt abgeschrieben, glaubt den Pressemitteilungen. Angeblich soll der R29 eher auf Strecken gut sein, die mehr mechanischen Grip verlangen, aber davon war in Monaco nicht viel zu sehen. BWM kommt endlich mit einem Doppel-Diffusor, aber ob dasdie Mannschaft wieder in die Top 10 bringt? Bei den letzten Rennen fehlten gut und gerne 1.3 bis 1.5 Sekunden auf die Spitze, und die anderen Teams haben ja auch neue Teile dabei. McLaren war auf der Strecke zwar in der Vergangenheit stark, aber dieses Jahr erwarte ich nicht viel von ihnen. Das gilt auch für Williams.

Kurz gefasst: Alles andere als ein BrawnGP Sieg würde mich überraschen. Aber so langsam würde ich auch gerne mal wieder daneben liegen mit meinem Tipp.

Nicht daneben liegt man allerdings, wenn man davon ausgeht, dass der Streit zwischen der FIA und der FOTA in die nächste Runde geht. Wobei ich gleich sage, dass man vorsichtig sein muss, denn es fliegen im Moment eine Menge Gerüchte durch die Luft, die man vermutlich nicht allzu ernst nehmen sollte.

Stand der Dinge:
Alle bestehenden Teams haben sich für die Saison 2010 eingeschrieben. Während Williams das allerdings ohne Bedingungen gemacht, sieht es bei den anderen neun Teams anders aus. Die haben gleich Bedingungen an ihre Einschreibung geknüpft:
1. 2010 wird im großen und ganzen nach den Regeln von 2009 gefahren.
2. Bis zum 12. Juni gibt es ein neues Concorde Agreement.

Von Budgetkürzungen reden die Teams (offiziell) überhaupt nicht. Das sie die Einschreibung an ein neues, bis 2012, laufendes Concorde-Agreement geknüpft haben, ist allerdings etwas pikant. Zum einen ist der 12.Juni auch der Tag, an dem die FIA die Nennliste für 2010 bekannt gibt, zum anderen wird in dem Agreement vor allen die finanzielle Seite der Formel Eins festgezurrt. Also wer wieviel Geld abkommt. Aber genau der Punkt ist seit Jahren einer der umstrittensten Sachen in der Formel Eins. Bisher bekommen die Teams 50%, sie wollen aber mehr. Was Ecclestone nicht will, der seine Partner die Rücken hat, die wiederum nicht einsehen, warum sie weniger verdienen sollten. Wie man neue Regeln und ein neues Agreement bis zum 12. Juni unter einen Hut bringen will, ist mir angesicht der Schwierigkeiten der letzten Monate, schleierhaft. Man hat es ja nicht mal geschafft, innerhalb von drei Monaten Klarheit in Sachen Diffusor zu schaffen.

Gleichzeitig behauptet die FIA, dass sich jede Menge neue Teams schon für 2010 eingeschrieben haben. Die Liste ist mittlerweile ebenso lang wie kurios. Lola, Campos und USGPE sind ja noch die Kandidaten, die man wirklich ernst nehmen muss. Beim Rest wundert man sich nur noch. In aller Kürze:

– Prodrive/Aston Martin
Ja, Dave Richards würde gerne in die Formel Eins, aber bisher ist das immer wieder am Geld und/oder an Sponsoren gescheitert. Er hat in den letzten 24 Monate so oft von einem Einstieg gesprochen, dass ich erst überzeugt bin, wenn ich er zwei Wagen zu einem Rennen bringt. Das Know-How hat er allerdings.

– Epsilon Euskadi
Die Spanier sollten die Technik beherrschen, sie haben mit Sergio Rinland schon einen ehemaligen Designer von Sauber angeheuert. Aber ich hab immer mal wieder von Problemen mit den Sponsoren gehört und wollte Epsilon nicht die zweite Basis von USGPE sein?

– iSport
Gutes GP2 Team, aber denen fehlt der finanzielle Hintergrund.

– Litespeed
Ein Team, dass in der britischen F3 rumkurvt und sich die Chassis von ART herstellen lässt. Was wollen die in der F1?

– Superfund
Mit Alex Wurz an der Spitze durchaus ernst zu nehmen, aber auch wie die in sechs Monate eine Infrastruktur aus dem Boden stampfen wollen, ist mir ein Rätsel.

– March
Das Team gehört nicht mehr Max Mosley, sondern einem Mann name Andrew Fitton, der gnügend Geld haben sollte. Aber auch hier: Kein Personal, keine Technik.

– Brabham Grand Prix
Gehört jetzt dem Deutschen Franz Hillmer, der voriges Jahr schon Super Aguri kaufen wollte, aber bei Honda abgeblitzt ist. Hillmer hat Geld aber sonst auch nichts.

– N.Technology/MSC Organization Ltd
Als ich das heute gelesen habe, musste ich laut lachen. N.Technology selber ist eigentlich pleite, die MSC Organization Ltd., die dahinter steckt, gehört aber Mauro Sipsz, dem ehemaigen (?) Geschäftsführer von N.Technology. MSC war auch die Organisation die die „Formula Master“ organisiert hatte. Jene Serie, in der Ex-F1 Stars gegeneinander fuhren, und die dann sang- und klanglos unterging.

Anders ausgedrückt – die genannten Kandidaten sind bis auf Prodrive und Epsilon evtl. noch iSport allesamt nicht in der Lage, ein eigenes Team samt Chassis bis zum Winter auf die Beine zu stellen. Es sei denn, der FIA fällt plötzlich ein, dass Kundenchassis doch keine so doofe sind, und Dallara gleich noch drei Kohlefaseröfen zusätzlich kaufen kann. Ansonsten sind das Papiertiger, ohne Hintergrund. Man könnte fast den Eindruck bekommen, die FIA habe für jede Einschreibung eine finanzielle Belohnung in Aussicht gestellt, aber das würde wohl selbst die FIA nicht machen.

Die FOTA hat also durchaus gute Karten. Sie hat sich ein wenig bewegt, sich hat der FIA die Tür aufgehalten. Allerdings habe ich von der FOTA bis heute nicht ein tragfähigen Vorschlag in Sachen Reglement oder Budget gehört. Gerüchterweise will man 2010 noch 100 Millionen, um dann 2011 auf 45 Millionen Euro runter zu gehen. Aber ich glaube kaum, dass die FIA das mitmacht, zumal man ja den neuen Teams die 45 Millionen mit der Einschreibung ja zugesichert hat.

Theoretisch kann die FIA mit den Nennungen die Serie voll bekommen, aber auch die FOTA könnte mit dem Aufkauf der A1 GP Serie in nullkommanix eine eigene Formel Eins auf die Beine stellen. Die Gefahr einer Trennung ist also noch nicht vom Tisch.

Und sonst?
Morgen kommt der Rest der Vorschauen und des TV-Programms.

05.06.2009
LIVE 08:55 Uhr   F1   Türkei 1. FT   Premiere, DSF 11.30h
LIVE 12:55 Uhr   F1   Türkei 2. FT   Premiere, DSF 19.00h

Das könnte Dir auch gefallen

2 Kommentare

Prometheus 5 Juni, 2009 - 12:43

Zum Türkei-Grand Prix: seit ich die Strecke für GTR2 runtergeladen hab, habe ich sie auch richtig lieb gewonnen. Mir hat es insbesondere die Kurve 3 angetan, ein mittelschneller Linksbogen hinter einer Kuppe, die Ecke erinnert mich immer an MoSport, eine meiner Lieblingsstrecken.

Leider merkt man als Zuschauer wirklich nicht sooo viel davon wegen der großen Auslaufzonen und dem wenigen, was es am Streckenrand gibt, einschließlich Zuschauer. Die sind ja auch eh ein großes Problem dort, ich hatte die Tage schon mal nen motorsport-total-Artikel im Chat verlinkt, dass es wegen der jedes Jahr weniger werdenden Zuschauer wahrscheinlich demnächst gar keinen Türkei-GP mehr gibt, denn die Anlage gehört ja Ecclestone und der will da ja auch keine jährlich zweistelligen Millionen-Verlust einfahren. Wäre aber schade um die Bahn…

Zu den neuen Teams: Alex Wurz sagte in der MSa, es gäbe eine Partnerschaft von Superfund mit einem bestehenden Team, die auch schon abgesprochen sei. Vielleicht sowas wie McLaren-Force India? Ich traue es jedenfalls am ehesten Epsilon Euskadi zu, die haben die Anlagen, das Personal und die Ressourcen, um sowas durchzuziehen, denke ich.

Und zu „Brabham“: überall liest man die Schlagzeilen, dass das große historische Brabham-Team zurückkehrt, aber außer dem Namen, an den dieser Bayer irgendwie rangekommen ist, hat das ganze doch überhaupt nix mit Brabham zu tun… selbst die Familie Brabham hat sich schon distanziert und will versuchen, ihren Namen da wieder rauszukriegen. Und „Formtech F1“ klingt schon wieder deutlich weniger spektakulär, nicht wahr?

Art Vandelay 5 Juni, 2009 - 17:34

@Superfund: Bei uns in Österreich erzählt man sich, dass die schon irgendwo in Österreich Hallen für das Team angemietet haben sollen. Superfund arbeitet ja schon länger an dem Projekt. Es ist durchaus möglich, dass sie schon eine Infrastruktur in der Pipeline haben und nur darauf warten die Lizenz zu bekommen um dann das Ganze hochzufahren. Wie realistisch die Ambitionen von denen wirklich sind ist unklar, klar ist aber, dass sie es ernst meinen. (Sonst wäre Wurz da nicht dabei. Der hat immer solide Entscheidungen ohne viel Risiko in seiner Karriere getroffen…)
Ich halte nur den Standort Österreich für ein Formel 1 Team für ungeeignet. Wenn man es richtig machen will geht man nach England, wo sich alles abspielt. Oder wenigstens nach Italien. Geld haben sie jedenfalls und gute Leute könnten sie durch die Kontakte von Wurz auch bekommen…

Comments are closed.

  Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC   Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC
Racingblog
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.