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Vorschau: Itaipava Sao Paulo Indy 300

von Vorsicht
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Als letztes Rennen vor dem Indy 500 beschließt Sao Paulo das erste Rundkurs-Segment der Saison. Wenn es ähnlich läuft, wie im Vorjahr, dann winkt ein spannendes Rennen.

Fünf brasilianische Fahrer, Live-Übertragungen im Free-TV und Massen begeisterter Fans an der Strecke: Fast könnte man meinen, die IndyCar Series (oder portugiesisch „Formula Indy“) wäre in Brasilien populärer als in den USA. Die Professionalität in Aufbau und Planung der Strecke konnte im vergangenen Jahr noch nicht so ganz mit diesem Enthusiasmus mithalten – nach den ersten Trainings am Samstag stand sogar in Frage, ob der Lauf am Sonntag stattfinden könne. Er konnte. Und war vermutlich das spannendeste Rundkursrennen der ganzen Saison. Geholfen haben dabei nicht zuletzt massive Bodenwellen, ein plötzlicher Gewitterschauer und die fast eineinhalb Kilometer lange Gerade. In diesem Jahr hat man die Strecke etwas modernisiert – leider bleiben an manchen Stellen aber trotzdem Bedenken um die Sicherheit bestehen.

Die Favoriten

Sportlich wird sich das Kräfteverhältnis wohl ziemlich ähnlich präsentieren, wie auch bei den bisherigen drei Rennen. Penske war hier schon im vergangenen Jahr mit Will Power im Victory Circle, und wird nach den bisherigen Vorstellungen in dieser Saison wohl auch in Sao Paulo das Team sein, dass es zu schalgen gilt. Ganassi hat in Long Beach eines jener Wochenenden erwischt, an denen das Team auf mysteriöse Weise im vorderen Mittelfeld versumpft. Auch 2010 war man (im Rennen) nicht ganz vorne dabei. Mal sehen, ob sie diese Schwächephase am Sonntag wieder beenden können.

Im Kampf um die dritte Kraft in der IndyCar Series scheint sich derzeit ein etwas überraschendes Duell zu entwickeln. Andretti Autosport rittert um diesem Titel mit dem Comeback-Kids von Newman/Haas Racing. Die ehemalige Meister-Mannschaft aus der Champ Car Serie, im vergangenen Jahr mit Hideki Mutoh im Nirgendwo unterwegs, hat mit Oriol Servia und James Hinchcliffe heuer zwei sehr fähige Piloten geangelt. Vom reinen Speed her hat das Team für mich im Moment die Nase vorn.

Der überragene Mike Conway hat dem sonst weniger glänzenden Team von Andretti Autosport in Long Beach einen Überraschungerfolg beschert. 2010 hätte Teamkollege Ryan Hunter-Reay in Brasilien um ein Haar gewonnen. Wenn die Mannschaft ein gutes Wochenende erwischt, dann könnte vielleicht eine weitere Sensation gelingen.

Beim Thema: Mit einer großartigen Leistung in ihrem allerersten Rennen hat Simona de Silvestro in Sao Paulo 2010 ihre ersten Führungskilometer in der IndyCar Series gesammelt. Die Vorstellung hat damals Wunder für ihren Ruf gewirkt. Mittlerweile hat die Schweizerin schon in mehreren Rennen ihr Talent bewiesen. Ein wenig Chaos und kluge taktische Entscheidungen könnten es auch in diesem Jahr erlauben, mit einem Auto von Schlage ihres HVM die großen Teams zu ärgern.

Umbaumaßnahmen

Schon seit einigen Wochen laufen in der bevölkerungsreichsten Stadt Südamerikas die Vorbereitungen auf das Rennen. Und das gestaltet sich gar nicht so einfach, denn die Strecke besteht weitgehend aus stark befahrenen öffentlichen Straßen – übrigens auch der Grund, wieso die IndyCars in Brasilien nur Samstags und Sonntags unterwegs sind.

Ein paar Änderungen gegenüber dem Vorjahr hat man trotzdem hinbekommen, die wichtigste betrifft wohl den Untergrund: Nach der Slapstick-artigen Rutschpartie vom vergangenen Jahr (hier ein Youtube-Clip für Uneingeweihte), haben die Organisatoren heuer die Betonplatte im Samabadrom schon vor Beginn des Wochenendes abgeschliffen. Zumindest dort sollte es 2011 also mehr Grip geben. Auch auf dem Rest der Strecke liegt jetzt neuer Belag: Statt dem bisher verwendeten normalen Straßenasphalt wurde der „Circuito Anhembi“ nun mit der gleichen Mischung ausgestattet, die man auch auf der Formel 1 Strecke von Interlagos verwendet.

Seinen Charakter wird der Kurs trotzdem nicht verlieren: Denn so sehr man sich auch bemüht – auch über den neu planierten Kurs fahren pro Tag 30.000 Autos. Bodenwellen lassen sich so ganz einfach nicht vermeiden – und letztendlich gehört das zu einem Stadtkurs ja auch dazu. So extrem wie im vergangenen Jahr werden die Aufhängungen nun aber nicht mehr arbeiten müssen.

Das ist vielleicht auch ganz gut so. Denn man möchte sich gar nicht ausmalen, was passieren würde, wenn so eine Aufhängung etwa am Ende der eineinhalb Kilometer langen Gegengeraden bricht. Dort mangelt es nämlich – wie auch an mach anderen Stellen der Strecke – ziemlich massiv an Auslauf. Die Gerade ist auch aus einem anderen Grund etwas riskant: Denn es handelt sich nicht wirklich um eine reine Gerade – genau in der Mitte befindet sich ein leichter Knick, der die zweite Hälfte uneinsichtig macht. Wenn dort jemand in den Leitplanken landet (oder auch nur langsam unterwegs ist), bleibt dem Hintermann nur sehr wenig Zeit, um zu reagieren.

Kleinere Sicherheitsupdates gibt es dafür an anderen Teilen der Bahn: So wurde etwa die erste Schikane, vor der 2010 Mario Moraes abhob und auf dem Auto von Marco Andretti landete, heuer etwas breiter sein. Zudem wurde dort auch mehr Auslauf geschaffen. Außerdem hat man in einigen Kurven die inneren Curbs entfernt, um einen flüssigeren Streckenverlauf hinzubekommen.

Die Strecke

Unverändert ist der grundsätzliche Charakter der Strecke, die hauptsächlich aus 90-Grad Kurven und der (sehr) langen Geraden besteht. Einzige Ausnahme ist die Start- und Zielgerade, die sich im Sambadrom der Stadt Sao Paulo befindet – also an jenem Ort, wo im Karneval bunt verzierte Wagen mit halbnackten Tänzerinnen entlangfahren. Wenig überraschend haben die Brasilianer an dieser Stelle riesige Tribünen errichtet, die auf beiden Seiten ziemlich nahe an der Strecke stehen. Das erleichtert nicht nur im Karneval die Sicht, sondern sorgt auch beim IndyCar-Rennen für eine ganz besondere Atmosphäre.

Darauf folgt die angesprochene links-rechts Schikane, das Samba-S, das für 2011 etwas verbreitert wurde – und so vielleicht für etwas bessere Überholmöglichkeiten sorgen könnte. Eine weitere links-rechts Kombination, die nach dem nahegelegenen Flughafen benannte Curva Base Area mündet auf die zweitlängste Gerade des Kurses, die Reta de Marte (Mars-Gerade). Hier befindet sich auch die von Start und Ziel unahängige Einfahrt in die Boxengasse. Es folgt eine ganze Reihe von recht knapp nacheinandergebauten jeweils rechteckigen links- und rechts Turns mit eher unspannenden Namen, die um die Ausstellunghalle des Stadtteils Anhembi führen.

Die letzte dieser Biegungen, die Curva Tietê führt auf die Reta dos Bandeirantes, die schon mehrfach angesprochene längste Gerade der IndyCar-Saison. Benannt ist sie übrigens nach den „Bandeirantes“, jenen Abenteurern, die im 17. und 18. Jahrhundert auf der Suche nach Reichtümern (und Sklaven) den Amazonas-Urwald durchforsteten – und so für das Gebiet für das moderne Brasilien erschlossen.

Die fast 180 Grad messende „Curva da Vitória“ mündet schließlich am Ende der Geraden wieder ins das Sambadrom. Hier noch eine Onboard-Runde aus dem vergangenen Jahr. Man beachte ganz besonders die Aufhängungen!

Im TV

Für die Übertragung des Rennens ist in den USA abermals Versus verantwortlich. Die Mannschaft muss derzeit mit sehr unverdienten Rückschlägen kämpfen – trotz hervorragender Übertragungen aus Alabama und Long Beach verliert in IndyCar Series gegenüber dem ohnehin schon schwachen Standard aus 2010 teils dramatisch an Quoten. In Alabama hatte man mit der gleichzeitg stattfindenden Übertragung des Masters unter Beteiligung von Tiger Woods zu kämpfen – und vor zwei Wochen fand zeitgleich das NASCAR-Rennen in Talladega statt. Am kommenden Wochenende wird man keine dieser Entschuldigungen mehr haben. Der Serie ist daher dringendst zu wünschen, dass diesmal wieder etwas mehr Fans einschalten.

Im deutschsprachigen Raum gibt es dagegen auch weiterhin keine Möglichkeit das Rennen auf reguläre Weise zu verfolgen – wer zusehen will, muss sich also im Dschungel des Internets als Bandeirante betätigen, und auf die Jagd nach einem Stream gehen.

(Bilder: INDYCAR)

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