Home Formel EinsF1Formel Eins: Analyse GP von Mexiko – Wunderkinder und dumme Kinder

Formel Eins: Analyse GP von Mexiko – Wunderkinder und dumme Kinder

von DonDahlmann
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Der jüngste Weltmeister aller Zeiten, der erste italienische Weltmeister seit dem Fall von Rom und Ferrari löst sich auf. Es war ganz schön was los in Mexiko.

Oder sagen wir mal: Die Randgeschichten waren deutlich spannender, als das Rennen selbst. Aber erst mal zum neuen Weltmeister. Kimi Antonelli hat es geschafft und Geschichte geschrieben. Der erste Weltmeister unter 20 Jahren, der erste Weltmeister seit 1953, der aus Italien kommt. Und er hat den Titel nicht geschenkt bekommen. Seine Leistungen haben für sich allein gesprochen. Dabei war hauptsächlich auffällig, wie konstant Antonelli in dieser Saison war. Er leistete sich wenig Fehler, er war an fast jedem Wochenende voll da und hatte nur minimale Schwankungen in seinen Leistungen.

Man darf aber auch eins nicht vergessen: Das Team hat sich voll auf ihn konzentriert. Mal abgesehen von Max Verstappen war selten ein Fahrer so tief eingebettet und es wurde ihm so viel geholfen. Spätestens ab dem Punkt, an dem er die WM-Führung übernommen hatte, schien man bei Mercedes die Konzentration voll auf den Italiener zu legen. Der Enthusiasmus, mit dem Toto Wolff über Antonelli redet und ihn verteidigt, spricht Bände. Dass sein Teamkollege da frustriert reagiert, ist verständlich. Aber Russell war in dieser Saison nur schmückendes Beiwerk. Quasi der neue Bottas.

Russell hat dieses Jahr zwar auch viel Pech gehabt. Zwei Ausfälle in aussichtsreicher Position zählen dazu. Aber klar war auch, dass er mit dieser Generation der Autos weniger gut zurechtkommt, als Antonelli. Der neue Weltmeister hat ihn vor allem in der Quali regelmäßig geschlagen. Was Russell zusätzlich frustriert hat. Eine ganze Reihe von schwachen Rennen mit eigenen Fehlern kamen hinzu. Antonelli war schlichtweg schneller und zeigte auch in den Rennen kaum Schwächen.

Und natürlich hat Mercedes Antonelli das richtige Werkzeug zur Hand gegeben. Nach etlichen Jahren mit Problemen, hat das Team in diesem Jahr vom Start weg das beste Chassis gehabt. Und den besten Motor, was man ja vorher schon vermutet hatte. Aber der Motor ist nur ein Teil der Rechnung, wie man bei Red Bull und McLaren sehen kann. Man muss schon den Hut vor Mercedes ziehen, dass es ihnen nach den letzten frustrierenden Jahren gelungen ist, ein Auto zu bauen, das Maßstäbe setzt.

Der Italiener ist mit 19 Jahren ein Ausnahmetalent, keine Frage. Wie gut er dann tatsächlich ist, wird man sehen. Aber er hat locker 20 Jahre in der F1 vor sich und wenn sein Talent so groß ist, wie es scheint, wird es nicht der letzte Titel gewesen sein. Das hängt aber natürlich auch stark von seinen Entscheidungen ab und davon, ob Mercedes ihm jedes Jahr so ein überragendes Auto zur Verfügung stellen kann. Wie man bei Norris und McLaren gesehen hat, kann sich eine Dominanz schnell auflösen. Und am Beispiel Alonso kann man erkennen, dass Erfolg auch mit den persönlichen Entscheidungen zusammenhängen kann.

Womit ich bei Ferrari wäre, wo schon mit Alonso und Vettel nacheinander zwei Ausnahmefahrer scheiterten. Die italienische Presse feiert heute Antonelli und dass er nicht in einem Ferrari sitzt. Es ist aber auch so sicher wie das Glockengeläut in Maranello, dass die Presse Antonelli früher oder später in einem Ferrari sehen will. Ob der Antonelli-Clan das will, ist dann wieder eine andere Frage.

Das, was Ferrari sich in Mexiko geleistet hat, war wieder unter aller Kanone. Und dieses Mal waren es die Fahrer. Die Schuldfrage wird natürlich gestellt und nach mehrfacher Ansicht der ganzen Sache in der ersten Runde, steht für mich fest: Leclerc trägt die Hauptschuld. Und das nicht zum ersten Mal (siehe Monza). Er trägt für mich die Schuld, weil er erneut, um es freundlich auszudrücken, übermotiviert unterwegs war.

Die Szene in Turn 1 war ok – hart, aber sauber. Aber es in T4 in der ersten Runde außen zu probieren, geht gar nicht. Das passt schon so selten und nur dann, wenn der Gegner mitspielt. Aber warum sollte Hamilton das machen? Leclerc scheint in manchen Situationen seinen Kopf auszuschalten, was eine echte Schwäche von ihm ist. Er wäre mit der Aktion auch nicht gegen Verstappen, Norris oder Piastri durchgekommen, die ihn alle hätten auf der Außenbahn verhungern lassen. Warum sollte Hamilton das anders machen? Stattdessen hätte er auf der langen Geraden die Chance gehabt, sauber an seinem Teamkollegen vorbeizugehen. Er hatte den Windschatten, er hatte die Extra-Leistung.

Wenn ein Fahrer nicht eine halbe Runde weiterdenken kann, dann hat er ein Problem. Leclerc zählt zu den besten und schnellsten Piloten im Feld. Aber nicht zu jenen, die in der Lage sind, ein paar hundert Meter weiter nach vorn zu denken. Seine Verbissenheit ist eine Schwäche, seine Egotrips ebenfalls. Ferrari-Boss Vasseur nannte nach dem Rennen keine Namen, machte aber auch deutlich, dass bei Ferrari gilt “Erst Ferrari, dann der Fahrer.”

Hamilton fordert seit Monaten “Rules of Engagement”. Also das, was fast alle Teams haben. Klassische Interpretation: Wer nach der ersten Kurve vorne ist, bleibt da auch, bis sich das Feld beruhigt hat. Ferrari benötigt eine solche Regel offenbar auch, weil beide Fahrer zu egoistisch sind und sich wie bockige Kleinkinder verhalten.

Und dann war da noch die Sache bei Haas. Am Samstag verkündete man schmallippig, dass Esteban Ocon nicht am Rennen teilnehmen wird, stattdessen würde man auf Ryo Hirakawa setzen, der eh einen geplanten Einsatz am Freitag hatte und vor Ort war. Nur, was war passiert? Man weiß es nicht. Die einzige Aussage kam von Ocon selbst, der bestätigte, dass es “Auseinandersetzungen” gegeben hätte, die aber nie handgreiflich gewesen sein.

Dass Ocon hitzköpfig ist, weiß man. Dass er bei jedem Team seine Probleme hatte, auch. Aber offenbar hatte Haas keine Lust mehr auf den Stress. Hirakawa freute sich und brachte dem Team, nachdem drei Fahrer (Gasly, Colapinto, Piastri) nach dem Rennen nachträglich bestraft worden waren, dann auch noch einen Punkt nach Hause. Aber auch P13 wäre aller Ehren wert gewesen. Immerhin musste mit nur wenig Vorbereitung ins Auto springen.

Wie es bei Haas weitergeht, ist unklar. Hirakawa kann nächstes Wochenende eigentlich nicht, da er für Toyota in der WEC in Monza an den Start gehen soll. Aber Toyota hat den WM-Titel in der WEC schon, allerdings kann Hirakawa zusammen mit Hartley und Buemi den Fahrertitel gewinnen. Darauf wird er wohl nur ungern verzichten.

Als Alternative hätte Haas natürlich den gerade verpflichteten Ferrari-Junior Rafael Câmara. Der hätte für Brasilien und Las Vegas Zeit, kann aber kaum an den beiden Rennen in Katar und Abu Dhabi teilnehmen, weil er da im F2 sitzt und um den Titel kämpft. Da könnte man allerdings auch wieder Hirakawa einsetzen, da die WEC‑Saison vorbei ist. Tatsächlich würde das gehen. Zwar darf ein Team pro Jahr nur vier Fahrer einsetzen, aber die auch in Rotation. Bearman, Ocon, Hirakawa und Câmara würden also passen. Aber ich wäre schwer überrascht, wenn wir Ocon noch im Haas sehen. Oder in der Formel Eins generell.

Ach ja, ein Rennen gab es auch noch. Das war aber nach dem Getöse in der ersten Runde bis zur Unterbrechung in Runde 45 eher mau. Erst führte Leclerc, doch der hatte eine 5-Sekunden-Strafe bekommen und Verstappen nutzte das beim Boxenstopp aus, um bequem in Führung zu gehen.

Das Feld zog sich wie in Mexiko gewohnt auseinander und es passierte nur wenig. Bis die rechte vordere Aufhängung am Cadillac von Bottas in Runde 45 ausgerechnet beim Anbremsen in T1 kollabierte und der Finne einen langen, unschönen Abflug hatte. Etwas durchgeschüttelt musste er einen Moment im Auto verharren, worauf die Rennleitung das Rennen komplett unterbrach, was die richtige Entscheidung war.

Den Restart gewann Verstappen, der dann allerdings Hamilton hinter sich hatte, der am Start Leclerc kassiert hatte. Der Monegasse verhielt sich anders als beim ersten Start dann auch ruhiger, was aber auch daran lag, dass er sich beim Anbremsen vertan hatte und einen Bremsplatten hatte. Was dann wiederum Antonelli nutzte, der nach einem ruhigen Rennen am Ende P3 entgegen schwamm.

P5 ging an Norris. McLaren war zu keiner Zeit in der Lage vorn einzugreifen und in den letzten Runden biss sich der nun ehemalige Weltmeister an Leclerc die Zähne aus. Viel zu beschweren gab es nicht, der McLaren war einfach limitiert.

Russell erreichte P6. Da wäre mehr drin gewesen, wenn der Brite nicht in der ersten Runde Hadjar ins Aus bugsiert hätte, was ihm eine 10-Sekunden-Strafe einbrachte. Es war ein für ihn in dieser Saison typisches Wochenende. Eigene Fehler und Pech mit der Technik vereitelten ein besseres Ergebnis. Er war offenbar so genervt, dass er nach dem Rennen nicht mal mehr Interviews gab. Es gibt wohl kaum einen Fahrer, der die Winterpause mehr herbeisehnt, als er.

Liam Lawson erreichte P7 und RB war damit abermals “best of the rest”. Er hatte kein einfaches Rennen, mogelte sich aber gut durch und lieferte die mittlerweile gewohnte Leistung ab. Er macht jedenfalls alles um Red Bull davon zu überzeugen, dass er ein weiteres Jahr in der F1 fahren darf.

P8 erreichte Bortoletto. Die Audi sahen zunächst stark aus, fielen dann aber im Verlauf des Wochenendes ab. Weder der Brasilianer, noch Hülkenberg erreichten Q3, wenn auch knapp. Eigentlich wäre es nur der elfte Platz für Audi geworden, aber aufgrund der ganzen Strafen ergatterte man dann doch Punkte. Hülkenberg jedoch nicht, der hatte eine Strafe kassiert, weil er Bearman ins Heck rauschte.

Hadjar erreichte P9. Das Ergebnis sieht nicht gut aus, aber Russell hatte ihn ja in der ersten Runden ins Abseits geschickt. Dafür, dass Hadjar in der ersten Runde letzter war, ist das Ergebnis ok. Sein Problem ist halt weiter, dass er in der Quali zu viel Zeit verliert und sich dann weiter hinten herumschlagen muss. P10 ging wie erwähnt an Hirakawa.

Erwähnenswert ist noch der Auftritt der Aston Martin. Oder der Nicht-Auftritt. Alonso sah in FP3 und in Q1 richtig gut aus. Aber dann musste er sein Auto in Q1 abstellen. Im Rennen kamen beide Aston ganze zwei Runden weit. Dann verabschiedete sich parallel bei beiden Autos der Honda-Motor. So langsam wird es dann schon lächerlich. Dass der Motor nicht genug Leistung hat und auch zwei AUDO-Runden daran nicht geändert haben ist eine Sache. Dass man permanent Zuverlässigkeitsprobleme hat ist aber unentschuldbar am Ende der Saison.

Nächste Woche geht es in Brasilien weiter und die Strecke liefert ja im Gegensatz zu Mexiko immer gute Rennen ab. Mal schauen, was Ferrari da wieder falsch macht.

Bilder: Pirelli

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