Home MotorsportGT3-Report: DTM und GTWC am Nürburgring

GT3-Report: DTM und GTWC am Nürburgring

von Nils Otterbein
0 Kommentare 9 minutes read

Auch wenn sich das Renngeschehen auf der Nordschleife in einer Sommerpause befand, wurde die GP-Strecke des Nürburgrings intensiv genutzt. Nach der DTM fand der erste Endurance-Lauf der GTWC nach den 24 Stunden von Spa am Nürburgring statt. Während die DTM traditionell nur die Kurzanbindung nutzte, war die GTWC mit ihrem mächtigen Starterfeld auf der einstigen F1-Variante des GP-Kurses aktiv.

DTM

Bevor es an diesem Wochenende mit dem Geschehen am Sachsenring weitergeht, was bereits das vorletzte Saisonwochenende darstellt, ging es Mitte August zum Nürburgring. Eines vorab: Zum genauen Meisterschaftsstand können wir immer noch keine exakten Angaben machen und werden erst vor dem Saisonfinale in Hockenheim wissen, wie viele Punkte exakt vergeben wurden. Grund ist immer noch der schwebende Protest gegen die Disqualifikation von Mirko Bortolotti aus Oschersleben gegen die Nutzung nicht homoligierter Radlager. Dass der DMSB keinen früheren Termin gefunden hat, um zumindest bis zum Sachsenring die Posse zu klären, ist leider bezeichnend für eine DTM-Saison voller Nebenkriegsschauplätzen, die der Rennserie immer größeren Schaden zufügen. Für das Wochenende am Nürburgring entstand nun ein gewisser Schiefstand: Da zurzeit Maro Engel als Sieger aus Oschersleben gilt, hat dieser derzeit sieben Punkte mehr, aber startete auch mit 20 Kilo Erfolgsbalast. Man stelle sich vor: Bortolotti würde aufgrund einer erfolgreichen Berufung seinen Sieg zurückerhalten, Engel würde sieben Punkte abgezogen bekommen und hätte dennoch 20 Kilo statt zehn Kilo Zusatzbalast am Nürburgring mitzutragen, was im Nachgang selbstverständlich nicht mehr korrigiert werden kann. Spätestens dann reden wir von einer mehr als verschobenen Meisterschaft, und das wegen eines Teilnehmers, der formell gar nichts mit dem Titelkampf gemein hat.

Ohne Frage: Der Sport passt! Aber das Drumherum haben der ADAC und in letzter Instanz auch der DMSB leider nicht mehr im Griff. Hinzu kommt der immer lautere Trend zur Jammerei von Teams und Teilnehmern über die Einstufungen, auch von jenen, die „go hard or go home“ als ihr Karrieremotto propagieren. Dabei hat sich formell an den Erfolgsgewichten mit 20/10/5 Kg. für die Top3 und die reguläre Basis-BOP seitens der SRO nichts verändert. Es wäre nicht verwunderlich, wenn irgendwann der motorsportliche Kommunismus wie in der WEC Einzug hält, der den Beteiligten einen Maulkorb über BOP verpasst, nach dem Motto: Genießen sie die Show und seien sie unkritisch! Leider sind es die Geister, die langsam heraufbeschwört werden.

Dazu gab es weitere Kuriositäten vor dem Wochenende am Nürburgring zu vermelden: Haupt Racing handelte sich eine Durchfahrtsstrafe für beide Fahrer ein, da sie mit Frank Stippler kurz zuvor einen unangemeldeten Test auf gleicher Strecke mit einem Platin-Piloten absolvierten.

Rennen 1

Matteo Cairoli konnte sich für das erste Rennen eine weitere Pole Position sichern und verteidigte die Führung am Start gegen Thomas Preining, während Lucas Auer zwei Plätze gegen Marco Wittmann und Ben Dörr verlor. Ein weiteres Thema, woran der ADAC arbeiten muss: Bereits vor dem Stoppfenster gab es fünf Ausfälle, größtenteils ohne erkennbare Beschädigungen, sondern aufgrund mangelnder Erfolgsaussichten mit dem Hintergedanken, Reifen für den Sonntag zu sparen. So wurde es u.a. von Haupt Racing praktiziert. Auch gegenüber den Zuschauern vor Ort kann sich die DTM sowas eigentlich nicht leisten, da das Starterfeld mit 21 Autos nicht groß genug ist, um massenhafte Ausfälle hinzunehmen, wie es in der GTWC nicht allzu sehr auffallen würde. Selbst die Punktechancen bis P15 scheinen kein Anreiz zu sein, obwohl dieser mit wenigen Ausfällen bereits Punkte durch bloßes Ankommen sichern würde.

Cairoli konnte die Führung vor Preining mit einem Sechs-Sekunden-Stopp absichern, während sich dahinter Wittmann mit einem Stopp unter den sechs Sekunden, den dritten Rang vor Ben Dörr sichern konnte, nachdem die Frankfurter McLaren-Truppe wie so oft nicht die Schnelligkeit der Konkurrenz an den Tag legt, teils auch konzeptionsbedingt am McLaren-Modell. An den Spitzenpositionen änderte sich auch nach den Stopps nichts mehr. Maro Engel konnte mit dem maximal möglichen Balast noch den sechsten Rang einfahren, was weiterhin die massive Konstanz der AMG-Piloten aufgezeigt hat. Zweifelsohne wäre ein Debüttitel für Engel oder Auer nicht nur überfällig, sondern nach dieser Saison absolut verdient, auch wenn am Sonntag etwas Unglückliches passieren sollte.

Rennen 2

Mit 20 Autos ging es in den Rennsonntag. Ersatzpilot Christian Engelhart konnte durch Unfallschäden in Folge einer Kollision mit Thierry Vermeulen nicht mehr an den Start gehen. Bitterweise war es für Grasser nach dem Unfall von Max Paul am Norisring der nächste große Unfallschaden. Für Paul war es das letzte verpasste Wochenende. Der Dresdner, der bei den Läufen zur italienischen GT-Meisterschaft von seiner Lebensgefährtin Patricija Stalidzane vertreten wurde, wird für sein erweitertes Heimrennen am Sachsenring zurückkehren.

Die Top5 der Meisterschaft sollten sich alle für die ersten vier Startreihen qualifizieren mit Gounon/Dörr/Cairoli/Thiim/Engel/Wittmann/Auer und Preining. Die Mercedes-Piloten erlebten dieses Mal einen Horrorstart, nachdem sich Maro Engel eingangs Mercedes-Arena wegdrehte und neben Kelvin van der Linde ausgerechnet Lucas Auer traf, womit beide AMG raus waren. Nach dem Safety-Car konnte Jules Gounon inklusive des ersten Stoppfensters seine Führung verteidigen, bevor Ben Dörr als sein ärgster Verfolger ebenfalls ausschied, da sein Rad nach dem Stopp nicht festgezogen war und damit die nächste Neutralisation folgte.

Wie so oft ist dieses Jahr nicht nur aufgrund der freiwilligen Ausfälle das Samstagsrennen ein Rennen zweiter Klasse, auch aufgrund der Unterhaltung: Das Sonntagsrennen war auch dieses Mal an Unterhaltung durch das Format mit zwei Stopps kaum zu überbieten. Direkt nach dem Restart musste Jules Gounon das halbe Feld durch eine Penalty Lap in Folge von „Speeding in the Pitlane“ vorbeilassen, womit Marco Wittmann die Führung übernahm. Dahinter waren jedoch mit Tom Kalender, Luca Engstler, Nicky Thiim und Mirko Bortolotti einige unterwegs, die durch die samstäglichen Ausfälle mit frischen Reifen gut aufgestellt waren. Durch die unterschiedliche Reifenbenutzung ist der Schlussstint nach dem zweiten Stopp meistens sehr turbulent.

Marco Wittmann konnten die Führung verteidigen, wurden jedoch von Tom Kalender in den Schlussrunden stark unter Druck gesetzt, der damit sein erstes Podest in der DTM einfahren konnte. Thomas Preining hatte in der vorletzten Runde keine Chance mehr gegen ihn und musste sich mit dem dritten Rang begnügen. In der Diskussion des besten Rennens der Saison, ist Nürburgring Rennen 2 auf jeden Fall weit oben!

Maro Engel ist mit 160 Punkten formell weiterhin der Führende, nur einen Punkt vor Thomas Preining, bevor nun eine größere Lücke von ca. einem Rennsieg auf den Rest folgt.

Bildquelle: media.adac-motorsport.de (https://media.adac-motorsport.de/index.php?ID_dir=2614,2617,3557,3744)

 

GT World Challenge

An gleicher Stelle, nur mit längerer Streckenvariante kehrte der Endurance Cup der GT World Challenge aus der Sommerpause zurück, nachdem es nach Spa in Misano und Magny-Cours zwei Sprintwochenenden gab. Über dem Rennen stand die Frage, ob mit Winward Racing erstmals ein Teilnehmer vor dem Saisonfinale Meister im Endurance Cup hätte werden können. Und sie sollten abliefern, auch wenn manche Einflüsse in ihrem Sinne reinspielten.

Nach der Qualifikation, die nun auch im Endurance Cup mit 55 Autos in zwei Gruppen á drei Segmente unterteilt wurde, sah es zunächst nicht nach einem vorzeitigen Titelgewinn aus. Nach einem schwachen Q1 kamen sie durch die gemittelten Zeiten noch auf den achten Rang, auch wenn sie den Speed aus Le Castellet, Monza und Spa mit der „Mamba“ vermissen ließen, auch im Vergleich zu den Markenkontrahenten von Getspeed und 2Seas Motorsport, bzw. Verstappen Racing. Comtoyou Racing sicherte sich als einziger Meisterschaftsgegner mit Sörensen/Thiim/Drudi die Pole Position für die drei Stunden, bei denen Überholen mal wieder extrem schwer werden sollte.

Nachdem sich in den Startrunden Comtoyou mit Marco Sören, Getspeed mit Maxime Martin, Lionspeed als Spa-Sieger mit Bastian Buus, Joseph Loake im Garage59 McLaren und Daniel Juncadella im Verstappen-Mercedes behaupteten, erlebte Maro Engel die wohl härtesten Runden der gesamten Saison, bei denen er stets in Gefahr von Kollisionen kam, die schnell zu einem 0er gegenüber dem Meisterschaftsgegner hätte führen können. Auch die Markenkollegen wie Juncadella waren alles andere als zimperlich in den Startrunden. Über den Stint konnten sich Sörensen und Martin etwas absetzen, dahinter blieb das Feld sehr kompakt zusammen.

Das Rennen wurde mehrfach durch Neutralisationen beeinflusst. Als erstes Top-Auto fielen die Spa-Sieger rund um Lionspeed nach einem leicht vorgezogenen Stopp und Fahrerwechsel von Buus aus Feller massiv zurück, da es direkt nach ihrem Stopp zu einer Full-Course-Yellow kam. Allein der Mittelstint wurde dreimal durch Neutralisationen unterbrochen, so durch Kollisionen zwischen dem Rinaldi Ferrari und dem Rutronik Porsche und den McLaren von Optimum Motorsport und Greystone GT. Weil sich alle Neutralisationen weit außerhalb des möglichen Pitstop-Deltas befanden, was einen Stopp attraktiv gemacht hätte, gab es in der Spitzengruppe, bestehend aus Drudi/Götz/Macdonald/Weerts/Lulham und Stolz keine Veränderungen. Die Verlierer des letzten Stopps unter grün wurden die Mannen rund um Getspeed nach dem Wechsel von Maximilian Götz auf Fabian Schiller, die auch noch hinter Winward zurückfielen, die sich damit hinter Nicky Thiim, Marvin Kirchhöfer, Kelvin van der Linde und Jules Gounon auf den fünften Rang einreihten, womit noch ein Platz zum Titel fehlte!

Für die Schlussphase hingen jedoch auch diese Spitzenplätze zunächst am seidenen Faden, da es mit Rowe Racing, Boutsen VDS und Dinamic GT drei Teams gab, die nach dem Motto „Wir haben keine Chance und die müssen wir nutzen“ agierten und ihren Stopp in einer der Full Course Yellow Phasen vorzogen, um auf eine „late Caution“ nach Vorbild des US-Motorsports zu hoffen. Doch diese Hoffnungen wurden nicht erfüllt, weshalb die arrivierten Teams wieder an die Spitze kamen. Boutsen VDS mit Dorian Boccolacci blieb sogar unerlaubterweise bis zum Schluss draußen, ließ aber die Konkurrenten faierweise in der letzten Runde vorbei, um für ein klares Siegerbild zu sorgen. Anders als z.B. zwischen Manthey und Rowe beim 24h Rennen 2025 an gleicher Stelle.

Für Winward Racing sollte es tatsächlich der vorzeitige Titel werden, da Garage59 sich eine Zehn-Sekunden-Strafe einhandelte und die Lücke zwischen den beiden nicht groß genug wurde, womit erstmals keine Entscheidung beim Finale des Endurance Cups in Portimao erfolgt. Comtoyou Racing konnte nach Le Castellet den zweiten Saisonlauf gewinnen. Mögliche Titelchancen wurden in Spa durch den Abflug von Nicky Thiim in den Morgenstunden zunichte gemacht. Winward fuhr damit die Plätze 2/2/2/4 ein, was bei diesem starken Feld schon ein außergewöhnlicher Wert ist, der sich eventuell so schnell nicht wiederholen lässt.

Auch WRT konnte im Silver Cup den Titel holen, wo Haupt Racing, unter anderem beim GTWC-Debüt von Niklas Kalus das Rennen gewinnen konnte. Im Gold Cup siegte Attemptoi Racing, u.a. mit Dylan Pereira, der auf allen Meisterschaftsebenen ein starkes Jahr als Freelancer hat, während im Bronze Cup das Verstappen-Einsatzteam von 2Seas Motorsport gewann.

Bildquelle: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery_meeting?filter_season_id=26&filter_meeting_id=252)

Das könnte Dir auch gefallen

Schreibe einen Kommentar

Wenn Du einen Kommentar abgibst, werden einige Deiner Daten gespeichert. Mehr Infos im Impressum.

  Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC   Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC
Racingblog
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.