Als vorbildlicher Patriot gewann Kyle Kirkwood am Sonntag das für die USA wichtigste Rennen. Zudem konnte er seinen Punkterückstand in der Meisterschaft um ein Drittel verkürzen.
Passend zur Feier von 250 Jahren USA holte jedoch ein Spanier die Pole Position in der Hauptstadt der freien Welt. Alex Palou war in der Qualifikation leider wieder einmal unschlagbar. Immerhin startete mit Kyle Kirkwood dann ein US-Amerikaner von Platz 2, aber dahinter waren die weiteren fünf Startreihen fast fest in ausländischer Hand: Scott McLaughlin, Christian Rasmussen, Marcus Armstrong, Pato O’Ward, Dennis Hauger, Christian Lundgaard, Felix Rosenqvist, Caio Collet und Will Power. Nur David Malukas verteidigte von Startplatz sechs die Freiheit der Vereinigten Staaten. Genug von dem …, kommen wir zum sportlich relevanten Teil.
Der Start wurde erst nach Kurve 1 freigegeben. In Kurve 2 quetschte sich Kyle Kirkwood an Alex Palou vorbei und übernahm die Führung. Nach der ersten Runde rief die Rennleitung die erste Caution aufgrund von Trümmerteilen auf der Strecke aus. Im Mittel- und Hinterfeld hatte es einige Kontakte mit Carbonaustausch gegeben. Nach dem Restart fand das Rennen seinen Rhythmus und erinnerte ein wenig an ein Ovalrennen. Die Fahrer spulten die Runden ab, ohne dass viel passierte. Es wurde Benzin gespart und die Reifen geschont. So blieb das Feld dicht beisammen. Nach 15 Runden hatte Santino Ferrucci (Platz 23) nur 23 Sekunden Rückstand auf Kirkwood. Diese Phase wurde ab Runde 18 durch die nächste Debris-Caution unterbrochen. Während der Caution kamen David Malukas, Sting Ray Robb, Santino Ferrucci und Graham Rahal an die Box und entschieden sich für eine aggressive Strategie.
Nach 30 Runden zeigten sich erste Unterschiede beim Reifenverschleiß und bei der Reifenmischung. Scott McLaughlin auf Platz 3 verlor Zeit auf Alex Palou und Christian Lundgaard, der bestplatzierte Fahrer mit Prime-Reifen zum Start, konnte Druck auf Marcus Armstrong für Platz 5 ausüben. Bevor es zu Stopps unter Grün kommen konnte, setzte David Malukas seinen Wagen in seiner Aufholjagd mit neuen Reifen hart in die Mauer von Kurve 7, wodurch Sting Ray Robb, der keine Chance zur Reaktion hatte, mit dem havarierten Penske-Chevrolet kollidierte.
Die meisten Fahrer nutzten die Caution für ihren ersten Stopp. Dabei touchierte Alex Palou das bereitliegende Hinterrad von Mick Schumacher. Palou musste als Folge eine Drive-Through-Penalty antreten. Die Führung übernahm Graham Rahal vor Rinus VeeKay, Kyffin Simpson und Romain Grosjean. Alle vier hatten schon vor der Caution Stopps absolviert. Nach dem Restart verlor Rinus VeeKay Schwung und wurde nach hinten durchgereicht. Kyle Kirkwood ging derweil auch an Romain Grosjean vorbei. Doch fast unverzüglich folgte die nächste Caution. Marcus Armstrong verpasste seinen Bremspunkt vor Kurve 5 und fuhr auf Christian Rasmussen auf. Dieser wiederum kollidierte mit Rinus VeeKay. Für VeeKay war das Rennen damit beendet und Rasmussen fiel ans Ende des Feldes zurück. Alex Palou nutzte die Caution für einen Tankstopp.
Kurz nach dem Restart überholte Kyle Kirkwood Graham Rahal und holte sich die Führung zurück. Mit sauberer Luft vor sich konnte er sich kontinuierlich von Graham Rahal und Kyffin Simpson absetzen. In Runde 70 betrug sein Vorsprung bereits 7 Sekunden. In Runde 68 hatte Alex Palou seinen nächsten regulären Stopp absolviert. Dabei gab es Probleme beim linken Vorderrad. Durch den langen Stopp verlor er eine Runde auf Kirkwood. Genau zur Rennhalbzeit kam Romain Grosjean, der auf Platz 3 lag, an die Box. Mit einem weiteren Stopp konnte er das Ziel erreichen. Das galt auch für Kyffin Simpson, der zwei Runden später die Box ansteuerte. Er blieb deutlich vor Grosjean.
Ab der 78. Runde kamen auch die Fahrer der Hauptstrategie an die Box. Kyle Kirkwood behauptete die Führung erfolgreich. Scott McLaughlin schob sich jedoch an Kyffin Simpson vorbei auf Platz zwei, während Romain Grosjean mehr Benzin sparen musste und einige Plätze verlor. Hinter Simpson folgten nun Christian Lundgaard, Will Power und Felix Rosenqvist. In Runde 87 erreichte Kirkwood das Ende des Feldes. Als Erster stand Christian Rasmussen zur Überrundung an. Danach folgte Pato O’Ward. Das kostete einige Zeit, und Scott McLaughlin kam schnell näher. Das änderte sich schlagartig, als auch McLaughlin in den Überrundungsverkehr geriet. Jetzt geriet er selbst unter Druck von Christian Lundgaard. Bis zur 110. Runde hatte Kyle Kirkwood seinen Vorsprung auf über 15 Sekunden vergrößert. Dahinter kämpften Scott McLaughlin, Christian Lundgaard und Will Power um die Plätze auf dem Podium.
In Runde 123 setzte Alex Palou seinen Wagen in der Kurve 4 in die Mauer. Das war ein absolut untypisches Rennen für den Meister. Es sah so aus, als hätten er und sein Team alle Fehler der Saison genau für dieses eine Rennen aufgehoben. Mehrere Fehler in der Box und zum Ende hin auch noch ein Fahrfehler. Aber lieber ein Rennen komplett wegschmeißen als drei nur halb. Durch die Caution war der ganze schöne Vorsprung von Kyle Kirkwood nun aber auch Geschichte. Zudem hatte er einen Reifennachteil. Für den letzten Stint nutzte er Prime-Reifen. Scott McLaughlin, Christian Lundgaard, Will Power und Marcus Ericsson hatten beim letzten Stopp neue Option-Reifen bekommen. Zusätzlich hatte Will Power deutlich mehr Push-to-Pass-Sekunden zur Verfügung als seine Kontrahenten. Somit war alles für einen spannenden Sprint über 20 Runden angerichtet.
Scott McLaughlin bremste sich in Kurve eins an Kirkwood vorbei. Er war jedoch zu schnell und schlug in die Mauer ein. Im Hintergrund drehte sich zusätzlich Felix Rosenqvist. So bekamen wir dann einen Sprint über 13 Runden. Diesmal lief beim Restart alles glatt und Kyle Kirkwood konnte sich sofort leicht von Christian Lundgaard absetzen. Mit über drei Sekunden Vorsprung auf Lundgaard gewann Kirkwood das Rennen. Er war mit seinem Andretti-Honda das gesamte Wochenende über der Schnellste. Insgesamt war das Team Andretti Global sehr stark aufgestellt. Will Power und Marcus Ericsson kamen auf den Plätzen drei und vier ins Ziel.
Kyffin Simpson auf Platz 5 war der beste Ganassi-Pilot. Das kann er sich im Kalender anstreichen. Hinter Nolan Siegel folgte auf Platz 7 mit Scott Dixon sein Teamkollege. Es war Dixons erste Top-10-Platzierung seit dem Indy-GP. Die folgende Durststrecke ist sehr auffällig. Abgesehen vom Ausfall in St. Petersburg fuhr er vorher immer in die Top 10, danach stand ein elfter Platz als beste Platzierung zu Buche. Neben Sting Ray Robb war er der einzige Fahrer ohne Top-10-Platzierung nach dem ersten Saisondrittel. Bei Ganassi scheint man alle Ressourcen auf Alex Palou zu konzentrieren. Der Spanier wurde am Sonntag jedoch nur auf Platz 20 gewertet.
Nachdem seine Teamkollegen Unfälle hatten, war es an Josef Newgarden, die Fahne von Team Penske hochzuhalten. Mit Platz 8 gelang ihm das nur halb. Betrachtet man jedoch seine letzten Ergebnisse auf Stadtkursen, entspricht das ziemlich genau seinem aktuellen Leistungsniveau auf diesen Strecken. Am nächsten Wochenende wird das jedoch wieder ganz anders aussehen. Caio Collet und Romain Grosjean komplettierten die Top 10, während Mick Schumacher sie mit Platz 11 nur knapp verpasste. Im Gegensatz zu vielen Kontrahenten hat er sein Auto am Wochenende nicht nachhaltig beschädigt. Das ist ein Fortschritt im Vergleich zu Markham letzte Woche.
Das gesamte Ergebnis kann auf der Homepage der IndyCar-Series (PDF) nachgelesen werden.
Mit dem Sieg konnte Kyle Kirkwood (462 Punkte) seinen Rückstand auf Alex Palou (553 Punkte) von 133 auf 91 Punkte reduzieren. Bei zwei weiteren Ausfällen von Palou in Milwaukee könnten wir in Laguna Seca noch ein echtes Finale erleben. Auch Christian Lundgaard (110 Punkte) hat noch theoretische Chancen auf den Titel.
Vorschau: Milwaukee Mile
Kurz vor dem Ende der Saison absolviert die IndyCar-Series noch 500 Meilen im Oval – aufgeteilt auf zwei Tage. Damit kommen wir wieder auf fünf Rennen auf kleinen Ovalen und das Indy 500.
Die bisherigen Ovalrennen der Saison zählen zu den Höhepunkten. Von dem Finale des Indy 500 wird noch in vielen Jahren gesprochen werden. Die meisten Stadt- und Rundkursrennen waren hingegen zähe Angelegenheiten. Entsprechend kann man den Wunsch nach mehr Ovalrennen durchaus nachvollziehen. Auf der anderen Seite sind die Zuschauerzahlen an der Strecke meist enttäuschend. Eine Refinanzierung der Events ist so nur schwer möglich.
Josef Newgarden ist auch in diesem Jahr der klare König der kleinen Ovale. Nach Siegen in Phoenix und Madison ließ er Platz zwei in Nashville folgen. Insgesamt war das Team Penske auf den Ovalen sehr stark aufgestellt. Auch Scott McLaughlin und David Malukas fuhren immer in die Top 8, inklusive zwei weiterer Podestplatzierungen. Dazu kommen natürlich noch die Plätze zwei und drei beim Indy 500.
Als Titelverteidiger muss man Christian Rasmussen auch zu den Favoriten zählen. Neben dem Sieg im Vorjahr hat er auch zwei dritte Plätze im Gateway Park zu Buche stehen. Er hat sich somit zu einem Spezialisten für Ovale entwickelt. Auf anderen Streckentypen ist er meist nicht unter den ersten Zehn zu finden. Ein Spezialist für alle Streckentypen ist Alex Palou. Der Meister gehört jedes Wochenende zu den absoluten Topfavoriten. Sein Teamkollege Scott Dixon ist in diesem Jahr noch sieglos. Es wäre seine erste sieglose Saison seit über 20 Jahren. Zu den Favoriten am Wochenende gehört er leider nicht. Immerhin hat er sich in Washington mit einem Platz unter den ersten Zehn zurückgemeldet.
Strecke
Die Milwaukee Mile ist der älteste Speedway, auf dem jährlich noch mindestens ein Rennen ausgetragen wird. Sie wurde 1903 als Dirt-Track angelegt und erst 1954 asphaltiert. Sie ist sozusagen der kleine Bruder oder die kleine Schwester des Indianapolis Motor Speedway. Mit einer Länge von 1,03 Meilen (1,66 km) ist er zwar deutlich kürzer, hat aber mit vier symmetrischen 90-Grad-Kurven ein sehr ähnliches Layout. Auch die Kurvenüberhöhung von nur 9,25 Grad ist dem IMS sehr ähnlich. Die Geschwindigkeiten sind natürlich deutlich geringer. Im Qualifying über zwei fliegende Runden wurden zuletzt aber immerhin Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 160 mph (257 km/h) erreicht.
Zeitplan (eastern time/MESZ)
Freitag, 28. August
6:00 p.m. (24:00) – NTT IndyCar Series practice
Samstag, 29. August
11:00 a.m. (17:00) – Qualifying for the NTT P1 Award
2:30 p.m. (20:30) – Fox on Air
2:50 p.m. (20:50) – Race 1: Milwaukee Mile (250 Laps/250 Miles), Fox, Sky (live)
Sonntag, 30. August
1:00 (19:00) – Fox on Air
1:20 p.m. (19:20) – Race 2: Milwaukee Mile (250 Laps/250 Miles), Fox, Sky (live)













