Home Formel EinsF1Formel Eins: GP von Ungarn – McLaren ist zurück an der Spitze

Formel Eins: GP von Ungarn – McLaren ist zurück an der Spitze

von DonDahlmann
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Ein für Ungarn erstaunlich abwechslungsreiches Rennen sah die McLaren wieder an der Spitze. Da hinter ging es eng zu.

Man vergisst ja schnell, wie gut ein Fahrer ist, wenn er nicht im Rampenlicht steht. Lando Norris, immerhin der amtierende Weltmeister, ist in dieser Saison bisher kaum aufgefallen. Was, wie er in Ungarn unter Beweis stellte, nicht an ihm, sondern am Auto lag. Dass die McLaren in Ungarn so stark sein würden, war allerdings auch eine Überraschung. Die moderaten Updates, die das Team in den letzten Rennen am Auto präsentiert hat, scheinen das Chassis aber zumindest für die Strecke in Ungarn ins richtige Fenster gebracht zu haben.

Norris holte sich die Pole um sehr knappe 12 Hundertstel vor den eigentlich Favoriten (Ferrari), aber vor allem seine Rennpace war unantastbar. Allerdings verpatzte er die erste Runde gleich in T2, was seinen Teamkollegen Piastri an die Spitze brachte. Der hatte dann aber im Verlauf des Rennens doppelt Pech. Erst verlor er P1 nach einem Missverständnis zwischen ihm und Carlos Sainz, dann verabschiedete sich sein Getriebe. Aber zu dem Zeitpunkt war Norris enteilt und fuhr einem sicheren Sieg entgegen.

McLaren hat eine schwierige Saison und das Auto gehörte bisher nicht zu den Besten im Feld. Wenn überhaupt, lagen sie die meiste Zeit hinter Mercedes, Ferrari und Red Bull, und das mit einigem Abstand. Zumeist fuhren Norris und Piastri sehr einsame Rennen um P5 herum. Ich würde den Sieg aber nicht überbewerten, sondern mal abwarten, wie sich das Auto nach der Sommerpause präsentiert.

Die eigentlichen Favoriten in Ungarn waren die Ferrari, aber individuelle Fehler und Fehler des Teams warfen die Roten sogar am Ende vom Podium. Lewis Hamilton war erneut der bessere Fahrer und verlor die Pole nur knapp. Aber so gut Hamilton im Moment auch ist, er macht auch viele Fehler. In der Quali blockierte er unabsichtlich Piastri, was ihn seinen zweiten Platz kostete. Im Rennen deaktivierte er seinen Speedlimiter einen winzigen Augenblick zu früh, was ihm wegen 0,1 km/h Überschreitung eine 5-Sekunden-Strafe einbrachte.

Es läuft nicht bei Ferrari und auch nicht bei Hamilton. Die Grundlagen sind alle da, aber die Fehler zerstören dann die ganze Arbeit. Da man in Ungarn eher schlecht überholen kann, war die fünfte Startposition von Hamilton nicht gut genug, um vorn anzugreifen. Die Strategie des Teams richtete sich die gesamte Zeit daher auch an Verstappen, nicht an Norris aus. Ohne den Fehler in der Quali hätte Hamilton die Chance gehabt, die Führung im Rennen zu übernehmen. Zwar hatte der Ferrari im Rennen nicht den Speed der McLaren, aber die Ausgangslage wäre eine andere gewesen.

Hinzu kam dann, dass Ferrari beim letzten Stopp in der SC-Phase (ausgelöst durch den gestrandeten Piastri) Hamilton zum Stopp reinholte. Verstappen und Antonelli blieben aber draußen, was Hamilton zwei Plätze kostete. Wäre es besser gewesen, mit den harten Reifen draußen zu bleiben? Er lag vor beiden, die allerdings frischere Reifen hatten. Ob am Ende mehr als P4 drin gewesen ist fraglich, aber P3 wäre eine Möglichkeit gewesen.

Eine andere Sache ist, dass Hamilton wegen der Strafe dann P4 auch noch an Leclerc verlor. Der lag im Ziel allerdings 4,3 Sekunden hinter dem Briten. Ich verstehe nicht so ganz, warum Ferrari Leclerc nicht gebeten hat, in der letzten Kurve es etwas gemütlicher anzugehen, denn hinter dem zweiten Ferrari klaffte eine große Lücke von 20 Sekunden zu Hadjar. So hat Hamilton zwei weitere Punkte in der WM verloren. Man kann argumentieren, dass man Leclerc nicht für einen Fehler von Hamilton einbremsen kann. Was auch richtig wäre, wenn Leclerc nur einen Abstand von 3 oder 2 Sekunden gehabt hätte. Aber 0,7 Sekunden?

Das Podium neben Norris teilten sich Verstappen und Antonelli. Verstappen lieferte einen seiner brillanten Momente, als er nach dem vorletzten Stopp hinter Hamilton lag und diesen in T1 mit einem “… out of nowhere…” Bremsmanöver ziemlich alt aussehen ließ. Ansonsten waren die Red Bull gut unterwegs, auch wenn Verstappen sich permanent am Funk beschwerte. Bemerkenswert ist dabei auch, dass Hamilton nach den Median-Zeiten betrachtet, schneller als Verstappen war (84,7 vs 85,0 Sekunden). Aber die Fehler von Hamilton und der späte Stopp halfen Red Bull auf P2.

Bemerkenswerter war da schon der dritte Platz von Antonelli. Er hatte sich auf P3 qualifiziert, musste aber wie Hamilton drei Plätze weiter hinten starten, da er unter Gelb zu wenig vom Gas gegangen war.

Kleiner Einschub: Ich wäre ja dafür, dass man Fahrern, die unter Gelb zu schnell waren, generell die schnellste Rundenzeit streicht und eine Strafe von drei Plätzen gibt. Anders lernen Fahrer und Teams es nie, dass man unter Gelb nicht einfach nur mal für 2 Millisekunden lupft.

Aber Antonelli zeigte ein sehr starkes, kontrolliertes Rennen. Mercedes versuchte es mit einer Ein-Stopp-Strategie, was im ersten Stint durchaus hilfreich war. Antonelli wurde an die Spitze gespült, obwohl er insgesamt nicht die Pace der Spitze hatte, da er die Reifen schonte. Gegen Ende des ersten Stints bemerkte Mercedes aber, dass die Reifen schneller abbauten als gewünscht, und man beorderte den Italiener in Runde 23 an die Box, was ihn auf P6 zurückwarf.

Da er in einer anderen Stopp-Sequenz war, eroberte er durch die zweiten Stopps der Konkurrenz in Runde 41 kampflos die Spitze, musste aber bald darauf den deutlich schnelleren Norris passieren lassen. Sein zweiter Stopp kam in Runde 54, nur zwei Runden vor dem VSC. Was aber kein Nachteil war, weil Piastri ausfiel und Hamilton und Leclerc an die Box kamen. Was Antonelli auf P3 brachte.

Für die WM war das kein unwichtiges Rennen. Denn Antonelli, der an diesem Wochenende schwächer als Hamilton aussah, konnte so dem Briten am Ende vielleicht wichtige Punkte abnehmen. Da Russell erneut ein schwaches Wochenende hatte, konnte sich Antonelli teamintern auch weiter in Szene setzen. Mercedes wäre schon jetzt gut beraten, den Italiener als WM-Kandidaten zu bevorzugen.

Hinter beiden Ferrari landete Hadjar auf P6. Dem Franzosen fehlt zwar nicht so viel Zeit auf Verstappen, aber der Verlust ist doch so ausreichend, dass er im Ziel deutlich geschlagen wird. 40 Sekunden betrug sein Rückstand auf den Teamkollegen, was deutlich zu viel ist. Aber immerhin sammelt er wichtige Punkte ein.

P7 ging an den unglücklichen Russell. Der war in der Quali erneut zwei Zehntel langsamer als Antonelli und machte auch nie den Eindruck, dass er in der Lage wäre, mehr Zeit aus dem Auto zu holen. Am Start ging sein Auto dann in den Anti-Stall. Ob das sein Fehler war oder die Software hier verrückt gespielt hat, konnte Mercedes nach dem Rennen noch nicht sagen. Er fiel auf P18 zurück, arbeitete sich dann aber immerhin auf P7 vor. Er war auch schneller als Hadjar, aber am Ende reichte die Zeit dann nicht mehr.

Lawson erreichte P8, was die gute Form der RB weiter unterstreicht. Vor allem, wenn man betrachtet, dass Lindblad auf P10 landete. Die RB sind im Moment zusammen mit den Audi das klar schnellste Team im Mittelfeld und das auch auf allen Strecken. Wenn man bedenkt, dass RB nur einen Bruchteil des Budgets von Audi hat, ist das schon bemerkenswert.

Aber die Audis haben in den letzten Rennen klar zugelegt. Der neunte Platz von Hülkenberg unterstreicht das. Es gibt eine Schwäche in der Quali, die offensichtlich ist, aber die Rennpace passt beim Audi. Vergessen darf man aber auch nicht, dass man im Rennen erneut überrundet wurde. Es fehlen also rund 1,5 Sekunden auf die Spitze. Das ist dann schon eine kleine Welt. Audi behauptet ja, dass man ein “Top 4 Chassis” hat, was die Schuld dann Richtung Motor schiebt. Da hat man zwar schon nachgelegt, aber es scheint vor allem an Leistung beim Verbrenner zu fehlen.

Der Rest hatte wenig mit dem Ausgang des Rennens zu tun. Die sonst so starken Alpine stecken in einer kleinen Krise und haben etwas an Boden verloren. Was aber mit dem Update-Rhythmus zu tun haben kann. In Ungarn hatte man keine Updates am Auto.

Zu den Gewinnern des Rennens muss man dann auch die Aston Martin zählen. Das B-Spec-Auto funktionierte auf Anhieb und lag laut Aussage von Newey und Alonso perfekt in den digitalen Vorhersagen der Simulationen. Das sind zwei gute Nachrichten. Denn zum einen stimmen die Daten mit den Realwerten überein, was ja nicht immer ganz einfach ist. Zum anderen arbeitet man in die richtige Richtung und es war nur der erste Teil eines vierteiligen Updates.

Teil 1 kam in Ungarn, Teil 2 kommt in Zandvoort, Teil 3 in Baku oder Singapur und Teil 4 ist der fast komplett überarbeitete Motor von Honda, den man bei einem Filmtag schon diese Woche in Ungarn testen wird. Aston gelang auf Anhieb der Sprung vor beide Cadillac, Williams und Haas. Alonso schaffte zum ersten Mal in diesem Jahr den Sprung in Q2. Für Q3 fehlten aber 1,2 Sekunden.

Natürlich werden die Sprünge nach vorne kleiner, je näher man der Spitze kommt, aber man hofft, dass man mit dem Update diese 1,2 Sekunden finden wird. Hinzu kommt, dass innerhalb der Setup-Arbeit zusätzlich noch ein Zehntel liegen kann. Der Wunsch, am Ende der Saison die Spitze des Mittelfelds zu übernehmen oder zumindest in der unmittelbaren Nähe zu liegen, ist durchaus erreichbar, wenn die kommenden Updates genauso gut funktionieren.

Am Rande des Grand Prix wurde auch bekannt gegeben, dass wir Sepang in diesem Jahr wiedersehen werden. Man stellt im Grunde den Kurs für das Rennen von Bahrain, das auch unter diesem Namen laufen wird. Termin wird im Oktober sein, vermutlich zwischen Baku und Singapur.

Die F1 geht nun in die Sommerpause. Die schließt zwar zwingend vor, dass die Fabriken geschlossen werden. Aber Homeoffice geht ja immer.

Bilder: Pirelli

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