Ash Sutton baute seinen Vorsprung in der noch jungen BTCC-Saison beim zweiten Rennwochenende des Jahres auf dem Indy Circuit von Brands Hatch weiter aus. Mit einem Sieg und zwei weiteren Podiumsplatzierungen sammelte der Ford-Pilot einmal mehr fleißig Punkte und unterstrich früh in der Saison seine Titelambitionen. Den Sieg im dritten Lauf sicherte sich derweil Tom Ingram, der damit endlich seinen ersten Saisonerfolg feiern durfte. Für die größte Überraschung des Wochenendes sorgte allerdings Árón Taylor-Smith: Der Toyota-Pilot gewann bei zunehmend chaotischen Wetterbedingungen den zweiten Lauf – und das durchaus verdient.
Ingram erneut schnellster Mann über eine Runde
Wie schon beim Saisonauftakt in Donington war es zunächst Tom Ingram, der sich die Bestzeit in der Qualifikation sicherte und damit einmal mehr die starke Performance des Hyundai i30 N auf eine schnelle Runde bestätigte. Dass dem amtierenden Champion dabei – anders als Hauptkonkurrent Ash Sutton – der volle Zusatzboost zur Verfügung stand, half natürlich ebenfalls. Dank Meisterschaftsplatz acht durfte Ingram mit maximaler Boost-Unterstützung angreifen, während Sutton auf Rang eins in der Tabelle lediglich eine Sekunde Zusatzleistung pro Runde zur Verfügung hatte.
Trotzdem schaffte es Sutton noch auf einen respektablen fünften Startplatz – und wie sich später zeigen sollte, war diese Ausgangslage völlig ausreichend. Denn ebenso wie schon in Donington verlief das anschließende „Race to Pole“ für Ingram alles andere als reibungslos.
Den Start verteidigte der Hyundai-Pilot zunächst souverän und bog als Führender in Paddock Hill Bend ein. Dahinter wurde es allerdings direkt hektisch: Daryl DeLeon im BMW und Ash Sutton im Ford erwischten starke Starts von den Positionen drei beziehungsweise fünf und gingen noch vor der ersten Kurve an Dan Cammish und Ricky Collard vorbei. Statt sich gemütlich einzusortieren, duellierten sich beide direkt um Rang zwei – mit überschaubarer Rücksicht auf die physikalischen Gegebenheiten.
Beim Anbremsen von Graham Hill Bend wollte DeLeon dann offenbar gleichzeitig Ingram attackieren und Sutton hinter sich halten. Das Ergebnis: deutlich zu spät gebremst, viel zu spitz in die Kurve eingelenkt – und unweigerlich Kontakt mit dem führenden Hyundai. Ingram wurde Richtung Wiese geschickt und fiel bis auf Rang fünf zurück. Ash Sutton bedankte sich höflich, übernahm die Führung und kontrollierte das Geschehen fortan weitgehend souverän.
Zwar blieb DeLeon dem vierfachen Champion über die gesamte Distanz dicht auf den Fersen und verlor in der letzten Kurve der Schlussrunde beinahe noch das Auto bei einem letzten Verzweiflungsversuch, sich irgendwie neben Sutton zu werfen – ernsthaft gefährdet war Suttons Sieg im Race to Pole aber nie. DeLeon musste sich mit Rang zwei begnügen, dahinter komplettierte Suttons Teamkollege Dan Cammish das Podium. Ricky Collard wurde Vierter vor Tom Ingram, der nach seiner unfreiwilligen Exkursion in der ersten Runde nicht mehr weiter nach vorne kam.
Adam Morgan im Mercedes, die beiden PMR-Audis von Mikey Doble und Dexter Patterson sowie das Toyota-Duo aus Árón Taylor-Smith und Gordon Shedden komplettierten die Top Ten.
Pechvogel des kurzen Qualifikationsrennens war Josh Cook. Der Toyota-Pilot lag zwei Runden vor Schluss auf Rang neun, ehe ihm plötzlich der linke Vorderreifen platzte. Damit war Cook zugleich der einzige Ausfall des Rennens – und durfte den ersten Lauf am Sonntag folgerichtig vom Ende des Feldes aufnehmen.
Sutton trotzt Collard und holt Sieg Nummer 50
Im ersten Lauf am Sonntag war es vor allem Ricky Collard, der alles versuchte, Ash Sutton den Sieg streitig zu machen. Die Bedingungen präsentierten sich dabei typisch britisch: leichter Regen, feuchte Strecke. Besonders hart traf es zunächst Daryl DeLeon. Der BMW-Pilot konnte seinen sonst üblichen Startvorteil dank Heckantrieb auf der leicht feuchten Strecke dieses Mal nicht nutzen – ganz im Gegenteil. Slicks, Heckantrieb und nasser Asphalt erwiesen sich wenig überraschend als eher suboptimale Kombination und DeLeon verlor auf den ersten Metern gleich mehrere Positionen.
Auch Dan Cammish kam nicht unbeschadet durch die Anfangsphase. Ausgangs Paddock Hill Bend erwischte der Ford-Pilot den feuchten Randstein etwas zu optimistisch und legte einen ordentlichen Quersteher hin. Ricky Collard und Tom Ingram bedankten sich prompt und rückten hinter Sutton auf die Plätze zwei und drei vor. Den kleinen Vorsprung, den sich Sutton direkt nach dem Start erarbeitet hatte, machte kurze Zeit später allerdings das Safety Car zunichte. Adam Morgan hatte seinen Mercedes bereits zu Beginn der zweiten Runde auf Rang vier liegend in den Reifenstapeln von Paddock Hill Bend geparkt.
Vor dem Restart hing Collard, ohnehin nicht gerade für übertriebene Zurückhaltung bekannt, sofort an Suttons Heckstoßstange. Sutton blieb allerdings gewohnt cool. Auch als Collard Ende der ersten Runde nach dem Restart in Clearways erstmals attackierte, ließ sich der Ford-Pilot auf keinerlei Spielchen ein. Stattdessen profitierte zunächst Tom Ingram von der Situation und schob sich vorbei an seinem Teamkollegen auf Rang zwei. Lange hielt das allerdings nicht: Collard konterte umgehend, während Ingram, der in diesem Lauf mit den Medium-Optionsreifen gestartet war, sichtlich zu kämpfen hatte.
Bekanntermaßen müssen die Optionsreifen in einem der drei Läufe gefahren werden und Ingram wollte sich mit dem Einsatz im ersten Lauf, die Möglichkeit verschaffen, anschließend die beiden nächsten Läufe auf den weichen Standard-Reifen zu fahren – vermutlich mit klarem Blick auf einen möglichen Sieg im zweiten Lauf. Bei den kühlen Bedingungen und anhaltendem Nieselregen erwiesen sich die härteren Reifen aber als deutlich schwieriger auf Temperatur zu bringen als die Soft-Mischung. Ingram verlor folgerichtig wenig später auch noch Rang drei an Dan Cammish.
Währenddessen blieb Collard hartnäckig. Nach einigen Runden hatte der Hyundai-Pilot Sutton wieder eingeholt und übernahm zu Beginn der zwölften Runde tatsächlich die Führung. Lange hielt die Freude allerdings nicht: Nur wenige Kurven später bremste Collard Graham Hill Bend etwas zu optimistisch an, geriet zu weit hinaus – und Sutton sagte Danke, übernahm die Spitze zurück und verschwand wieder nach vorne.
In den verbleibenden Runden versuchte Collard weiterhin alles. Dank zusätzlichem Boost setzte er sich mehrfach auf Start-Ziel neben Sutton, fand aber nie die entscheidende Position für einen ernsthaften Angriff. Irgendwann musste der Hyundai-Pilot schließlich leicht abreißen lassen und geriet sogar kurzzeitig noch unter Druck von Dan Cammish, der das Tempo an der Spitze allerdings ebenfalls nicht ganz mitgehen konnte.
Kurz vor Schluss schnappte sich Ingram auf seinen inzwischen deutlich besser funktionierenden Medium-Reifen dann doch noch Rang drei zurück und verdrängte Cammish vom Podium. Für Ash Sutton bedeutete der Sieg nicht nur den dritten Erfolg im erst vierten Saisonrennen, sondern gleichzeitig einen bemerkenswerten Meilenstein: Sieg Nummer 50 in der BTCC.
Ricky Collard musste sich mit Platz zwei zufriedengeben, durfte nach seiner starken Leistung aber trotzdem zufrieden sein. Tom Ingram komplettierte das Podium vor Dan Cammish und Teamkollege Tom Chilton, der sich still und leise von Startplatz 15 auf Rang fünf vorarbeitete. Dahinter komplettierten Sam Osborne, Mikey Doble, Chris Smiley, Charles Rainford und Josh Cook die Top Ten.
Taylor-Smith gewinnt das Regenlotto
Der zweite Lauf entwickelte sich dann endgültig zum klassischen BTCC-Mayhem – inklusive Überraschungssieger, wechselnder Bedingungen und genug Querstehern, um selbst langjährige Zuschauer kurz an Rallycross denken zu lassen. Verantwortlich dafür war vor allem der erneut einsetzende Regen, der dieses Mal deutlich entschlossener zur Sache ging als noch im ersten Rennen. Beim Start war die Strecke zwar noch klar zu trocken für Regenreifen, binnen weniger Umläufe kippten die Bedingungen allerdings so deutlich, dass Slicks zunehmend zur fragwürdigen Idee wurden.
Trotzdem zeigte sich das BTCC-Feld gewohnt konsequent in seiner kollektiven Verweigerung, auf die veränderten Bedingungen mit einem Reifenwechsel zu reagieren. Zugegeben: Die Entscheidung war nachvollziehbar. Auf dem kurzen Indy Circuit von Brands Hatch bedeutet ein Boxenstopp praktisch zwangsläufig mindestens eine Runde Rückstand. Zwar wechselten einige Fahrer aus dem hinteren Feld im Rennverlauf auf Regenreifen und fuhren anschließend, wie zum Beispiel Mercedes-Pilot Dan Rowbottom, teilweise die schnellsten Rundenzeiten – im Kampf um die Spitzenplätze spielten sie allerdings keine Rolle mehr.
Das Rennen wurde also zur großen Slick-Schlitterpartie. Und irgendwann war weniger die Frage, ob jemand neben der Strecke oder in einem wilden Quersteher war, sondern eher wie oft. Beim zunächst noch halbwegs trockenen Start behauptete Ash Sutton erwartungsgemäß die Führung vor Ricky Collard, Tom Ingram und Dan Cammish. Lange dauerte das Racing allerdings nicht: Lewis Selby verabschiedete sich bereits in der ersten Runde in Druids von der Strecke und sorgte früh für eine längere Safety-Car-Phase, während der der Regen allmählich stärker wurde.
Beim Restart hing Collard erneut direkt am Heck des führenden Ford Focus und machte sofort Druck. Sutton blieb zunächst allerdings gewohnt abgeklärt – selbst ein kleiner Quersteher in Paddock Hill Bend brachte den Meisterschaftsführenden nicht ernsthaft aus der Ruhe. Einige Runden später wurde es dann allerdings doch etwas zu spektakulär. Ein weiterer kleiner Rutscher Suttons, diesmal in Clearways, genügte Collard in Runde acht schließlich, um die Führung zu übernehmen. Und plötzlich schien es tatsächlich so, als könnte der Hyundai-Pilot seinen starken Sonntag endlich mit einem Sieg krönen.
Wenig später tauchte hinter Sutton plötzlich Charles Rainford im BMW auf. Der hatte sich zuvor bereits an Dan Cammish und Tom Ingram vorbeigearbeitet und setzte den Ford-Piloten nun seinerseits unter Druck. Der kurze Zweikampf gipfelte Anfang der zwölften Runde in einer ziemlich wilden Szene auf der Start-Ziel-Geraden: Beide berührten sich in den immer schwieriger werdenden Bedingungen und konnten ihre Autos nur mit Mühe auf der Strecke halten.
Rainford verlor dadurch direkt wieder eine Position an Ingram – und fuhr fortan mit sichtbar angeschlagener Front herum. Kurz darauf wurde es für den BMW-Piloten noch ungemütlicher. Nach einem weiteren Kontakt mit Dan Cammish stellte sich Rainford quer und verlor erneut Positionen. Cammish wiederum schaffte wenig später ganz ohne Fremdeinwirkung das Kunststück, seinen Ford in Paddock Hill Bend ins Kiesbett zu werfen und fiel weit zurück.
Während vorne also munter improvisiert wurde, tauchte plötzlich ein Name auf, den zu diesem Zeitpunkt vermutlich nur wenige ernsthaft auf dem Zettel hatten: Árón Taylor-Smith. Der MB-Motorsport-Pilot im Toyota schien auf Slicks physikalische Gesetze außer Kraft zu setzen. Während andere eher rutschten als fuhren, konnte der Toyota-Pilot Linien wählen, die für den Rest des Feldes schlicht nicht zu existieren schienen. Gemeinsam mit Markenkollege Josh Cook arbeitete sich Taylor-Smith Runde um Runde nach vorne, und schien sichtbar besser mit den Bedingungen zurechtzukommen als viele Konkurrenten.
Von Startplatz 13 gestartet, hatte sich der Ire zunächst durch das Feld gearbeitet und schlag nun auf einmal in der Spitzengruppe. In Runde 14 ging Taylor-Smith an Rainford vorbei. Kurz darauf halfen ihm auch noch Ingram und Sutton, die sich nach einem Gerangel in Clearways gegenseitig aufhielten, so dass Taylor-Smith die Lücke schließen konnte.
Zu Beginn der 15. Runde zogen zunächst Taylor-Smith und kurz darauf auch Josh Cook an Ingram vorbei. Wenige Kurven später kassierte Taylor-Smith schließlich auch Sutton – und lag plötzlich auf Rang zwei. Spätestens an diesem Punkt dürfte selbst der vierfache BTCC-Rennsieger aus Irland begonnen haben zu glauben, dass hier tatsächlich mehr drin sein könnte als nur ein solides Top-Fünf-Resultat.
Nur eine Runde später hing Taylor-Smith dann bereits am Heck von Ricky Collard und bremste sich souverän und völlig kompromisslos auf der nassen Strecke vor Paddock Hill Bend an Collard vorbei und übernahm die Führung. Kurz darauf ging auch Sutton am überrumpelten Hyundai vorbei und holte sich Rang zwei. Während hinter ihm weiter gerutscht, gekämpft und improvisiert wurde, schien der Toyota-Pilot das mittlerweile komplett nasse Brands Hatch schlicht zu ignorieren. Runde um Runde setzte er sich weiter ab.
Dahinter wurde es dagegen weiter chaotisch. Zu Beginn der 21. Runde touchierte Charles Rainford Tom Ingram in Clearways. Der Hyundai stellte sich spektakulär quer, wodurch die beiden PMR-Audis von Mikey Doble und Aiden Moffat kurzzeitig vorbeischlüpfen konnten. Wenig später vergrub Rainford im Infight mit den beiden Audis seinen BMW schließlich in Druids im Kiesbett. Als kurz darauf auch Sam Osborne nach Kontakt mit Dan Rowbottom an derselben Stelle abflog und in den bereits gestrandeten BMW einschlug, hatte die Rennleitung genug gesehen und beendete das Rennen vorzeitig mit der roten Flagge.
Damit stand fest: Árón Taylor-Smith gewinnt völlig überraschend – aber absolut verdient. Für MB Motorsport bedeutete der Erfolg gleichzeitig den ersten Sieg seit dem Wechsel auf Toyota. Und für Taylor-Smith selbst endete eine bemerkenswert lange Wartezeit: Sein letzter BTCC-Erfolg lag zu diesem Zeitpunkt bereits fast zehn Jahre zurück.
Ash Sutton wurde Zweiter vor Ricky Collard, der trotz erneut knapp verpasstem Sieg erneut ein bärenstarkes Rennen zeigte. Tom Ingram wurde Vierter, nachdem er sich kurz vor Rennabbruch die zwischenzeitlich verlorenen Positionen gegen die PMR-Audis zurückholen konnte. Hinter ihm folgten Mikey Doble und Aiden Moffat auf den Rängen fünf und sechs – wobei insbesondere Moffats Aufholjagd von Startplatz 17 zusätzliche Erwähnung verdient, nachdem sein erster Lauf nach Kontakt mit Lewis Selby früh in der Streckenbegrenzung geendet hatte.
Josh Cook, James Dorlin, Dexter Patterson und Daryl DeLeon komplettierten die Top Ten. Knapp dahinter holte Nic Hamilton mit Rang elf sein bis dato bestes Saisonergebnis.
Ingram schlägt zurück – Doble überrascht auf dem Podium
Im dritten und letzten Lauf des Tages war es dann tatsächlich erstmals wirklich trocken. Die Pole Position war zuvor an James Dorlin gelost worden. Für den Restart-Racing-Piloten war das eine durchaus willkommene Wendung nach einem bis dato eher schwierigem Wochenende.
In der seit dieser Saison einzigen freien Trainingssession konnte Dorlin wegen eines Motorschadens keine einzige Runde drehen. Nach dem notwendigen Aggregatwechsel reichte es in der Qualifikation lediglich zum vorletzten Startplatz. Im ersten Lauf arbeitete sich der Hyundai-Pilot immerhin bis auf Rang 14 nach vorne, ehe ihn die schwierigen Bedingungen im zweiten Rennen plötzlich bis auf Platz acht spülten – und damit direkt auf die Reverse-Grid-Pole.
Die Aussicht, daraus tatsächlich ein Sensationsresultat zu machen, war allerdings eher überschaubar. Als einziger Fahrer in den Top Ten musste Dorlin den dritten Lauf auf den härteren Optionsreifen bestreiten, nachdem seine weicheren Standardreifen bereits aufgebraucht waren. Im Rückspiegel wartete hingegen eine ziemlich einschüchternde Mischung aus schnelleren Autos, weicheren Reifen – und natürlich vor allem Ash Sutton und Tom Ingram.
Beim Erlöschen der roten Ampeln fiel die Konkurrenz entsprechend wenig zimperlich über den unglücklichen Pole-Sitter her. Sowohl Ingram von Startplatz fünf als auch Sutton von Rang sieben erwischten exzellente Starts. Sutton katapultierte sich sogar bereits vor Paddock Hill Bend neben Dorlin, kam aber zunächst nicht vorbei. Direkt dahinter lauerte Ingram auf seine Gelegenheit.
Womöglich war es einzig dem kurzen Infight zwischen Sutton und Ingram zu verdanken, dass Dorlin die erste Runde überhaupt als Führender überstand. Lange hielt die Schonfrist allerdings nicht. In Clearways setzte sich Ingram zunächst gegen Sutton durch und griff direkt zu Beginn der zweiten Runde Dorlin an. Ausgangs Paddock Hill Bend zog der amtierende Champion schließlich vorbei – sicherlich nicht ganz ohne Hilfe seines klaren Reifenvorteils – und übernahm die Führung.
Ingram, dessen Saisonstart nach Zeitstrafe und Disqualifikation in Donington sowie mehreren Zwischenfällen zuvor an diesem Wochenende bislang alles andere als ideal verlaufen war, nutzte die freie Fahrt konsequent aus. Runde um Runde baute der Hyundai-Pilot seinen Vorsprung aus und checkte an der Spitze frühzeitig aus.
Hinter ihm entwickelte sich derweil zunächst ein weiteres Kapitel der inzwischen beinahe obligatorischen Sutton-Collard-Geschichte des Wochenendes. Sutton tat sich überraschend schwer damit, an Dorlin vorbeizugehen und bekam stattdessen zunächst Ricky Collard in den Rückspiegel. Dieses Mal hielt das Duell allerdings nicht lange: Der Hyundai-Pilot, bis dahin einer der stärksten Fahrer des Wochenendes, musste das Rennen bereits eine Runde später mit technischem Defekt aufgeben.
Für Sutton bedeutete das allerdings keineswegs freie Fahrt. Denn plötzlich tauchte Mikey Doble auf. Der PMR-Audi zeigte bereits den gesamten Sonntag über eine beeindruckende Pace, und Doble machte schnell klar, dass Platz drei ihm nicht reichen würde. Zu Beginn der sechsten Runde zog der Audi-Pilot auf Start-Ziel tatsächlich an Sutton vorbei und nahm wenig später direkt Dorlin ins Visier.
Beim ersten Versuch musste Doble noch zurückziehen, um keinen Konter Suttons zu kassieren. Drei Runden später gelang das Manöver dann allerdings doch: Mit Hilfe seines Zusatzboosts schob sich Doble schließlich vorbei an Dorlin und übernahm Rang zwei – sowie gleichzeitig die Führung in der Independent-Wertung.
Sutton folgte wenig später ebenfalls am Restart-Hyundai vorbei und nahm sofort die Verfolgung des Audi auf. Zunächst hielt Doble allerdings stark dagegen. Im Versuch, Sutton hinter sich zu halten, verbrauchte der PMR-Pilot allerdings einen Großteil seines verfügbaren Zusatzboosts. Vier Runden vor Schluss war es schließlich soweit: Mit einer entschlossenen Attacke in Druids ging Sutton an Doble vorbei und schnappte sich Platz zwei zurück. Auf Tom Ingram hatte der Ford-Pilot zu diesem Zeitpunkt allerdings längst zu viel Zeit verloren.
So durfte der amtierende Champion schließlich seinen ersten Saisonsieg feiern. Ash Sutton wurde Zweiter und machte damit einmal mehr maximale Schadensbegrenzung und hamsterte konsequent Punkte. Der heimliche Gewinner hinter den beiden Spitzenfahrern war allerdings Mikey Doble. Rang drei bedeutete nicht nur ein weiteres starkes Resultat für den neuen Audi A3 von Power Maxed Racing, sondern unterstrich auch, dass das Team offenbar deutlich schneller konkurrenzfähig geworden ist als viele erwartet hatten. Bemerkenswert dabei: Laut Team arbeitet man aktuell noch weitgehend mit den Basis-Setups der bis vergangenes Jahr eingesetzten Vauxhall Astra.
Daryl DeLeon wurde Vierter vor Josh Cook und Adam Morgan, der sich nach seinem Ausfall im ersten Lauf zurückgekämpft hatte. Gordon Shedden überzeugte dahinter mit einer starken Aufholjagd von Startplatz 20 auf Rang sieben und James Dorlin rettete immerhin Platz acht, gefolgt von Árón Taylor-Smith und Aiden Moffat.
Sutton führt komfortabel
Nach sechs Saisonrennen in der noch jungen Meisterschaft wird der Ton wird bereits ziemlich deutlich von Ash Sutton vorgegeben. Der Ford-Pilot stand bislang in jedem einzelnen Rennen auf dem Podium und gewann davon gleich drei. Entsprechend komfortabel präsentiert sich die Tabellenführung: Sutton führt derzeit mit 47 Punkten Vorsprung auf Tom Ingram. Dass sich Ingram trotz seines Sieges im dritten Lauf nur bedingt begeistert über Meisterschaftsplatz zwei zeigte, überrascht daher kaum. Zwar verbesserte sich der Hyundai-Pilot von Rang acht auf Platz zwei der Gesamtwertung – gleichzeitig wuchs der Rückstand auf Sutton allerdings von 34 auf nun 47 Punkte.
Hinter den beiden Favoriten geht es dagegen deutlich enger zu. Mikey Doble folgt mit 61 Punkten Rückstand auf Rang drei, direkt dahinter liegen Ricky Collard (62 Punkte), Dan Cammish (68) und Aiden Moffat (72).
Auch in der Independent-Wertung ist es eng und spannend: Hier führt Mikey Doble aktuell mit fünf Punkten Vorsprung auf Teamkollege Aiden Moffat, während Daryl DeLeon 16 Zähler zurückliegt.
In der Hersteller- und Teamwertung liegt erwartungsgemäß Ford beziehungsweise NAPA Racing UK vorn. Dahinter sorgt in der Teamwertung allerdings Power Maxed Racing aktuell für eine der positiven Überraschungen der Saison: Rang zwei vor Team Vertu/Excelr8 sowie Laser Tools/MB Motorsport ist bislang mehr als verdient.
Der gesamte Meisterschaftsstand sowie die detallierten Ergebnisse der drei Läufe aus Brands Hatch können auf der Website der BTCC und bei TSL Timing im Detail studiert werden.
Die nächsten BTCC-Rennen stehen bereits am kommenden Wochenende in Snetterton an. Im Vorjahr waren dort Dan Cammish und Dan Rowbottom erfolgreich, ehe Mikey Doble im dritten Lauf seinen ersten BTCC-Sieg feierte – damals allerdings noch im Vauxhall Astra.
Bilder: btcc.net
