In den letzten Wochen hat sich im GT3-Sport einiges getan. Nicht nur die europäische GT3-Serie gestartet, auch die NLS hat ihre Vorbereitungsrennen und die beiden Qualifikationsrennen für das 24 Stunden Rennen nun abgeschlossen. Grund genug für einen aktuellen Lagebericht!
GT World Challenge Europe: Analyse Le Castellet
Das Rennen mit fast 60 Autos begann mit einem heftigen Startcrash im Mittelfeld, bei dem vor allem die Fotografen schnell das Weite suchen mussten. Einer der CSA McLaren sowie der Boutsen VDS Porsche aus dem Gold Cup kollidierten und schossen quer durchs Feld, wodurch auch der Greystone McLaren und der Lionspeed Porsche aus dem Bronze Cup bereits nach dem Start ausfielen.
Der anfängliche Rennverlauf beim 6 Stunden Rennen, das in die Nacht hineinging, wurde zunächst von den drei stark besetzten Mercedes von Winward, Getspeed und Verstappen Racing bestimmt. Bereits in der Qualifikation konnten sich die #48 mit Auer/Stolz/Engel, die #17 mit Martin/Götz/Schiller sowie die #3 mit Juncadella/Lulham/Gounon weit vorne platzieren. Zahlenmäßig konnten ihnen nur die McLaren das Wasser
reichen. BMW und Ferrari mussten nach einer schwachen Qualifikation, größtenteils außerhalb der Top10, auf die Nachtphase mit ihren Turbo-Konzepten hoffen. Im zweiten Stint gab es für die drei genannten AMG zeitweise gar eine Dreifach-Führung, während Maro Engel in der „Mamba“ einen womöglich vorentscheidenden Vorsprung von knapp 20 Sekunden rausfuhr. Die Dreifach-Führung wurde gesprengt, als die beiden Mercedes von Getspeed und Verstappen Racing aufgehalten wurden und Jules Gounon auf der Mistral-Geraden spektakulär auf den Randstein gezwungen wurde, wodurch die Vorderräder kurzzeitig in der Luft waren. Bei dieser Aktion konnte der Lionspeed Porsche mit Thomas Preining vorbeigehen.
Bei Einbruch der Dunkelheit wurde der Vorsprung des enteilten Winward Mercedes wie erwartet geringer.
Vor allem der Comtoyou Aston Martin mit Thiim/Sörensen/Drudi und der genannte Lionspeed Porsche mit Preining/Buus/Feller konnten nun mithalten, bevor dieser gegen Mitte des Rennens ausfiel. Im Rennverlauf konnten auch die beiden BMW von WRT und Rowe aufschließen, ohne jedoch aus eigener Kraft aufs Podium fahren zu können. Abgesehen von wenigen Drehern und technischen Problemen war es ein sehr ruhiges Rennen, bei dem die reine Longrun-Pace entscheidend war. Die wohl beste Rennpace hatten die McLaren von Garage59, die mit dem Auto aus dem Gold Cup aus eigener Kraft ums Podium fuhren. Auch das Pro-Auto konnte sich nach vielen Platzverlusten in der Startrunde nach vorne kämpfen. Von der Mercedes-Dominanz war nach Einbruch der Dunkelheit keine Spur mehr, da Getspeed und Verstappen Racing nach und nach zurückfielen, um zum Schluss lediglich auf dem siebten und neunten Platz zu landen. Die Abstimmung der
„Mamba“ war allerdings so gut, dass sich auch in dieser Phase ihren Vorsprung verwalten konnten – zunächst!
Rund 45 Minuten vor Schluss kam es zur zweiten Neutralisation des Rennens, da der Porsche von Ziggo Sport Tempesta Racing abgeschleppt werden musste, was nach der anschließenden Safety-Car-Phase für einen Schlusssprint von rund 25 Minuten führte. Lucas Auer im Winward Mercedes profitierte zunächst vom Überrundungsverkehr hinter ihm, da der „Pass arround“ nur für die 24 Stunden von Spa vorgesehen ist. Als jedoch Nicki Thiim an den Überrundeten vorbeikam, war der Österreicher dem Comtoyou-Piloten hilflos ausgeliefert. Acht Minuten vor Schluss hatte in der in der Signe-Kurve nach der Mistral-Geraden einen
Quersteher und musste den sicher geglaubten Sieg nach fast sechs Stunden Führungsarbeit hergeben! Damit wurde es der erste Sieg für Comtoyou Racing seit dem Triumph bei den 24 Stunden von Spa 2024.
Der Garage59 McLaren aus dem Gold Cup landete dahinter auf dem dritten Rang, während das Schwesterauto auf dem fünften Rang landete. BMW landete auf vier, sechs und zehn. Der Porsche von Boutsen VDS Racing fiel in der Schlussrunde abseits der Kameras noch einige Plätze zurück und verpasste gar noch die Punkte. Die großen Sorgenkinder kommen aus Italien von Ferrari und Lamborghini. Bei Ferrari hatte ich bereits bei der Vorschau schon vermutet, dass die Fahrerteams im Pro Cup eventuell nicht stark genug gegenüber anderen Herstellern sind. Position 14 als bestes Ergebnis von AF Corse könnte mich in der
Vermutung bestätigen. Ein wahres Desaster erlebten auch die beiden Lamborghini Temerario von Grasser mit Rundenrückstand und Rutronik mit mehreren technischen Problemen ohne Ergebnis. Ebenfalls keinen guten Tag erwischten die prominenten Gaststarter von Comtoyou Racing mit Lance Stroll, Roberto Merhi und F2-Pilot Mari Boya, die sich meistens außerhalb der Top10 befanden und am Ende nach Problemen mit rundenrückstand nur auf 48 gewertet wurden.
Bildquelle: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery_meeting?filter_season_id=26&filter_meeting_id=246)
NLS: Zusammenfassung Rennen 1-3 + ADAC 24h Qualifiers
Wie üblich startete die NLS sehr früh ihre Saison. Durch den frühen Termin des 24h Rennens vom 14-17. Mai dieses Jahres mussten die ersten drei Saisonrennen sowie die beiden Qualifikationsrennen, die ebenfalls zur NLS zählen (wenn auch unter Organisation des ADAC Nordrhein als Veranstalter des 24 Stunden Rennens), recht früh von statten gehen. Nachdem der erste Lauf wegen zu niedrigen Temperaturen auf Empfehlung der Reifenindustrie abgesagt wurde, blieben zumindest noch vier Läufe übrig. Im Nachhinein war es goldrichtig, dass NLS2 auf Wunsch von Mercedes AMG auf ein F1-freies Wochenende gelegt wurde, um einen Start von Max Verstappen zu ermöglichen, da am Ursprungstermin der Fahrbetrieb wohl ebenfalls wegen winterlichen Verhältnissen ausgefallen wäre. Dies hatte zwar eine Terminüberschneidung mit den 12 Stunden von Sebring zur Folge, während NLS3 mit der eben analysierten GT World Challenge kollidierte. Jedoch blieb so gut wie allen, die eine Permit für den Start beim 24 Stunden Rennen machen mussten, eine Chance auf den Start bei den beiden Qualifiers.
Ohne zu sehr auf das 24 Stunden Rennen einzugehen, wofür eine eigene Vorschau geplant ist: Nach allen Ankündigungen und den Starterzahlen in der SP9 wird es wohl das zahlenmäßig größte SP9-Feld aller Zeiten mit rund 40 GT3-Autos geben. Grund hierfür dürfte einerseits der Verstappen-Hype rund um die Serie sein sowie die Zusammenstellung sehr vieler Pro-Am-Besatzungen, die möglicherweise auch über das 24er hinaus der Rennserie treu bleiben. Hierdurch werden die geringeren Budgets der Hersteller gut ausgeglichen, auch wenn wohl nur ein kleiner Teil des SP9-Feldes tatsächlich um den Sieg fahren wird. Mit 150 Autos gesamt ist nun ohnehin schon Teilnehmerstopp.
Die Saison der NLS könnte man unter dem Motto: „Mercedes am schnellsten, BMW am erfolgreichsten“
zusammenfassen. Nachdem der Verstappen Racing Mercedes unter Einsatz von Winward Racing bei NLS2 wegen einer falschen Reifenwahl disqualifiziert wurde, wurde der Rowe BMW mit Dan Harper und Jordan Pepper zum Sieger erklärt. Am Ende waren es nur wenige Sekunden vorm Falken Porsche, dem Kondo Ferrari und dem Walkenhorst Aston Martin. Die Startphase war durch die rundenlangen Kämpfe zwischen Max Verstappen und Christopher Haase im Scherer PHX geprägt, was Christopher Haase als ehemaligen Audi Werksfahrer nun im Mainstream bekannt machte. Nachdem das Auto im Stint des ADAC GT Masters Piloten Nico Hantke jedoch zurückfiel, war es bis zur Disqualifikation eigentlich ein recht klarer Sieg für Verstappen/Juncadella/Gounon.
Ähnlich erging es bei NLS3 mit einigen GT3-Startern weniger dem Mercedes von KCMG Racing mit u.a. Kamui Kobayashi, die nach einem Vergehen unter
Code60 eine Zeitstrafe bekamen und damit hinter dem Podium landeten. Damit war in diesem Rennen die Luft an der Spitze raus und Schubert konnte erstmals in der neuen M4-Ära in der NLS mit Wittmann/Eng/Frijns gewinnen. Manthey Racing fuhr eigentlich ein unauffälliges Rennen mit dem Verdacht auf die berühmten „Target Zeiten“, landete am Ende mit guter Pace noch auf dem zweiten Rang.
Das Wochenende der Qualifiers wurde natürlich vom tödlichen Unfall von Juha Miettinen im ersten der beiden Rennen am Samstagabend überschattet. In der Klostertal-Kurve vor dem Karussell kam es aufgrund einer Betriebsmittelspur zu einem Massencrash, bei dem ein Auto wohl direkt in die Fahrerseite des BMW 325i knallte. Das Rennen wurde daraufhin nachvollziehbar nicht gewertet. Wer etwas mehr über die langjährige skandinavische Fahrerpaarung unter Beteiligung von Miettinen erfahren will, dem sei der NLS-Podcast (ab 38:35) empfohlen: https://www.youtube.com/watch?v=5SpMiV5dISE
Die große Überraschung der Saison ist bisher die slowakische Mannschaft von Gamota Racing, die nach einigen Jahren im zentraleuropäischen Breitensport nun erstmals ein Nordschleifen-Projekt fahren. Mit David Jahn und Moritz Kranz hat das Team zwei durchaus routinierte Piloten, die in der Cup2-Klasse mit den Porsche 911 GT3-Cup einige Siege einfahren konnten. Auf eine Runde ist das Team sogar bislang stärker als Rowe und Schubert mit ihren reinen Pro-Besatzungen. Nach der Pole für das erste Qualikationsrennen konnten sie im Top Qualifying für das zweite Rennen ebenfalls die erste Reihe belegen, 0,001 Sekunden hinter dem Kondo Ferrari unter Einsatz von Rinaldi Racing. Beim 24 Stunden wird plant die neue BMW-Mannschaft jedoch nicht zu starten.
Die ersten Rennrunden mit Haase/Marschall/Verstappen/Preining und Bortolotti mit wenigen Sekunden Abstand waren absolut faszinierend und haben gezeigt, dass sich im Grunde alle Hersteller mit Pro-Besatzungen auf einem sehr ähnlichen Niveau befinden. Auch bei den unterschiedlichen Reifenherstellern scheint es dieses Jahr zumindest unter trockenen Bedingungen keine großen Unterschiede zu geben. Wie so oft werden die Unterschiede in der Nacht und unter feuchten Bedingungen entstehen, zu dem wir nach den bisherigen Rennen jedoch nichts sagen können.
Nachdem Verstappen in der Startphase in „Pflanzgarten 1“ an einer fast unmöglichen Stelle an Dennis Marschall vom Ferrari vorbeiging, kam es unweigerlich wieder zum Duell gegen Christoher Haase. Doch dieses Mal ging Verstappen aus eigener Kraft am Schwedenkreuz vorbei und musste nicht wie bei NLS2 den Stopp für den Platzwechsel abwarten. In der Folge kam es immer wieder zu Rad-an-Rad-Duellen Ende der Döttinger Höhe. Nachdem zunächst der Kondo Ferrari mit einem überrundeten Porsche Cayman kollidierte und ausfiel, war auch der Verstappen Mercedes im zweiten Stint nach einer Reparatur des Frontsplitters aus der Entscheidung raus.
Danach war im weiteren Rennverlauf nur noch der Abt Lamborghini mit Engstler/Bortolitti/Niederhauser in Schlagdistanz zum Audi. Dieser behielt jedoch seinen Vorteil den letzten Stopp möglichst spät machen zu können, um eine kürzere Standzeit zum letzten Stopp zu haben. Beide konnten im Rennen eine 8:10, bzw. 8:11 als beste Runden fahren, womit sie recht klar die dahinterliegenden von Manthey, Winward, Rowe und Schubert im Griff hatten. Die große Überraschung war der BMW M3 Touring in der SPX-Klasse, quasi als Kombi-Version des M4. Mit 8:18 als beste Zeit kann dieser durchaus im GT3-Feld mitfahren, insbesondere in den Vollgas-Passagen der Nordschleife. Nur beim Gewicht und der Aerodynamik hat das Auto leichte Nachteile. Es zeigt, wie auch beim Einsatz der neuen HWA mit historischen Silhouetten, dass diese „Fanprojekte“ keineswegs Klamauk sind, um Schlagzeilen zu verkaufen, sondern absolut professionell geführt werden!
Ein Favorit lässt sich vor dem 24h Rennen absolut nicht benennen. Allenfalls BMW, die mit allen drei Autos (2x Rowe, 1x Schubert) sehr aussortiert wirken. Bei den zahlenmäßig überlegenen Porsche gibt es hinter Manthey bislang einige Fragezeichen. Falken Racing, bzw. die Mannschaft von Sven Schnabel wirkt bislang mit der Aufteilung auf Dunlop und Falken
als arrivierte Reifenmarke im Vergleich zu den letzten Jahren noch nicht wirklich aussortiert. Bei allen Rennen dieses Reports hätte es auch Mercedes-Siege geben können, die jedoch aus unterschiedlichen Gründen nicht passiert sind. Nach einem eher schwachen Langstreckenjahr im GT3-Sport bei AMG ist jedoch zu spüren, dass sich in der AMG-Kundenabteilung was getan hat, Verstappen hin oder her! Und dann sind ja auch noch Abt mit dem Lamborghini Huracan Evo II, Walkenhorst mit dem Aston Martin und Kondo Racing mit dem Ferrari sicher nicht chancenlos und mindestens als Geheimfavoriten zu werden. Und den Audi R8 von Scherer PHX kann nach diesen starken Leistungen ebenfalls niemand abhaken. Hoffen wir auf gutes Wetter Mitte Mai, das könnte ein absolutes Megarennen werden!
Bildquelle: Felix Töllich










