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Formel Eins: Analyse GP von Japan – Kimi im Glück

von DonDahlmann
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Das interessante Rennen wurde durch den Unfall von Oliver Bearman überschattet. Kimi Antonelli profitierte vom Safety Car.

Das hätte auch keiner gedacht, dass der gerade mal 19 Jahre alte Kimi Antonelli nach zwei Siegen in drei Rennen die WM anführen würde. Er ist damit der erste Italiener seit Jarno Trulli (2004), der in einem Jahr zwei Rennen gewinnen konnte. Und auch wenn es noch etwas früh ist – er wäre der erste Italiener seit Alberto Ascari (1953), der den WM-Titel holen könnte.

Antonelli hatte in Japan ein gutes Wochenende und er knüpfte an seine Leistungen aus China an. Er holte die Pole mit einem erheblichen Abstand von fast drei Zehnteln auf Russell, der allerdings ein Problem mit der Batterie vermeldete. Dennoch war die Zeit von 1.28.778 min schon ein Wort, da er der einzige war, der unter 1.29 min fahren konnte.

Wie leider schon fast üblich startete er schlecht und fiel auf P5 zurück, während Oscar Piastri im McLaren die Führung vor Charles Leclerc übernehmen konnte. Die McLaren überraschten in Suzuka, hatten sie bei den bisherigen Rennen kaum eine Chance. Da am Auto nichts verändert wurde, bleiben da nur zwei Möglichkeiten, warum sie so stark war.

Entweder liegt dem Chassis die Strecke in Japan besonders gut oder McLaren hat den Rückstand bei der Motorsoftware aufgeholt. Es besteht kein Zweifel, dass Mercedes weiterhin das schnellste Auto hat, aber ein Blick in die Daten verrät auch, dass McLaren bei der Batteriestrategie aufgeholt hat. Man hatte die fast identische Strategie im Vergleich zu Mercedes, was auch dazu führte, dass Antonelli Schwierigkeiten hatte, an Lando Norris vorbeizukommen.

Das Safety-Car in Runde 22 stellte das gesamte Rennen auf den Kopf. Oliver Bearman hatte in der Anfahrt zu Spoon-Corner die Kontrolle über seinen Haas verloren, als er mit einem Überschuss von mehr als 100 km/h auf den Alpine von Colapinto auflief. Der bewegte sich minimal nach links, auch weil er den Speed von Bearman falsch einschätzte. Der Brite geriet aufs Gras und schlug dann mit 50G in die Reifenstapel ein. (Ich habe morgen dazu einen Artikel).

Das folgende Safety-Car kam für einige Fahrer zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Denn Norris, Piastri, Russell und Leclerc hatten wenige Runden zuvor auf frische C1 gesetzt, während Antonelli und Hamilton mit Boxenstopp warteten. Der quasi freie Stopp sorgte dann dafür, dass Antonelli die Spitze von Piastri übernahm, der wiederum vor Lewis Hamilton lag. Es sprach dann zunächst viel dafür, dass Antonelli seinen Sieg und Hamilton seinen dritten Platz aus dem letzten Rennen wiederholen würden.

Die Frage nach dem Rennen war: Hätte Piastri das Rennen ohne das Safety Car gewinnen können? Im Nachhinein war der frühe Stopp ein Fehler, aber hätte Piastri nicht gestoppt, bestand die Gefahr, dass er einen Undercut von Russell kassieren würde. McLaren konnte also nicht anders handeln, nachdem Leclerc schon an der Box war. Selbst ohne das SC wäre Piastri im Verlauf des Rennens unter gehörigen Druck von Russell geraten, der klar das schnellere Auto hatte. Die Chancen auf den Sieg waren da, aber auch nur theoretisch. Am Ende wäre meiner Meinung nach so oder so P2 herausgekommen.

Nach dem Restart verabschiedete sich Antonelli von Piastri und dem Rest des Feldes und wurde nicht mehr gesehen. Hamilton hatte durch den Stopp den dritten Platz inne, geriet ab Runde 39 gehörig unter Druck. Zunächst wurde er von seinem Teamkollegen Leclerc passiert, dann gingen auch noch Russell und Norris an ihm vorbei. Warum Hamilton so unter Druck kam, ist nicht leicht zu analysieren.

Der Brite beklagte mehrfach Probleme mit der Motorleistung und dass die Batterie nicht die volle Leistung bringen würde. Von außen sah es zudem so aus, als würde sein Ferrari auf der Hinterachse etwas unruhiger liegen, als das Auto von Leclerc. Sein Auto übersteuerte öfter und sichtbarer, als das bei der Konkurrenz der Fall war. Das kann dann zu einem erhöhten Reifenverschleiß geführt haben. Hamilton berichtete das gesamte Wochenende von Problemen mit der Balance des Autos, die sich über die Arbeit am Setup nicht völlig beseitigen ließen.

Die beiden anderen Top-Piloten, Norris und Russell, hatten ebenfalls so ihre Sorgen. Norris war das gesamte Wochenende deutlich langsamer als Piastri, ohne dafür allerdings eine Erklärung zu haben. Bei Russell lief halt alles schief, was schiefgehen konnte. Erst die technischen Probleme in der Quali, dann der Stopp zur falschen Zeit.

“Best of the Rest” wurde am Wochenende Pierre Gasly im Alpine. Das an sich ist nicht bemerkenswert, nachdem sich Alpine in den ersten drei Rennen schon stark gezeigt hatte. Aber dass Gasly rund 24 Runden lang Max Verstappen im Red Bull hinter sich halten konnte, ist schon eine Meldung wert. Gasly hatte nicht das schnellere Auto, zeigte aber in Japan erneut seine Klasse. Die Fernsehbilder fingen das wunderbare Duell leider nur selten ein, aber die Onboards zeigten das wirklich packende Duell zwischen beiden.

Verstappen und Red Bull hatten ein zähes Wochenende, das die Schwächen des Teams aufzeigte. Zum einen ist das Chassis nicht wie gewohnt das Maß der Dinge in der Formel Eins. Zum anderen ist der im eigenen Haus entwickelte Motor nicht auf der Höhe mit Mercedes und Ferrari. Letzteres ist nicht ganz überraschend, denn während Mercedes (HPP) und Ferrari über reichhaltige Erfahrung im Motorbau verfügen, steht Red Bull erst am Anfang.

Verstappen verpasste sogar den Einzug in Q3 und verlor das Quali-Duell gegen seinen Teamkollegen Hadjar, hatte aber dafür im Rennen das nötige Glück. Ein guter Start brachte ihn schnell in die Punkte, dann profitierte er ebenfalls vom Safety Car, was ihn dann hinter Gasly spülte. Aber mehr als P8 war dann eben nicht drin für den ehemaligen Weltmeister. Die meisten Schlagzeilen machte er noch damit, dass er nebulös über seine Zukunft sprach, was einige als angedeuteten Rücktritt am Ende des Jahres deuteten. Sein Vertrag läuft aber bis 2028 und er selbst sagte auch, dass seine Zukunft auch davon abhängen würde, wie die Regeln in der F1 2027 aussehen werden.

P9 ging an einen glänzend aufgelegten Liam Lawson im Racing Bull. Der hatte in der Quali gegenüber Lindblad das Nachsehen, wurde aber auch Opfer eines frühen Stopps in Runde 18 und steckte dann später im Verkehr fest. Bei Lawson war es genau umgekehrt. Er steckte nach dem Start auf P13 und der Stopp während der SC-Phase spülte ihn auf P9. Nach vorn zu Verstappen ging dann nur wenig und er hatte zudem in der zweiten Rennhälfte Esteban Ocon im Nacken.

Die Haas waren in Suzuka nicht so stark wie in den ersten Rennen, aber der eine Punkt von Ocon war hart erkämpft. Er musste sich gegen beide Audis durchsetzen, die in Japan etwas Pech hatten. Bortoletto schaffte zwar den Sprung nach Q3, fand sich aber nach einem schlechten Start nur auf P15 wieder. Hülkenberg ging es ähnlich, von P11 aus.

Beide profitierten aber von der SC-Phase und fanden sich beim Restart dann auf den Plätzen 9 und 11 wieder. Bortoletto verlor im Verlauf des Rennens an Speed und musste sowohl den Haas von Ocon als auch Hülkenberg vorbeilassen. Doch an Ocon biss sich der Deutsche dann auch die Zähne aus. Alles in allem aber dennoch kein schlechtes Wochenende für die Audi, die weiterhin ins vordere Mittelfeld gehören.

Hinter beiden Audis und dem unglücklichen Lindblad taucht auf P15 dann der erste Williams auf. Die hatten wie vorhergesehen in Suzuka große Probleme, weil das Auto zu schwer und die Aerodynamik nicht ausgereift ist. Miami soll dann ein erstes Upgrade und einen Abbau des Gewichts bringen.

Hinter Sainz landete Franco Colapinto, der kein gutes Wochenende hatte und weiterhin einen zu großen Abstand zu Gasly hat. Ich wäre nicht überrascht, wenn es bei Alpine auch in diesem Jahr zu einem Fahrerwechsel kommt, hat man doch Paul Aaron als Ersatzfahrer.

Die beiden Schlußlichter in der Formel Eins zeigten eine leicht aufsteigende Tendenz. Cadillac brachte erneut beide Autos ins Ziel und die Rundenzeiten waren etwas besser als zuletzt. Das Team kündigte an, dass man für das Rennen in Miami ein massives Upgrade geplant hat. Vielleicht gelingt es damit, den Abstand zum Mittelfeld zu verringern.

Aston Martin brachte immerhin das Auto von Fernando Alonso ins Ziel. Dass man allerdings hinter Perez lag, ist schon etwas beschämend. Auch ein Blick auf die schnellste Runde bringt keine gute Nachricht. Die lag bei Perez bei 1.35.637 min, die von Alonso lag bei 1.36.221, also rund 5 Zehntel langsamer. Dabei ist nicht mal klar, ob es am Motor oder am Chassis liegt. Aber immerhin hat man jetzt mal die Daten aus einem Rennen und das von einer Referenzstrecke.

Suzuka zeigte keine großen Überraschungen in der Formel Eins. McLaren war deutlich besser unterwegs, aber man wird abwarten müssen, ob das der Strecke geschuldet war. Was auch umgekehrt für Red Bull gilt. Die Formel Eins geht nun in eine lange Pause. Miami ist am ersten Maiwochenende, danach gibt es weitere drei Wochen bis zum Rennen in Kanada Ende Mai, genug Gelegenheiten, an Autos und Motoren zu basteln. Das wird vor allem Aston Martin und Honda helfen, das Auto auf Vordermann zu bringen.

Das Rennen in Kanada wird aber für alle Teams ein Reset werden. Denn damit beginnt die Sommersaison und man fährt sieben Rennen in zwei Monaten. Wer Ende die beste Basis für sein Auto gefunden hat, wird wichtige Punkte für die WM-Entscheidung sammeln.

Rangfolge (aus allen drei Rennen)

Mercedes

Ferrari, McLaren

Red Bull
Haas, Alpine
Racing Bulls, Audi

Williams

Cadillac, Aston Martin

Bilder: Pirelli

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