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Formel Eins: Ärger schon vor dem Saisonstart

von DonDahlmann
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Die Formel Eins scheint ein Problem mit den neuen Motoren zu haben. Ist das neue Reglement schon vor dem Start gescheitert?

Selten hat die Formel Eins sich so radikal geändert wie in diesem Jahr. Die meisten Veränderungen in der Serie gab es, wenn ein Team eine neue Technologie entwickelte, die dann von anderen adaptiert wurde. Oder es wurden neue Regeln bei Motoren und der Aerodynamik vorgenommen. Dass aber beides auf einen Schlag verändert wird, sorgt dann wenig überraschend für Probleme. Und die sind mannigfaltig und komplex.

Die sonst übliche Kaffeesatzleserei der Testzeiten kann man sich in diesem Jahr sparen. Sicher, es bleibt die alte Weisheit, dass, wenn jemand über alle Testtage schnell ist, das vermutlich auch zum Start der Saison sein wird. Aber während sich Mercedes, Red Bull, Ferrari und McLaren gegenseitig die Favoritenrolle zuschieben, gibt es hinter den Kulissen weit größere Probleme.

Die hängen zum größten Teil mit den neuen Motoren zusammen. Denn wie erwartet sorgt der Wegfall der zweiten Elektrokomponente für Fragezeichen. Da gleichzeitig die Batteriekapazität erhöht wurde, bedeutet dies, dass ein großer Teil der Leistung der Motoren aus der Batterie stammt und nicht mehr vom Verbrennungsmotor gestemmt wird.

Die Fahrer beklagen, dass man mehr mit dem Energiemanagement beschäftigt ist, als mit dem eigentlichen Fahren. Ein Onboard-Video (die F1 verweigert die Einbindung auf einer Webseite) von Weltmeister Lando Norris vom ersten Testtag scheint das zu bestätigen. Achtet im Video auf den vertikalen, weißen Balken ganz rechts auf dem Lenkraddisplay. Das ist die Ladung der Batterie und zeigt, wann rekuperiert und wann Energie abgerufen wird.

Auffallend ist: Nach der Hot Lap von Norris ist die Batterie am Ende der Runde auf der Start/Zielgeraden leer. Es gibt eine weitere Onboard-Aufnahme von Nico Hülkenberg im Audi, die zeigt, dass seine Batterie am Ende derselben Geraden leer ist und sich der Topspeed verringert, weil der Verbrenner nicht die Leistung hat, die Geschwindigkeit aufrechtzuerhalten. Dieses Phänomen hatte man erwartet. Schon im letzten Jahr tauchten Gerüchte auf, dass vor allem auf Strecken wie Monza die Batterie nach einer halben Runde leer sein würde.

Die Folge: Fahrer werden im Rennen mehr damit beschäftigt sein, die Batterieladung zu managen. Aber auch das ist nicht neu. Als das KERS Ende der 2000er-Jahre eingeführt wurde, zeigte sich ein ähnliches Problem. Doch in diesem Jahr macht die Batterie 50 Prozent der Gesamtleistung aus. Demzufolge potenziert sich das Problem in diesem Jahr um ein Vielfaches.

Die Angst ist nun, dass die Rennen in diesem Jahr extrem statisch werden. Denn die Batterie wird man logischerweise auf den Geraden nutzen wollen und die “Active Aero” funktioniert nicht mehr wie das DRS, sondern kann von jedem Fahrer auf den Geraden eingesetzt werden. Die Folge könnte sein, dass Überholmanöver nur dann möglich sind, wenn die Rekuperationsstrategien der Fahrer weit auseinanderliegen.

Wie groß die Probleme mit dem neuen Antrieb sind, sieht man auch an den etwas schockierenden Bildern der Startversuche. Bis zu 10 Sekunden müssen die Fahrer den Motor unter Volllast im Leerlauf hochdrehen, bis genug Ladedruck aufgebaut ist. Bei Ferrari sind es ein paar Sekunden weniger, weil die einen kleineren Turbo nutzen. Aber schon jetzt wird diskutiert, ob man die Autos nach der Einführungsrunde nicht 10 Sekunden im Stillstand hochdrehen lässt, um erst dann die Ampel anzuschalten.

Es scheint, dass man sich als F1-Fan in diesem Jahr mit vielen Dingen beschäftigen muss. Rekuperationskurven, Kompression, Turbo-Lag, Sprithersteller und Aerodynamik sind dabei nur die größten Baustellen. Nur: interessiert das irgendjemanden, außer Leuten mit einem Ingenieursstudium?

Der Spagat der Formel Eins, technischen Fortschritt mit Entertainment zu verbinden, funktioniert nicht. Das hätte man sich auch von der WEC abschauen können. Die LMP1 waren ein gutes Beispiel dafür, wann das Ende der technischen Fahnenstange erreicht ist. Die Einführung eines dritten MGU-Systems hat man aus Kostengründen ad acta gelegt. Aber auch, weil man erkannte, dass das an der Strecke niemanden interessierte. Dass die FIA im letzten Jahr schon die Idee einbrachte, dass man ab 2029 schon auf einen klassischen V8 setzen sollte, spricht auch nicht gerade dafür, dass man vom eigenen Konzept überzeugt ist.

Vielleicht ist die Idee einer “old school” Serie auch gar nicht so falsch. Auch wenn ich E-Fuels für die Massenmobilität aus diversen Gründen für nicht geeignet halte, im Motorsport macht der Einsatz durchaus Sinn, solange man keine anderen Lösungen findet. Und die werden so schnell auch nicht auftauchen, sei denn, man setzt auch hier wieder auf Nischenlösungen wie einen Wasserstoffverbrenner.

Allerdings darf man den Test in Bahrain auch nicht zu ernst nehmen. Wir wissen nicht, ob man überhaupt mit voller Motorleistung unterwegs war. Und mauern kann man auch bei der Rekuperation oder bei der Frage, ob man die Batterie überhaupt auflädt. Kaum jemand wird alle Karten auf den Tisch legen. Dazu kommt auch, dass das Jammern über neue Regeln zu Beginn immer groß ist, die Teams aber schnell neue technische Lösungen finden. Die FIA hat ihnen da einige technische Freiheiten gelassen.

Der Test in dieser Woche in Bahrain, den man nun auch im Fernsehen verfolgen kann, wird hoffentlich etwas mehr Aufschluss geben.

Bilder: Pirelli, Audi, Screenshot

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