Traditionell ging es für die DTM-Plattform zum Finale nach Hockenheim. Nach einer abwechslungsreichen Saison waren die Vorzeichen im Meisterschaftskampf klar verteilt, bei dem eine ähnliche Dramatik wie in der DTM oder dem Carrera Cup nicht mehr entstehen konnte. Ohne Gaststarter war es zum Abschluss ein Feld mit den 14 Permanentstartern.
Samstag
Wie erwartet musste sich das Teilnehmerfeld am Samstag auf feuchte Bedingungen einstellen. In der Qualifikation waren es allerdings noch Bedingungen für Slicks mit den entsprechenden feuchten Stellen, wodurch in den Schlussminuten die Zeiten permanent verbessert wurden. Gegen die klar führende HRT-Mannschaft konnte die Konkurrenz nochmal eine Chance wittern: Simon Birch konnte sich im Porsche von Razoon more than racing die Pole sichern. Am Ende einer Saison, die für das neue GT3-Team aus Österreich immer wieder Highlights gebracht hat. Aus Sicht von FK Performance verpasste man es mit der #11 von Tim Zimmermann die notwendigen Zusatzpunkte in der Qualifikation zu holen. Der Meisterschaftsführende Finn Wiebelhaus kam nur auf die siebte Position. Damit war klar, dass die vorzeitige Meisterschaft hätte vertagt werden können.
Rennen 1
Mit regennasser Fahrbahn ging es ins vorletzte Saisonrennen. Die Startrunde hätte für Tim Zimmermann nicht schlechter laufen können, nachdem er mit Jannis Fittje im Schnitzelalm Mercedes in die Auslaufzone nach der Mercedes-Arena rutschte, wodurch er ausgerechnet vor dem Mustang von Wiebelhaus wieder auf die Strecke kam. Kurze Zeit später wurde er von Wiebelhaus durch einen Quersteher nach der Sachs-Kurve unverschuldet am Heck getroffen, wodurch die Meisterschaft trotz der schwachen HRT-Platzierung entschieden wurde. Mit der weghängenden Stoßstange war der BMW zwischendurch noch in langsamer Fahrt und fiel auf den letzten Platz zurück. Damit hätte nur noch der Porsche von Razoon die Entscheidung durch einen Sieg vertagen können.
Mit Simon Birch, Dennis Bulatov und Niklas Kalus waren die Topplatzierten vor dem Stoppfenster weit auseinandergezogen, wohl durch die üblichen
Luftdruckunterschiede bei langsam abtrocknenden Verhältnissen. Genau darin lag viel Potenzial nach den Stopps: Da gegen Rennende eine trockene Fahrspur zu erwarten war, waren Druckanpassungen beim Stopp von immenser Bedeutung. Ausgerechnet während des Stoppfensters setze erneut Regen ein, was FK Performance nach ca. einer Runde Rückstand zu einer „Verzweifelungstaktik“ brachte, indem sie konträr zum gesamten Starterfeld auf Slicks wechselten. Zu verlieren hatten sie ohnehin nichts mehr!
Leo Pichler übernahm die Führung von seinem dänischen Teamkollegen vor Nico Hantke im vielleicht letzten Wochenende eines R8 im GT Masters, sowie Moritz Wiskirchen im Schnitzelalm Mercedes. Die Pro-Am-Meisterschaft sollte für Fach Autotech wie erwartet ebenso entschieden werden, nachdem Alexander
Fach den vierten Platz vor dem bestplatzierten Mustang von Max Reis übernahm. Für die wohl vorzeitigen Meister war es einer der schwächsten Aufritte der Saison, als sie sich mit Wiebelhaus/Owega am Ende der Top10 befanden. Umso bitterer, dass für FK der Samstag so übel gelaufen ist. Sonst wäre die Hälfte des Rückstands eventuell weggewesen.
Gegen Mitte des zweiten Stints übernahm Nico Hantke die Führung von Leo Pichler. Ausgerechnet nach dem heftigen Testunfall am Salzburgring, was einen vorrübergehenden Chassiswechsel nach sich zog, konnte das Team aus Meusphath zu einem starken Saisonfinish ansetzen. Auch die Porsche zeigten bei den nassen Bedingungen wie in der DTM eine starke Leistung. Alexander Fach übernahm daraufhin die dritte Position vom Schnitzelalm Mercedes. Für FK Performance ging der zweite Stint ähnlich schwach weiter, nachdem auch das Schwesterauto mit Hanses/Coseteng in der
Schlussphase nach einem Ausritt in der Sachs Kurve Plätze verlor. Der Crossover-Punkt, an dem die Slicks bei Leyton Fourie einen Vorteil gegenüber den profilierten Pneus hatten, wurde erst in den Schlussminuten erreicht.
Auch wenn sich Haupt Racing das Leben teamintern mal wieder schwierig machte, als Jonathan Cecotto fast noch teamintern mit Salman Owega kollidierte, woraufhin die Rennleitung einen Platztausch anordnete, reichte am Ende ein neunter Platz zur Entscheidung. Das schwache Teamergebnis mit dem sechsten Platz für Max Reis als bester HRT-Pilot, nachdem er gegen den Paul Lamborghini von Finn Zulauf einen Platz verlor, soll über ein starkes Debütjahr mit dem Mustang nicht hinwegtäuschen. Hantke/Bulatov konnten im Audi bereits den dritten Saisonsieg einfahren. Ohne das verpasste Event am Salzburgring wären sie eventuell sogar auf dem Niveau von FK Performance oder Razoon in der Meisterschaft gewesen.
Sonntag
Mit trockenen Bedingungen ging es in den zwölften und letzten Renntag der Saison. Die Sieger des Samstags kamen auf die dritte Startposition hinter Alexander Fach und Leyton Fourie, die nach dem verkorksten Samstag zurückschlagen wollten, nachdem auch der zweite Tabellenplatz gegen Razoon und Scherer Sport PHX in Gefahr geriet. HRT konnte sich mit vierten und fünften Plätzen wieder halbwegs in Normalform zeigen.
Rennen 2
Unter den Bestplatzierten gab es keine Änderungen nach dem Start und sowohl Alex Fach als auch Leyton
Fourie konnten sich vom Feld absetzen. Das Rennen entwickelte sich wie ein übliches Saisonfinale, bei dem die wichtigsten Entscheidungen bereits gefallen waren, woran auch die guten Überholmöglichkeiten in Hockenheim nichts änderten. Gegen Mitte des ersten Stints wechselte die Führung, was durch den Wechsel von Fach auf Schwarzer im Porsche zunächst sehr nach einem Sieg für FK Performance aussah. Nico Hantke und Salman Owega blieben dahinter in Schlagdistanz.
Wie erwartet übernahm Alexander Schwarzer nach dem Stopp den Porsche in Führung liegend. In der zweiten Rennhälfte sollte dann der Mustang von Finn Wiebelhaus zulegen, um zu zeigen, wieso man den Titel recht deutlich holen konnte. Zunächst ging er nach dem Stopp an Dennis Bulatov für die dritte Position
vorbei. In Führung verlor Alexander Schwarzer rund eine Sekunde pro Runde an Vorsprung auf den FK Performance BMW, was für den Trophy-Piloten durchaus eine respektable Leistung war. Erst in den letzten zehn Minuten verlor er Positionen. Nachdem Finn Wiebelhaus den Platz gegen Tim Zimmermann gewann, ging er schließlich an Schwarzer vorbei, um den dritten Saisonsieg einzufahren. Jeweils war es ein Sonntagsrennen.
In identischer Manier kam ebenfalls Tim Zimmermann in der Haarnadel am Porsche vorbei, dem Dennis Bulatov folgen konnte, um das letzte Saisonpodest zu fixieren. In der vorletzten Runde ging zunächst auch noch der Schubert BMW von Sandro Holzem vorbei, der allerdings nach einem Ausritt in den Kies der Sachs-
Kurve den Platz wieder hergeben musste. Damit wurde es für Fach/Schwarzer nach einer erneut starken Saison in der Pro-Am-Klasse ein starker vierter Platz. Für HRT und FK Performance war es nach den Ausrutschern am Samstag ein starkes Saisonende auf den Podest. Scherer PHX konnte durch das erneute Podest sogar noch den vierten Meisterschaftsrang hinter Razoon more than racing einfahren, die am Sonntag mit dem Erfolgsbalast nur am Ende der Top10 waren. Trotzdem waren sie als Neuling im GT3-Sport zweifelsohne die Überraschung der Saison.
Fazit
Die Saison brachte in den zwölf Rennen sieben verschiedene Sieger zu Stande, wozu sicherlich die beiden wechselnden Rennformate beigetragen haben. Die Wertung „Road to DTM“ konnte in der zweiten ausgetragenen Saison Finn Wiebelhaus gewinnen. Obwohl er zusammen mit Salman Owega Meister wurde, hatte er in der Sonderwertung neun Punkte mehr als sein Teamkollege, was durch Strafpunkte und Qualifying-Platzierungen im Saisonverlauf zustande kam. Ähnlich verhielt es sich 2024, als Seppännen und Kalender Meister wurden und dennoch auf verschiedene Punkte kamen. Beide Meister dürften gute Karten auf ein Cockpit in der DTM oder der GT World Challenge haben, da Wiebelhaus offizieller Ford Junior ist und Salman Owega nach 2023 schon zum zweiten Mal Meister wurde.
Welche Struktur und Veränderungen die Rennserie für 2026 bekommen wird, ist bislang unklar. Fakt ist, dass mit 14 Stammfahrzeugen ein soeben annehmbares
Feld zustande kam, jedoch kaum noch „Luft nach unten“ herrscht, um mögliche Abgänge zu kompensieren. Nach den Erfahrungen mit Gaststartern bei den beiden Österreich-Auftritten hätte eine zunehmende Verlegung ins benachbarte Ausland Thema sein können. Allerdings wird der Kalender 2026 eine Kopie aus 2025 sein, mit dem Unterschied, dass Spielberg an den Saisonbeginn kommt. Endurance-Wochenenden (vermutlich weiterhin mit dem Format über 80 Minuten und zwei Stopps) sind für den Lausitzring und Salzburgring angekündigt. Für den Truck GP müssen wohl noch ein paar Fragen geklärt werden, da dieser noch mit einem Sternchen versehen ist.
Des Weiteren wird sich die Frage auftun, ob die Rennserie als reine GT3-Serie weiterhin Sinn macht. Wenn man schon einen Nachwuchs- und Pro-Am-Charakter verfolgt, könnte vielleicht die Einführung einer GT-Cup-Klasse wie in der International GT Open für ein größeres Starterfeld sorgen. Auch die Zukunft der Prototype Cups ist höchst fraglich, nachdem dort ein Team den Stecker für 2026 gezogen hat – und das bei einem bereits überschaubaren Feld mit einstelligen Starterzahlen. Realistisch gesehen benötigen auf der ADAC-Plattform nur die DTM sowie die ADAC GT4 und
der Porsche Carrera Cup keine Reformen für 2026, der Rest aus verschiedenen Gründen durchaus! Kleinere oder gar größere Modifikationen sind also für das nächste Jahr nicht ausgeschlossen. Fest steht: Das Nachwuchskonzept hat seinen Reiz und sollte innerhalb der Plattform als „Zwischenstufe“ zur DTM beibehalten bleiben!
Bildquelle: media.adac-motorsport.de (https://media.adac-motorsport.de/index.php?ID_dir=2,8,3215,3509)
