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ADAC GT Masters: Analyse Spielberg

von Nils Otterbein
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Am vorletzten Saisonwochenende wurde beim zweiten Gastspiel in Österreich der Grundstein für die Meisterschaft gelegt. Mit einem volleren Starterfeld als üblich wurde auf der kürzesten Strecke der Saison ordentlich Unterhaltung geboten.  

Das Wochenende in Spielberg brachte dank vier Gaststartern das größte Starterfeld der Saison zusammen, was den Stellenwert der Rennserie im benachbarten Ausland, insbesondere östlich und südöstlich der Bundesrepublik verdeutlicht. Mit Baron Motorsport waren zwei Ferrari im Starterfeld zu finden sowie mit Senkyr Motorsport aus Tschechien ein weiterer BMW und mit ARC Bratislava ein bekanntes Langstreckenteam mit einem Lamborghini. Eine solche Beteiligung lässt die Auftritte außerhalb Deutschlands in einem neuen Licht erscheinen.

Man kann nur spekulieren, ob das größere Interesse für die Läufe in Österreich einen Einfluss auf die Kalenderplanung für 2026 haben könnte, aber: Wenn der ADAC die Möglichkeit eines weiteren Wochenendes auf ehemaligen ADAC GT Masters Strecken wie Most oder dem Slovakiaring erkennt, sollten diese genutzt werden. Für Teams aus Tschechien, Slowakei und Österreich bietet sich zwar der zentraleuropäische Eset Cup an, allerdings mit weitaus geringerer Medienpräsenz als die ADAC-Plattform. Die GT World Challenge ist zahlenmäßig quasi ausgebucht und die GT Open fährt vorwiegend in Südeuropa. Spielberg hat gezeigt, dass der ADAC für das GT Masters noch internationaler denken sollte, um das Interesse der Teams aus den genannten Ländern zu bedienen. Die Chance, ein weiteres Wochenende fernab der DTM-Plattform auf die Beine zu stellen, sollte auf internationales Interesse stoßen.

Samstag

Neben den genannten Gaststartern waren auch alle Verunfallten vom Salzburgring wieder am Start. Neben Engstler Motorsport war es auch Scherer PHX, die nach dem Unfall am Testtag des Salzburgrings mit dem Ersatzchassis am Start waren. Jenem Chassis, das die 24 Stunden vom Nürburgring gefahren ist. Prompt konnte Nico Hantke überraschend die Pole vorm Schubert BMW einfahren. Überraschend stark zeigte sich am gesamten Wochenende Gerhard Tweraser im Lamborghini Huracan Evo I von ARC Bratislava. Ursprünglich kam er auf die dritte Position. Nach der Qualifikation wurde er jedoch wegen Untergewicht ans Ende des Feldes gesetzt. Das betagtere Vorgängermodell, was das Team im zentraleuropäischen Eset Cup seit Jahren erfolgreich einsetzt, war das gesamte Wochenende aufgrund des geringeren Abtriebs und einer offensichtlich besseren BOP gegenüber den aktuellen Modellen von Paul Motorsport und Engstler im Vorteil.

Rennen 1

Das Samstagsrennen begann mit wilden Startrunden, in denen Track Limits nur noch theoretischer Natur waren. Für den in der Meisterschaft zweitplatzierten FK Performance BMW von Leyton Fourie begann ein harziges Wochenende, indem er in den Startrunden einige Plätze verlor und weit hinter Salman Owega als Meisterschaftsführenden zurückfiel. Mann des Starts war nach der Strafversetzung Gerhard Tweraser, der im älteren Lamborghini bis weit ins Mittelfeld nach vorne kam. Überraschenderweise konnten beide BMW von FK Performance die Pace an der Spitze mit Nico Hantke, Sandro Holzem und den beiden Mustangs von Owega und Kalus nicht mitgehen, obwohl sie von der Basis die gleiche BOP wie Schubert in der DTM hatten, die einen Doppelsieg einfuhren.

Erfreulicherweise hat Haupt Racing trotz der knappen Meisterschaft, keine Teamorder zugunsten der #1 ausgerufen, weshalb Niklas Kalus im Schwesterauto vorbeizog. Bereits am Salzburgring hat eine teaminterne Kollision gezeigt, dass sich die Teamkollegen im Zweifel nichts schenken. Auch nach den Stopps zur Mitte des Rennens blieb die Reihenfolge unverändert, während der Scherer Audi und der Schubert BMW locker die Führungspositionen halten konnten. Der FK BMW von Fourie/Zimmermann fiel noch weiter hinter die Pro-Am-Autos von Senkyr Motorsport und Engstler zurück. Auch vom Razoon more than racing Porsche war beim Heimspiel am Samstag wenig zu sehen.

Teamintern schaffte Finn Wiebelhaus bei HRT jedoch Tatsachen und ging an Max Reis nach dem Fahrerwechsel vorbei. In den nächsten Runden setzte er sich vom Teamkollegen ab und übernahm auch noch den zweiten Platz vom Schubert BMW. In der vorletzten Runde kam schließlich auch noch der zweite Mustang von Max Reis aufs Podest. Über die Saison wird deutlich, dass beide Holzen-Zwillinge in ihrer zweiten Saison immer besser ankommen, nachdem sie sich im Debütjahr bei Land Motorsport permanent Fehler und Strafen eingehandelt haben.

Fast zeitgleich verlor einige Plätze dahinter Tim Zimmermann gegen Simon Connor Primm im Paul Lamborghini und Leo Pichler im Razoon Porsche weitere Plätze. Sogar Fabrizio Crestani im Baron Ferrari und Alexander Fach aus der Pro-Am-Klasse gingen noch vorbei. Auf einer BMW-Strecke kaum zu glauben, aber wahr: Es reichte nur für den elften Platz, wodurch bereits am Sonntag die Vorentscheidung im spannend gewordenen Titelkampf fallen konnte. Scherer PHX landete ausgerechnet mit dem Ersatzchassis einen souveränen und überraschenden Sieg. In der dieses Mal gut besetzten Pro-Am gewannen Gjerdrum/Karklys auf einem starken fünften Platz, nachdem der Fach Porsche nach der Warm-Up-Lap einen Stopp einlegen musste und damit hinten startete. Mit Ernst Kirchmayr und Fabrizio Crestani wurde der Baron Ferrari Achter. Beide sollten für den Sonntag die interessanteste Rolle der Gaststarter spielen.

Sonntag

Bei abtrocknenden Bedingungen in den frühen Morgenstunden des Sonntags war klar, dass sich die Zeitenjagd auf die letzten Minuten komprimieren sollte. HRT konnte mit Wiebelhaus/Fetzer eine Doppelpole einfahren. Da auch Max Reis vorne dabei war und sich mit Fabrizio Crestani ein stark besetzter Pro-Am-Ferrari vorne befanden, sprach vieles für einen HRT-Sieg am Sonntag. Tim Zimmermann hielt sich mit dem sechsten Rang zumindest noch in Schlagdistanz.

Rennen 2

Nachdem Dennis Fetzer gegen den Ferrari und Julian Hanses im FK BMW zwei Plätze verlor, konnten sich Wiebelhaus und Crestani bereits in den Startrunden absetzen. Auch wenn der Ferrari als Pro-Am-Auto genannt wurde, war schon im Vorfeld klar, dass ein Fabrizio Crestani durchaus die Klasse besitzt, in einem Feld wie dem GT Masters mit vorwiegend Silber-Piloten mitzuhalten. Insgesamt war der erste Stint deutlich ruhiger als in der turbulenten Startphase des Samstags. Lediglich eine Kollision zwischen Felix Hirsiger im Engstler Lamborghini und Carrie Schreiner, die an ihrem Geburtstag im Land Audi umgedreht wurde, war im ersten Stint erwähnenswert. Hinter dem Schubert BMW bildete sich ab der vierten Position eine große Kolonne, in der Tim Zimmermann in seinem BMW drinsteckte. Zu diesem Zeitpunkt sah es so aus, als würde HRT einen fast entscheidenden Vorsprung von rund 40 Punkten zum Hockenheim-Finalwochenende mitnehmen.

Wie erwartet sollten nach den Stopps die Pro-Am-Besatzungen nach ihrer kürzeren Mindeststandzeit die Würze ins Rennen bringen. Ernst Kirchmayr, der sonst als Besitzer eines Einkaufszentrums in der Ferrari Challenge fährt, führte nun das Feld an. Salman Owega hatte damit leichtes Spiel, da hinter ihm mit Alexander Schwarzer der nächste Trophy-Pilot unterwegs war. Im engen Mittelfeld verlor FK Performance mit beiden Autos an Boden. Besser hätte das Wochenende für HRT eigentlich nicht laufen können!

Nachdem Owega vorbeiging, sollte es zwischen Kirchmayr und Schwarzer sogar ums Gesamtpodium gehen. Hätten beide besser zusammengearbeitet und sich nicht frühzeitig duelliert, hätte es vielleicht sogar klappen können! In den letzten zehn Minuten sollten diese Hoffnungen jäh gestoppt werden, als Sandro Holzem an beiden vorbeiging, bevor Simon Birch im Razoon Porsche und Jonathan Cecotto im HRT Mustang gleiches schafften. Die Szenen erinnerten an einen Mittelstint eines WEC-Rennens, in dem ebenfalls sehr unterschiedliche Fahrerqualitäten aufeinandertreffen und Dynamiken entstehen. Schwarzer enttäuschte in dieser Phase, da er weniger Umsicht im Zusammenhang mit den überholenden Piloten zeigte als Kirchmayr, der diese Rennsituationen im GT3-Sport weitaus seltener erlebt. Kirchmayr fiel lediglich auf die sechste Position zurück und gewann damit die Pro-Am-Klasse, da Schwarzer noch hinter Leyton Fourie auf den achten Rang fiel.

Erwähnenswert war noch der Krimi um acht Hundertstel zwischen Holzem und Birch um den zweiten und dritten Platz auf der Ziellinie. Nicht nur mit dem Sieg von Owega/Wiebelhaus, auch mit den vierten und fünften Plätzen von Fetzer/Cecotto und Reis/Kalus war es ein starker Tag für Haupt Racing. Ganz zu schweigen von den Ergebnissen beim NLS-Doubleheader. Der Vorsprung in der Meisterschaft beträgt nun 40 Punkte bei noch 56 zu Vergebenen in Hockenheim. Damit steht Haupt Racing im ersten Jahr mit dem Ford Mustang vor der Meisterschaft, die sie in den letzten Jahren mit dem Einsatz von drei Mercedes gegen Landgraf Motorsport nicht holen konnten. Für FK Performance war es ausgerechnet auf einer Paradestrecke für den BMW M4 Evo ein erstaunlich blasses Wochenende.

Bildquelle: media.adac-motorsport.de (https://media.adac-motorsport.de/index.php?ID_dir=2,8,3215,3488)

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