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ADAC GT Masters: Analyse Nürburgring

von Nils Otterbein
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Das ADAC GT Masters verließ zum dritten Saisonwochenende erstmals das DTM-Umfeld und startete zum dritten Mal im Rahmen des beliebten Truck Grand Prix am Nürburgring. Erneut wurde bei einem Wochenende fernab der DTM das Endurance-Format ausgefahren, was zwei interessante Rennen brachte.

Leider war dieses Jahr die Seite der Gaststarter etwas mau. Immer wieder nutzten potenzielle Neueinsteiger den Truck GP, um mal in die Rennserie hineinzuschnuppern. Aus Teams wie SR Motorsport by Schnitzelalm oder Paul Motorsport wurden Permanentstarter. Dieses Mal war es nur das Team von Joos Sportwagentechnik, was als ehemaliger Permanentstarter mit Teamchef Michael Joos und Felix Neuhofer an den Start ging. Bleibt zu hoffen, dass bei den beiden Österreich-Auftritten nach der Sommerpause am Salzburgring und in Spielberg ein paar lokale Teams an den Start gehen. Möglicherweise ist das Endurance-Format durch die nicht unkomplizierten Abläufe mit zwei Stopps, Nachtanken und Reifenwechsel eine zu große Hürde, um potenziellen Neueinsteigern die Rennserie schmackhaft zu machen.

Samstag

Das Qualifying verlief selbst für die Kurzanbindung des Nürburgrings ungewöhnlich eng. Die ersten Fünf waren innerhalb einer Zehntel. Dabei holte HRT mit Max Reis, der dieses Mal ersatzweise David Schumacher nach einer Verletzung von Niklas Kalus an die Seite bekam, und Salman Owega eine Doppelpole. Nach den deutlichen rennserienübergreifenden Verbesserungen des HRT-Programms war dies keine Überraschung. Dahinter war es bunt durchgemischt mit dem Schubert BMW der Holzem-Zwillinge, dem Fach Porsche sowie dem Paul Lamborghini von Finn Zulauf.

Rennen 1

Nach den beiden Einführungsrunden, die gewohnt beim Truck GP von einem mächtigen Pace-Truck angeführt werden, ging Owega mit harten Bandagen im Haug-Haken an Max Reis vorbei. Jedoch bekam er eine Penalty Lap aufgrund einer inkorrekten Startposition aufgebrummt, die er obendrein nach einer kurzen Safety-Car-Phase absitzen musste, nachdem der Land Audi von Carrie Schreiner nach einem Motorschaden abgestellt werden musste. Damit begann er die erste Phase der Stopps nur auf dem fünften Rang hinter dem Teamkollegen Max Reis, Alexander Fach, Juliano Holzem und Finn Zulauf.

Nochmal der Hinweis: Beim Endurance-Format hat man die Wahl, ob der längere Stopp mit Reifenwechsel beim ersten oder zweiten Stopp durchgeführt wird. Der kurze Tankvorgang und beide Fahrerwechsel sind davon unberührt. Beim bis dahin Gesamtführenden entschied sich HRT für den Reifenwechsel und den damit 20 Sekunden längeren Stopp. Dadurch ging der Fach Porsche klar in Führung, da dieser aufgrund der Pro-Am-Wertung ohnedies zehn Sekunden kürzer stehen darf. Alexander Schwarzer konnte in der Folge seine Führung erstaunlich gut verteidigen und lieferte im Rahmen seiner Möglichkeiten als Bronze-Pilot, den wohl besten Stint seiner Karriere im GT Masters ab.

Schnellstes Auto im Mittelstint wurde nun David Schumacher, der mit frischen Reifen von Max Reis übernahm. Allerdings musste er in seinem Stint Track Position in Form von Überholmanövern gut machen, indem er am Kampfpaket rund um die beiden BMW von Holzem und Zimmermann sowie am Scherer PHX Audi von Dennis Bulatov vorbeimusste. Dadurch verlor er im virtuellen Duell gegen den Fach Porsche von Schwarzer, der tatsächlich als Führender an Alex Fach übergeben konnte, nachdem er den Paul Lamborghini von Simon Connor Primm hinter sich hielt.

Unmittelbar nach den letzten Stopps wurden die unterschiedlichen Taktiken genullt, was die #1 mit Salman Owega, der von Finn Wiebelhaus mit frischen Pneus übernahm, auf die zweite Position vor dem Schwesterauto brachte. Max Reis konnte mit den gebrauchten Reifen in der #3 den guten Stint von David Schumacher nicht wiederholen. Großes Lob derweil an die neue Grafikanzeige, die sofort deutlich macht, wer den langen Stopp schon gemacht hat und wer nicht! Nachdem die ersten drei Positionen bezogen schienen, bildete sich dahinter ein Kampfpaket rund um Leo Pichler im meisterschaftsführenden Razoon Porsche, Finn Zulauf und Jonas Karklys. Der Paul Lamborghini setzte sich hier durch, bevor Zulauf kurz vor Schluss sogar noch den HRT-Mustang von Max Reis vom Podium verdrängte.

Am Ende konnte der Fach Porsche wahrlich brillieren und mit rund 15 Sekunden Vorsprung das Rennen für sich entscheiden. Selbst ohne die klassenbedingten 20 „geschenkten“ Sekunden konnte die Schweizer Porsche-Truppe fast vollständig rausfahren. Hier muss maßgeblich der gute Mittelstint von Alexander Schwarzer genannt werden. Weiterhin schade, dass außer dem Engstler Lamborghini mit Karklys/Gjerdrum nicht noch weitere Teams in der Pro-Am starten. Ich sage es immer wieder: Diese Klasse bietet gerade beim Endurance-Format viel Potenzial. Ab der sechsten Position blieb das Feld nur wenige Sekunden zusammen. Damit waren es vier Sieger aus den ersten fünf Saisonrennen.

Sonntag

Alle 15 konnten am Sonntag wieder in den Renntag starten, auch der Land Audi, bei dem über Nacht der Motor getauscht werden musste. Ford konnte auch heute eine Doppelpole erlangen, dieses Mal mit Ford-Junior Finn Wiebelhaus vor David Schumacher. Dahinter landeten die drei BMW von FK Performance und Schubert. Großes Lob an die Übertragung im Stream, in der einige Fahrer während der Qualifikation interviewt wurden, um die Ereignisse des Samstags abschließen zu können.

Rennen 2

Unmittelbar nach den Rennstart zogen die beiden führenden HRT-Mustang weg, was schnell den Eindruck erweckte, als würde der Sieg dieses Mal nur über Ford gehen. In einer zunächst ruhigen Startphase formierten sich dahinter die drei BMW, unter denen sich vorerst Sandro Holzem gegen Zimmermann und Hanses durchsetzen könnte. Kurz vor den ersten Stopps sollte der Kampf um den dritten Platz jedoch „eskalieren“, da das Rennen recht langsam gehalten wurde, wodurch die Gruppe teils mit sechs bis sieben Autos durch die Kurzanbindung wollte. Der Razoon Porsche fiel ans Ende des Feldes nach einer Beschädigung zurück, die er von Julian Hanses im FK Performance M4 zugefügt bekam. Auch der Holzem-BMW fiel einige Plätze und damit aus der Entscheidung zurück.

Bis auf vier Autos, darunter die #1 von Wiebelhaus/Owega, erledigten dieses Mal alle ihren langen Stopp früher, da das Feld bereits erkennbare Lücken aufwies und sich für einige die Möglichkeiten einer guten Track Position ergab. Da der Stopp der #3 mit Schumacher/Reis zu kurz war, verloren sie gegenüber dem Teamkollegen wichtige Sekunden. Der Mittelstint wurde dieses Mal wie ein Stint innerhalb eines Langstreckenrennens mit unterschiedlichen Reichweiten und unterschiedlichen Rhythmen. Ein Duell auf der Strecke gab es unter anderem um den zweiten Platz zwischen den beiden FK Performance Teamkollegen mit Eduardo Coseteng und Leyton Fourie, die ihre Plätze vor dem zweiten Stopp tauschten. Der klar führende Salman Owega lieferte sich ein „Fernduell“ gegen den Teamkollegen und – entgegen allen Erwartungen – schon wieder gegen den Fach Porsche. Diesen hatten man wegen der erwartbar schwachen Qualifikation und den beiden Stints von Alexander Schwarzer kaum auf dem Zettel, konnte aber mit Alex Fach Jr. bereinigt nach vorne kommen. Max Reis verlor kurz vor dem Stopp wichtige Zeit gegen den Schnitzelalm Mercedes von Moritz Wiskirchen, der die gegenteilige Strategie wählte.

Nach dem Stopp war der Fach Porsche mit Alexander Schwarzer über zehn Sekunden in Führung, während Schumacher und Wiebelhaus direkt hintereinander rauskamen. Allerdings konnten beide rechts, bzw. links am Porsche wenige Minuten vor Schluss vorbeigehen. In der vorletzten Runde konnte Finn Wiebelhaus den Vorteil der frischeren Pneus ausnutzen und in der AMG-Arena mit harten Bandagen an Schumacher vorbeigehen. Das Team des Rennens war aber erneut die Pro-Am-Besatzung von Fach Autotech, die auf dem letzten Drücker noch das Podium vor Tim Zimmermann ins Ziel retteten.

Fazit

Owega/Wiebelhaus gehen nun als Führende in die lange Sommerpause vor Fourie/Zimmermann und Max Reis, der nach dem Ausfall von Niklas Kalus nun alleinig in der Meisterschaft geführt ist. Die Verlierer des Wochenendes sind Pichler/Birch von Razoon more than racing. Machen wir uns nichts vor: Die deutlichen Verbesserungen von HRT machen sich in allen Rennserien bemerkbar. Mit drei eingesetzten Autos können sie aus den Vollen schöpfen und haben mit die stärksten Fahrerbesatzungen im Feld. In Spielberg und Hockenheim sollte der Mustang konzeptionsbedingt schwer zu schlagen sein. Das nächste Wochenende am 06/07. September könnte die letzte Chance für die Konkurrenz in der zwölf Rennen umfassenden Saison sein. HRT hat nun perfekte Chancen auf Anhieb mit dem Ford das hinzubekommen, was sie mit dem Mercedes gegen die kleinere Landgraf-Mannschaft nicht hinbekamen – einen Titel im ADAC GT Masters.

Bildquelle: media.adac-motorsport.de (https://media.adac-motorsport.de/index.php?ID_dir=2,8,3215,3391)

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