Früher stand die IndyCar Series für große Abwechslung an der Spitze. Nach nun sieben Rennen haben nur zwei verschiedene Fahrer ein Rennen gewonnen. In Detroit hat jedoch nicht Alex Palou, sondern Kyle Kirkwood gewonnen.
Schon in den Trainings waren die Wagen von Andretti Global ganz vorne mit dabei. Kyle Kirkwood war im ersten und Colton Herta im zweiten freien Training der schnellste Pilot. Dies sollten sie auch in der Qualifikation bestätigen. Colton Herta holte sich die Pole-Position und Kyle Kirkwood ging von Startplatz drei ins Rennen. Dazwischen konnte sich überraschend David Malukas schieben. Eine noch größere Überraschung war Graham Rahals fünfter Platz, den er aufgrund einer Strafe wegen eines Motorenwechsels aber nicht einnehmen konnte. Christian Lundgaard bestätigte mit Startplatz vier seine gute Form. Alex Palou komplettierte die Fast 6. Im ersten Training waren alle drei Penske-Chevrolet in den Top 4 zu finden. Mit den Startplätzen 8 und 9 waren Scott McLaughlin und Will Power in Sichtweite der Spitze. Vor ihnen ging Rinus VeeKay ins Rennen, direkt hinter ihnen Scott Dixon. Josef Newgarden erreichte nur Startplatz 24 und Pato O’Ward war mit Startplatz 18 kaum besser.
Christian Lundgaard bremste nach dem Start am spätesten in Kurve drei hinein. Colton Herta konterte jedoch und behielt die Führung. Alex Palou kämpfte sich mit Kontakt gegenüber Kyle Kirkwood auf Platz drei nach vorne. In wenigen Runden stellte Kirkwood die für ihn richtige Reihenfolge jedoch wieder her. Er überholte erst Palou in Kurve 3 und später dort auch Lundgaard. Damit lagen zwei Wagen von Andretti Global an der Spitze. Nach zehn Runden zeigten die Optionsreifen, mit denen die komplette Top 9 gestartet war, bereits einen erheblichen Gripverlust. Colton Herta war zwei Sekunden langsamer als in seiner besten Runde. David Malukas kam als Erster von Platz 5 kommend an die Box. In den nächsten Runden folgten Christian Lundgaard, Kyle Kirkwood und Colton Herta. Kirkwood kam hinter Nolan Siegel wieder auf die Strecke. Herta lag knapp vor Siegel, der mit seinen warmen Reifen die Chance sah, vorbeizugehen. Dies nutzte Kirkwood und zog an seinem Teamkollegen vorbei.
Bevor der Kampf weiter gehen konnte, drehte sich Marcus Armstrong mit Hilfe von Felix Rosenqvist in Kurve 8 und löste so die erste Caution aus. Da alle vor ihm schon gestoppt hatten, übernahm Scott McLaughlin die Führung. Er musste dann aber unter Gelb an die Box, um von Option- auf Prime-Reifen zu wechseln. Damit blieb er vor Kyle Kirkwood und hatte die Führung dieser Strategiegruppe inne. Will Power lag auf Platz 3 dieser Gruppe, da er sich beim Ausrufen der Caution gerade in der Box befand. Die Führung des Feldes übernahmen Christian Rasmussen vor Graham Rahal. Rahal hatte im Qualifying gezeigt, wie schnell er sein kann, und machte entsprechend Druck auf Rasmussen. Scott McLaughlin verlor derweil durch eine Drive-Through-Penalty, die er aufgrund eines Kontakts mit Nolan Siegel beim Restart erhalten hatte, seine gute Position. Auch Graham Rahal verlor kurze Zeit später seine gute Position. Er hatte nach dem Stopp das Gefühl, dass das rechte Hinterrad nicht richtig fest wäre. Er kam wieder an die Box und das Team hatte große Probleme mit dem Rad. Insgesamt verlor er fünf Runden.
Nun kamen alle Wagen, die noch keinen Stopp absolviert hatten, an die Box. Die Frage war, wie lange die Reifen halten würden. Mit einem Stint von 20 bis 25 Runden hätte man einen Stopp sparen können. Doch selbst beim Großmeister des Schonens, Scott Dixon, hielten sie nur neun Runden. Damit war klar, dass alle drei Stopps benötigen würden. Damit waren Kyle Kirkwood und sein Team wieder in einer sehr guten Ausgangslage. Zur Halbzeit lag Will Power in dieser Gruppe auf Platz 2 vor Colton Herta, Alex Palou und David Malukas. Alle fünf waren ähnlich schnell. So lagen sie in Runde 65 innerhalb von fünf Sekunden. Der Under-Cut war somit eine gute Option, um Plätze gutzumachen. Man musste nur den Benzinverbrauch im Auge behalten. Außerdem birgt die Outlap auf Primärreifen, wenn man maximal pushen will, immer das Risiko, in der Mauer zu landen.
All diese Gedanken waren jedoch überflüssig. Prema Racing hatte es versäumt, das linke Vorderrad von Callum Ilott festzuziehen, sodass er im Reifenstapel von Kurve 1 landete. Bei den Stopps unter Gelb lag jetzt der ganze Druck bei den Boxencrews. Da passte aber alles, und sie verließen in gleicher Reihenfolge die Boxengasse. An der Spitze lagen zum Restart Santino Ferrucci, Kyffin Simpson und Marcus Armstrong. Sie waren in den Runden 65 und 66 an der Box. Im Benzinsparmodus konnten sie ohne weiteren Stopp das Ziel erreichen. Somit fuhren sie auch um den Sieg. Nach dem Restart war das Rennen für Alex Palou hingegen beendet. Er wurde von David Malukas abgeschossen und endete in den Reifenstapeln von Kurve 1. Mit der folgenden Drive-Through-Penalty war auch Malukas aus dem Rennen um den Sieg.
Direkt nach dem Restart überholte Kyle Kirkwood Marcus Armstrong in Kurve 3, eine Runde später war Kyffin Simpson chancenlos. Dabei beschädigte Kirkwood jedoch seinen linken vorderen Frontflügel. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, Santino Ferrucci in Kurve 3 stehen zu lassen. Der Weg an die Spitze war sehr schnell geschafft. Will Power und Colton Herta hingen zu diesem Zeitpunkt noch hinter Kyffin Simpson auf den Plätzen vier und fünf fest. Als Power in der 80. Runde endlich an Simpson vorbeikam, hatte er schon fast vier Sekunden Rückstand auf Kirkwood. Es sah nach einem sicheren Sieg für Kirkwood aus. Da hatte jedoch die Aufhängung von Louis Fosters Wagen etwas dagegen. Beim Anbremsen von Kurve 3 kollabierte sie, und Foster nahm auch noch Felix Rosenqvist mit. Mit nur noch 13 Runden auf der Uhr und Schäden an den Reifenstapeln entschied die Rennleitung, das Rennen zu unterbrechen.
Doch auch das war für Kyle Kirkwood kein Problem. Er gewann den Restart locker und setzte sich innerhalb von nur zwei Kurven schon beruhigend von Will Power ab. Nach zwei Runden betrug der Rückstand von Power auf Kirkwood schon fast drei Sekunden. Den mangelnden Speed des Penske-Chevrolets nutzten Santino Ferrucci und Colton Herta aus. In Runde 91 gingen erst Ferrucci und dann Herta an Power vorbei. Doch auch diese beiden stellten keine Gefahr für Kirkwood dar. So fuhr Kirkwood zu seinem zweiten Saisonsieg. Dahinter musste sich Ferrucci gegen Herta verteidigen. Der Andretti Honda war eindeutig das schnellere Auto. Es dauerte jedoch bis zur 96. Runde, bis es zwischen ihnen eng wurde. In Kurve 3 rutschte Herta in Ferrucci hinein. Das kostete beide Zeit, sodass Will Power wieder in der Verlosung um Platz 2 war. Dieser beschäftigte sich aber erst einmal mit Herta, sodass Santino Ferrucci Platz 2 erreichte. In der letzten Runde wehrte Colton Herta vor Kurve 3 den Angriff von Will Power ab und sicherte sich Platz 3.
Kyffin Simpson kam als Fünfter ins Ziel. Damit war er mit großem Abstand der beste Pilot von Chip Ganassi Racing, Scott Dixon folgte auf Platz 11. Das kann er sich im Kalender anstreichen. Marcus Armstrong folgte auf Platz 6 und war damit der dritte Pilot, der von seinem frühen letzten Stopp vor der Caution profitierte. Christian Lundgaard war mit Platz 8 der vierte Pilot seiner Strategiegruppe. Er hatte nicht den Speed im Wagen wie die Piloten von Andretti Global, und der Abstand zu Will Power war auf der Strecke zu groß.
Pato O’Ward und Josef Newgarden wurden auf den Plätzen 7 und 9 gewertet. Aufgrund ihrer schlechten Startpositionen hatten sie eigene Strategien: Beide waren mit neuen Prime-Reifen ins Rennen gegangen. In der zweiten Caution stoppte O’Ward, blieb aber bei den neuen Prime-Reifen. Erst mit dem Stopp in Runde 54 wechselte er auf die Option-Reifen. Der Stint wurde durch die dritte Caution beendet. Für den letzten Stint hatte er wieder neue Prime-Reifen. Bei Newgarden setzte das Team von Beginn an auf eine Zwei-Stopp-Strategie. Nach einem langen ersten Stint wechselte er in der 37. Runde auf gebrauchte Prime-Reifen. Für den letzten Stint musste er in Runde 71 dann auf die Option-Reifen wechseln. In Runde 72 hatten sich Pato O’Ward und Josef Newgarden so auf die Plätze 9 und 10 vorgearbeitet. Bei den Restarts nutzte Newgarden die kurzzeitig besseren Reifen und fuhr bis auf Platz sieben nach vorne. Obwohl der Stint lang war, verlor er am Ende nur noch zwei Plätze. Mit 29 Runden war es der mit Abstand längste Stint mit Option-Reifen. Es ist erstaunlich, dass sie am Ende nicht noch weiter eingebrochen sind.
Post-Race Technical Violation, Penalty
Dieser Abschnitt scheint mittlerweile zum Standard geworden zu sein. Diesmal ist die #14 von A. J. Foyt Enterprises betroffen. Das kombinierte Gewicht von Fahrer und Ausgleichsballast lag unter dem Minimum von 185 Pfund. Der Wagen allein lag jedoch 10 Pfund über dem Minimalgewicht. Santino Ferrucci darf seinen zweiten Platz behalten. Er verliert jedoch die dafür gesammelten Punkte und das Team muss eine Strafe in Höhe von 25.000 $ zahlen.
Das gesamte Ergebnis kann auf der Homepage der IndyCar Series (PDF) nachgelesen werden.
Trotz des Ausfalls führt Alex Palou (311 Punkte) weiterhin souverän die Meisterschaft vor Pato O’Ward (221 Punkte) an. Mit dem Sieg hat sich Kyle Kirkwood (209 Punkte) auf Platz drei verbessert. Es folgen Christian Lundgaard (205 Punkte), Will Power (175 Punkte) und Felix Rosenqvist (175 Punkte).
Als nächstes trifft sich die IndyCar Series am 14. Juni im kleinen Oval des World Wide Technology Raceway in Madison.








