Bis Runde 55 war ein sehr gewöhnlicher Grand Prix in Spanien. Dann kam ein Safety Car und der Verlierer war vor allem Max Verstappen.
Rennen in Barcelona sind fast immer geprägt von eher taktischen Fragen in Sachen Reifen. So war es auch dieses Jahr. Denn die harten Reifen stellten sich schnell als jene Mischung heraus, die man im Rennen besser vermeiden sollte. Der Medium galt als gesetzt, aber damit konnte man kein Ein-Stopp-Rennen fahren. Der Zwei-Stopper war also der Favorit der meisten Teams, die auf die Reihenfolge Soft – Medium – Soft setzten. Je nach dem auch Medium im letzten Stint, je nachdem, was man noch im Arsenal hatte. Aber bei allen Überlegungen war auch schnell klar, dass die McLaren in Spanien das beste Auto hatte.
Das setzte man auch im Rennen so um, wobei Oscar Piastri an diesem Wochenende das bessere Ende für sich hatte. Er dominierte den Samstag und ließ seinen Teamkollegen um zwei Zehntel hinter sich. Das ist, vor allem in diesem Jahr, schon ein deutlicher Abstand. Norris setzte sich nur knapp gegen Max Verstappen durch. Der hatte überraschend knapp den Ferrari von Lewis Hamilton hinter sich, während sich Leclerc noch hinter Russell einreihte. Aber Hamilton hatte sich seine gute Startposition durch die Nutzung eines zusätzlichen Sets der Soft erkauft, während Leclerc einen frischen Satz sparte. Was sich am Ende für den Monegassen auch auszahlen sollte.
Nach dem Start lag Piastri vor Verstappen, der sich am Start dank des Windschatten gegen Norris durchgesetzt hatte. Hamilton schnappte sich Russell und lag hinter Norris. Doch was zunächst gut für den ehemaligen Weltmeister aussah, entwickelte sich dann doch anders. Hamilton hatte auf den Soft Probleme die Pace vorne zu halten und fiel zurück. Leclerc kam mit seinen Soft besser zurecht und kam an Russell vorbei. Dann hing er, ein paar Runden hinter Hamilton fest, bis die Ferrari Box ein Einsehen hatte und den Briten beorderte seinen Teamkollegen durchzulassen.
Danach sah man von Hamilton nicht mehr viel. Leclerc enteilte, Russell schnappte sich den Ferrari durch einen Undercut und Hamilton hatte zu keiner Zeit eine Chance seine verlorenen Plätze wieder zurückzuholen. Es kam aber noch schlimmer. Nach der SC-Phase in Runde 55 nahm er zwar frische Reifen, hatte aber nur noch einen Satz gebrauchter Soft. Im Gegensatz zu Hülkenberg, der hinter ihm frische Soft hatte und Hamilton dann auch noch mit einem Überholmanöver düpierte. Wie der Sauber überhaupt hinter den Ferrari gekommen ist, gleich noch etwas.
Aber bis zum Safety Car schien die Sache einigermaßen gelaufen. Red Bull versuchte Verstappen auf eine Drei-Stopp-Strategie zu setzen, was noch das ungewöhnlichste im Rennen war. Der Niederländer stoppte in den Runden 13, 30 und 48. Die McLaren setzte dagegen auf eine herkömmliche Zwei-Stopp-Strategie. Norris, mit dem Verstappen im Zweikampf lag, kam in Runde 21 und 49. Interessanterweise lag Verstappen nach dem letzten Stopp von Norris nur zwei Sekunden hinter dem McLaren. Verstappen hatte die 21 Sekunden, die der Stopp kostete, durch bessere Rundenzeiten in seinen Stints wett gemacht.
Das Rennen für Verstappen fiel dann aber nach dem Safety Car komplett auseinander und er zeigte mal wieder seine dunkle Seite. Red Bull setzte Verstappen auf die harten Reifen, weil das der einzige brauchbare Satz war, den man noch hatte. Man hoffte einfach darauf, dass die Reifen nicht als so schlecht erweisen würden, wie befürchtet. Doch das ging nicht gut. Schon beim Restart verlor Verstappen am Ausgang der letzten Kurve das Auto. Den Quersteher nutzte Leclerc, der sich neben ihn setzte. Die Autos berührten sich minimal, aber ohne Folgen für beide. Russell nutzte den doppelten Windschatten und schob sich Eingangs Turn 1 neben Verstappen. Auch hier berührte man sich, Verstappen nahm den Notausgang, blieb aber vor Russell.
Es folgte eine endlose Schimpfkanonade von Verstappen per Funk, die noch mal gesteigert wurde, als Red Bull ihn anwies Russell durch zu lassen, weil man wohl eine Strafe der Rennleitung befürchtete. Der Niederländer explodierte erst am Funk, dann auf der Strecke. Vor der Haarnadel sah es so aus, als würde er Russell durchlassen, doch im letzten Moment beschleunigte er wieder und fuhr dem in die Kurve einlenkenden Russell seitlich ins Auto.
Die Frage war: ein Versehen? Absicht? Russell meinte „Ich war überrascht, dass kenne ich nur aus PC-Spielen. Es sah nach einer bewussten Entscheidung aus.“ Die Rennleitung reagierte schnell und brummte Verstappen direkt eine 10-Sekunden-Strafe auf. Das war der Sache nicht angemessen. Eine Disqualifikation wäre vielleicht zu viel gewesen, aber eine Durchfahrtsstrafe wäre meiner Meinung nach die richtige Entscheidung gewesen. Es ist ja nicht das erste Mal, dass Verstappen auf der Strecke seinen Frust an Gegnern auslässt.
Die Aktion zeigte erneut, dass Verstappen trotz all seiner Erfolge immer noch nicht gelassen genug ist. Es gibt immer noch die Momente, in denen er die Geduld verliert und er rot sieht. Es sind die Momente, in denen Verstappen seine hässliche Seite zeigt. Er ist in der Geschichte der Formel Eins damit nicht allein. Senna, Schumacher, Alonso, Vettel – alle haben solche Momente gehabt, selbst als sie schon mehrfache Weltmeister waren. Es gehört zu wohl zum Charakter mancher Weltmeister. Ich war in solchen Fällen allerdings schon immer der Meinung, dass man solche Aktionen nicht durchgehen lassen kann.
Am Ende könnte sich diese Aktion als entscheidend für seine WM-Chancen zeigen. McLaren hat durch die neuen, verschärften Flexi-Wing Regeln nicht an Boden verloren, wie Christian Horner mal orakelte. Es wird also schwierig werden vor dem Herbst noch im Kampf um den Titel einzugreifen. Der Abstand von Verstappen auf Piastri beträgt schon jetzt 51 Punkte.
Mehr Freude gab es dagegen bei Sauber, die ein überraschend starkes Wochenende hatte. Bortoletto qualifizierte sich auf P12. Hülkenberg verpasst Q2, weil im letzten Sektor einen Fehler machte. Das machte er mit einem sehr guten Start wett, der ihn vor seinen Teamkollegen brachte. Sauber profitierte auf der Strecke von einem guten Topspeed, den Hülkenberg zu seinem Vorteil nutzte. Er kämpfte sich mit einer mutigen Strategie nach vorne. Der erste Stopp erfolgte in Runde 10, was ihm einen Undercut gegenüber Alonso und Lawson brachte. Er legte mit den Medium einen sehr langen Stint bis Runde 47 ein und konnte dabei seine Position halten ohne dabei groß unter Druck nach hinten zu geraten.
Der Ausfall von Antonelli der zur Safety Car Phase führte brachte ihn auf P8 aber der Stopp dann auch neue Soft, während Hadjar und Hamilton gebrauchte Soft hatten. Hülkenberg nutzte seinen Vorteil aus und schnappte sich in den letzten Runden sowohl Hadjar als auch wie angesprochen Hamilton. Die 10-Sekunden-Strafe von Verstappen schoben ihn auf P5. Das beste Ergebnis eines Sauber seit 2022. Es brachte Sauber auch auf P8 in der WM, wo sie nun punktgleich mit Aston Martin sind. Was schon etwas überraschend ist.
P9 ging aber an Fernando Alonso der damit in diesem Jahr seine ersten Punkte sammeln konnte. Alonso hatte zwar Q3 erreicht, fiel beim Start aber etwas zurück. Ein später Stopp in Runde 21 führte dazu, dass eine ganze Reihe von Piloten per Undercut an ihm vorbeirauschten. Vor dem letzten Restart lag Alonso nur auf P12: Der Spanier hatte auch keine frischen Reifen mehr für den letzten Stint, zeigte aber ein grandioses Rennen. In einem furiosen Schlussspurt bezwang er erst Bortoletto um holte in der vorletzten Runde auch noch Liam Lawson. Am Ende wurde es wegen der Strafe gegen Verstappen der neunte Platz, weil 0,2 Sekunden vor dem Niederländer lag.
Alonso war auch der einzige Aston, der das Rennen startete. Am Samstagabend vermeldet das Team, dass Lance Stroll nicht starten würde. Grund: Seine Handverletzung aus dem einem Fahrradunfall vor einigen Jahren hat sich zurückgemeldet und ist offenbar so schlimm, dass er aussetzen musste. Ob Stroll in Kanada antreten kann, ließ das Team offen. Es die Meldung klang sehr danach, als ob das eine langwierige Sache sein könnte. Ersatzfahrer wäre Drugovich.
Es war kein allzu gutes Rennen mit einem eher langweiligen Mittelpart. Es wäre auch im Rennen nicht mehr viel passiert, wenn das SC nicht gekommen wäre. Aber die Rennen in Barcelona haben ja selten Überraschungen erbracht, sieht man mal von 2012 ab, als Pastor Maldonado für Williams gewinnen konnte. Ob dann im nächsten Jahr in Madrid gefahren wird, ist aber auch noch nicht klar. Die Umbauten haben noch nicht mal begonnen.
Jetzt gibt es 14 Tage Pause bis zum Rennen in Kanada am 15.06. Der Termin liegt extrem unglücklich, weil am gleichen Wochenende auch das 24h Rennen in Le Mans stattfindet. Kann man sich zum abkühlen dann ein F1 Rennen anschauen.
Bilder: Pirelli


















