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GT World Challenge Europe Sprint Cup: Analyse Zandvoort

von Nils Otterbein
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Am vergangenen Wochenende fand das zweite Wochenende im Sprint Cup der GT World Challenge in Zandvoort statt. Erstmals waren alle Klassen vertreten – womit durch das große Teilnehmerfeld aus der „Not“ mehrere Tugenden gemacht wurden, was die Abläufe betraf.

Erstmals war der Bronze Cup in Zandvoort dabei, was ein riesiges Feld von 41 Autos zur Folge hatte. Im Nachhinein etwas überraschend, dass man nach dem Wochenende in Brands Hatch, bei dem der Bronze Cup fehlte, dieses Mal keine andere Klasse gestrichen hat, wie es zuweilen die IMSA bei kürzeren Rennen auf entsprechenden Strecken vollzieht. Die SRO zog es durch, was vor allem am ersten Renntag viele Probleme und teils Verwirrungen mit sich brachte. Auf dem engen Kurs in den Dünen würde man eben alles erwarten – nur kein Feld mit 41 Autos.

Qualifying 1

Anders als in Brands Hatch wurden die Qualifyings dieses Mal auf beide Tage gesplittet, sprich Qualifying 1 für Rennen 1 am Samstag und der gleiche Ablauf am Sonntag. Neu war hingegen ein Verfahren, was man sich SRO-intern von der GT4 European Series abgeschaut hat. Hier wurde in Zandvoort, wie auch schon zuvor bei diversen anderen Veranstaltungen, die Zeit des Qualifyings nochmals unterteilt. In der ersten Hälfte darf die größte Klasse (dort der Silver Cup) die Zeiten fahren, in der zweiten Hälfte der Pro-Am- und Am-Cup. Nun wurde dieses Verfahren beim 20 Minuten langen Qualifying auch in der GTWC umgesetzt. Im ersten Qualifying wurden in der ersten Rennhälfte der Pro- und Gold-Cup losgelassen, was 18 Autos entsprach, bevor die zweite Hälfte dem Silver- und stark besetzten Bronze-Cup vorbehalten war. Anders als z.B. im alljährlichen Monaco-Qualifying der Internationalen Formel 2 werden die Zeiten jedoch unabhängig von Wetter- und Streckenkonditionen gewertet, was teilweise die Erklärung für eine etwas überraschende Startaufstellung war. Wer Zandvoort kennt, weiß: Die Streckenbedingungen verändern sich durch den Sand minütlich.

Auch die verkürzte Zeit änderte nichts daran, dass die ersten drei Minuten an der Box abgewartet wurde, bevor die stärksten Teams der Serie rausgingen. Aufgrund des hektischen Ablaufs fanden sich bereits beide Emil Frey Ferrari, einer der AF Corse Ferrari und die WRT BMW weit hinten im Feld, schon bevor das „Q1B“ startete. Hier konnte man zusehen, wie die Platin-Piloten ihre Autos aus dem Bronze Cup nach vorne stellten. Leider konnte man dem Ganzen als TV-Zuseher nicht wirklich beiwohnen, da die Zeitenübersichten aus dem ersten Teil der Qualifikation „verschwanden.“ Mit Bastian Buus konnte der Lionspeed Porsche aus dem Bronze Cup die Pole einnehmen. Der zweite Platz in Q1B reichte für den vierten Rang hinter der Pole des Q1A mit Gilles Magnus für Comtoyou Racing aus dem Gold Cup und Patrick Niederhauser im Rutronik Porsche als bestes Pro-Auto. Da es im Bronze Cup auch in diesem Jahr Mindeststandzeiten gibt, war das Bild in der ersten Rennhälfte noch etwas verschoben.

Rennen 1

In der Startphase fragte man sich schon, ob die 41 Autos in der Menge hätten sein müssen. Es ging drunter und drüber und die Driving Standards waren teilweise unterste Schublade. Insgesamt neun Autos waren in den ersten zehn Minuten in irgendwelche Zwischenfälle verwickelt. Sinnbild war, dass noch in der Startformation eine Motorhaube im Mittelfeld in die Luft flog. In der Folge drehte sich der Kessel Ferrari von Dennis Marschall, während im Kiesbett vor der Hugenholtzbocht der Ford Mustang von Jusuf Owega und die Steller Corvette ihr Rennen beendeten, wodurch es zur Safetycar-Phase kam. U.a. waren auch einer der Comtoyou Aston Martin und ein AF Corse Ferrari in Zwischenfälle verstrickt.

Aus der Spitzengruppe erwischte es jedoch vorerst niemanden und Bastian Buus konnte seine Führung verteidigen. Dahinter ging Patrick Niederhauser am Start am Sainteloc Audi von Gilles Magnus vorbei. Niederhauser führte dadurch bereinigt, da der Lionspeed Porsche von Buus aufgrund seiner Klasse mit einer Mindeststandzeit von 64 Sekunden zurückfallen sollte.

Die Überhöhung der eben besagten Hugenholtzbocht wurde nach dem Restart erneut zur Crasharea, als Alessio Rovera im AF Corse Ferrari Ricardo Feller im zweiten Lionspeed Porsche aus der Spitzengruppe umdrehte, womit beide aus der Entscheidung rausfielen. Nachdem bereits sieben Autos raus waren, beruhigte sich das Rennen bis zu den Pflichtboxenstopps, wo ebenfalls ein neues Verfahren angewandt wurde. Da die Größe der Boxengasse bei 41 Autos das nächste Problem darstellt, wurde das Stoppfenster in zwei Hälften gesplittet. In den Rennminuten 25-30 ging es für die Pro- und Gold-Autos zu den Stopps, in den Minuten 31 bis 35 für die Fahrer im Silver- und Bronze Cup. Durch den Effekt des „Undercuts“ hatte die erste Gruppe einen kleinen Vorteil, weshalb die Reihenfolge ebenfalls für den Sonntag geändert wurde.

Nach den Stopps ergab sich ein klares Bild durch die Standzeiten des Bronze Cups, womit der Rutronik Porsche von Sven Müller die Führung übernahm. Als einziger „Klassenfremder“ hielt sich der Sainteloc Audi von Gilles Magnus/Paul Evrard in der Spitzengruppe und hielt die Konkurrenz in der Folge mit Maro Engel und den beiden Lamborghini von Jordan Pepper und Hugo Cook auf. Trotz der Aufsplittung der Stopps wurde gegen den Winward Mercedes eine 5 Sekunden Strafe wegen unsafe release verhängt, weshalb Maro Engel unter Druck stand, diesen Vorsprung rauszufahren.

Nachdem dieser vorerst an Evrard nicht vorbeikam, wurde er zunächst von Jordan Pepper überholt, der der schnellste Mann des Stints wurde und in der Folge auch am Sainteloc Audi vorbeiging. Damit legte er den Grundstein für das erste Grasser-Podest im Sprint Cup seit 2016! Nachdem Engel auch an Evrard vorbeiging, der das Tempo von Gilles Magnus aus der ersten Hälfte nicht wiederholen konnte, versuchte er, die fünf Sekunden Hypothek auf der Strecke herauszufahren, was auch letztlich gelang. Zu weiteren Neutralisationen sollte es, für ihn zum Glück, nicht mehr kommen.

Sven Müller fuhr den Sieg souverän nach Hause. Anders als 2024 in Magny-Cours, durfte Rutronik den Sieg dieses Mal behalten. Der Sainteloc Audi von Magnus/Evrard konnte selbstredend den Gold Cup auf dem vierten Gesamtrang für sich entscheiden. Noch vor dem zweitplatzierten Emil Frey Ferrari in der Klasse kam der Sieger des Silver Cups in Form des Attempto Audis von Aka/Perez Companc ins Ziel. Der Argentinier kann dieses Jahr sein fahrerisches Potenzial als Silber-Pilot aufzeigen, nachdem er nach dem Aus von Madpanda Motorsport nicht mehr Teamchef und Fahrer in Personalunion ist. Im Bronze Cup wurde deutlich, wie stark der Unterschied zwischen zwei Fahrern sein kann. Nachdem Bastian Buus den Porsche als Gesamtführender übergab, rettete Bashar Mardini auf Gesamtrang 18 gerade noch den Klassensieg vor Darren Leung im Paradine BMW.

Qualifying 2

Alle verunfallten Autos konnten den Rennsonntag wieder aufnehmen. Der Ablauf der Qualifikation war der Gleiche, mit jedoch einem Unterschied: Da in den Bronze-Teams dieses Mal der Amateur-Pilot die Qualifikationsrunde fuhr, waren keine großen Überraschungen um die Spitzenplätze zu erwarten. Allenfalls ein paar Überraschungen aus dem Silver Cup aufgrund ihrer späteren Startgruppe, wozu es auch kommen sollte. Erfreulich: Dieses Mal wurden die TV-Anzeigen verbessert, da die Zeiten aus beiden Qualifikationsteilen kumuliert aufgeführt wurden.

Emil Frey Racing konnte nach einem enttäuschenden Samstag dieses Mal an die Leistungen aus Brands Hatch anknüpfen und beanspruchte mit Ben Green und dem starken Neuling Chris Lulham die erste Reihe für sich. Arthur Leclerc machte das Top-Ergebnis für Ferrari perfekt. Das beste „klassenfremde“ Fahrzeug wurde erneut ein Sainteloc Audi, dieses Mal die #26 aus dem Silver Cup mit Lorens Lecertua. Im Bronze Cup kam kein Auto in die Top20 und versprach dieses Mal eine Entscheidung im Hinterfeld zu werden, wo die Platin-Piloten die zweite Rennhälfte übernahmen.

Rennen 2

Bei vielen dürfte der Samstag einen Lerneffekt erzielt haben, denn: Außer einen Kiesausritt eines Garage 59 McLaren im hinteren Streckenteil verlief der Start erstaunlich gesittet und die beiden Ferrari konnten den Ton angeben. Arthur Leclerc verlor allerdings den dritten Platz an den stark fahrenden Jordan Pepper. In den Folgerunden kam es für ihn noch weitaus schlimmer: Nach einem Ausritt in der Ari Luyendyk Bocht musste er das Rennen aufgeben.

Es sollte allgemein nicht der Nachmittag der Ferraris werden. Beide Emil Frey Ferraris wurden unabhängig voneinander mit Strafen belegt, die wiederum abhängig voneinander entstanden. Beide wurden mit einer 10-Sekunden-Zeitstrafe wegen Frühstarts belegt, die sie bei ihren Stopps absitzen mussten. Damit war Jordan Pepper de facto in Führung, allerdings sollten die Stopps daran etwas ändern.

Wieder mal machte WRT von einem unfassbar schnellen Stopp gebrauch. Mit 48 Sekunden Gesamtzeit waren die Belgier vier bis fünf Sekunden schneller als die direkte Konkurrenz. Damit konnte Charles Weerts die Gesamtführung übernehmen. Zu seinem Glück reihte sich dahinter der Sainteloc Audi von Ivan Klymenko ein, der nach dem guten Stint von Lorens Lecertua auch vom früheren Pflichtstopp profitierte. Ohnehin sah man den Effekt der frühen Stopps ziemlich deutlich, da am Ende ganze vier Autos aus dem Silver-Cup unter die besten Acht fuhren.

Klymenko machte sich mit seinem Audi breit wie ein Möbelwagen und konnte die versammelte GT3-Elite wie Luca Engstler, Marvin Kirchhöfer und Lucas Auer hinter sich halten. Gleichzeitig konnte er damit seinen Klassensieg absichern, da ab dem sechsten Gesamtrang bereits die Klassenkonkurrenz von Alex Aka oder Mex Jansen in Schlagdistanz war.

Vorne hatte Weerts leichtes Spiel und fuhr den zweiten Saisonsieg nach dem Endurance Auftakt in Le Castellet für WRT ein. Dahinter gab es platzmäßig keine Änderungen mehr. Allerdings bekam der Winward Mercedes von Auer/Engel auch heute eine Strafe von fünf Sekunden – dieses Mal wegen Speeding in der Boxengasse. Damit fielen sie auf den neunten Gesamtrang zurück.

Wie durch ein Wunder konnten Vermeulen/Lulham den Sieg im Gold Cup trotz Strafe nach Hause fahren. Gesamtrang 13 ist für den Gold Cup kein Ruhmesblatt, vor allem in Relation zu den starken Besatzungen im Silver Cup. Der Bronze Cup war im Hinterfeld erwartet eng und sah am Ende den Kessel Ferrari von Marschall/Blattner als Klassensieger.

Weiter geht es mit der World Challenge am 1. Juni in Monza zum nächsten Endurance Rennen.

Bildquelle: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery_meeting?filter_season_id=25&filter_meeting_id=239)

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