Endlose Prozessionen vor schöner Kulisse. Das jährliche VIP-Fest mit angeschlossenen Formel Eins Rennen steht diese Woche auf dem Programm. In diesem Jahr gibt es allerdings etwas Neues: die Zahl der Boxenstopps ist vorgeschrieben.
Einmal im Jahr kann die Formel Eins so tun, als ob sie noch Teil der alten europäischen Elite sei. Monaco, der Hort einer Fürstenfamilie, deren Wurzeln immerhin bis 1297 zurückreichen. Seitdem hockte man auf den Felsen in Südfrankreich und bis ins 19. Jahrhundert passierte im Stadtstaat recht wenig. Doch dann hatte man die geniale Idee ein Casino zu gründen und das Fürstentum an die Eisenbahn anzuschließen. Besonders beliebt machte man sich aber mit dem Umstand, dass die Einwohner keine Steuern zu zahlen hatten. Das führte dann vor allem nach dem zweiten Weltkrieg zu einem Boom, geheizt auch durch die Hochzeit des damaligen Fürsten Rainer mit dem Hollywood-Star Grace Kelly. Der Rest ist Geschichte.
Die Formel Eins ist ein großer Teil der Erfolgsgeschichte. Schon vor dem zweiten Weltkrieg hatte man ein Rennen der damaligen internationalen Motorsportserie etabliert und schon 1949 fand ein weiteres Rennen statt. Für die 1950 aus der Internationale Grand-Prix-Formel gegründeten Formel Eins war das Rennen in Monaco Pflicht. Und dementsprechend liest sich die Liste der Sieger wie ein „Who is Who“ der besten Fahrer der Geschichte. Das Rennen war und ist bis heute die Kronjuwele der Formel Eins. Für viele Fahrer bedeutet ein Sieg hier fast so viel, wie der Gewinn der Weltmeisterschaft. Was damit zusammenhängt, dass ein Sieg hier nicht so leicht zu erreichen ist.
Man kann in Monaco nicht überholen, das ist bekannt. Schon gar nicht mit den aktuellen Autos, die zwei Meter breit sind. Man muss sein Auto nur leicht von der Ideallinie bewegen und der Gegner hat keine Chance. Da kann man mit beschädigten Getriebe oder halbdefekten Motor unterwegs sein – wer seinen Wagen klug positioniert bleibt vorne. Und das ist ein Problem in der modernen Formel Eins.
Früher gab es das Problem zwar auch, es machten sich aber weniger Leute Gedanken darum. Zum einen, weil man vor Ort während des Rennens eh mit etwas anderem beschäftigt war, zum anderen, weil TV-Übertragungen noch nicht Standard waren. Hinzu kam, dass Auto früher technisch anfälliger waren. Man saß also vor dem Fernseher und wartete darauf, ob bei irgendjemanden das Getriebe streikte. Was eher normal war, als noch per Hand geschaltet wurde. Heute halten die Autos länger durch, was technisch bedingte Ausfälle auch in Monaco selten werden lässt.
Weil das Publikum in der heutigen Zeit nicht mehr ganz so entspannt vor dem Fernseher sitzt, beklagt es sich schnell über mangelnde Action. Es musste also was passieren. Da die Strecke in Sachen Reifenverschleiß keinerlei Anforderungen stellt und Pirelli eh schon die weichsten Mischungen mitbringt, hat man nur zwei Optionen. Regen oder vorgeschriebene Boxenstopps. Da weder Liberty Media noch die FIA (bisher) das Wetter beeinflussen können, hat man sich dazu entschlossen die Zahl der Stopps in diesem Jahr vorzuschreiben. Zwei sollen es sein und das soll das Feld durcheinander wirbeln.
Wie genau das passieren soll, ist allerdings eine andere Frage. Normalerweise etablieren die Teams in den Trainings eine Baseline mit der man den wahrscheinlichen Reifenverschleiß extrapoliert. Daraus ergibt sich dann die Strategie für das Rennen, wobei das natürlich Variablen unterworfen ist. Ein Safety Car kann alles ändern, aber auch Regen in der Nacht, der den Asphalt wieder sauber wäscht. Die Teams werden in den Trainings in diesem Jahr testen, was besser ist. Ein Under- oder Overcut. Und am Ende besteht die Chance, dass alle ungefähr zur gleichen Zeit an die Box kommen werden. Ob die zwei Stopps also was bringen in Sachen „Action“ ist mehr als fraglich.
Bekanntermaßen will man in Monaco in der ersten oder zweiten Reihe starten, wenn man das Rennen gewinnen will. Die Frage ist also, wer in Monaco das beste Auto. Erfahrungsgemäß sind das auch die Teams, die ansonsten die Rennen gewinnen. In diesem Jahr also Mclaren oder Red Bull. Doch die Qualifikationen der letzten Wochen haben gezeigt, dass es vorn extrem eng werden kann. Neben den genannten Teams hat Mercedes ebenso eine Chance auf die Pole. Auch Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. Ferrari wäre so eine Überraschung, aber Alpine könnte auch ein Dark Horse für das Wochenende sein.
Strategie:
Zum zweiten Mal in Folge hat Pirelli die drei weichsten Mischungen ausgewählt. Wie in Imola letzte Woche wird der C4 der Hard, der C5 der Medium und der C6 der Soft sein, wobei die ersten beiden die obligatorischen Compounds für das Rennen sind. Im Rahmen vorgeschriebenen 2-Stopp-Strategie wird jedem Fahrer zusätzlich zu den üblichen zwei auch ein zusätzlicher Satz zugewiesen.
In Sachen Strategie dürfte den Teams am meisten Sorgen bereiten, wie man die zwei Stopps über die Bühne bekommt, ohne Zeit zu verlieren. Bei einem Stopp gab es schon die absurdesten Versuche, zum Beispiel in der ersten zu stoppen um dann durchzufahren. Der Vorteil: man hat die Strecke für sich, kann sein Tempo fahren und damit viel Zeit gut machen. Nachteil: man hockt auf alten Reifen am Ende des Rennens, was auch in Monaco eher nachteilig ist.
Die beiden Stopps müssen so gelegt werden, dass man
a) nicht in den Verkehr des Mittelfeld kommt wenn man früh stoppt
b) nicht den Anschluss an die Spitze verliert wenn man spät stoppt
Unklar ist zudem, ob es besser ist auf den Undercut- oder den Overcut zu setzen. Der Undercut ist in Monaco allerdings meist nicht besonders stark, weil die Runde so kurz ist und man selbst auf alten Reifen nicht so viel Zeit verliert.
Da das Wetter am Wochenende sehr sonnig sein soll und Regen zunächst nicht vorhergesagt wird, bleibt die Frage nach dem Safey Car. Das kommt in Monaco mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zum Einsatz. Die Teams werden in ihrer Strategie darauf setzen, dass das SC mindestens einmal kommen wird. Eine Strategie-Variante wäre daher tatsächlich innerhalb der ersten zehn Runden zu kommen um dann einen langen Stint zu fahren und zu hoffen, dass das SC schon kommen wird. Sollte es eine SC innerhalb der ersten 10 Runden geben, dürften auch viele dies dazu nutzen, den ersten Stopp hinter sich bringen um dann zu schauen, wie lange man mit dem zweiten Stopp warten kann oder muss.
