Mit insgesamt 41 festeingeschriebenen Autos unterstreicht auch der Sprint Cup innerhalb der GT World Challenge seinen Status als größte GT3-Serie Europas. Die Saison startet, wie so oft am ersten Mai-Wochenende in Brands Hatch, wo allerdings aus Kapazitätsgründen eine Klasse fehlen wird.
Viele Jahre war es üblich, dass das Feld teilweise mehr als doppelt so klein war wie jenes der Endurance-Rennen. Doch die veränderten Klasseneinteilungen und die Veränderungen der deutschen Motorsportlandschaft, brachten ein deutlich größeres Feld im Sprint Cup mit sich. Waren die Sprintrennen bis einschließlich 2022 eher eine Angelegenheit für reine Profi-Besatzungen, sind es seit dem letzten Jahre vor allem große Starterzahlen der Silber- und Bronze-Teams. Historisch gesehen war die Blancpain Endurance Series die erste große GT3-Serie unter Leitung der SRO. Danach wurde die FIA GT Series übernommen und als „Blancpain GT Series“ privatisiert. Dadurch waren es lange zwei getrennte Rennserien, die erst mit der Einführung der GT World Challenge einen gemeinsameren Charakter bekamen und sich seitdem nur noch per Rennlänge unterscheiden.
Kalender
Im Kalender wurde Hockenheim durch Zandvoort ersetzt, während Barcelona durch Valencia ersetzt wurde. Barcelona wiederum hat als Ersatz für Jeddah das Endurance-Finale zurückbekommen, während Hockenheim aus dem GTWC-Kalender gänzlich verschwunden ist. Erneut gibt es zwei Sprintwochenenden vor den 24 Stunden von Spa in einem recht kurzen Abstand. Die kommenden Wochen sind mit drei GTWC-Wochenenden, dem dritten NLS-Lauf + den 24h Qualifern sowie der DTM am Lausitzring und Zandvoort damit rappelvoll. Ganz zu schweigen vom „Super-Endurance-Monat“ Juni mit den drei großen 24ern in Europa.
02.-04.05: Brands Hatch
16.-18.05: Zandvoort
18.-20.07: Misano
01.-03.08: Magny-Cours
19.-21.09: Valencia
Teams und Fahrer
Das Starterfeld verteilt sich dieses Jahr auf 13x Pro; 7x Gold; 11x Silver und 10x Bronze. Letztes Jahr war das Verhältnis 11/5/9/11. Das Feld ist mit 13 Pro-Duos damit in der Spitze nochmals besser als im letzten Jahr besetzt.
Mercedes
Erneut stellen Lucas Auer und Maro Engel für Winward Racing die Speerspitze im Mercedes-Aufgebot. Mit der gelben „Mamba“ feierte man schon den Titel nach dem Finale von Barcelona, was dann allerdings wegen den vielen Safety-Car-Runden annulliert wurde. Als zweites Duo im Pro-Cup sind Luca Stolz und Neuzugang Maxime Martin für Boutsen VDS am Start. Beide Teams setzen dazu einen Wagen im Silver-, bzw. Bronze-Cup ein. Nicht mehr am Start ist wie erwartet Madpanda Racing, die sich von Mercedes getrennt haben. Getspeed und Nordique Racing konzentrieren sich auf die Endurance-Distanzen.
Lamborghini
Nachdem sich Grasser Racing im letzten Jahr eine Auszeit im Sprint-Cup nahm, ist das österreichische Team wieder mit drei Autos im
Pro-, Silver- und Bronze-Cup zurück. Mit dem aktuellen DTM-Tabellenführer Jordan Pepper und Luca Engstler konnten sie DTM-Prominenz für die Saison im Pro-Cup anmelden. Interessanterweise ist das Bronze-Auto mit der ersten Startnummer im Feld genannt. Überraschenderweise hat auch Barwell Motorsport eines der zwei Autos in der Top-Klasse mit Sandy Mitchell und Hugo Cook genannt, wie sie eine klare Außenseitertolle spielen dürften. Imperiale Racing ist im Bronze-Cup eingeschrieben.
McLaren
Auch McLaren hat etwas überraschend zwei Pro-Duos genannt. Als Speerspitze gehen Marvin Kirchhöfer und Benjamin Goethe für Garage59 nach eine
m „denkwürdigen“ Saisonstart in Le Castellet in das Sprint-Jahr. Auch der McLaren-Neuling CSA Racing wird nach einem starken Auftritt beim Endurance-Auftakt mit Simon Gachet und Jim Pla in der Topklasse an den Start gehen. In jenem Gold-Cup stellt McLaren mit den Schwesterautos beider Teams zwei der nur fünf gemeldeten Fahrzeuge, während Optimum Motorsport in den Bronze-Cup einsteigt.
Aston Martin
Comtoyou Racing hat am letzten Wochenende ordentlich Haue beim ersten DTM-Auftritt erhalten. Die Belgier sind im Sprint-Cup mit je einem Duo im Silver- und Bronze-Cup gemeldet. Etwas überraschend wird die Pro-Besatzung von Walkenhorst Motorsport
eingesetzt. Wie bei den Duos von Barwell oder CSA würde man Henrique Chaves und Mateo Villagomez nicht zwingend als Pro-Duo sehen. Der Fokus liegt bei Aston Martin damit klar auf der Langstrecke.
Ferrari
Mit drei Autos im Pro-Cup und sieben 296 insgesamt bringt Ferrari tatsächlich das stärkste Aufgebot überhaupt im Sprint Cup an den Start. Bei AF Corse starten neben einem Silver-Auto gleich zwei Wagen im Pro-Cup. GT-Neuzugang Arthur Leclerc teilt sich das Steuer mit Thomas Neubauer, während Alessio Rovera mit Vincent Abril fährt. Andere Werksfahrer aus dem Endurance-Cup sind wegen WEC-Überschneidungen verhindert. Emil Frey Racing wird erneut das einzige Team mit Fokus auf die Sprintrennen sein. Etwas
überraschend, dass das Gold-Fahrzeug weiterhin mit Thierry Vermeulen besetzt ist, der im Endurance-Cup einen Aston Martin für 2Seas-Motorsport aufgrund des Verstappen-Sponsorings fährt. Damit wird er Punkte für zwei Teams und zwei Marken in der GTWC einfahren! Das Pro-Auto ist mit DTM-Pilot Ben Green und Konsta Lappalainen besetzt. Dazu kommen noch zwei Autos im Bronze-Segment mit Kessel Racing und Ziggo Sport Tempesta Racing (ehemals Sky Tempesta). Rinaldi Racing ist nicht am Start. Ungewöhnlich: Damit starten genauso viele Ferrari bei den Sprint- wie in den Endurance-Rennen.
Audi
Ein Hersteller bringt sogar mehr Autos in den kurzen Rennen zum Einsatz – nämlich Audi. Verständlicherweise waren die Cockpits
mangels Audi-Kader etwas leichter zu besetzen als die Drei-Fahrer-Teams für die Endurance-Distanzen. Sainteloc und Attempto setzen jeweils drei R8 Evo II in den drei Klassen unterhalb der Pro-Kategorie ein. Bemerkenswert, dass Gilles Magnus weiterhin für Sainteloc die Sprintrennen fährt, obwohl er einen Comtoyou Aston Martin in der DTM fahrt. Das Duo mit Paul Evrard dürfte sich enge Duelle im Gold-Cup gegen die starken McLaren-Nennungen liefern. Alex Aka und Ezequiel Perez Companc dürften für Attempto Racing eine der Titelfavoriten im Silver-Cup sein.
Porsche
Wie üblich ist die Sprint-Beteiligung von Porsche etwas mau. Nachdem sich Dinamic GT und Schumacher CLRT auf die Langstrecke
fokussieren, sind für die Sprintrennen nur Lionspeed GP im Bronze Cup und Rutronik Racing geblieben, die in Le Castellet einen starken Endurance-Auftakt hatten. Als Speerspitze sind Sven Müller und Patric Niederhauser genannt, der mittlerweile zu einem wahren „Urgestein“ bei Rutronik geworden ist. Das zweite Auto wird nach den Abgängen von Dustin Blattner und Dennis Marschall nicht im Bronze-, sondern im Silver-Cup mit Loek Hartog und Eshan Pieris eingesetzt.
BMW
Die wichtigste Meldung vorab: Das Dreamteam mit Dries Vanthoor und Charles Weerts, die zusammen vier Titel im Sprintbereich einfahren konnten, ist aufgrund der WEC-Verpflichtungen von Vanthoor nicht mehr am Start. Weerts wird das Top-Duo bei WRT mit
Neuzugang Kelvin van der Linde bilden. Dazu ist WRT mit zwei M4 Evo im Gold- und Silver-Cup beschäftigt. Die neue Partnerschaft mit AlManar Racing konnte auch für den Sprint Cup ausgeweitet werden. Neben Al Faisal Al Zubair kommt dort Jens Klingmann zum Einsatz. Das Team Paradine Competition setzt zwei Autos ein. Mit Maxime Oosten und Mex Jensen hat man ein favorisiertes Duo für den Silver-Cup am Start.
Ford
Haupt Racing macht seine Ankündigungen wahr und startet mit dem Mustang in allen verfügbaren Sprint-Meisterschaften. Wie auch in den deutschen Rennserien setzt man eine Mischung aus vertraglichen Ford- und HRT-Piloten ein. Das Pro-Duo wird aus Jusuf Owega
und dem Formel-Umsteiger Romain Andriolo gebildet. Am Ende des Jahres wäre mal interessant zu zählen, wie viele Piloten einen HRT-Mustang in den verschiedenen Rennserien gefahren sein werden. Da könnte schnell ein Formel1-Feld zustande kommen!
Corvette
Etwas überraschend hat auch Steller Motorsport für den Sprint Cup zugesagt. Nach einem überraschend starken Endurance-Debüt wird das britische Team die Corvette Z06 GT3.R mit Matisse Lismont und Jesse Salmenautio an den Start gehen. Der nominell stärkste Pilot Lorcan Hanafin scheint sich auf die Endurance-Meisterschaft zu konzentrieren, wohl wegen Terminkollisionen.
Damit sind ganze zehn Hersteller in beiden Teilmeisterschaften am Start.
TV und Streaming
Wie schon in den letzten Jahren werden alle Qualifyings und Rennen + ggf. manche Trainingssession auf dem YouTube-Kanal „GT World“ mit deutschem, englischem und italienischem Kommentar übertragen. Dazu zeigt in der Regel Sky die Rennen live oder zeitversetzt mit englischem Kommentar, entweder auf Sky Sport F1 oder auf einem der Sport-Optionskanäle, je nach Verfügbarkeit und Umfang des Programms. Beide Rennen aus Brands Hatch werden live auf Sky Sport F1 gezeigt.
Bildquellen: gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery_meeting?filter_season_id=25&filter_meeting_id=231)
