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Formel Eins: Vorschau GP von Japan 2025

von DonDahlmann
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Das Rennen wird eine gute Auskunft darüber geben, welche Chassis besonders gut sind, denn die Strecke deckt Mängel schonungslos auf.

Die Schlagzeilen der letzten Woche gehörten mal wieder Red Bull. Dass man Liam Lawson nach nur zwei Rennen wieder demontiert und zum Schwesterteam geschickt hat, ist eine Bankrotterklärung für die gesamte Führungsmannschaft von Red Bull. Schon im letzten Jahr kamen leichte Zweifel auf, ob Lawson dem schwierigen Einstieg bei Red Bull gewachsen war. Tsunoda schlug ihn relativ deutlich im letzten Herbst, nachdem Lawson das Cockpit von Daniel Ricciardo übernommen hatte. Dass Horner und Marko dennoch auf Lawson setzen, war dann zwar keine Überraschung, aber die Frage stand im Raum, ob Lawson der richtige Mann zur richtigen Zeit für Red Bull ist.

Dass man nach nur zwei Rennen festgestellt hat, dass er es scheinbar nicht sein kann, ist lächerlich. Sicher, seine Ergebnisse waren schlecht, seine Probleme mit dem Auto deutlich sichtbar. Er war sichtlich überfordert. Red Bull hatte Lawson allerdings auch ins kalte Wasser geworfen. Anders als Mercedes, die Antonelli im letzten Jahr mehrfach mit alten Chassis zu Tests schickten, hatte Lawson keine Testzeit. Selbst der Test nach der Saison in Abu Dhabi wurde von Tsunoda erledigt. Dazu kam ein zerfahrener Test in Bahrain für das Team, was Lawson weiter Zeit kostete. Und dann kamen zum Start zwei Strecken, auf denen Lawson noch nie unterwegs war.

Red Bull wiederholt erneut, was man schon mit Gasly falsch gemacht hat. Zu schnell befördert, zu schnell rausgeworfen. Die Halbwertszeit von Piloten liegt mittlerweile bei unter einem halben Jahr. Nyck de Vries kann ein Lied davon singen. Red Bull sucht seit Jahren nach dem neuen Verstappen und wird nicht fündig. Was auch nicht weiter verwunderlich ist, denn Talente wie Alonso, Hamilton oder Verstappen findet man nur alle fünf bis zehn Jahre. Aber Red Bull versucht es weiter mit der Brechstange und zerstört oder zumindest verlangsamt die Karrieren vieler Nachwuchsfahrer.

Ich habe die Entscheidung im letzten Spätherbst nicht verstanden, vor allem, nachdem Tsunoda so eine gute Saison gefahren war. Insofern bin ich sehr gespannt, wie der Japaner sich schlagen wird. Er ist mittlerweile ein etwas anderes Kaliber als zum Start seiner Karriere. Er ist mental robust und kommuniziert deutlich. Etwas, was andere Nummer Zwei bei Red Bull nur selten gemacht haben. Er hat auch nichts zu verlieren. Tsunoda kommt als zweite Wahl und Ersatz, aber seine Chancen, auch 2026 im Cockpit zu sitzen, sind gar nicht mal so schmal.

Schaut man sich den Fahrermarkt an, gibt es wenig Optionen. Leclerc und Hamilton werden bei Ferrari bleiben, Mercedes hat eine Vertragsverlängerung mit Russell angedeutet. Möglich wäre eine Vertragsauflösung von Sainz, sollte der bei Williams unzufrieden sein, aber davon gehe ich nicht aus. Wenn Tsunoda sich einigermaßen gut schlägt, könnte er auch 2026 im Red Bull sitzen.

Währenddessen sitzt ein Sergio Perez in Mexiko und sagt allen „Ich habe es doch gesagt“ und RB hat das Problem, einen moralisch angeknacksten Liam Lawson wieder aufbauen zu müssen. Der hat mit Isaac Hadjar keinen leichten Gegner im Team und wird sich anstrengen müssen. Mir tut in der ganzen Situation Lawson am meisten leid. Es war nicht sein Fehler, dass Red Bull ihn ein Jahr lang geparkt hatte, und es war nicht seine Schuld, dass er mit dem RB21 nicht sofort zurechtgekommen ist. Auch Verstappen beschwert sich über ein Auto, das eigentlich auf seine sehr spitze Fahrweise zugeschnitten ist. Ich hoffe, Lawson kann sich wieder fangen und beweisen, dass er in die F1 gehört.

Ansonsten gibt es unnötige Diskussionen zur Frage, ob man wieder auf einen V10 oder V8 als Motor zurückgreifen sollte. Die FIA hat die abstruse Idee ins Spiel gebracht, dass man das schon nächstes Jahr machen kann. Das ist natürlich vollkommen abwegig. Zum einen haben die Motorenhersteller gerade drei Jahre lang einen neuen Motor entwickelt, zum anderen dauert die Entwicklung eines V10 oder V8 auch mindestens zwei Jahre. Die Hersteller, die gerade alle massive Umsatzverluste vermelden, haben mit Sicherheit keine Lust, noch mal ein paar Millionen in einen neuen Motor zu investieren.

Die neuen Motoren ab 2026 sind zwar jetzt schon nicht gerade beliebt, weil sie einen Großteil ihrer Leistung elektrisch bereitstellen, aber man hat sie nun mal. Richtig wäre es, wenn man diese Motoren mindestens bis Ende 2029 nutzt, um dann auf einen mit E-Fuels betrieben Antrieb zu wechseln. Eventuell sollte die F1 aber auch einfach das Reglement der WEC kopieren und eine Energieformel vorgeben. Die Hersteller können dann selbst überlegen, was sie bauen wollen. E-Fuels, Wasserstoff, Hybrid stehen ja zur Auswahl.

Zum Rennen:

Wie bekannt, ist Suzuka eine Referenzstrecke. Alle drei Sektoren fordern andere Dinge von einem Chassis. Was hier nur fehlt, ist eine Folge von langsamen Kurven. Wer hier ein schwieriges Chassis hat, wird Probleme haben, denn die Balance des Autos spielt eine große Rolle. Die Frage, wie viel Abtrieb man im ersten Sektor benötigt, beantwortet die Frage, wie man im dritten Sektor zurechtkommt. Gefragt ist ein Auto mit einem guten mechanischen Grip, das besonders viel Abtrieb über den Unterboden erzeugt. Die Strecke in Japan ist relativ eben, sodass man die Autos auch tief einstellen kann. Dazu kommt, dass der erste Sektor neu asphaltiert wurde, was die Sache erleichtert.

Von den bisherigen Leistungen ausgehend, muss McLaren der klare Favorit sein. Dahinter sehe ich tatsächlich Mercedes, dessen Auto bisher auf beiden Strecken gleichbleibende Performance gezeigt hat. Ferrari ist die Wundertüte, bei der man nicht weiß, ob das Auto morgens funktioniert, um am Nachmittag nicht zu laufen. Red Bull wird mit dem schwierigen Auto kämpfen und hoffen, das richtige Setup-Fenster zu finden. Verstappen wird sich zweifelsfrei vorn platzieren. Der Gradmesser wird eher Tsunoda sein, dem ich zumindest wünsche, dass er Q2 erreicht.

Williams sehe ich, trotz gewisser Schwierigkeiten, weiter auf dem fünften Platz. Aber die Abstände im Mittelfeld zu RB, Haas und Alpine sind so gering, dass es schwer ist zu sagen, wie die Briten sich schlagen werden. Auffallend sind die Probleme von Carlos Sainz, der sich im Auto noch nicht wohlfühlt. Was eher ungewöhnlich für den Spanier ist, der normalerweise auch mit Autos zurechtkommt, die nicht perfekt für ihn sind. Da er sein Talent eher nicht verloren haben dürfte, liegt es vermutlich noch an der Kommunikation zwischen ihm und dem Team. Plus natürlich die Schwächen des Chassis.

Alpine hat bisher in diesem Jahr als einziges Team noch keine Punkte gesammelt. Was etwas überraschend ist, schaut das Auto in der Quali doch immer gut aus. Aber im Rennen fehlt dann das Tempo und dazu kamen vor allem in China Fehlentscheidungen bei der Strategie. Ich gehe aber davon aus, dass Gasly in Japan das Auto durchaus in Q3 schleppen kann.

In den letzten beiden Rennen hieß es, dass die Racing Bulls das bessere Auto als das Hauptteam haben. Die guten Ergebnisse von Tsunoda scheinen das zu unterstreichen, auch wenn bisher nur drei Punkte auf dem Konto zu verzeichnen sind. Man qualifiziert sich gut und hatte ein wenig Pech mit der Strategie in China. Aber wenn das Auto in Suzuka gut läuft, hat man eine gute Basis für den Rest des Jahres. Dahinter ordnen sich dann Aston und Sauber ein. Aber der Abstand zum Mittelfeld ist gering und beide Teams haben Autos, die im Rennen eine bessere Figur machen, als in der Quali.

Strategie:

C1, C2 und C3 gibt es, was keine Überraschung ist. Die Strecke ist für die Reifen anspruchsvoll, die Belastungen für die Seitenwände hoch. Wie erwähnt wurde die Strecke im ersten Sektor neu asphaltiert, was eine Ungewissheit bezüglich der Abnutzung der Reifen aufwirft. Die Gefahr besteht, dass der neue Asphalt etwas anders reagiert, als der alte und damit das Setup noch schwerer macht. Simulationen vor der Veranstaltung, die anhand der von den Teams bereitgestellten Daten durchgeführt wurden, deuten darauf hin, dass die Rundenzeiten dank der kombinierten Wirkung des zusätzlichen Grips von der neuen Oberfläche und der Leistungssteigerung der Autos von 2025 sinken werden, die voraussichtlich bei etwa liegen wird die Eineinhalb-Sekunden-Marke.

Diese Zahl wird ab Freitag in den ersten beiden Stunden der Streckenaktivität überprüft. Ebenfalls auf der Grundlage von Daten der Teams haben die Pirelli-Ingenieure die erforderlichen minimalen Reifendruck über beide Achsen hinweg leicht geändert, wobei die Vorderseite um einen halben psi von 25 auf 24,5 sank und die Rückseite um den gleichen Betrag von 23 auf 23,5 anstieg. Wie immer werden die Daten vom Freitag analysiert, um die Korrelation zwischen der Simulation und den tatsächlichen Zahlen zu überprüfen, bevor erforderliche Anpassungen vorgenommen werden. Es wird wichtig sein zu prüfen, ob, wie es in China in der zweiten Runde der Fall war, die neue Streckenoberfläche einen sehr erheblichen Einfluss auf die Leistung haben und auch, wie schnell sich die Strecke entwickeln wird.

Im vergangenen Jahr war das Feld im ersten Stint ziemlich gleichmäßig zwischen Medium und Soft aufgeteilt, wobei 12 den C2 und acht den C3 wählten. Die Rennstrategie wurde dann jedoch dadurch beeinflusst, dass das Rennen nach einer Kollision zwischen Albon und Ricciardo mit der roten Flagge abgebrochen wurde und sieben Fahrer die Mischungen wechselten, um den Neustart außerhalb der Startaufstellung durchzuführen. Es gab erhebliche Unterschiede bei der Strategiewahl, sowohl hinsichtlich der Anzahl der Stopps, wobei sich der Two-Stopper dennoch als der beliebteste erwies, als auch hinsichtlich der Reihenfolge, in der die Mischungen verwendet wurden. Am Ende fuhr der C1 die meisten Runden (61% der Gesamtzahl) vor dem Medium (31%) und dem Soft.

Erwähnenswert ist, dass Charles Leclerc, der auf dem Medium startete und nur einen Wechsel zu Hard vornahm, es schaffte, von seiner Startposition aus vier Plätze gut zu machen und den achten Platz zu belegen. In diesem Jahr könnte sich ein One-Stop aufgrund des großen Leistungsunterschieds zwischen den Mischungen auf dem Papier als komplizierter erweisen, obwohl man abwarten muss, welchen Einfluss der neu aufgetauchte Teil der Strecke haben könnte und wie hoch die Temperaturen sein werden dieses Wochenende. Auch Regen könnte eine Rolle spielen, wobei es dann vermutlich nur einen kurzen Schauer geben könnte und nicht, wie auch schon gehabt, Dauerregen.

Bilder: Pirelli

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