Ein eher langweiliges Rennen wurde am Ende noch durch drei Disqualifikationen angereichert. Beide Ferrari flogen aus unterschiedlichen Gründen aus der Wertung. Betroffen war auch Pierre Gasly.
Der neue Asphalt auf der Strecke in Shanghai stellte die Teams vor einige Probleme. Am Freitag, als die Strecke noch nicht eingefahren war, sah die Rangfolge anders aus als am Samstag. Und am Sonntag hatte sich die Situation erneut geändert. Das führte immerhin zu Bewegung im Mittelfeld, wo man in diesem Rennen mit Haas und den RBs zwei Überraschungen sah. Aber die größte Überraschung war wohl der Sieg von Lewis Hamilton im Sprintrennen am Samstag. Ferrari hatte schon in der Qualifikation für den Sprint gezeigt, dass man ein gutes Auto für das Wochenende hatte, aber dass Hamilton die Pole holen konnte, kam unerwartet. Der Brite setzte seine Pole auch relativ ungefährdet in einen Sieg um, was darauf schließen ließ, dass die Ferrari vorwiegend beim Reifenverschleiß einen Vorteil haben würde.
Der neue Asphalt zeigte sich in gutem Zustand, aber auch mit sehr hohem Grip. Was einerseits wünschenswert ist, aber auch dafür sorgte, dass vor allem der linke Vorderreifen Sorgen machte. Alle hatten mit dem Problem zu kämpfen, dass vor allem die Medium nicht die Reichweite und Stabilität hatten, die man sich gewünscht hatte. Zwar kam man im Sprintrennen ohne Stopp auf den Medium über die 19 Runden, aber gegen Ende des Rennens waren vor allem die Red Bull in Problemen. Auch bei McLaren sah es nicht so gut aus, wie bei Ferrari.
Doch zur Qualifikation hatte sich das Bild schon wieder geändert. Ferrari erreichte die Pace vom Freitag nicht mehr, dafür waren die McLaren und Mercedes plötzlich stärker. Das Sprintrennen hatte auch gezeigt, dass derjenige, der das Rennen anführt, einen erheblichen Vorteil haben würde. Die „dirty air“ war nicht der Freund der Autos, und Norris vermeldete im Rennen, dass er schon ab einem Rückstand von über zwei Sekunden Probleme hatte. Wer im Verkehr steckte, hatte also ein deutlich größeres Problem mit den Reifen als jemand, der ohne Konkurrenten vor ihm unterwegs war.
McLaren sicherte sich die erste Startreihe, aber dieses Mal war es Oscar Piastri, der die Nase sehr knapp vorn hatte. Überraschend gut war auch George Russell unterwegs, der die Pole nur um 0,088 Sekunden verpasste. Verstappen quetschte aus dem Red Bull einen vierten Platz heraus und ließ beide Ferraris hinter sich, wobei Hamilton sich auch in der Quali fürs Hauptrennen gegen Leclerc durchsetzen konnte.
An der Spitze tat sich im Rennen gar nichts. Piastri nutzte seinen Startvorteil und führte das Rennen unangefochten an. Norris schnappte sich Russell am Start und dann später noch einmal, als der Mercedes nach einem Undercut vor ihm lag. Hinter Russell setzten sich beide Ferrari fest, die aber nach vorn nichts ausrichten konnten. Auch nicht, als Hamilton Leclerc vorbeiließ, da der trotz eines leichten Schadens am Frontflügel etwas schneller unterwegs war.
Am Ende brachte das aber Ferrari gar nichts, da beide Autos nach dem Rennen disqualifiziert wurden. Das Auto von Leclerc war zu leicht, bei Hamilton hatte man das Auto wohl zu tief eingestellt. Eine Messung ergab, dass die Planken unter dem Auto zu weit abgefahren waren. Damit verlor Ferrari am Ende P5 und P6 und damit sehr wichtige Punkte für die WM-Wertung. Unverständlich, wie Ferrari zwei solche Fehler machen konnte.
Während vorn nichts los war, gab es viel Bewegung im Mittelfeld. Die Racing Bulls hatten in der Quali einen hervorragenden Auftritt und kamen in Q3. Sie lagen zu Beginn des Rennens auch locker in den Punkten, doch leider hatte man sich die falsche Strategie entschieden. In Erwartung von hohen Verschleißwerten hatte man sich für eine Zwei-Stopp-Strategie, für beide Autos entschieden. Doch gleichzeitig setzten vor allem die Haas auf eine gegenteilige Strategie. Das Rennen der Racing Bulls fiel dann komplett auseinander.
Durch den frühen Stopp fielen beide Racing Bulls ins hintere Mittelfeld, wo die Rundenzeiten sehr eng zusammenliegen. Es bildete sich der übliche DRS-Train, in dem Tsunoda und Hadjar dann steckten und viel Zeit verloren. Was sich dann wieder beim zweiten Stopp rächte. Statt aus einer guten Position heraus zum zweiten Stopp zu kommen, steckte man in Zweikämpfen fest. Dagegen funktionierte der lange Overcut der Haas, Alpine und Aston gegenüber den Racing Bull. Am Ende gab es trotz der guten Ausgangsposition keine Punkte. Hadjar steckte zu lange im hinteren Mittelfeld und bei Tsunoda brach in den letzten Runden der Frontflügel.
Die Haas waren eine kleine Überraschung im Rennen. In Australien waren sie noch im Nirgendwo, in China holten beide Autos Punkte. Dabei hatte das Team vor dem Rennen noch eher pessimistisch geklungen. Man sei überrascht gewesen, wie schlecht das Auto in Australien war, da alle Daten aus den Tests die Probleme nicht vorhergesagt hatten. Weg waren die Probleme in China nicht, aber das Auto lief dennoch besser.
Ausgangspunkt war eine gute Quali von Esteban Ocon, der auf P11 landete und ein sehr guter Start von Ollie Bearman, der sich von P17 auf P12 in der ersten Runde fahren konnte. Ocon hatte eines seiner guten Wochenenden und die Strategie passte auch, primär bei Bearman. Der war auf den harten Reifen gestartet und legte einen langen ersten Stint hin. Dabei hatte er sich mit diversen Fahrern aus dem Mittelfeld auseinanderzusetzen. Der Rookie setzte sich aber durch, auch dank eines guten Topspeed wenn das DRS in Betrieb war. Ocon hielt sich in den Punkten, Bearman rutschte am Ende auf P8, weil drei Autos vor ihm disqualifiziert wurden. Doppelte Punkte für Haas im zweiten Rennen dürfte das Team etwas beruhigen.
Williams sah in China nicht so gut aus, wie noch in Australien. Albon konnte zwar Punkte sichern, war aber zu keiner Zeit im Rennen in der Lage, stärker nach vorn zu drängen. Noch schlechter sah es für Carlos Sainz aus, der mit dem Auto bisher nicht zurechtkommt. Der Abstand zu Albon ist zwar nicht riesig, aber groß genug. In der Sprint-Quali fehlten ihm knapp 5 Zehntel, in der Quali für das Hauptrennen waren es in Q2 knapp 3 Zehntel. Auch im Rennen kommt Sainz nicht voran. Seine Racepace ist langsamer als die von Albon. Es ist das erste Mal, dass mir auffällt, dass Sainz so große Probleme in einem neuen Team hat. Bei Ferrari lief es besser, ebenso bei McLaren. Irgendwas passt für den Spanier bei Williams noch nicht. Das kann mit der Setup-Arbeit zusammenhängen, daher warte ich mal mit einer weiteren Bewertung, bis ein paar Rennen gefahren sind. Immerhin brachten die Disqualifikationen Sainz den zehnten Platz und damit den ersten Punkt.
Bester Rookie war im Rennen Antonelli, der ein unauffälliges Wochenende hatte. Er schaffte es in Q3 und lieferte von da ein sauberes Rennen ab. Er fiel nicht weiter aus, machte aber auch keine Fehler. Es ist genau das, was Mercedes in den ersten Rennen von ihm erwartet. Mehr Punkte wären schön, aber dank der Disqualifikationen war es Ende immerhin ein sechster Platz.
Mercedes wird nach dem Rennen zufrieden sein. Dass man die McLaren nicht erreichen kann, war vor dem Rennen klar, aber man war am Sonntag im Rennen auch schneller als die Ferrari. Es ist zwar eng, aber Mercedes hält im Moment einen Vorteil gegenüber den Italienern. Und man ist auch schneller als die Red Bull. In der Quali muss man sich zwar strecken, aber im Rennen ist der Mercedes klar besser. Man wird sich die Frage stellen, ob man die McLaren im Laufe des Jahres noch erreichen kann.
Red Bull erreichte den vierten Platz mit Verstappen. Mehr war da aber wirklich nicht drin. Verstappen schonte seine Reifen über Zweidrittel des Rennens um dann am Ende noch einen erfolgreichen Angriff auf Leclerc zu starten, dessen Reifen hinüber waren. Max fuhr in der letzten Runde noch seine schnellste Runde, was die Frage aufwirft, ob er mit seinem Angriff nicht zu lange gewartet hat.
Sorgen macht Red Bull allerdings Liam Lawson, dessen Probleme offensichtlich sind. Er kommt mit dem Auto überhaupt nicht zurecht. Letzter in der Sprint-Quali, letzter in der Quali fürs Hauptrennen. Im Sprint lief es dann ansprechend, aber nicht überragend. Im Hauptrennen ging überhaupt nichts zusammen. Eine Zwei-Stopp-Strategie half ihm bei seinem Rennen sicherlich nicht, aber zu keiner Zeit konnte Lawson im Rennen irgendeinen Akzent setzen. Punkte waren komplett außerhalb seiner Möglichkeiten.
Dass schon jetzt Gerüchte losgehen, er könne seinen Platz verlieren, ist nur logisch. Tsunoda wäre wohl dann der Ersatz und Lawson würde wieder bei RB landen. Ich würde Lawson eher Zeit bis Mai geben und auch abwarten, etwaige Updates an einem Auto, das Verstappen als „schwierig“ bezeichnet, Lawson helfen. Aber man darf sich auch nicht wundern, dass es für den Neuseeländer nicht läuft. Bis auf Perez (und der meist nur ansatzweise) kam keiner mit den Autos klar, die Verstappen bevorzugt. Red Bull hat in den letzten Jahren Albon, Gasly, Perez und Lawson ausprobiert. Albon und Gasly stellen in ihren neuen Teams unter Beweis, wie gut sie sind, und die Leistung von Perez in den vergangenen Jahren scheint man auch etwas anders bewerten zu müssen. Wenn aber kein Fahrer mit einem Auto zurechtkommt, dass auf Verstappen zugeschnitten ist, dann kann Red Bull auch Lawson durch die Saison schleppen. (Hint: werden sie nicht machen).
Hat das Wochenende etwas mehr Klarheit für die Rangordnung in der F1 gebracht? Es hat den Nebel zumindest ein wenig gelichtet. McLaren hat einen Vorteil, Mercedes, Ferrari und Red Bull liegen etwas dahinter. Wer von den drei dann das bessere Auto hat, entscheidet sich je nach Strecke. Racing Bull scheint auf einer Runde des besseren Speed zu haben, aber der Williams ist besser bei den Long Runs. Alpine liegt nur wenig dahinter, ebenso Aston Martin, die allerdings als Werksteam hinter den Erwartungen zurückbleiben. Das Schlusslicht bildet weiter Sauber, aber auch deren Abstand ist kleiner geworden.
In 14 Tagen geht es dann in Suzuka weiter. Das Rennen liegt knapp fünf Wochen nach den Testfahrten, und es könnte gut sein, dass man in Japan schon die ersten kleineren Updates an den Autos sehen wird. Suzuka ist bekanntlich eine Strecke, die die Probleme eines Autos schonungslos offenlegt und die Qualitäten der Fahrer auf die Probe stellt. Mit dem Rennen werden wir dann sehen, wer in den nächsten Rennen Chancen auf einen Sieg und Punkte haben wird.
Bilder: Pirelli























1 Kommentare
Als Ferrari-Fan bin ich wirklich enttäuscht nach diesem Rennen. Es tut weh, die beiden Fahrer aufgrund technischer Probleme aus dem Rennen zu sehen. Die Disqualifikationen haben einen bitteren Beigeschmack, besonders weil Ferrari so viel Potenzial hat. :(((
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