Home Formel EinsF1Formel Eins: Analyse GP von Australien – Fast alles wie erwartet

Formel Eins: Analyse GP von Australien – Fast alles wie erwartet

von DonDahlmann
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Ein guter Start in die Saison dank eines dank des Regens etwas zerstückelnden Rennen für die Formel Eins. Dass McLaren im Moment das beste Auto hat, ist sicher.

McLaren startet die Saison, wie sie die alte beendet hat – man hat das beste Chassis und mit Norris auch einen der besten Fahrer im Feld. Das Team dominierte das Wochenende ziemlich deutlich, und Norris machte keine Fehler. Wichtig für ihn, denn sein Teamkollege Piastri landete nach einem Fehler nur auf dem neunten Platz. Das gibt Norris gleich zum Start eine bequeme Führung in der WM, die Piastri erst mal wieder zufahren muss, wenn er nicht im Verlaufe der Saison zur Nummer 1b verpflichtet werden will.

Der Abstand der McLaren vor dem schnellsten Verfolger, Max Verstappen, in der Quali lag bei knapp vier Zehntel. Das ist durchaus bemerkenswert und der Trend setzte sich auch im Rennen fort. Verstappen blieb zum Start des Rennens unter nassen Bedingungen zwar zunächst dran, musste aber, als das Rennen nach diversen Unfällen endlich einen Rhythmus gefunden hatte, bald abreißen lassen. In den 20 Runden, in denen das Rennen ohne SC lief, verlor Verstappen rund 15 Sekunden auf Norris an der Spitze. Was die gute Rennpace von McLaren nur noch weiter unterstreicht.

Fehlerfrei lief das bei McLaren über das Wochenende aber nicht. In den Trainingssessions benötigte man einiges an Zeit, um das Auto in das richtige Setupfenster zu bekommen. Auch im Rennen leisteten sich beide Piloten kleine Fehler. Norris und Piastri verloren in Runde 47 in der vorletzten Kurve das Auto in sehr nassen Bedingungen auf Slicks. Norris konnte das Auto auf der Strecke halten, Piastri nicht. Der blieb zudem lange auf dem nassen Gras stecken und fiel weit zurück. Er rettete am Ende zwei Punkte nur deswegen, weil im Rennen fünf Fahrer ausgefallen waren.

Ist McLaren damit der momentane Favorit für die nächsten drei bis vier Monate? Auf jeden Fall. Und die Reihenfolge aus dem Rennen und dem Quali gibt auch durchaus einen Hinweis auf die Rangordnung hinter den McLaren. Dabei lohnt sich ein Blick auf die Zeitunterschiede zwischen Q2 und Q3. Dort kann man sehen, welches der Top Teams in der Lage war, sich zu verbessern und wer feststeckte.

McLaren
Q2: 1:15.414
Q3: 1:15.096

Red Bull
Q2: 1:15.565
Q3: 1:15.481

Mercedes
Q2: 1:15.789
Q3: 1.15.546

Ferrari
Q2: 1.15.827
Q3: 1:15.755

Mercedes und McLaren hatten also noch Luft nach unten, während Red Bull und Ferrari schon am Anschlag waren. Die minimalen Zeitschwankungen ergeben sich aus winzigen Unterschieden bei den Reifentemperaturen. Auffällig war das vor allem bei Lewis Hamilton, der seine Zeit aus Q2 in der letzten Session nicht mehr erreichen konnte. Daraus lässt sich zumindest ableiten, dass sowohl Red Bull als auch Ferrari schon in Q2 die Befürchtung vorlag, dass man eventuell um den Einzug in Q3 würde bangen müssen. Man reduzierte also die Spritmenge und gab die volle Motorleistung frei. Andere scheinen da etwas konservativer unterwegs gewesen zu sein. Was die Probleme von Ferrari an diesem Wochenende nur weiter unterstreicht.

Das Wochenende lief unrund bei den Italienern, vorwiegend aufgrund schnell steigender Reifentemperaturen am Freitag und am Samstag. Auch in der kurzen trockenen Phase im Rennen lag der Reifenverschleiß (Hard) bei Ferrari etwas höher, als bei Mercedes und deutlich höher gegenüber dem McLaren und dem Red Bull (Medium). Die meiste Zeit verlor man auch im zweiten Sektor, was besonders bei Hamilton der Fall war.

Dessen erstes Rennwochenende für Ferrari lief aber insgesamt besser, als man erwartet hatte. Der Abstand zu Leclerc hielt sich in Grenzen. In der Quali waren es gerade mal zwei Zehntel, was etwas weniger als die vier Zehntel waren, die ich erwartet hatte. Die meiste Zeit verlor der Brite dabei im dritten Sektor. Im ersten und zweiten Sektor lag er in der Quali nur wenige Tausendstel hinter Leclerc. Die zwei Zehntel verlor er dann ausschließlich im kurvenreichen letzten Part der Strecke. Das mag einerseits daran gelegen haben, dass seine Reifen etwas zu früh abbauten oder daran, dass die Leclerc die Abstimmung für diesen Sektor etwas besser hinbekommen hat. Beides wäre nicht verwunderlich, muss sich Hamilton doch erst mit seinem Ingenieursteam einarbeiten.

Ferrari lieferte auch mal wieder den Strategie-Aufreger im Rennen. Als in Runde 47 der Regen wieder einsetzte, reagierte man nicht und ließ Hamilton draußen. Der führte zwar das Rennen an, rutschte aber auf Slicks relativ hilflos rum. Eine weitere SC-Phase kam dann zu spät für seinen nötigen Stopp, und Ferrari verlor die Spitze wieder. Aber war das überhaupt ein Fehler? Ferrari hatte im Rennen ohnehin keine Chance. Das Team hoffte dann, dass der Regen nicht ganz so schlimm werden würde, was vor allem Hamilton die Chance auf ein sehr gutes Ergebnis gegeben hätte. Das haute am Ende nicht hin. Hamilton musste sogar den von hinten heranstürmenden Piastri an sich vorbeilassen. Hamilton wird mit dem Wochenende bis zum Samstag einigermaßen zufrieden sein. Mit dem Rennen aber sicher nicht. Nicht nur, dass man ein paar Punkte weggeworfen hat, auch seine eher mediokre Leistung, die von großer Vorsicht geprägt war, wird er kritisch hinterfragen müssen.

Bei Mercedes lief es besser. P3 und P4 hinter McLaren sollte für Zufriedenheit sorgen. Die Pace in der Quali war ok, auf trockener Strecke im Rennen allerdings nicht. Wie erwähnt verlor Verstappen auf Norris vorn in 20 Runden rund 15 Runden. Aber Russell konnte dafür das Tempo von Verstappen nicht halten und lag seinerseits rund 13 Sekunden hinter dem Weltmeister. Da wird Mercedes nacharbeiten müssen.

Bemerkenswert war aber das Rennen von Andrea Kimi Antonelli. Der Youngster versemmelte zwar die Quali und schied in Q1 aus, zeigte aber ein sehr starkes Rennen, das ihn schnell nahe der Top Ten brachte. Und das trotz eines harmlosen Drehers zur Mitte des Rennens. Mercedes entschied sich dann im wieder einsetzenden Regen für die richtige Strategie, die ihn dann auf P5 brachte. In den letzten Runden kassierte er dann auch noch Albon und fuhr die Lücke zu Russell wieder zu. Eine kurzzeitige Strafe gegen Antonelli wurde nach dem Rennen zurückgenommen, sodass er P4 behalten konnte. Das Debüt lief also richtig gut für den Italiener.

Das wird Mercedes aber nicht über die grundsätzlichen Probleme hinwegtäuschen. Man liegt hinter McLaren und Red Bull nur auf P3 und das, zumindest in Australien, mit gehörigem Abstand. Zudem: Die schlechte Form von Ferrari mag ein Ausrutscher gewesen, aber das wird man erst in China nächste Woche sehen. Aber eigentlich sollte der Kurs im Albert Park den Mercedes liegen, weil man das Auto, für Mercedes typisch, mit wenig Bodenfreiheit einstellen kann. In China wird das anders aussehen. Ich bin sehr gespannt, wie gut das Team dort aufgestellt ist.

Das Mittelfeld führt klar Williams an. Ganz offensichtlich hat sich das Team deutlich verbessert, und die guten Testzeiten sollten nicht nur den Sponsoren Zuversicht geben. Albon lag im Rennen bequem vor Hamilton und konnte diesen auch hinter sich halten. In Australien ist das Überholen schwer, und der Ferrari war etwas schneller als der Williams. Aber insgesamt war der Williams besser als gedacht, und das unter allen Bedingungen. Der fünfte Platz von Albon ist mehr als verdient.

Carlos Sainz tat sich überraschend schwer gegen Albon. Der Abstand war allerdings nicht so groß, wie es auf dem Papier aussieht. Sainz war in Q2 schneller als Albon, konnte seine Zeit in Q3 aber nicht verbessern. Seine schnellste Zeit insgesamt (Q2): 1:15.931 min. Albon 1.15.737 min (in Q3). Zwei Zehntel sind nicht viel und wie bei Hamilton mag das an letzten Feinheiten bei der Abstimmung liegen. Es zeigt sich aber auch, dass Albon wirklich gut unterwegs ist und kein leichter Gegner für Sainz wird. Er wird sich anstrengen müssen. Dazu kam dann im Rennen sein Fehler, der zum Ausfall führte. Der Ausrutscher sah (wie bei Hadjar und Lawson) merkwürdig aus. Als ob der Motor schlagartig mehr Drehmoment geliefert hatte. Aber eine Entschuldigung ist das auch nicht. Albon machte keinen Fehler.

Die Racing Bulls sind schwer einzuschätzen. P6 in der Quali für Tsunoda war ein gefühlter Mittelfinger an Horner und Marko, die lieber Lawson genommen haben. Der aber am Wochenende komplett unterging und allgemein etwas überfordert schien. Tsunoda lieferte aber nicht nur eine fantastische Quali ab, auch im Rennen blieb er fehlerlos und konnte sich auf seinen Platz in den Punkten halten. Dass er am Ende nur Zwölfter wurde, ist eine herbe Enttäuschung, lag aber an der schlechten Strategie von Racing Bull, die wie Ferrari zu lange auf den Stopp am Ende gewartet hatten.

Die Pace von Tsunoda war am Wochenende sehr gut und Neuling Hadjar war sehr gut unterwegs. Er scheiterte um knapp zwei Zehntel am Einzug in Q2. Für einen kompletten Rookie, der sein erstes GP-Wochenende fuhr, war das in Ordnung. Sein Fehler in der Einführungsrunde war dann dumm. Ok, er war da nicht alleine, aber es sieht natürlich schlecht aus, wenn das noch vor dem Start des Rennens passiert. Wie gut oder schlecht die Racing Bulls aber sind, vermag ich im Moment nicht zu sagen. Da wird man vermutlich bis Suzuka bis zu einem endgültigen Ergebnis warten müssen.

Sie scheinen aber schneller als die Sauber zu sein. Was jetzt nicht überraschen kann. Aber Sauber zeigte sich in Australien nicht ganz so schlecht, wie ich sie erwartet hatte. Hülkenberg nutzt die Fehler der anderen und das Team die Fehler der Konkurrenzteams und konnte so auf P7 landen. Damit hat man im ersten Rennen schon mehr Punkte gesammelt als im gesamten letzten Jahr. Was in diesem Jahr noch wichtig werden könnte, denn für Sauber ist das Ergebnis sehr schmeichelhaft. Sie mögen zwar nicht das langsamste Auto haben, aber hinter ihnen liegt nur Hass. Umso wichtiger war es, dass Hülkenberg mit seiner Erfahrung schon mal das Thema Punkte abgehakt hat. Dafür hat man ihn auch eingestellt.

Vor ihm lag noch überraschend Lance Stroll auf P6. Der Aston-Pilot schwamm sich durch das Rennen und blieb das gesamte Rennen unauffällig. Das Einzige, was man von Aston Martin sah, war der Unfall von Fernando Alonso. Der rutschte im Rennen auf einem Curb aus und verabschiedete sich in die Mauer. Ein wenig erstaunt es mich schon, dass Aston auch in diesem Jahr wieder mit einem schlechten Auto in die Saison startet. Mag sein, dass man intern alles auf 2026 geschoben hat und für die 2025er-Saison nur ein Rumpfteam zur Verfügung steht. Aber einen guten Eindruck macht das Team nicht. Und Adrian Newey wird jetzt nicht alles mit einem Geniestreich verbessern können. An das 2025er-Auto hat er sich, laut Aussage von Aston, ohnehin bisher nicht gesetzt. Man kann also davon ausgehen, dass die Briten in diesem Jahr nur hinten zu finden sind.

Alpine, die nach dem Test auf Augenhöhe mit Williams gesehen wurde, enttäuschte in Australien. Gasly gelang zwar der Sprung nach Q3 und seine beste Quali-Zeit lag nur zwei Zehntel hinter den Ferrari. Aber im Rennen lief nur wenig zusammen. Im Regen konnte sich Gasly in den Punkten halten. Auf der trockener Strecke hatte der Franzose aber das langsamste Auto in der Gruppe der Fahrzeuge, die um den letzten Punkt kämpften. Die Alpine müssten vor den Aston liegen, aber ein gutes Stück hinter den Williams.

Am Ende des Feldes sind ganz klar die Haas. Ich weiß nicht, was Haas, Dallara, Ferrari und Toyota da zusammengebastelt haben, aber schnell ist es nicht. Zur Einordnung: die schnellste Zeit von Ocon aus Q1 war 1,2 Sekunden langsamer als die Zeit von Norris und satte zwei Sekunden als die schnellste Zeit von Norris in Q3. Um es nach Q2 zu schaffen, fehlten Haas 0,6 Sekunden. Auch im Rennen lief es nicht besser. Beide Autos wurden überrundet, rundeten sich dann durch den Wave Around wieder zurück, wurden erneut überrundet und so weiter. Ich weiß nicht, ob das Auto nicht fertig geworden ist, oder ob man in Miami dann mit dem „echten“ neuen Auto kommen wird oder was da sonst los ist. Aber der Performance-Verlust ist schon gewaltig.

Dazu kam, dass Ollie Bearman ein katastrophales Wochenende hatte. Gleich zweimal zerlegte er seinen Haas, er kam kaum zu fahren und die Quali verpasste er dann. Immerhin hielt er im Rennen das Auto auf der Straße. Er wurde am Ende letzter mit sieben Sekunden Rückstand auf seinem Teamkollegen Ocon. Das Auto scheint schwer zu fahren zu sein, teilweise wirkt es unberechenbar. Bearman erweckte im Rennen oft den Eindruck, als würde er ängstlich unterwegs sein. Was angesichts seiner Unfallserie auch verständlich ist. Aber offenbar hat er auch zum Auto kein Vertrauen.

Australien hat zumindest eine generelle Richtung in der Hackordnung vorgegeben. Die Rangfolge wird sich in China und Suzuka nicht großartig verschieben, aber es wird Bewegung zwischen den Teams geben. Das gilt hauptsächlich für die Teams im Mittelfeld, also von Williams bis Aston Martin. Die Abstände sind hier oft so klein, dass schon ein paar wenige geänderte Parameter die Reihenfolge auf den Kopf stellen können. Da der Kurs in Australien kaum eine Referenzstrecke ist, sollte man auch vorsichtig mit den Ergebnissen sein. Ein wenig mehr Klarheit gibt es dann vielleicht schon nächstes Wochenende in China.

Bilder: Pirelli, Ferrari, McLaren, Mercedes, Williams, Sauber, Aston Martin, Haas

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