Die GT World Challenge zeigte am letzten Wochenende einen Saisonabschluss mit viel Glanz und Gloria im Saudi-Arabien. Bei einem fast komplett vollen Starterfeld wurde die Titelentscheidungen am Ende des sechsstündigen Rennens nochmal zu einem richtigen Krimi.
Na, wer dachte, dass die Saison schon zu Ende wäre? Eigentlich gilt der GT3 World Cup in Macau als der Jahresabschluss des GT-Sports, wenn wir mal von der Asian Le Mans Series absehen, die sich mittlerweile in den Wintermonaten, vor allem im Mittleren Osten etabliert hat. Der Saisonabschluss unter einer galaähnlichen Atmosphäre hat was für sich, passt aber irgendwie in das SRO-Umfeld nicht wirklich rein. Auch das wird ein Grund sein, wieso das Rennen 2025 nicht erneut im Kalender ist. Serienchef Stéphane Ratel, der sich mit seiner Veranstaltungsfirma eine goldene Nase mit diesem Rennen verdient haben dürfte, hat die Möglichkeit eines IGTC-Laufs zukünftig in Aussicht gestellt. Genau das wäre das passendere Umfeld hierfür und könnte dauerhaft die 9H von Kyalami ersetzen, die sich nicht etablieren konnten. Auch das eher atmosphärisch schwache Event in Indianapolis kommt auf Seiten des Teilnehmerfelds nicht wirklich gut an.
Entgegen einigen Erwartungen nahmen fast alle Teams den Weg in den Mittleren Osten auf sich. Lediglich Teams wie Optimum Motorsport, die den Fahrertitel in der GT4 European Series gewannen oder Winward Racing, die bereits den Titel im Silver-Cup sicher hatten, fehlten. Außerdem startete nach dem Crash in Monza nur ein BMW der Rowe Mannschaft in Form der #998. Somit gingen 48 Autos ins Wochenende. 11 Autos hatten noch rechnerische Titelchancen, da der gesamtführende Aston Martin von Comtoyou Racing hauptsächlich von seinen Spa-Punkten lebte und die Punktausbeute der Topteams eher überschaubar war. Realistisch sollte sich ein Vierkampf zwischen dem Comtoyou Aston Martin #7, AF Corse Ferrari #51, Attempto Audi #99 und dem Grasser Lamborghini #163 entwickeln.
Kleine Nachlese zum Sprint-Finale aus Barcelona: Es ist zwar schon einige Wochen her, aber das Ergebnis des Samstagsrennens wurde aufgrund der wenigen Rennrunden gerichtlich beanstandet. Dies hat die Auswirkung, dass Engel/Auer ihren Titel aberkannt bekamen und WRT mit Vanthoor/Weerts damit Meister sind. Über die Art und Weise der Kommunikation schreib ich mal besser nichts und bin der Meinung, dass diese Rennen von Vornherein als ein solches keine Wertung hätte bekommen sollen. Zumindest dürften Engel/Auer nun recht gut damit leben können, wie sich am Samstag in Jeddah herausstellen sollte.
Qualifikation
Von den genannten Meisterschaftskandidaten schafften es der AF Corse Ferrari, der Grasser Lamborghini und der Attempto Audi unter in die Top3 der Qualifikation, während der gesamtführende Aston Martin gar nicht auf Speed kam und selbst die Top20 nicht schaffte. Damit sah alles nach einem Duell dieser drei aus. Alessio Rovera, Davide Rigon und Pier Guidi schafften den besten Mittelwert der drei Segmente. Die Stintlänge wurde aufgrund des hohen Benzinverbrauchs auf 60 Minuten reguliert, mit einer Minute Verlängerung durch eine Full-Course-Yellow und fünf Minuten durch ein klassisches Safety-Car.
Rennen (Stunden 1 bis 2)
Der Start verlief unerwartet ruhig ab und die besten Fünf mit Alessandro Pier Guidi, Jordan Pepper, Ricardo Feller, Dorian Boccolacci und Matteo Cairoli konnten ihre Positionen halten. Bereits in den Startrunden wurde deutlich, dass jedes Überholmanöver auf dem Bobbahn-ähnlichen Kurs am roten Meer hart erarbeitet werden musste. Im Startstint zeigten Rovera und Mapelli, was der Ferrari und Lamborghini an diesem Tag draufhaben sollten. Beide setzten sich über zehn Sekunden ab. Alex Aka konnte im Audi das Tempo nicht mitgehen, konnte aber eine halbe Stunde die Konkurrenz hinter sich halten, bevor Ayhancan Güven im Porsche von Schumacher CLRT vorbeikam.
Dieser hatte jedoch gegen Ende des ersten Stints einen Reifenschaden, der bei einigen Autos am rechten Hinterrad passieren sollte. Durch den Verlust von einer Runde war der stark besetzte Porsche raus aus der Rennentscheidung und gab das Rennen im späteren Rennverlauf auf. Nach ca. 50 Minuten wurde die erste FCY-Phase gegeben, durch die sich die ersten Strategien aufteilten. Nachdem kurz nach dem Restart die Führung durch Marco Mapelli wechselte, fiel der Ferrari beim Stopp aus der Entscheidung zunächst hoffnungslos zurück. Manche würden sagen, dass Ferrari hier mal wieder Ferrari-Dinge gemacht hat. Rovera musste
schief in seiner Box einparken, da sein Teamkollege aus dem Silver-Cup direkt dahinterstand. Durch die damit verbundene Verzögerung fiel er gar aus den Top20 und der Rennsieg, wie auch der mögliche Titel, gerieten damit erstmal in weite Ferne!
Nun wurde der zweite Stint begonnen, der plötzlich mit dem WRT BMW von Valentino Rossi, dem Pure Rxcing Porsche von Malykhin und dem Rutronik Porsche von Patric Niederhauser ganz andere Protagonisten vorne sah. Alle drei nutzten die Full-Course-Yellow zum ersten Stopp
und waren damit außerhalb der üblichen Sequenz.
Der zweite Stint erlebte auch die längste Neutralisation des Rennens, nachdem Arthur Rougier im CSA Audi und Nicolo Rosi im Kessel Ferrari heftig kollidierten und in die Streckenbarrieren knallten. Rougier zog sich dabei Wirbelverletzungen zu. Nach der Ausrufung der FCY fuhr der Imperiale Lamborghini auf den verbliebenen Rowe BMW hinten drauf, wodurch Rowe das Rennen aufgeben musste. Alle zogen daraufhin ihren Stopp vor und Jordan Pepper konnte die Führung vor Rossi nach dem Restart übernehmen.
Stunden 3 bis 4
Kurz nach der zwei-Stunden-Marke gingen der Grasser Lamborghini #163, Getspeed Mercedes #2 und der WRT BMW #32 zu einem vorgezogenen Stopp, um sich aus dem Verkehr rauszubringen. Der Rest kam etwas später, da man immer wiederkehrend von weiteren Neutralisationen ausgehen musste. Hierzu kam es allerdings nicht. Es sollte ein ruhiger Mittelstint bis in die Schlussphase werden.
In der Folge konnte der Winward Mercedes #48 mit Lucas Auer, der von Daniel Morad übernahm, die Gesamtführung vor Ricardo Feller, Frank
Perera und Valentino Rossi übernehmen. Zu diesem Zeitpunkt sah vieles nach einem Titel für die Attempto Mannschaft aus, da Feller das Auto stabil auf Podiumskurs bewegte. Der ärgste Kontrahent war zu diesem Zeitpunkt der Grasser Lamborghini, der jedoch ein paar weitere Plätze zwischen sich und dem Audi bringen musste, um den Titel zu holen. Vom AF Corse Ferrari, der durch die Boxenstopp-Panne zurückfiel und vom Comtoyou Aston Martin #7 war zu diesem Zeitpunkt nichts zu sehen.
Nach dem Schumacher CLRT Porsche verabschiedete sich gegen Rennmitte der nächste Porsche aus der Entscheidung: Der
Rutronik Porsche #96 erhielt eine 105 Sek. Stop/Go Strafe wegen einer Kollision. Einige Zeit später gab man das Rennen wegen eines Reifenschadens, ebenfalls am rechten Hinterrad, auf.
Auch die Reihe der Stopps, die nach ca. 3,5 Stunden fertig absolviert wurden, brachten keine weiteren Änderungen der Konstellationen. Der führende Winward Mercedes schien zu diesem Zeitpunkt unschlagbar und hatte flexiblere Möglichkeiten in Bezug auf einen möglichen letzten Stopp, was sich am Ende als wegweisend herausstellen sollte. Auer/Engel waren damit auf Kurs, die Gesamtmeisterschaft der GT World Challenge Europe zu gewinnen, also die
Gesamtwertung aus Sprint/Endurance, die jedoch die zweite Geige gegenüber den Einzelentscheidungen spielt.
Für Attempto wurde die Luft in dieser Phase nun dünner, weil Alex Aka erwartbar das Tempo eines Ricardo Fellers nicht mitgehen konnte und den wichtigen zweiten Platz gegen Marco Mapelli verlor. Da er anschließend auch den dritten Rang an Charles Weerts verlor, hing die Meisterschaft nun am seidenen Faden und es wurde noch schlimmer.
Stunde 5 bis 6
Allgemein verlor der Audi im weiteren Rennverlauf an Pace. Nachdem Feller nach der weiteren Stoppphase auch noch seinen vierten Platz gegen den BMW von Maxime Martin verlor, wäre der Titel an den Grasser Lamborghini gegangen, der sicher die zweite Position hinter dem Winward Mercedes von Maro Engel halten konnte. Es wäre auf eine punktgleiche Entscheidung hinausgelaufen und Grasser wäre durch den Laufsieg am Nürburgring Meister geworden! Was für die Schlussphase noch Thema wurde: Track Limits! Bei sechs Verstößen während des gesamten Rennens wurde eine 30-sekündige Zeitstrafe vergeben. Es dauerte lange, bis es Autos aus der Spitzengruppe erwischte, aber auch deren Strafkonten wurden voller und voller. Der AF Corse #51 erhielt als erster eine solche Strafe, wodurch man auf dieses Team wohl keinen Pfifferling mehr gewettet hätte.
Doch es sollte anders kommen! Nachdem es über drei Stunden bis auf einzelne Dreher und Reifenschäden keinerlei Zwischenfälle gab, die eine Neutralisation zur Folge gehabt hätte, stand etwa 45 Minuten vor Ende der Comtoyou Aston Martin #21 aus dem Gold-Cup auf Start/Ziel. Manche hatten bereits ihren „Money Stop“ absolviert, um die volle letzte Stunde in Angriff zu nehmen. Hierzu gehörten: Der WRT BMW #46, Attempto Audi #99, Grasser Lamborghini #163 und WRT BMW #32. Die waren nun raus im Kampf um den Sieg und im Falle von Attempto und Grasser, auch um die Meisterschaft! Es zeigte, dass eine Strategie, die maximale Reichweite auszunutzen, um am Ende flexibler zu sein, die Goldrichtige sein sollte.
Ohne einen Verdacht und „Briatore-Piquet-Moment“ aufkommen zu lassen: Zum Zeitpunkt vor der FCY war der Comtoyou Aston #7 auf der dritten Position und plötzlich wieder im Titelkampf, woran in den fünf Stunden zuvor noch nicht mal zu denken war. Alles nur Zufall? Im Zweifel für den Angeklagten! Nach den restlichen Stopps, die alle unter der Full-Course-Yellow ausgeführt wurden, ging Maro Engel vor Frank Perera, Dries Vanthoor, Nicki Thiim, Raffaele Marciello und Alessandro Pier Guidi in die letzte halbe Stunde. Das Feld wurde durch die obligatorische Safety-Car-Phase nochmals zusammengeführt und versprach ein finale furioso. Ein Haken: Die diversen Überrundeten bekamen keinen Pass-Around zugesprochen, was das Spiel für den führenden Winward Mercedes umso leichter machte. Dahinter ging natürlich die Post ab!
Der Aston Martin fiel aus der Entscheidung raus, da dieser wegen zu vielen Track-Limit-Verstößen eine 30 Sekunden Strafe bekam. Genau das passte zum Wochenende der Aston Martins. Beim Restart rempelte sich Dries Vanthoor an Frank Perera vorbei und übernahm die zweite Position. Damit war alles angerichtet für den Endurance-Titel für AF Corse. Er übernahm daraufhin die dritte Position hinter dem Grasser Lamborghini, da auch Vanthoor zurückfiel. Vorne passierte nichts mehr, wodurch sich Auer/Engel und Winward den Gesamttitel beider Teilchampionate sichern konnten.
Schlussendlich wurden 994 Kilometer über die sechsstündige Distanz gefahren mit 33 Zielankömmlingen. AF Corse reichte der dritte Rang aus, wodurch Rovera/Pier Guidi/Rigon die große Enttäuschung aus Spa im Nachgang wohl besser verkraften können. Rigon fuhr den Titel jedoch nicht ein, da er das Rennen in Monza nicht gefahren ist.
Die weiteren Klassen fuhren ein eher unauffälliges Rennen. Kompletter Kontrast zum Rennen in Monza, bei dem der siegreiche BMW aus dem Bronze Cup kam. Dieses Mal wurden die besten zwölf Plätze
ausschließlich durch Pro-Autos abgedeckt, was sicherlich der Schwierigkeit der Strecke geschuldet ist. Im Silver-Cup ging der Sieg an das neu zusammengestellte Sainteloc-Trio Ezequiel Perez Companc/Lucas Legeret/Kobe Pauwels, wie auch im Gold-Cup an Jim Pla/Paul Evrard/Gilles Magnus. Dazu ging im Bronze-Cup der Sieg an das bewährte Rutronik Trio Dustin Blattner/Dennis Marschall/Loek Hartog.
Weitere Meisterschaften
Die Meisterschaft im Gold-Cup gewannen die Rennsieger des Saintelic-Trios, während im Silver-Cup bereits die Entscheidungen in Monza für das Winward Trio mit Colin Caresani/Daan Arrow und Tanart Sathienthirakul gefallen war und diese in Jeddah nicht mehr antraten. Im Bronze-Cup konnte erneut Sky-Tempesta den Titel mit dem Ferrari einfahren. Sie fuhren zwar ein überschaubares Rennen, aber konnten ihren Punktevorsprung ins Ziel retten mit ihrem gewohnten Trio Jonathan Hui/Chris Froggatt/Eddie Cheever. Der Herstellertitel über alle GT World Challenges (Europe, Asia, America, Australia) ging an Mercedes vor Porsche, Audi, Ferrari und BMW.
Die Saison 2025 fängt damit an, womit 2024 aufgehöhrt hat, zumindest was die Rennlänge angeht! Der Endurance-Auftakt
startet mit den 6 Stunden von Le Castellet, gefolgt vom Sprint-Auftakt Anfang Mai in Brands Hatch. Den Anfang der Rennserien rund um das SRO-Gefüge macht wie üblich die Intercontinental GT Challenge mit den traditionellen 12 Stunden von Bathurst am ersten Februar Wochenende.
Bildquelle: www.gt-world-challenge-europe.com (https://www.gt-world-challenge-europe.com/gallery.html?filter_season_id=24&filter_meeting_id=226&filter_race_id=&filter_text=comtoyou)
