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Tom Walkingshaw verstorben

von DonDahlmann
1 Kommentare 4 minutes read

Eine der bekanntesten und häufig umstrittesten Personen des internationalen Motorsports ist tot. Tom Walkingshaw war nicht nur ein Racer, sondern auch ein echter Trickser.

Tourenwagensport ohne den Schotten Tom Walkingshaw war in den 80er Jahren kaum denkbar. Seine eigene Rennsportkarriere in den 70er Jahren blieb nicht ohne Erfolge, aber ein schwerer Unfall beendete seine Hoffnungen auf einen Platz in einem Monoposto. Er konzentrierte sich danach auf die Tourenwagen und den Aufbau seiner eigenen Firma, Tom Walkingshow Racing, kurz TWR. Zunächst arbeitete er mit BMW zusammen, doch bald konzentrierte er sich auf den britischen Markt. Dass er es schaffte die britische Firma Rover dazu zu überreden, ihren schweren und mit langen Überhängen ausgestatteten Vitesse in den Motorsport zu bringen, zeigt auch welche Fähigkeiten er hatte. Er konnte Menschen motivieren und sie zu den aberwitzigsten Dingen überreden. Tatsächlich schaffte er es, den Rover konkurrenzfähig zu machen und mit diesem Wagen gelang ihm auch sein größter Erfolg als Fahrer. 1984 gewann er Europäische Tourenwagenmeisterschaft. Sein Team siegte auch in der BTCC, doch alle Siege wurden TWR nach der Saison aberkannt, weil man beim Chassis getrickst hatte.


Aber der Erfolg von Rover führte ihn zu Jaguar, wo man nach einer jahrzehntelangen Durststrecke in Sachen Motorsport auf neue Siege hoffte. TWR übernahm das Programm, erst mit den imposanten, aber leider sehr schweren und durstigen Jaguar XJS 12 bei den Tourenwagen. Später wagte er mit Jaguar auch den Schritt nach Le Mans, wo man gegen die übermächtigen Porsche 956 und die Sauber C8 antreten musste. 1988 und 1990 gelang ihm der Sieg bei den 24H von Le Mans. Der britische Triumph sorgte auf der Insel für wahre Begeisterungsstürme. Konstruiert hatte den XJR im Übrigen ein gewisser Ross Brawn.

Nach den Sportwagen zog es ihn in die Formel Eins, wo er Chef Ingenieur bei Benetton wurde. Er war es auch, der Ross Brawn zum Team lotste, allerdings gab es hinter den Kulissen mächtig Ärger mit dem Teamleiter, Flavio Briatore. Wenn zwei derartige Egos aufeinander prallen, muss einer verlieren, in diesem Fall war es Walkingshaw, der die schlechteren Karten hatte. Er kaufte später das Arrows-Team, mit dem ihm aber mangels Geld kein Erfolg beschieden war. Schlimmer noch, er investierte unvorsichtig sein eigenes Geld ins Team und als der Laden 2002 schließlich zusammenbrach, verlor er auch TWR, die ebenfalls Konkurs gingen. Walkingshaw blieb nur noch sein Spielfeld in Australien, wo der nicht betroffene australische Ableger von TWR sich am offiziellen Holden Racing Team in der V8 Supercars Serie beteiligt hatte. Unter der Regie von Walkingshaw holte man 2006 (Rick Kelly) und 2007 (Garth Tander) den Titel. Er kaufte das Team komplett, allerdings konnte man an die alten Erfolge nicht an anschließen.

Geradezu legendär sind Walkingshaws Aktionen aus der Abteilung „Tricksen, Schummeln, Regelauslegung“. Es gab in den 80er Jahren kein Rennen, vor dem argwöhnische Konkurrenten nicht schon mal prophylaktisch Protest gegen die TWR-Wagen einlegten. Grund dafür gab es oft genug. Walkingshaw selber gab zu, das Reglement gerne mal etwas freizügiger auszulegen, allerdings stand er damit nicht alleine da. Gemacht haben es alle, geredet aber nur wenige über die Sache. Als eines der wildesten (wenn auch nie bestätigten) Beispiele für die Kreativität von Walkingshaw in Sachen Regeln und Karosseriebau gilt der Jaguar XJS 12 aus den 80er Jahren. Der war deutlich schneller als die Konkurrenz von Porsche oder BMW, allerdings verbrauchte der V12 auch Sprit in Großhandelsmengen. Walkingshaw soll das Problem kreativ angegangen sein, in dem er Teile des Gitterrohrrahmens und der Überrollkäfigs als Zusatztank konstruierte. Ende der 80er sah sich die Porsche Mannschaft in Le Mans mit einem ähnlichen Problem konfrontiert. Man wusste, dass TWR beim XJR irgendwo was versteckt hatte, aber egal wie oft man die ACO-Kommissare unter den Jaguar schickte – entdeckt wurde nichts. Mit den Jahren wurde TWR allerdings auch viel angedichtet, weil man sie einfach immer in Verdacht hatte. Fair war das auch nicht, denn man darf nicht vergessen, dass Walkingshaw es bei Rover, Jaguar, Benetton und später bei Holden immer wieder gelang, ein siegfähiges Team zusammen zu stellen. Wenn man mehr als 30 Jahre vom Tourenwagen, über Le Mans bis zu Formel Eins immer wieder unter den Besten ist, dann schafft man das nicht mit Tricksen, sondern nur mit solider, guter und verantwortungsvoller Arbeit.

Walkingshaw hat all dies geschafft und er war einer der seltenen Figuren, die den Rennsport geatmet haben, die wussten, wie man einen Rennwagen baut und doch keine Technokraten waren.

Tom Walkingshaw verstarb am 12.12.2010 an einem Krebsleiden im Alter von nur 63 Jahren. Hier ist er in einer Quali-Runde in Bathurst zu sehen. Muss zwischen 1984 und 1988 gewesen sein, genauer weiß ich es leider nicht.

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1 Kommentare

spookyt 13 Dezember, 2010 - 01:03

Das Video ist wohl von 1985. Interessant zu sehen dass es damals schon schwenkbare Innenkameras gab, und alles Live.
Hier auch ein Video vom Rennen, da wird einfach mal (wie heute) mit dem Fahrer geplaudert: http://www.youtube.com/watch?v=_aZN8VB59_E

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