Ferrari hatte mal wieder das schnellste Auto, versemmellte aber das Rennen. Red Bull sagte Danke.
Niemand hatte ein spannendes Rennen in Frankreich erwartet, aber die Vorzeichen standen nach der Quali nicht schlecht. Ferrari hatte das schnellere Auto, aber die Long Runs sprachen für Verstappen. Leclerc sicherte sich die Pole, auch dank des Windschattens, den Teamkollege Sainz lieferte. Der musste wegen eines Motorwechsels ohnehin von ganz hinten starten und konnte so Leclerc einen Vorteil verschaffen. Der konnte seine Pole am Start auch in eine Führung umsetzen, aber Verstappen blieb in seinem Windschatten. Zwar konnte der Niederländer nicht vorbeigehen, aber es war auch klar, dass das ein schwieriges Rennen für Ferrari werden würde. Denn in Sachen Reifenverschleiß waren die Red Bull besser.
Das Rennen endete aber schon im ersten Drittel für Leclerc, der einen merkwürdigen Abflug hatte. Leclerc nahm das auf seine Kappe und erklärte, dass er zu stark gepusht hat. Ob Leclerc das Rennen hätte gewinnen können, ist schwer zu sagen, aber der Ausfall hilft ihm in der WM sicher weniger als ein zweiter Platz. Verstappen hatte danach ein ruhiges Rennen und kontrollierte das Rennen in der Hitze von Paul Ricard problemlos.
Ferrari hatte aber noch einen weiteren Fahrer im Rennen und Carlos Sainz lieferte ab. Vom letzten Platz gestartet fand er sich schon zum Zeitpunkt des Unfalls seines Team in die Top Ten gefahren und das aus dem Unfall resultierende Safety Car kam zum besten Zeitpunkt für ihn. Nachdem das Rennen wieder aufgenommen wurde, arbeitete er sich auf P4 vor, wo er hinter Perez hing. Allerdings hatte Ferrari Sainz auf die Medium gesetzt und beim Stopp handelte man sich auch noch einen „unsafe release“ ein, auf dem eine 5-Sekunden-Strafe folgte.
Sainz war auf dem Medium ultraschnell unterwegs, diskutierte aber die gesamte Zeit per Funk mit Box, ob und wann man zum Stopp kommen sollte. Sainz wollte draußen bleiben, vor allem, nachdem er gerade Perez passiert hatte, aber Ferrari holte ihn dennoch rein. Man hatte die Befürchtung, dass der Medium am Ende in der Hitze nicht durchhalten würde. Es zeigten sich auch schon Blister auf dem Reifen. Aber hätte man nicht das Risiko auf sich nehmen sollen? Ein Reifenschaden wäre natürlich möglich gewesen, auf der anderen Seite hatte Perez offenbar Probleme mit den Reifen und die Chance, Perez um 5 Sekunden zu distanzieren, war durchaus drin. So fand sich Sainz nach dem Stop auf P9 wieder, konnte sich aber dank frischer Reifen auf P5 fahren. Zu verlieren hatte Ferrari in der Situation aber eigentlich nichts. Die Chance auf P3 war drin und das hat man weggeworfen.
Die Überraschung auf dem Podium waren die beiden Mercedes. Die hatten für Frankreich ein signifikantes Upgrade mitgebracht, darunter auch ein teilweise neuer Unterboden. Aber das Auto sah im Training schlecht aus. Man hatte erwartet im Bereich 0,4 Sekunden hinter den Top 2 zu sein, aber in der Quali waren es dann 0,9 Sekunden. Warum man so langsam war, konnte man auch nicht erklären. Das Bild änderte sich dann aber im Rennen, in dem die Mercedes plötzlich richtig gut waren. Hamilton lag nach dem Start auf P3 und lag auf P2 hinter Verstappen, nachdem Leclerc seinen Unfall hatte.
Chancen auf den Sieg hatte er nicht, aber Druck von hinten auch nicht. George Russell hatte mehr zu tun und lag im Rennen die meiste Zeit hinter Perez, den er gegen Ende auch immer mehr unter Druck setzen konnte. Es gab einige haarige Situationen, aber am Ende schnappte sich Russell P3, da Perez nach einer VSC-Phase beim Restart geschlafen hatte. Für Mercedes war das ein deutlich besseres Ergebnis, als man nach der Quali erwarten konnte. Sicher war das Ergebnis begünstigt durch den Ausfall von Leclerc und durch den Start von Sainz von P20, aber Perez konnte man im Rennen schlagen, was ein gutes Zeichen ist. Wenn man jetzt noch den Speed auf eine Runde hinbekommt, ist man deutlich näher dran.
Zur Freude der Franzosen konnte Fernando Alonso sich P6 sichern. In der Quali musste sich der Spanier noch Norris geschlagen geben, dafür konterte er dann mit einem besseren Start und setzte sich hinter den Top 3 Teams fest. Da blieb er auch im Rennen und fuhr ein relativ einsames Rennen vor Lando Norris, der am Ende 10 Sekunden auf den Alpine verlor. Ocon schob den zweiten Alpine in den letzten Runden noch hinter Norris, da er Ricciardo überholen konnte, der mit abbauenden Reifen kämpfte. Die beiden Teams werden auch weiter um P4 in der WM kämpfen, aber die besseren Karten scheint im Moment Alpine zu haben.
Den letzten Punkt sicherte sich überraschend Lance Stroll. Von P15 gestartet konnte sich Stroll durch einen guten Start in die richtige Position bringen und dabei sogar Vettel einkassieren, der von P12 ins Rennen gegangen war. Stroll lieferte endlich mal wieder ein fehlerloses Rennen ab. Vettel war auf der Strecke schneller, aber das Safety-Car zwang Aston dazu, Stroll als Ersten an die Box zu holen. Vettel kam eine Runde später und verlor dadurch zwei Positionen. Die holte er sich zwar zurück, aber es reichte dann knapp nicht, um Stroll einzuholen. Die Performance von Aston im Rennen war, wie fast immer gut, und auf dem Niveau des vorderen Mittelfelds. Beiden Aston fehlten am Ende 2 Sekunden auf Ricciardo und 5 Sekunden auf Ocon. Warum man mit einem durchaus schnellen Auto dann in der Quali immer so langsam ist? An der Reifentemperatur konnte es in Frankreich nicht gelegen haben.
Das Rennen war ansonsten, wie erwartet, nicht gerade von Spannung geprägt. Paul Ricard ist auch nicht die Strecke für so etwas. Die Hitze half dabei nicht, weil alle Fahrer auf die Reifen achten mussten. Überholen geht in Paul Ricard eigentlich einigermaßen, aber wenn alle nur auf die Reifen achten, passiert natürlich wenig. Schlecht war es allerdings nicht, vor allem dank Carlos Sainz und George Russell, die für die Überholmanöver in den Top Ten sorgten.
Weiter geht es nächstes Wochenende in Ungarn bevor die F1 dann in die Sommerpause geht.
Bilder: Ferrari, Daimler AG, Haas, McLaren, Alpine, Aston Martin, Williams, Alfa Romeo





















1 Kommentare
Scheint ein wenig so als lernten Leclerc und Sainz gerade, was auch schon Vettel und viele andere vorher lernen mussten: völlig egal wie gut du bei Ferrari fährst – das Team wird Mittel und Wege finden, genug Mist zu bauen und taktische wie strategische Fehler zu begehen, dass am Ende so gut wie nichts dabei rumkommt.
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