Will Power gewann in der Heimat von Roger Penske und Chevrolet das letzte Rennen auf der Belle Isle. Fast ohne Caution war es ein Strategie-Klassiker, aber im positivsten Sinn.
Wie im Vorjahr bauten die Option-Tires im Rennen sehr schnell ab. Der Zeitunterschied zwischen den Option-Tires am Ende ihres Stints zu ähnlich alten Prime-Tires betrug fast vier Sekunden. Eine 3-Stopp-Strategie, mit einem kurzen Stint auf den weicheren Reifen, war also eine Option. Die Modelle vor dem Rennen sprachen der 2-Stopp-Strategie aber eine 75 %‘ige Siegwahrscheinlichkeit gegenüber der 3-Stopp-Strategie zu. Die Anzahl der Reifenwechsel war außerdem nur der grobe Strategierahmen. Vor allem bei den 2-Stoppern war auch entscheidend, wann der Stint auf den roten Reifen absolviert wurde. Als wichtiger Faktor kam auch noch die Qualität des Fahrers dazu, wie gut er im Benzinsparen war, für möglichst lange Prime-Stints, und wie pflegsam er die Option-Tires um den Kurs bewegte. Zu guter Letzt zählte natürlich auch der Speed von Wagen und Fahrer.
Josef Newgarden qualifizierte sich auf Startplatz 1, vor Takuma Sato. Die zweite Startreihe bildeten Simon Pagenaud und Helio Castroneves für Meyer Shank Racing. Pato O’Ward und David Malukas komplettierten die Fast-Six. Scott Dixon ging von Startplatz 9 ins Rennen. Noch weiter hinten qualifizierten sich Alexander Rossi (Startplatz 11), Will Power (Startplatz 16) und Alex Palou (Startplatz 18). Alle drei hatten, aus unterschiedlichen Gründen, keine richtig schnelle Runde im entscheidenden Qualifikationssegment zusammengebracht. Vom reinen Speed gehörten sie aber sicherlich in die Top-10 und im Falle von Alexander Rossi sogar in die Fast-Six.
Josef Newgarden startete das Rennen, wie fast die komplette Top-15, auf Option-Tires. Scott Dixon war die einzige Ausnahme und ging auf Prime-Tires, wie auch Will Power, Alex Palou und alle folgenden Fahrer, ins Rennen. Schnell zeigten sich die unterschiedlichen Strategien. So quetschte Alexander Rossi ab der ersten Kurve das maximale Potential aus seinen Option-Tires. Gefühlt überholte er in jeder Kurve einen Kontrahenten. In der vierten Runde überholte er schon Pato O’Ward für Platz 5, bevor er in die Box abbog für neue Prime-Tires. An einer ähnlich aggressiven 3-Stopp-Strategie versuchten sich auch Jack Harvey, Rinus VeeKay, Conor Daly, David Malukas, Felix Rosenqvist und Santino Ferrucci. Komplett falsch war die Strategie für Takuma Sato. Dale Coyne Racing holte ihn in Runde 9 an die Box. Das war viel zu früh für eine 2-Stopp- und viel zu spät für die 3-Stopp-Strategie. Zu diesem Zeitpunkt waren die Wagen auf Prime-Tires schon deutlich schneller als die, die auf Option-Tires gestartet waren. Nach der Boxenausfahrt hatte er fast 15 Sekunden Rückstand auf Alexander Rossi.
Will Power war in dieser Rennphase der schnellste Pilot im Feld. In Runde 10 nahm er seinem Teamkollegen Josef Newgarden an der Spitze über zwei Sekunden ab. In Runde 14 übernahm er dann auch folgerichtig die Führung. Scott Dixon und Alex Palou zogen direkt mit. In Runde 16 tauchte dann auch Alexander Rossi am Heck von Newgarden auf. Er war zu diesem Zeitpunkt vier Sekunden schneller als der Penske-Pilot und entsprechend schnell auch vorbei. Romain Grosjean, Helio Castroneves und Simon Pagenaud absolvierten da schon ihren ersten Stopp. Sie hatten also noch zwei sehr lange Stints vor sich. Josef Newgarden und Pato O’Ward schleppten ihre Option-Tires bis Runde 18. Es führte nun Will Power vor Scott Dixon, Alex Palou, Kyle Kirkwood und Alexander Rossi. Alle mussten noch zweimal an die Box kommen. Josef Newgarden und Pato O’Ward, mit nur noch einem zukünftigen Stopp, fuhren auf den Plätzen 13 und 17.
In Runde 24 holte Andretti Autosport Alexander Rossi an die Box. Er war so im selben Rhythmus wie Will Power, Scott Dixon und Alex Palou, die ihm eine beziehungsweise zwei Runden später folgten. Bei Chip Ganassi Racing entschied man sich für die Option-Tires im zweiten Stint. Will Power blieb auf den Prime-Tires und Alexander Rossi konnte sowieso mit den besseren Reifen das Rennen beenden. Power und Rossi waren die schnellsten Piloten in der Spitzengruppe. Beide waren auch schneller als Josef Newgarden und Pato O’Ward, die nach den ganzen Stopps auf den Plätzen 6 und 7 lagen. Ab Runde 30 fielen auch einige Tropfen vom Himmel. Die Gefahr eines Regenschauers bestand zwar, dieser blieb dann aber doch aus.
Alexander Rossi hatte schon beim Stopp Kyle Kirkwood überholt und auch Alex Palou und Scott Dixon hatten über den Stint auf den weicheren Reifen keine Chance. So war Rossi ab Runde 43 erster Verfolger von Will Power. Zu dieser Zeit absolvierten Alex Palou und in den nächsten Runden auch Scott Dixon, Josef Newgarden, Pato O’Ward und Kyle Kirkwood ihre letzten Boxenstopps. Auf kalten Reifen rutschte Kirkwood in Kurve 3 in die Mauer und verbog dabei die Aufhängung seines Foyt-Dallaras. Er konnte den Wagen aber zur Box schleppen, so dass keine Gelbphase nötig wurde.
In Runde 46 absolvierte auch Alexander Rossi seinen letzten Stopp. Will Power zog seinen zweiten Stint bis Runde 50. Er hatte so 20 Runden auf Option-Tires vor sich. Josef Newgardens erster Stint auf Option-Tires dauerte nur 18 Runden und am Ende davon verlor er vier Sekunden pro Runde auf Alexander Rossi. Mit nur 16 Sekunden Vorsprung auf Alexander Rossi schien die Aufgabe für Will Power fast unlösbar.
In diesem Jahr sitzt da aber ein neuer Will Power im Cockpit der #12. Er fuhr sehr kontrolliert und schonte seine Reifen perfekt. In den ersten elf Runden des Stints verlor er nur vier Sekunden auf Alexander Rossi. Im Überrundungsverkehr wurde es dann aber schwieriger. Mit dem Weniger an Abtrieb in der Dirty-Air strapaziert man die Reifen mehr und er konnte beziehungsweise durfte auch nicht zu aggressiv fahren. Ab Runde 65 steckte Will Power dann hinter Jack Harvey fest, an dem er auch nicht vorbei kommen sollte. Zu seinem Glück kam auch Alexander Rossi nicht perfekt durch den Verkehr. So verlor er zum Beispiel nur hinter Jimmie Johnson in Runde 66 mehr als eine Sekunde. Im Durchschnitt war Rossi nun aber 1,3 Sekunden schneller als Power. Dem Andretti-Piloten gingen dann aber die Runden aus. Im Kurvenkomplex 7 bis 11 fuhr er sich in der letzten Runde schließlich an das Heck von Powers Penske-Dallara. Die letzten beiden Kurven des Rennens ließen aber keinen Angriff mehr zu. So gewann am Ende Will Power ein enorm spannendes Rennen mit einer Sekunde Vorsprung auf Alexander Rossi.
Scott Dixon belegte den dritten Platz auf dem Podium. Josef Newgarden und Pato O’Ward konnten sich im letzten Stint noch an Alex Palou vorbei auf die Plätze 4 und 5 schieben. Palou hatte einen frühen letzten Stopp und musste entsprechend sparsam mit dem Benzin sein. So reichte es nur zu Platz 6. Newgarden und O’Ward hatten das Rennen zum Ende des ersten Stints verloren. Mit mehr Gummiabrieb auf der Strecke war der Verschleiß der Option-Tires deutlich geringer. Auf den Plätzen 7 bis 9 kamen Marcus Ericsson, Colton Herta und Simon Pagenaud ins Ziel. Alle drei waren mit ihrer 2-Stopp-Strategie schneller als Felix Rosenqvist, David Malukas und Conor Daly mit drei Stopps. Das Modell vor dem Rennen hatte also mit der Bevorzugung von zwei Stopps Recht. Takuma Satos Katastrophen-Strategie brachte ihm nur Platz 13 ein.
So ganz ohne Caution ging das Rennen doch nicht über die Bühne. In Kurve 6 versenkte Rinus VeeKay in der letzten Runde seinen Wagen. Offiziell ging das Rennen so unter Gelb zu Ende, auch wenn die Führenden noch unter Rennspeed die Ziellinie überquert hatten. Neben VeeKay und Kyle Kirkwood konnten auch Graham Rahal und Helio Castroneves das Rennen nicht rollend beenden. Rahal beschädigte sich seinen unfahrbaren Wagen schon in Runde 2 nachhaltig an der Mauer von Kurve 3. Castroneves hingegen musste seinen Dallara mit elektronischem Defekt in der Box abstellen.
Das ganze Ergebnis kann man auf der Homepage der IndyCar-Series (pdf) nachlesen.
Mit dem Sieg übernahm Will Power (255 Punkte) auch wieder die Führung in der Meisterschaftswertung von Marcus Ericsson (252 Punkte). Pato O’Ward (243 Punkte) bleibt auf Platz 3, der einzige nicht Penske- oder Ganassi-Pilot in den Top 5. Hinter ihm folgen Alex Palou (241 Punkte), Josef Newgarden (208 Punkte) und Scott Dixon (202 Punkte).
Vorschau Grand Prix at Road America
Ohne Pause zieht der Tross der IndyCar-Series etwa 300 Meilen weiter in Richtung Westen nach Elkhart Lake. Auf der wunderschönen Strecke von Road America steht schon das nächste Rennen an.
Die letzten drei Rennen dort, inklusive Double-Header 2020, gingen an die Fahrer von Chip Ganassi Racing. Felix Rosenqvist, Alex Palou und Scott Dixon gewannen die Austragungen. Für Dixon war es nach 2017 der zweite Triumph. So stark, wie das ganze Team, mit Ausnahmen von Jimmie Johnson, in diesem Jahr unterwegs ist, muss man Alex Palou, Scott Dixon und Marcus Ericsson zu den Top-Favoriten der diesjährigen Ausgabe zählen.
Vor den Ganassi-Piloten konnte sich 2019 Alexander Rossi in die Siegerliste eintragen. Es war sein bislang letzter Sieg in der IndyCar-Series. Aufgrund seiner Leistungen danach konnte man ihn auch nur noch selten zu den Favoriten zählen. Jetzt in Detroit haben wir aber wieder einen anderen Alexander Rossi erlebt. Die Verkündung des bevorstehenden Wechsels zu McLaren SP hat ihm gut getan. Auch vor dem Rennen war er viel gelöster als bei seinen Auftritten in den letzten Jahren. Auch seine beiden Teamkollegen Colton Herta und Romain Grosjean muss man zu den Favoriten zählen. Im Vorjahr belegten sie die Plätze 2 und 5.
Will Power fährt eine bemerkenswerte Saison bisher. Nach Platz 15 beim Indy-500 ist Platz 4 seine schlechteste Platzierung. Dabei spielt auch seine Startposition keine große Rolle. Der alte Will Power holte eine Pole-Position nach der anderen, nur um dann die Rennen per Pech und/oder Unvermögen zu verlieren. Der aktuelle Will Power erinnert da viel mehr an Scott Dixon: Egal was am Wochenende passiert, am Ende steht eine Top-5-Platzierung zu Buche. Josef Newgarden war im Vorjahr auf dem Weg zum Sieg, als ihm beim Restart der Motor in den Notfall-Modus sprang. Mit ihm muss man in diesem Jahr aber auch wieder rechnen.
Am nächsten Wochenende geben auch Paretta Autosport ihr Saisondebüt. Mit technischer Unterstützung von Ed Carpenter Racing wird ein Wagen mit Simona deSilvestro an den Start gehen. Weitere Einsätze sind in Mid-Ohio und Nashville geplant. Das Feld wächst somit auf 27 Wagen an.
Strecke
Die 4,048 Meilen (6,515 km) lange Strecke mit ihren 14 Kurven ist bei den Fahrern sehr beliebt. Es gibt sowohl technisch anspruchsvolle Kurven (Kurve 3, 5, 8) als auch sehr schnelle Passagen (von Kurven 9 bis 12, Kurve 13). Mit den Kurven 1, 5 und 12 gibt es auch drei ganz ordentliche Überholstellen. Kurve 3, ein 90-Grad-Rechtsknick, ist im Rennen besonders wichtig, da sie auf die zweitlängste Vollgaspassage der Strecke führt. An deren Ende befindet sich mit Kurve 5 eine enge Linkskurve, vor der Fahrer aus dem Windschatten heraus überholen können. Kurve 6 muss man über eine kleine Kuppe blind anbremsen. In Kurve 7 kann man innen über den Abweiser abkürzen, muss aber am Ausgang genau die Linie treffen. Direkt neben dem Randstein verliert man im Dreck die Haftung. Kurve 8, eine langsame 90-Grad-Linkskurve, führt ins Karussell. Für eine gute Rundenzeit muss man möglichst viel Schwung durch die lange Doppelrechts mitnehmen. Im schnellen Rechtsknick (Kurve 11) hatte Katherine Legge 2006 einen schweren Unfall. Die folgende Vollgaspassage mündet in einer langsamen 90-Grad-Rechtskurve. Nach einer schnellen Linkskurve bringt Kurve 14 die Fahrer schon wieder auf die Start- und Zielgerade. Aufgrund der langen Geraden muss man die Kurve perfekt fahren, was aber durch Bodenwellen in der Anbremszone erschwert wird.
Zeitplan (eastern time, MEZ)
Freitag, 10. Juni
4:30 – 5:30 p.m. (22:30- 23:30) – NTT IndyCar Series practice #1
Samstag, 11. Juni
10:45 – 11:45 a.m. (16:45- 17:45) – NTT IndyCar Series practice #2
1:45 – 3:00 p.m. (19:45 – 21:00) – Qualifying for the NTT P1 Award
5:20 – 5:50 p.m. (23:20 – 23:50) – NTT IndyCar Series practice #3
Sonntag, 12. Juni
12:00 p.m. (18:00) – Übertragungsbeginn NBC
12:35 p.m. (18:35) – REV Group Grand Prix Race; NBC, Sky (Live)













