2022 startet die FIA WTCR in ihre nun fünfte Saison des Bestehens. Die Qualität des Feldes liest sich sehr gut, doch wie steht es um die Quantität der Rennserie?
2018 begann die Rennserie als Nachfolger der in die Jahre gekommenen WTCC mit schier furiosem Interesse und einer regelrechten Aufbruchsstimmung. Nachdem die WTCC zwar ein WM-Prädikat hatte, diesen aber in den Schlussjahren nicht wirklich verdient hatte, bildete die FIA einen Zusammenschluss der WTCC und der damaligen TCR International, um wieder eine starke weltweite Tourenwagenserie zu veranstalten, zwar nur als „World Cup“ mangels Werksteams, aber immerhin. So starteten 2018 ca. 30 Fahrzeuge mit einem unglaublich kompetitiven Starterfeld, wie es das seit Beginn der WTCC Ära nicht mehr gab. Doch nach nur einem Jahr bekam man die steigenden Kosten für TCR Modelle und insbesondere die hohen Logistik- und Ersatzteilkosten in der WTCR zu spüren und es wurden vor allem ab Beginn der Pandemie 2020 deutlich weniger permanente Starter. Einige Teams entscheiden sich für vergleichbare Kosten dann doch lieber für einen GT4 oder LMP3 Einsatz mit vergleichbaren Kosten in anderen Serien.
Dieses Jahr werden es gar weniger sein als die 20 Autos, die jede Rennserie als magische Marke versucht zu erreichen.
Dieses Jahr haben sich 17 Fahrzeuge in die Serie eingeschrieben, verteilt auf fünf verschiedene Marken mit Lynk & Co, Hyundai, Honda, Audi und Cupra. Marken wie Peugeot, Opel oder Alfa Romeo mit eher kleineren Stückzahlen konzentrieren sich entweder auf die nationalen TCR Serien oder setzen im Fall von Alfa alles auf die seit letztem Jahr neue Elektrische TCR Serie, die erneut öfters im Rahmenprogramm der WTCR unterwegs sein wird.
Auch die Einführung einer WTCR Trophy für Privatfahrer im Jahr 2020 hat nicht den gewünschten Erfolg gebracht, vermehrt Fahrer und Teams aus der TCR Europe mit höheren Starterzahlen in die Serie zu locken. Ein weiteres Problem der Serie ist zu erkennen, indem man tendenziell mit einem möglichst aktuellen Modell fahren muss, um auf Dauer wirklich konkurrenzfähig zu sein und um den Titel fahren zu können. Ist das Modell mal älter als zwei Jahre, wird es erfahrungsgemäß schwer, Schritt zu halten, trotz einer BOP Steuerung.
Teams und Fahrer
Lynk & Co.
Man staunte nicht schlecht, als 2019 die eher unbekannte Marke aus dem chinesischen Geely Konzern in der WTCR nicht zu knapp aufschlug. Als man die Fahrernamen sah und vor allem die Farbgebung der Fahrzeuge sah, musste man nur eins und eins zusammenzählen, was genau hinter dem Einsatz steckt. Die schwedische Marke Volvo ist ebenfalls eine Marke des Konzerns, die 2017 mit Thed Björk den letzten WTCC Fahrertitel unter dem alten Reglement holen konnte. Volvo entschied sich gegen einen Einstieg in den TCR Bereich, um mit Lynk & Co. und dem schwedischen Einsatzteam Cyan Racing einen quasi Werkseinsatz zu forcieren, was der Grundidee des TCR Sports nicht wirklich entsprach. Auch anhand der Fahrerpaarung Yvan Muller und Thed Björk, die beide für Volvo in der WTCC am Start waren, konnte man die konzerninternen Verflechtungen sehen.
Mittlerweile wurden auch die ersten Lynk & Co. an Kunden in nationalen TCR Serien ausgeliefert, bislang mit kleineren Stückzahlen nach China, Skandinavien und Südamerika.
Auch in diesem Jahr wurde der Einsatz unter zwei Teams aufgeteilt aus Gründen des Reglements, weil ein Team maximal drei Autos einsetzen darf. Nach bislang vier stemmt man dieses Jahr ganze fünf Fahrzeuge und ist damit zahlenmäßig der stärkste Hersteller in diesem Jahr. Dieses Jahr setzt man mit dem „Lynk & Co. 03+“ ein neues Modell ein. In den letzten Jahren war immer klar zu sehen, dass man in den Meisterschaften von Beginn an ein klares Kalkül hatte und schon vom Start der Saison weg einen Plan aufstellte, wer um den Titel fahren sollte. In den letzten beiden Jahren ist das Yann Ehrlacher zwei Mal erfolgreich gelungen mit dem Gewinn des Fahrertitels. Nach einem recht knappen Titel 2020 holte man sich 2021 mit viel Konstanz den Titel verhältnismäßig souverän.
Cyan Racing Lynk & Co.
Das Top Duo bilden auch dieses Jahr das Onkel-Neffen-Gespann Yann Ehrlacher und Yvan Muller. Muller geht als 4-facher WTCC Champion mit nun 53 Jahren in eine weitere Saison und bildet damit den Alterspräsidenten der Serie, nachdem Gabriele Tarquini letztes Jahr mit fast 60 aufgehört hat. Falls Ehrlacher mehr Pech als die letzten Jahre hat, wäre Muller durchaus noch ein Titel zuzutrauen, sofern ihn der Hersteller mit der sehr klug forcierten Taktik dies auch lässt.
Cyan Racing Performance Lynk & Co.
Das Schwesterteam stellt dieses Jahr sogar drei Fahrzeuge. Den Kollegen dieses Teams wurde in den letzten Jahren immer wieder die Rolle der Wasserträger zu teil.
Unverändert treten dort Thed Björk aus Schweden und Santiago Urrutia aus Uruguay an. Björk wurde 2017 der letzte WTCC Champion mit Volvo, konnte aber diese starke Saison unter den TCR Zeiten nie ganz wiederholen.
Urrutia hat einen sehr interessanten Weg in seiner Karriere hinter sich. Bekannter wurde er in Europa mit starken Auftritten in der Euroformula Open Serie, quasi der südeuropäischen Formel 3, bevor es ihn in Richtung USA in den dortigen Formelsport verschlug. 2019 stand er kurz vor einem Indycar Einsatz nach einer starken Saison 2018 in der Indy Light. Daraus wurde jedoch aus Sponsorengründen nichts und er wechselte 2019 in den europäischen Tourenwagensport, wo er 2019 prompt Rookie des Jahres wurde. Dadurch wurde Lynk auf ihn aufmerksam und er konnte 2020 in der WTCR sofort überzeugen.
Der Chinese Ma Qing Hua ist ein „alter Bekannter“ aus verschiedenen Rennserien, vor allem aber aus der WTCC, als er für Citroen fuhr und es aus der Formel E, in der er für das chinesische Team Nio gefahren ist. Nachdem er unter anderem einen WTCC Lauf in Moskau 2013 für das Werksteam von Citroen gewinnen konnte, wurde er 2020 Meister der TCR China. Für die großen internationalen Erfolge hat es bislang nicht gereicht, aber es ist für Lynk & Co. sicher reizvoll, einen chinesischen Fahrer im Team zu haben.
Hyundai
Der koreanische Hersteller musste durch den Weggang vom Liqui Moly Team Engstler einen Aderlass hinnehmen von vier auf nur noch zwei Hyundai Elantra. Das Einsatzteam ist nach wie vor das europäische Einsatzteam Squadra Corse aus Italien. Man legt bei Hyundai viel Wert auf die Elektrifizierung und startet mit vier Wagen dafür in der ETCR. Dort hat es unter anderem Jean-Karl Verney hin verschlagen, der letztes Jahr der beste Fahrer für den Hersteller gewesen ist als Gesamtdritter der Meisterschaft. Fahrer in diesem sind der Ungar Norbert Michelisz und Neuzugang Mikel Azcona aus Spanien. Azcona gehört zweifelsohne zu den Entdeckungen der letzten Jahre und fuhr letztes Jahr starke Rennen im Cupra für die Zengo Mannschaft und gewann die TCR Europe. Zudem fuhr er in der ETCR ebenfalls für Cupra. Kaum jemand dürfte in verschiedenen TCR Modellen so viel gefahren sein wie er in den letzten Jahren. Er ist der Ersatz für niemand geringeren als Gabriele Tarquini, der mit nun fast 60 seinen Rennfahrerhelm (zunächst?) an den Nagel gehängt hat.
Nach dem Titel von Michelisz 2019 fiel Hyundai oft eher durch Meckereien über die BOP und Einstufungen auf, unter anderem als man 2020 am Nürburgring aus Protest die Autos in der Box lies und die Rennen nicht fuhr. Mit zwei Autos könnte es jedoch schwierig werden an die Titel von 2018 und 2019 anzuknüpfen.
Honda
Honda ist bislang noch blank, was Fahrertitel in der WTCR anging. Das möchte man dringend ändern. Auch in diesem Jahr wird es vier top besetzte Civic Type R geben, zwar mit einem neuen Team, aber unverändertem Fahreraufgebot
Engstler Honda Type R Liqui Moly Racing Team
Engstler wechselte über den Winter für viele recht überraschend von Hyundai zu Honda. Fahrer hier sind Attila Tassi und Tiago Monteiro.
Der Ungar Tassi wurde bekannt durch den Titel in der TCR International 2017 und fährt nun seit Beginn der WTCR 2018 für Honda. Monteiro hatte lange mit gesundheitlichen Spätfolgen nach seinem schweren Testunfall 2017 in Barcelona zu kämpfen, der seine Sehfähigkeit beeinflusst hat. Man hat das Gefühl, dass er seitdem nicht mehr ganz der Alte ist und um den Anschluss an seine Teamkollegen kämpft. Es wäre nicht überraschend, wenn Engstler dem folgenden Team um den Titel helfen muss.
ALL-INKL.COM Münnich Motorsport
Die Mannschaft von Rallyecross WM Privatier René Münnich setzt schon seit WTCC Zeiten Tourenwagen als Privatteam in der Serie ein. Auch dieses Jahr geht man unverändert mit den beiden in Barcelona lebenden Argentinien Nestor Girolami und Esteben Guerrieri an den Start. Guerrieri gilt seit Jahren als die Speerspitze bei Honda, für die endlich mal ein Titel rausspringen soll, der ihm vor allem 2019 knapp durch die Finger glitt. Er wie auch Girolami haben die klassische argentinische Tourenwagenausbildung genossen und sind seit WTCR Beginn feste Größen im Starterfeld. Der Bruder von Girolami konnte bereits den Auftakt der TCR Europe in Portimao in einem Audi RS3 gewinnen.
Problem für Honda könnte unter anderem der mittlerweile arg betagte Civic Type R sein, der in der aktuellen Form schon seit 2017 eingesetzt wird. Ob das gegen die neueren Produkte mithalten kann? Man wird abwarten müssen, was die BOP hier regelt!
Audi
Rund um Audi gab es vor allem in den vergangenen Wochen durch den geplanten Formel 1 Einstieg viele Gerüchte rund um einige Rennprogramme, die auch den Customer Sport betreffen. Auch hier wird man wie im GT3 Bereich mal abwarten müssen, wie sich die Tourenwagensparte von Audi entwickelt. Fest steht nur, dass man auch dieses Jahr mit vier aktuellen RS3 LMS TCR an den Start geht. Das Modell erlebt sein zweites Jahr.
Aus meiner Sicht ist etwas untergegangen, dass Frederik Vervisch letztes Jahr den Vizetitel holen konnte, jedoch war er klar der einzige Audi für derartige Ambitionen. Wie auch Hyundai hat man sein stärkstes Pferd im Stall verloren, da er sich dieses Jahr auf den GT3 Bereich konzentriert und dort unter anderem mit Valentino Rossi die GT World Challenge fährt.
Auch dieses Jahr werden alle Audi von Comtoyou Racing aus Belgien eingesetzt. Die Mannschaft von Jean-Michel Baert, der verwandtschaftlich auch mit WRT verbandelt ist, war vor dem WTCR Einstieg im Fun Cup und in der TCR International unterwegs.
Comtoyou Team Audi Sport
Unverändert dabei ist Gilles Magnus, der 2020 ziemlich überraschend Gesamtfünfter und somit Rookie Champion wurde. Er genoss eine große Ausbildung im Formelsport, LMP3 und GT3 Bereich und besitzt sowohl im Sprint- als auch im Endurance Sektor mit seinen 22 Jahren recht viel Erfahrung.
Ihm an die Seite wird mit Mehdi Bennani ein Rückkehrer gestellt. Der Marokkaner fuhr schon 2009 bis 2017 durchgehend in der WTCC für BMW, Honda und schließlich im privaten Loeb Racing Team einen Citroen. Zudem fuhr er fürs gleiche Team in den ersten beiden WTCR Jahren einen Volkswagen Polo. Mit seinen fast 40 Jahren besitzt er also viel Markenerfahrung. In den letzten beiden Jahren fuhr er hauptsächlich in der TCR Europe und wurde dort 2020 Meister in einem Audi für das jetzige Team Comtoyou Racing. 2021 kehrte er dort zu Loeb Racing zurück und fuhr einen Hyundai. Nun also die Rückkehr zum Team, in dem er seinen bislang einzigen internationalen Meistertitel einfahren konnte.
Comtoyou DHL Team Audi Sport
Tom Coronel konnte hier mit DHL in den letzten Jahren bereits einen der Seriensponsoren an Land ziehen. Auch dieses Jahr bildet der „positiv verrückte Holländer“ das Duo neben Nathanael Berthon.
Coronel bildet mit fast 50 nun den zweitältesten Starter der Serie nach Yvan Muller. Ganz die alten Leistungen aus WTCC Zeiten kann er jedoch nicht mehr abrufen. Für einzelne Highlights dürfte er allerdings immer noch gut genug sein. Er startet in diesem Jahr neben Gilles Magnus in der Trophy Wertung, in der jedoch nur er und Gilles Magnus als permanente Starter unterwegs sind. Würde mich nicht wundern, wenn diese eher unnötige Kategorie sogar noch ein eigenes Podium nach dem jedem Rennen bekommen würde. Im Winter war er wieder mit seinem Bruder Tim bei der Dakar unterwegs. Wenn einer der Social Media Zahlen nach oben pusht, dann auf jeden Fall er!
Nathanael Berthon hat sich lange Zeit auf „Downforce“ Autos spezialisiert und machte sich nach einigen Jahren in der GP2 im LMP1 und LMP2 Bereich einen Namen. Nach dem Abgang von Rebellion in der WEC und dem Wegfall der LMP1 Klasse ist er jedoch in der Hauptjahreszeit nur noch in de WTCR unterwegs. Im Winter vergnügt er sich seit einigen Jahren wie praktisch alles französischen Rennfahrer in der E-Trophy Andros (Grüße an den Blog Kollegen André Wiegold! :D).
Cupra
Die Edelmarke von Seat geht mit dem aktuellen Fahrzeug nun auch schon in die dritte Saison. Den Einsatz wird wie schon die letzten beiden Jahre das Team vom ungarischen Taxiunternehmer Zoltan Zengo übernehmen mit zwei Fahrzeugen. Das Team hält sich als Privatteam schon erstaunlich lange in der Szene und konnte zu WTCC Zeiten zwei Mal mit Michelisz den Privatfahrer WM Titel gewinnen. Zudem gilt Zengo auch als Talentschmiede für ungarische Renntalente. Leute wie Attila Tassi, Norbert Michelisz wären wohl nur recht schwer in den professionellen Motorsport gekommen ohne die Unterstützung vom ungarischen Taximogul. Eigentlich wäre es ein Team was wie geschaffen wäre für eine gut besetzte Trophy Wertung. In Sachen Gesamtwertung dürfte es als Privatteam mit zwei Autos schwierig werden. Ähnlich wie Hyundai setzt man bei Cupra viele Stücke auf die ETCR, in der man ganze vier Cupras einsetzt mit keinen geringeren als Matthias Ekström, Jordi Gene, Adrien Tambay und Tom Blomqvist. Aber kümmern wir uns um die WTCR:
Nachdem man mit Mikel Azcona den besten Cupra Piloten abgeben musste, wird dieses Jahr Rob Huff die Speerspitze bilden. Huff müsste man neben Yvan Muller als „Mr. Tourenwagen“ bezeichnen. Seit 2003 ist er schon im professionellen Tourenwagensport unterwegs, angefangen in der BTCC, um dann 2005 WTCC Pilot der ersten Stunde zu werden in der Chevrolet Mannschaft von Ray Mallock. Eigentlich hätte sein Können mehr verdient als nur einen WTCC Titel 2012 zu gewinnen. Auch er war in den ersten beiden WTCR Jahren in einem Volkswagen Polo im Team mit Mehdi Bennani unterwegs, bevor er nach dem Abgang von VW ein Jahr im nationalen TCR Bereich verbrachte. 2020 wurde er Meister in der TCR Skandinavien und fuhr im selben Jahr in der TCR China für MG Racing. Vor allem seine Liebe zum Macau GP wurde im selben Jahr deutlich, als er 2020 als einziger Europäer in Macau an den Start ging und mal eben zwei Wochen Quarantäne in der chinesischen Spielermetropole hinnahm. 2021 kehrte er mit Cupra in die WTCR zurück, jedoch war das Jahr ein einziges Desaster für ihn mit ständigen Ausfällen. Das letzte Saisonrennen in Sotschi konnte man jedoch sehr überraschend gewinnen.
Mit Daniel Nagy geht fast schon traditionell ein Ungar im Zengo Team an den Start. Für ihn ist es die zweite Saison, nachdem er 2018 bereits eine Saison in der Serie fuhr. Außer ein paar Podestplätze in der TCR Europe sprang in der Zwischenzeit nicht allzu viel für ihn raus. Für jemanden wie ihn wäre ebenfalls die Junior- oder die Privatfahrer Trophy das Richtige, für die Zengo jedoch nicht teilnahmeberechtigt ist. Somit wäre es keine Überraschung, wenn Cupra sich am schwersten tun sollte von allen fünf Herstellern.
Update: Im Vorfeld gab es unterschiedliche Meldungen über die Werksbeteiligung von Cupra. Da es sich hier um einen reinen Privateinsatz handelt, gehen die Cupra Piloten in der Trophy Wertung an den Start!
Alles in allem ein qualitativ hochwertiges Feld, in denen fast alle Fahrer schon WTCR oder WTCC Laufsiege verzeichnen können, aber ein großes Tourenwagenfeld sieht eben anders aus!
Gaststarter
Das gesamte Jahr wird es hin und wieder auch Gaststarter geben. Ob es hier eine ähnliche Story wie bei José Maria Lopez 2012 geben wird, der damals als Gaststarter sich für höhere Aufgaben empfehlen konnte, wird man abwarten müssen. Am kommenden Wochenende in Pau wird mit Eric Cayrolle ein fast 60-Jähriger in einem Comtoyou Audi an den Start gehen nach über 10 Jahren Rennpause. Er besitzt viel Erfahrungen im Formel-, Tourenwagen und GT Sport seit den 80er Jahren. Auch einer der vielen, die vom Motorsport Bazillus nicht loszukommen scheinen.
Format
Man könnte ein ganzes Buch füllen über die vielen Formatanpassungen, die die WTCR seit 2018 erlebt hat. Einst fing man mit drei Rennen pro Wochenende an, die teils zu kuriosen Zeitplänen geführt haben und zwei unterschiedlichen Quali Sitzungen. Klugerweise ging man 2020 runter auf zwei Rennen wie früher in der WTCC, um auch möglichst beide Läufe komplett im TV bei Eurosport zeigen zu können.
Die Qualifikation besteht weiterhin aus drei verschiedenen Segmenten, wo jedoch nun die fünf Schnellsten die Bonuspunkte bekommen, unabhängig davon, in welchem Segment sie ihre top Zeiten fuhren. Man möchte dadurch taktische Spielchen verhindern, in dem einige gezielt den zehnten Platz in Q2 erreichen wollten. Die Skala geht in der Reihenfolge 10-8-6-4-2 für die Top 5 Zeiten.
Die prägnantesten Neuerungen erleben die Rennen. Nun wird das erste Rennen eines jeden Renntags zum Hauptrennen gemacht, was sich auf die Startaufstellung des Top 5 Shootout in Q3 bezieht und den Plätzen 6 bis 12, sowie dem Rest aus Q2 und Q3. Neu ist, dass die Distanzen beider Rennen nun auf Zeit und nicht mehr auf Runden bemessen sind. Das 1. Rennen dauert nun immer 30 Minuten + 1 Rennrunde. Ausnahme auf Stadtkursen: Hier wird das Rennen auf 35 min+1 Runde verlängert, wenn das Safety Car zum Einsatz kommt.
Punkte werden nach dem Schlüssel 30-23-19-16-14-12-10-8-7-6-5-4-3-2-1 verteilt
Das 2. Rennen, was nun 25 min.+1 Runde geht oder bei Stadtkursen mit Safety Car 30 min.+1 Runde, bezieht sich auf die umgekehrte Reihenfolge der Top 10 nach der Quali, ab Platz 11 bleiben alle Plätze so wie in der Qualifikation gehabt. Punkte werden hier nach dem Schlüssel 25-20-16-13-11-10-9-8-7-6-5-4-3-2-1 verteilt.
Das Kompensationsgewicht wird von 60 auf maximal 40 Kilo verteilt. Das Gewicht wird im Laufe der ersten Wochenenden auf Grundlage der besten Qualifikationszeiten berechnet. Es zählt somit nicht mehr der Durchschnitt der besten Zeiten wie bisher.
Saisonkalender
Die WTCR ist bekannt dafür, dass man nicht nur auf den klassischen „Tilkodromen“ fährt, sondern auch mal Überraschungen im Kalender hat. Nachdem der Auftakt im tschechischen Most eher außerhalb der medialen Betrachtung abgesagt wurde, erfolgt nun der Auftakt in Pau. Letztes fuhr man als Ersatzstrecke für eines der ausgefallenen Asien Rennen in Pau-Arnos auf einem sehr betagten Rennkurs außerhalb der Stadt. Dieses Jahr kehrt erstmals nach 2018 wieder eine FIA Rennserie auf den berühmten Stadtkurs in Pau zurück, auf der seit den 30ern Rennen stattfinden. Traditionell ist das ganze Teil des „Grand Prix des Pau“, bei dem jede Menge nationale Rennserien am Start sind. Zwischen 2007 und 2009 fanden hier bereits spektakuläre WTCC Rennen statt. Eine Szene rund um Franz Engstler dürfte bis heute vielen bekannt sein:
https://www.youtube.com/watch?v=uVHsCJKNri4
Die Saison soll zehn Wochenenden umfassen mit sieben in Europa und drei in Asien. Das Highlight ist ganz klar auch dieses Jahr der Auftritt im Rahmen des 24 Stunden Rennens auf der Nordschleife:
07.-08.05: Pau (Frankreich)
26.-28.05: Nürburgring (Deutschland)
11.-12.06: Budapest (Ungarn)
25.-26.06: Aragon (Spanien)
02.-03.07: Vila Real (Portugal)
23.-24.07: Vallelunga (Italien)
06.-07.08: Anneau du Rhin (Frankreich)
08.-09.10: Inje (Südkorea)
05.-06.11: Ningbo (China)
18.-20.11: Macau
Ob der Kalender so durchgezogen wird, gilt abzuwarten. Nicht erst seit Corona ist es alte Tradition der WTCC und WTCR, dass es aufgrund der teils sehr unbekannten und kleineren Rennstrecken zu Problemen bzgl. Organisation kommt.
TV und Streaming
Hier gilt vorab zu sagen, dass man die WTCR auch dieses Jahr nicht komplett kostenfrei sehen wird. Die Trainings werden nach wie vor auf dem YouTube Kanal und Facebook Seite der Rennserie gestreamt, Qualifikationen und Rennen laufen jedoch ausschließlich auf den Eurosport Plattformen, oft nur im Eurosport Player oder auf Eurosport 2. Die Rennen werden wohl auch in diesem Jahr hauptsächlich live nur auf Eurosport 2 laufen, manche wie am Nürburgring sogar nur zeitversetzt. Zeigt leider, dass der Stellenwert der Rennserie trotz der Promotion von Discovery Sports nicht mehr der höchste im Sendeplan zu sein scheint. Eurosport Kommentator Uwe Winter veröffentlicht die Sendepläne oft schon einige Wochen vorher auf seiner Website, die sich jedoch immer auch kurzfristig ändern können:
https://www.win-pr.de/aktuelles.html
Die Zeiten fürs aktuelle Wochenende sind wie folgt:
Samstag:
09:50-10:35 – 1. Freies Training
14:50-15:20 – 2. Freies Training
17:30-18:45 – Qualifikation (Aufzeichnung bei Eurosport 1 20:05-21:00)
Sonntag:
13:00-14:00 – 1. Rennen (Eurosport 2)
17:00-18:00 – 2. Rennen (Eurosport 2)
Bildquellen:
WTCR Twitter: https://twitter.com/FIA_WTCR
WTCR Facebook: https://www.facebook.com/WorldTouringCarCup/
