Home Formel EinsF1Formel Eins: Analyse GP von Australien – Ferrari mit Glück und Pech

Formel Eins: Analyse GP von Australien – Ferrari mit Glück und Pech

von DonDahlmann
1 Kommentare 7 minutes read

Vorne blieb es im Rennen ruhig, dafür lieferte das Mittelfeld ein spannendes Rennen. Mercedes überraschte mit einem guten Ergebnis.

Am Ende stand erneut Charles Leclerc auf der höchsten Stufe des Podiums. Das war am Ende auch keine große Überraschung, denn der Ferrari von Leclerc war am Wochenende in Australien deutlich überlegen. Pole mit fast drei Zehnteln Vorsprung auf Max Verstappen, schnellste Runde und Rennsieg. Besser konnte es für ihn nicht laufen. Ferrari zeigte, dass man, zumindest im Moment, das schnellste Auto hat und Red Bull einen winzigen Bruchteil überlegen ist. Aber während es bei Leclerc perfekt lief, hatte Carlos Sainz ein Wochenende zum Vergessen.

Der Spanier hatte am gesamten Wochenende nicht die Pace seines Teamkollegen und im entscheidenden Moment in der Quali auch noch Pech. Ferrari hatte ihn einen Moment zu spät auf die Strecke geschickt und Sainz damit unter Druck gesetzt. Ein kleiner Fehler auf der letzten Runde bedeutete dann nur P9 für ihn. Für das Rennen entschied man Sainz auf die Hards zu setzen, damit er einen langen ersten Stint fahren konnte. Doch das ging schief. Erst versemmelte der Spanier den Start und fiel einige Plätze zurück. Im hinteren Teil des Mittelfelds gefangen, versuchte Sainz in der zweiten Runde in der schnellen Schikane außen an einem Konkurrenten vorbeizukommen. Das endete dann mit einem Ausflug ins Kiesbett, aus dem er sich nicht mehr befreien konnte.

Das war bitter für Sainz, aber auch ärgerlich für Ferrari. Selbst nach dem schlechten Start hätte Sainz durchaus das Auto, um noch in die Punkte zu kommen. P5 wäre sicher drin gewesen und damit zehn Punkte für ihn und Ferrari. Damit hätten die Italiener ihren Vorsprung in der WM noch weiter ausbauen können.

Denn auch bei Red Bull lief nicht alles rund, allerdings war es hier mal wieder die Technik. Verstappen war der Einzige, der einigermaßen mit Leclerc mithalten konnte, auch wenn dieser im Verlauf des ersten Stints sich einen guten Vorsprung herausfahren konnte. Aber dem Niederländer ging zur Mitte des Rennens der Motor ein, und damit kassierte er den zweiten Ausfall im dritten Rennen.

Das ist keine gute Quote für Red Bull und wirft vor allem Verstappen in der WM weit zurück. Denn dem Weltmeister fehlen jetzt schon 46 Punkte auf Leclerc und in der Konstrukteurs-Wertung liegt man 49 Punkte hinter Ferrari. Das ist natürlich keine Vorentscheidung, denn es kommen ja noch 19 oder 20 Rennen. Aber ein guter Start sieht anders aus und wenn Ferrari die Form über die Saison bewahren kann, muss Red Bull schon ein wenig zulegen. Aber ein Doppelausfall von Ferrari kann die Situation in der Konstrukteurs-WM zu Gunsten Red Bulls entspannen.

Erstaunlicherweise liegt Red Bull in der WM sogar zehn Punkte hinter Mercedes, die ein glückliches Wochenende hatten. Vom Speed her ist man aber weiter ein gutes Stück von der Spitze entfernt. In der Quali in Australien war es eine Sekunde, die den Deutschen fehlten, was schon eine mittelgroße Welt ist. Im Rennen sah es jedoch etwas besser aus. Aufgrund der Safety-Car-Phasen ist das Bild zwar ein wenig verzerrt, aber die knapp 30 Sekunden, die am Schluss fehlten, sehen schon etwas besser aus. Die Plätze 3 und 4 sind daher schon ein gutes Ergebnis, auch wenn das natürlich nur zustande kam, weil Verstappen und Sainz ein miserables Rennen hatten. Aber Mercedes hatte keine Upgrades nach Australien mitgebracht, also hat man das Auto nur über das Setup verbessert. Das Potenzial im Auto ist zumindest theoretisch noch da. Ob man das auch findet, ist dann wieder etwas anderes.

Hinter den beiden Mercedes landeten die McLaren, die wie erwartet ein besseres Rennen hatten. Am Ende fehlte allerdings fast eine Minute auf den Sieger, was nicht der Schritt nach vorne ist, den man sich erhofft hatte. Und Alpine ist auch nicht weit weg, doch Fernando Alonso nahm sich in der Quali die Möglichkeit auf ein gutes Rennen als er sein Auto wegwarf. P4 wäre laut der Sektoren drin gewesen, was sein Rennen komplett verändert hätte. So startete er am Ende der Top Ten und eine verkorkste Strategie warf ihn dann weit zurück. Aber die Pace bei Alpine war zumindest bei Alonso und in diesem Rennen da, was auch der siebte Platz von Esteban Ocon beweist.

Hinter den Top 5 in der WM entwickelte sich allerdings der vielleicht spannendste Teil des Rennens. Alfa Romeo, Haas, Alpha Tauri, Aston Martin und auch Williams waren im Rennen nahezu gleichwertig. Dabei hatte vor allem Aston im Grunde ein extrem schlechtes Wochenende. Wiedereinsteiger Sebastian Vettel versenkte sein Auto sowohl im Freien Training als auch im Rennen und schien mit dem Chassis überhaupt nicht klarzukommen. Etwas besser lief es für Lance Stroll, der mittels eines langen ersten Stints und einem glücklichen Stopp während des Safety Cars sogar in die Punkte vorstoßen konnte. Doch dann saß er auf älteren Reifen fest und eine 5-Sekunden-Strafe bugsierte ihn aus den Top Ten.

Aber sein Kampf gegen die Alfa, Haas und Alpha Tauri war aus Sicht der Motorleistung schon interessant. Aston hat vermutlich eines der schlechtesten Chassis im Feld, aber dennoch konnte man im Mittelfeld mithalten. Auf der Geraden fiel es Pierre Gasly selbst mit DRS schwer, an dem Aston vorbeizukommen. Das zeugt davon, dass der Mercedes-Motor vielleicht doch nicht ganz so schlecht ist, wie man zunächst dachte. Ob der allerdings die Leistungsfähigkeit des Ferraris hat, ist dann wieder eine andere Frage. So oder so – Aston steht schlecht da und verbessern kann man sich nur mit einem radikalen Umbau des Autos.

Alfa Romeo war an diesem Wochenende, ebenso wie die Haas, nicht ganz so schnell wie erwartet. Bei Haas schob man die mangelnde Performance auf das Setup, aber offenbar lag beiden Teams die Strecke nicht sonderlich. Australien ist auch nach dem Umbau immer noch sehr speziell und kann die Sicht auf das Leistungsgefüge im Feld verzerren. Die Wahrheit wird dann in Imola sichtbar sein. Immerhin rutschten Valtteri Bottas und Gasly dann noch in die Punkte.

Den letzten Punkte sicherte sich Alex Albon im Williams. Das war, gelinde gesagt, eine Überraschung, denn die Performance des Williams ist immer noch nicht der Rede wert. Albon fehlten satte 2,5 Sekunden in der Quali, auch wenn er nur knapp an Q2 scheiterte. Hätte aber auch nichts gebracht, da dem Williams nach der Quali der nötige Sprit im Tank fehlte und er disqualifiziert wurde. Aber im Rennen lief es dann deutlich besser.

Williams startete Albon auf den harten Reifen und blieb bei der Entscheidung, wann er zum Stopp kommen würde, sehr flexibel. Da seine Rundenzeiten sehr gut und vor allem besser als die der Konkurrenz waren, ließ man ihn 57 der 58 Runden einfach draußen. Mit dieser Strategie rutschte Albon dann auf P7 und dort konnte er sich auch am Ende des Rennens halten. Ein bisschen begünstigt wurde sein Rennen durch den Umstand, dass Stroll hinter ihm einen ganzen Zug an Autos runden lang aufhielt. Aber auch ohne diesen Umstand blieben seine Rundenzeiten bis zu Schluss wirklich sehr gut. Das zeigte, dass Potenzial im Williams steckt und man nun schauen muss, wie man das freilegen kann. Die sehr außergewöhnliche Strategie mit dem Stopp in der letzten Runde und die guten Rundenzeiten wurden dann am Ende belohnt. Williams holte sich so den letzten Punkt des Tages. Damit ist Aston das letzte Team ohne einzigen Zähler.

Das nächste Rennen ist dann der Grand Prix Made in Italy und Emilia Romagna – oder halt einfach: in Imola. Und der GP könnte genau so interessant werden wie der Name des Rennens. Denn zum einen dürften die ersten größeren Updates eintrudeln, die das Machtgefüge verändern könnten. Zum anderen gibt Imola ein wenig den Ton für die EU-Tournee der F1 an. Wer auf der eher mittelschnellen Strecke vorne dabei ist, der dürfte dies auch auf den anderen Strecken sein. In 14 Tagen wissen wir mehr.

Bilder: Daimler AG, Ferrari, McLaren, HaasF1, Alfa Romeo, Aston Martin, Alpine.

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1 Kommentare

Erik 11 April, 2022 - 22:17

Anhand Strolls Sekundenstrafe ist mal wieder schön die Dämlichkeit dieser Strafmaßnahme aufgezeigt worden.
Trotz bereits erfolgter Bestrafung für das Spurwechseln gegen Bottas konnte er weiter munter den Rennverlauf beeinflussen.
Sekundenstrafen gehören gestrichen, einfach unsäglich. Schickt ihn einmal durch die Box und es geht viel fairer zu im weiteren Rennverlauf.

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