Ferrari hatte schon im letzten Jahr davon gesprochen, dass man ein sehr innovatives Auto für 2022 bauen will. Die Präsentation enttäuschte nicht.
Der neue Ferrari F1-75 ist ein echter Hingucker. Das neue Design ist vielen Bereichen deutlich anders, als man es bei den bisherigen Autos gesehen hat, in anderen Bereichen gibt es Ähnlichkeiten, vor allem mit dem Aston Martin. Auf jeden Fall hat man sich in Maranello einiges einfallen lassen und auf den ersten Blick wirkt das teilweise überraschend. Wie immer gilt, dass man manche Dinge mit Vorsicht genießen muss. Vor allem sehen wir nicht, was im Bereich um das Cockpit passiert und das Heck dunkeln ja alle Teams ab. Da werden wir auf die ersten Fotos von den Tests warten müssen.
Bei der Front ist schon mal einiges anders. Die Nase ist sehr lang gezogen und wird nach vorne spitzer. Das ist anders, als zum Beispiel beim McLaren oder beim Aston Martin, die auf eine flache und breite Nase setzen. Der vordere Lufteinlass ist dient der Cockpit-Belüftung und ist auch bisher einzigartig in seiner Position. Das bedingt dann auch die etwas andere Form der Flaps des Frontflügels. Die liegen flacher und haben keine ausgeprägten Kurven nach oben. Das ist sehr ungewöhnlich, hier würde ich dann gerne mal unter die Nase vorne schauen können. Denn die ist leicht angehoben, was ebenfalls neu ist. Offenbar macht man sich bei Ferrari wenig Sorgen um den Abtrieb vorne und setzt eher auf einen relativ ungestörten Luftfluss zu den Venturi-Kanälen.
Die vordere Aufhängung ist Standard und die Bremsbelüftungen stammen vom FIA-Showcar. Da wird man also auf die Tests warten müssen, was sich Ferrari da hat einfallen lassen. Vor allem, wenn man sich Start des Unterbodens in der Mitte anschaut. Ähnlich wie Aston Martin hat einen doppelten T-Träger, also mit einem zusätzlichen Flap, der nach oben zeigt. Bei Aston war der kerzengerade. Ich vermute, dass das mit den relativ stumpfen Seitenkästen zusammenhängt. Die haben fast alle Teams, um einen Staudruck vor den Venturi-Kanälen zu erzeugen. Der nach oben gezogene Flap soll vermutlich ein wenig dafür sorgen, dass der Druck nach unten, zu den Kanälen abgeleitet wird.
Von oben haben die Seitenkästen dann ein sehr eigenwilliges Profil, dass wir so noch nie gesehen haben. Statt wie Aston die Seitenkäste flach zu halten, hat Ferrari den Kästen oben eine konkave Form gegeben. Das sieht ein wenig wie eine Badewanne aus, hat aber offensichtlich den Zweck, die Luft möglichst direkt und mit einem leichten Staudruck zum Heckflügel und zum Diffusor zu leiten.
Überraschend sind dann auch die Kühlöffnungen oben, die über fast die gesamte Länge der Seitenkästen laufen. Das haben wir schon beim Aston gesehen und da war ich skeptisch, ob das die beste Lösung ist, weil die Öffnungen offensichtlich nicht ideal für die Aerodynamik sind. Bisher hat man ja immer versucht, die Autos möglichst frei von allen Öffnungen zu halten. Ich bin mir auch immer noch nicht sicher, ob das hier eventuell nur eine Lösung für Rennen unter sehr hohen Temperaturen ist.
Aber die Lösung ist zumindest mal sehr auffällig und der Grund dafür liegt vermutlich in all den Bereichen, die wir im Moment nicht sehen können. Also unter dem Auto und die Luftführung im Chassis. Aber auch die Luftführung im Heck dürfte interessant sein, zum einen sieht man davon auch nicht viel, wenn man die Bilder aufhellt, zum anderen dürfte Ferrari auch hier nicht das gezeigt haben, was am Ende am Auto ist. Auch das Ende des Unterbodens weis
t keinerlei Besonderheiten auf, was eher ungewöhnlich ist. Da haben Williams und Aston andere Lösungen gezeigt und die wird man sicher auch bei Ferrari sehen.
Der neue F1-75 ist aber schon mal sehr innovativ geraten und geizt nicht mit spannenden Lösungen. Ob die dann auch so funktionieren, werden wir bald sehen.
Bilder: Ferrari







