Home Formel EinsF1Formel Eins: Analyse GP der Türkei 2021 – Should I stay or should I pit

Formel Eins: Analyse GP der Türkei 2021 – Should I stay or should I pit

von DonDahlmann
1 Kommentare 7 minutes read

Es war jetzt nicht gerade ein Klassiker unter den Regenrennen und eher langweilig. Nur nicht für Mercedes.

Das sich Mercedes für einen Teilwechsel des Motors bei Hamilton in der Türkei entscheiden hat, war schon eine kleine Überraschung. Die Strecke hat zwar diverse Überholmöglichkeiten, aber einfach ist es da auch nicht. Aber die nächste Möglichkeit wäre das übernächste Rennen in Mexiko gewesen, da man beim Rennen in Austin nicht im Mittelfeld starten möchte. Von daher war die Entscheidung sicher richtig und Mercedes hatte mal wieder das Glück auf ihrer Seite. Denn am Rennsonntag war die Strecke nass, was das Rennen für Hamilton deutlich erleichterte. Denn so konnte man an verschiedenen Stellen überholen. Dazu kam, dass Mercedes am Wochenende ganz klar das schnellste Auto hatte.

Das eine nasse Strecke nicht automatisch für abwechslungsreiche Rennen sorgt, konnte man in der Türkei allerdings auch wieder feststellen. Geprägt war das Rennen eher durch die Frage, ob man mit den Intermediates das Rennen ohne Stopp beenden würde können. Den Versuch unternahmen Leclerc, Hamilton und Ocon, während der Rest des Feldes auf eine eher konservative Strategie setzte und circa zur Hälfte des Rennens zum Stopp kam. Das galt auch für die beiden Führenden im Rennen, Valterri Bottas und Max Verstappen.

Der Finne hatte eines seiner wirklich sehr guten Wochenenden. Auch wenn er in der Quali von Hamilton knapp geschlagen wurde, den ersten Startplatz hatte er aufgrund der Rückversetzung des Briten doch. Er setzte die Pole dann auch in eine Führung um und distanzierte Verstappen genug um vorne ein relativ ruhiges Rennen zu fahren. Der Niederländer versuchte es zu Beginn des Rennens einmal den Abstand zu verkürzen, aber Bottas reagierte schnell und erhöhte seinerseits die Taktzahl. Danach ließ es Verstappen bleiben und sortierte sich mit einem Abstand von um die 8 Sekunden hinter dem Mercedes ein. Mehr musste er auch nicht machen, denn Hamilton benötigte einiges an Zeit, um sich durch das Feld zu kämpfen.

Zunächst hing er hinter Tsunoda fest, später dann auf P5 hinter Perez, der ein gutes Rennen hatte. Nach vorne ging nichts, von hinten drohte keine Gefahr. Die Frage war hier, welche Strategie denn nun die richtige war. Hamilton und Leclerc waren beide in einer ähnlichen Situation. Konnte man mit den mittlerweile zu Slicks abgefahrenen Intermediates das Rennen beenden? Oder würden frische Inters die besseren Ergebnisse liefern? Ferrari meinte zunächst, man könne durchfahren, entschied sich aber angesichts der einbrechenden Rundenzeiten von Leclerc doch zu seinem Stopp. Der lag zu Zeitpunkt der Entscheidung zwar vorne, aber Bottas konnte er nicht halten.

Entscheidend in der ganzen Frage waren der Red Bull von Perez und der Alpha Tauri von Gasly. Beiden waren zur Mitte des Rennens gekommen und hatten eingefahrene Reifen. Würden die am Ende des Rennens schneller sein, als die durch genudelten Inters von Ferrari und Mercedes? Die Strategieabteilung beider Teams beantwortete die Frage mit „Ja“. Ferrari beorderte Leclerc rein, Mercedes Hamilton aber der argumentierte, dass er mit den Reifen zu Ende fahren würde können.

Aber Leclerc und Gasly waren auf den frischeren Intermediates deutlich schneller als Hamilton, der zu dem Zeitpunkt auf P3 hinter Verstappen lag. Der Abstand betrug rund 10 Sekunden zu Gasly, es war also durchaus knapp in den letzten 12 Runden, um die es ging. Mercedes überstimmte Hamilton und der kam rein, was ihn wieder hinter Perez und Leclerc warf.

Anstatt aber mit den frischen Intermediates angreifen zu können, sah sich der Weltmeister mit Graining auf der zwar feuchten, aber nicht nassen Strecke konfrontiert. Hamilton schimpfte am Funk wie ein Rohrspatz und war weiterhin der Meinung, dass er ohne Stopp besser dran gewesen wäre. Ich bin mir da nicht sicher. P3 gegen Perez hätte er nicht halten können, Leclerc vermutlich auch nicht. Blieb also Gasly und damit ein Punkt mehr oder weniger in der WM. Einen wirklichen Unterschied hätte es nicht gemacht, aber wer weiß, wie eng es am Ende der Saison noch wird.

Eine andere Frage ist dabei auch, ob die Entscheidung von Hamilton die richtige war. Mercedes wollte ihn rund fünf Runden vorher reinholen. Das hätte ihn vermutlich zwar auch Graining gebracht, aber das verschwindet nach ein paar Runden wieder. Er wäre vielleicht in der Lage gewesen am Ende wieder anzugreifen, um Leclerc von P4 zu verdrängen.

Der Rest des Feldes hatte zwar ein schwieriges, aber meist statisches Rennen. Fernando Alonso hatte in der ersten Runde Pech, als er von Gasly berührt wurde und sich drehte, was den Spanier von P5 ans Ende des Feldes warf. Ein früher Stopp brachte Alpine überhaupt nichts und Alonso blieb frustriert im hinteren Mittelfeld stecken. Mit Ocon, der ein sehr unauffälliges Wochenende hatte, versuchte Alpine den Intermediate ohne Tausch durchs Rennen zu bringen. Das gelang auch und herauskam P10. Immerhin ein Punkt.

Bei Ferrari sah es besser aus. Dass Leclerc das Podium verpasste, lag an dem Versucht mit den Intermediates durchzufahren. Hätte er eine Runde nach Perez gestoppt, wäre er auch wieder vor diesem herausgekommen. Aber auch so war es auffällig wie gut die Ferrari mit dem neuen Energiesystem gehen. Sainz hatte den neuen Motor an diesem Wochenende bekommen und startete von hinten. Er lieferte dann die Show des Rennens ab, in dem er in kurzer Zeit durch das gesamte Feld schnitt und in sehr schnell in den Top Ten auftauchte. Das Problem war dann, dass er feststeckte und der notwendige Wechsel der Reifen ihn wieder zurückwarf, da die Abstände um P10 sehr eng waren. Am Ende reichte es aber für P8, was ein sehr achtbares Ergebnis für Sainz war.

Von McLaren sah man am Wochenende sehr wenig. Die Strecke mit den mittel schnellen, langen Kurven liegt dem Chassis nicht und dementsprechend taten sich beide Fahrer schwer. Norris schaffte in die letzte Quali-Runde, aber Ricciardo fiel schon in Q1 raus. Man versuchte beim Australier einen frühen Stopp, aber wie Alonso kam man nicht aus dem hinteren Mittelfeld raus. Ein schwaches Rennen von Ricciardo. Norris hielt sich in den Punkten, konnte aber nichts ausrichten und rettete sich auf P7 ins Ziel.

Auch bei Aston Martin passte nicht viel zusammen. Vettel schied in Q2 aus, aber P11 war jetzt nicht der schlechteste Startplatz. Stroll schaffte es in Q3, mehr als P9 war aber nicht drin. Das sollte sich im Rennen für den Kanadier auch bestätigen, der nicht weiter auffiel. Vettel lag lange auf P10, aber dann entschied sich Aston, vermutlich in Absprache mit Vettel, beim Stopp auf Slicks zu setzen. Das war die absolut falsche Entscheidung, denn nach ein paar Meter fand sich der Deutsche schon neben der Strecke wieder. Er schaffte die Runde gerade so, wechselte auf die Intermediates und blieb dann auf P18 hängen.

Bei Haas hatte man auf ein gutes Rennen gehofft, nachdem sich Mick Schumacher sensationell auf P14 qualifiziert hatte. Aber dann kam im Rennen der erboste Alonso und schubste den Deutschen aus dem Rennen. Schumacher lag damit am Ende des Feldes, erholte sich aber und schaffte es sogar seinen Teamkollegen zu überholen und am Ende um 24 Sekunden zu distanzieren. Das war schon ein sehr beeindruckendes Rennen von Schumacher, auch wenn das Ergebnis dies nicht zeigt.

Am Ende war ein verdienter Sieg für Bottas und es könnte für längere Zeit sein letzter Sieg gewesen sein. Es hat mich gefreut, dass ihm dieser Sieg gelungen ist. Er hat dem Team viel gegeben und oft zurückgesteckt. Noch häufiger hatte man den Eindruck, dass er zugunsten von Hamilton eine schlechtere Strategie bekam. Aber vielleicht wird es Alfa Romeo im nächsten Jahr gar nicht so schlecht, wie das Team im Moment aussieht.

In der WM führt jetzt wieder Verstappen mit gerade mal sechs Punkten vor Hamilton. In der Team-WM sind es 36 Punkte Vorsprung für Mercedes. Sechs Rennen stehen noch aus, zwei davon auf Strecken, auf denen die Formel Eins noch nie gefahren ist. Das wird noch eine sehr spannende Saison.

Bilder: Daimler AG, Ferrari, Aston Martin, McLaren, Alpine, HaasF1, Williams, Alfa Romeo,

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1 Kommentare

Dirk 11 Oktober, 2021 - 12:25

Den Durchmarsch von Sainz hat auch der Boxenstopp was gebremst, denn den hat Ferrari schon etwas versaut. Mit 8,1 Sekunden (oder so) lag er mindestens 5 Sekunden über einem normalen Stopp, und das hat ihn mindestens einen Platz gekostet.

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