Der Dornröschenschlaf der Formel Eins wird kurz unterbrochen von einem Rennen in Miami. Und es gibt etliche News.
Über die Änderungen am Motorenreglement hatte ich ja schon hier ausführlich berichtet. Die FIA und die Teams hatten sich auf einen umfassenden Maßnahmenkatalog geeinigt, der vor allem das lästige Clipping in der Qualifikation eindämmen soll. Die Fahrer sollen weniger über das Energiemanagement nachdenken müssen. „Full Flat out“ wird es zwar immer noch nicht sein, aber eine Besserung ist zu erwarten. Für alle, die es nicht mitbekommen haben, hier eine kurze Zusammenfassung in ein paar Bullet Points:
Energierekuperation & Clipping
- Rekuperationsleistung erhöht von 250 kW auf 350 kW → kürzere Clipping-Zeiten
- Gesamtenergie pro Runde reduziert von 8 MJ auf 7 MJ (bei 12 Rennen: 6 MJ) → weniger Rekuperationsbedarf, aber geschätzte 1–2 Sek. Rundzeitverlust (bei 6 MJ: doppelt so viel)
Boost & E-Motor-Basisleistung
- Boost-Leistung gesenkt von 250 kW auf 150 kW → weniger Geschwindigkeitsunterschiede zwischen Autos, Überholen wird schwieriger
- MGU-K-Einsatz in Beschleunigungszonen (Kurvenausgang bis Bremspunkt inkl. Überholzonen): weiterhin 350 kW
- In allen anderen Streckenabschnitten: begrenzt auf 250 kW
Rennstarts
- Neues System zur Erkennung ungewöhnlich geringer Beschleunigung nach Kupplungsfreigabe → automatischer MGU-K-Einsatz als Sicherheitsmaßnahme
- Visuelles Warnsystem: blinkende Heck- und Seitenlichter bei betroffenen Fahrzeugen
- Reset des Energiezählers zu Beginn der Formationsrunde (Bugfix einer bekannten Systeminkonsistenz)
Das kommende Rennwochenende in Miami ist also der erste Test für diese neuen Regeln, und da es ein Sprintwochenende ist, hat man gleich zweimal die Gelegenheit, zu schauen, ob sich etwas zum Positiven in der Qualifikation verändert hat. Klar ist aber, und das hat man auch kommuniziert, dass das erst mal nur ein erster Schritt ist. Weitere Änderungen im Verlauf der Saison wurden nicht ausgeschlossen, aber es werden vor allem über den Winter größere Eingriffe erwartet. Am wahrscheinlichsten ist dabei eine deutliche Erhöhung der Leistung des Verbrenners und damit eine Aufgabe der 50/50 Regel.
Das ist die technische Seite. Gleichzeitig dürfte man in Miami teilweise komplett überarbeitete Autos sehen. McLaren hat schon angekündigt, dass man mit einem stark veränderten Auto auftaucht, ebensolches erwartet man auch von Ferrari, Red Bull, Williams, Cadillac und natürlich Aston Martin.
Das britische Team wird den Berg an Problemen sicher nicht mit einem Rennen beenden können. Ob Honda schon eine Lösung für die Vibrationen hat, ist dabei nur eine Frage. Die andere, ob Adrian Newey und sein Team auch die Probleme des Chassis erfolgreich angehen konnten. Newey hatte angedeutet, dass man die Probleme seit dem Test identifiziert hatte und an einer ganzen Reihe von Updates arbeitet. Die dann wohl in einem ersten Schritt in Miami zu sehen sein werden. Der Rest soll bis zum Sommer auftauchen.
Auch bei Cadillac soll es ein großes Update geben, von dem man sich natürlich einen großen Schritt nach vorn erwartet. Sergio Pérez sprach von einem entscheidenden Update für das Team, denn mit diesem Update wird man auch sehen, ob das brandneue Team in der Lage ist, funktionierende Updates zu entwickeln. Für Cadillac ist das also ein wichtiger Schritt, auch wenn es damit nicht ins Mittelfeld vorrückt. Aber wenn es gelingt, den Abstand von rund 1,5 Sekunden auf P10 deutlich zu reduzieren, ist das schon ein Erfolg.
Ins vordere Mittelfeld würde auch gerne Audi vorrücken. Die hatten einen durchaus guten Start in ihr Formel-Eins Abenteuer, mussten aber dann einen Rückschlag verdauen, als man Jonathan Wheatley mit sofortiger Wirkung entließ. Da verdichten sich auch die Gerüchte, dass Wheatley bei Aston andocken wird. Audi hat die Pause aber genutzt, um einen neuen Racing Director zu engagieren. Alan McNish wird diese Rolle übernehmen. Eine etwas überraschende, aber spannende Lösung. McNish bringt genug Erfahrung und Durchsetzungsvermögen mit. Und als jemand, der das offene Wort schätzt, wird McNish eine Bereicherung für das Team und die F1 sein.
Ansonsten war es in der langen Pause erstaunlich ruhig. Es gab ein ganz interessantes Interview mit Stefano Domenicali bei “The Race”, der den Kollegen sagte “Formula 1 has not any problems, Formula 1 is in great shape, just to make sure that is clear to everyone”. Darüber kann man dann getrennter Meinung sein. Einerseits stimmt es, dass die F1 von den reinen Zuschauerzahlen her, so gut wie noch nie dasteht. Selbst die absurd hohen Eintrittspreise halten Fans nicht ab, zur Strecke zu kommen.
Einer Analyse der Reise- und Ausgabenmanagement-Plattform “Perk” zufolge, stiegen im Durchschnitt über alle Grands Prix hinweg in den letzten Jahren die Hotelbuchungen um 49 %, während Flugbuchungen um 17 % zulegten. Gleichzeitig liegen die Hotelpreise rund 16 % und die Flugpreise etwa 8 % über dem Normalniveau – wobei einzelne Rennen diese Werte deutlich übertreffen.
Aber wie gut oder schlecht die neuen Regeln bei den Fans ankommen, die nicht an der Strecke sind, ist nicht klar. Die F1 hält die Einschaltquoten gerne unter Verschluss. In Deutschland gibt es nur Zahlen zu Sky und RTL, aber mit nur drei Rennen, die zudem zu für Deutschland ungünstigen Zeiten stattfanden, lässt sich noch nichts sagen.
Eine andere Frage ist, wie es um die geschäftliche Seite der Serie steht. Auch da macht man sich zurzeit wenig Sorgen. 11 Teams sind ausreichend, zudem verdichten sich die Gerüchte, dass BYD in die Serie einsteigen will. Zudem steigen die Buchwerte der Teams. McLaren soll knapp 5 Milliarden Dollar wert sein. Der Durchschnittswert eines F1-Teams liegt inzwischen bei 3,5 Mrd. Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel wie noch 2023, als der Schnitt bei 1,6 Mrd. lag. Im weltweiten Sportliga-Vergleich übertreffen nur noch NFL und NBA die durchschnittlichen F1-Teamwerte.
Insofern hat der Liberty-Chef also recht. Die F1 hat keine tiefergehenden Probleme und die Sorgen rund um die neuen Motoren werden sich bis 2027 vermutlich erledigt haben. Aber wie immer – wir sind nur eine Wirtschaftskrise davon entfernt, dass sich das ändert. Und die Vorkommnisse rund um die Straße von Hormuz haben das Zeug dazu, genau diese Krise zu sein.
Strategie
Pirelli bringt C3, C4 und C5 in die USA. Die wird man Freitag und Samstag auch auf den Autos sehen. Sonntags sieht es dann anders aus. Diverse Wettervorhersagen warnen vor Gewitter und anhaltenden Regenfällen. Die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei allen Modellen zwischen 80 und 100 % (Stand Donnerstag). Während also das Sprintrennen und die Quali für das Hauptrennen unter trockenen Bedingungen ablaufen werden, kann es am Sonntag sehr nass werden.
Das Rennen könnte eine zähe Anlegenheit werden, weil in Florida sehr strenge Regeln bei Gewittern gelten. Man kennt das aus Daytona und Sebring. Wenn Blitze in einem engen Umkreis um die Strecke herum gemeldet werden, werden Rennen unterbrochen, damit die Zuschauer sich in Sicherheit begeben können. Man wird sehen müssen, wie die Lage dann am Sonntag ist. Anders als die NASCAR schiebt die Formel Eins aufgrund der vielen TV-Verträge die Startzeiten nur im absoluten Notfall nach vorne.
Ein im letzten Jahr zu beobachtendes Phänomen war allerdings auch, dass die Parkplatzstrecke in Miami schnell abtrocknet. 2025 hatte es vor dem Start des Sprintrennens noch geregnet, alle Teams wechselten aber noch vor dem Rennstart auf die Intermediates und im Rennen dann schnell auf die Slicks.
Bei der Rennstrategie sollte es weniger Unsicherheiten geben. Die Strecke ist nett zu den Reifen und Graining gibt es auch kaum. Das hatte im letzten Jahr die Folge, dass es nur einen Stopp gab. Die einzige Unsicherheit ist der Einsatz des SC, was bei der engen Strecke ohne Auslaufzonen passieren kann. Rennstart am Sonntag ist für 22.00 Uhr MESZ geplant.
Bilder: Pirelli


