Home Formel EinsF1Formel Eins: Analyse GP von China – Antonelli siegt, Ferrari sorgt für die Show

Formel Eins: Analyse GP von China – Antonelli siegt, Ferrari sorgt für die Show

von DonDahlmann
0 Kommentare 9 minutes read

Ein erneut abwechslungsreiches Rennen, das von Mercedes dominiert wurde. Ferrari hatte nie wirklich eine Chance.

Mercedes zeigte in China erneut, dass man im Moment das Maß der Dinge ist. Das Team dominierte beide Qualifikationen und beide Rennen nach Belieben. Nur am Start sorgten die Ferrari für etwas Spannung an der Spitze. Doch im Rennverlauf sah man deutlich, dass die Italiener noch nicht den Speed über die Distanz haben.

Den Sprint gewann George Russell, der sich als früher Favorit für den WM-Titel etabliert. Kimi Antonelli hatte einen schlechten Start, fiel auf P7 zurück, konnte sich aber auch im kurzen Sprint auf P5 vorfahren. Im Rennen profitierte Antonelli von zwei Dingen.

Das erste Problem hatte Russell in der Quali. Der Mercedes hatte ein technisches Problem mit der Batterie, das erst behoben werden musste. Russell konnte erst in den letzten zwei Minuten auf die Strecke, und damit fehlte ihm eine Runde, um die Batterie auf die volle Ladung zu bekommen. Am Ende blieb ihm dann nur der zweite Platz.

Das zweite Problem ergab sich durch die frühe SC-Phase in Runde 10/11 nachdem Lance Stroll seinen Aston abstellen musste. Durch den Doppel-Stopp verlor Russell etwas an Zeit. Da Colapinto und Ocon auf den harten Reifen gestartet waren und nicht zum Stopp kamen, fiel Russell hinter beide zurück und musste sich erst einmal vorbeikämpfen, was gar nicht so einfach war. Antonelli nutzte diese Phase, um sich ein paar Sekunden abzusetzen, und Russell konnte die Lücke dann nicht mehr zufahren.

Was auch zeigt, wie gut der junge Italiener in China unterwegs war. Abgesehen von einem Verbremser gegen Ende des Rennens, machte Antonelli im Rennen nichts falsch und zeigte dabei eine kontrollierte Fahrt. Er war schnell genug, um sich die Konkurrenz vom Hals zu halten, ohne dabei seine Reifen zu überfordern. Mit nur 19 Jahren den ersten Grand Prix zu gewinnen, ist schon bemerkenswert und zeigt sein Talent in seiner zweiten Saison für Mercedes. Auch wenn er natürlich mit überlegenen Material unterwegs ist und Russell eigene Probleme hatte.

Ferrari hatte zu keiner Zeit eine wirkliche Chance. Zwar übernahm man sowohl im Sprint als auch im Hauptrennen nach dem Start kurzzeitig die Führung, aber lange währte der Spaß für die Roten vorn nicht. Die Mercedes sind auf den Geraden deutlich schneller, und wenn man sich die Daten anschaut, dann hängt das vor allem mit dem Clipping zusammen.

Als gutes Beispiel dient Runde 3 des Grand Prix. Hamilton hatte am Start die Führung übernommen, musste aber am Ende der zweiten Runde Antonelli passieren lassen, in der folgenden Runde sah der Unterschied auf der Strecke dann so aus: (Antonelli: Grün, Hamilton: Rot)

Bis zur Gegengerade zwischen T13 und T14 lag Hamilton im Delta noch sehr nah am Mercedes, doch auf der Geraden zeigte sich ein komplett anderes Bild beim Clipping. Hamilton startete seinen Clipping-Vorgang etwas früher und verlor dabei auch mehr Speed. Leider gibt es einen Datenfehler vor T14 beim Ferrari, so dass das Anbremsen nicht gezeigt wird. Tatsache ist aber, dass Antonelli über die Gerade hinweg mehr Speed aufrechterhalten kann. Der Zeitverlust über die gesamte Runde betrug 0,574 Sekunden, was ungefähr dem Renndurchschnitt entspricht.

Die mittlere Rundenzeit von Antonelli betrug 1:36,563 min, die von Hamilton lag bei 1.37,119 min. Ferrari verliert also rund 0,6 Sekunden pro Runde und den überwiegenden Teil verliert man dabei auf den Geraden während des Clippings. Was darauf hindeutet, dass Mercedes die Rekuperation durch den Motor derart optimiert hat, dass sie mehr Leistung an die Hinterachse senden können. Statt 100 % der Leistung an die Batterie zu senden, sind es bei Mercedes also rund 95 %. Das hält dann den Topspeed länger oben. Aerodynamische Gründe dürften zwar auch eine Rolle spielen, aber das meiste kommt vom Motor.

Hamilton hatte ein gutes Wochenende, vor allem am Sonntag. Im Sprintrennen musste er sich noch Leclerc geschlagen geben, da er in den ersten Runden seine Medium überfordert hatte, während sich Leclerc zurückgehalten hatte. In der Quali zum Hauptrennen war er knapp schneller als Leclerc und im Rennen war er auf der Strecke der schnelle Pilot. Zwar musste er zwischendurch seinen Teamkollegen passieren lassen, kassierte diesen allerdings nach einem Verbremser des Monegassen. Der litt wie Hamilton am Vortag unter Graining und war dann am Ende nicht mehr in der Lage, Hamilton zu folgen. Aber der rundenlange, mitreißende und sehr faire Kampf der Ferrari-Piloten war sicher ein Highlight des Wochenendes.

Kritiker werfen ein, dass der Zweikampf Ferrari die Chance auf den Sieg genommen habe. Man hätte am Ende näher an den Mercedes dran sein können, wenn man sich nicht bekämpft hätte. Das stimmt aber nicht, wie die Daten oben schon gezeigt haben. Ferrari hatte nie eine Chance auf den Sieg und keine Teamorder der Welt hätte das geändert. Da lässt man den Fahrern doch lieber den Spaß auf der Strecke.

Hinter Ferrari hätte ich die McLaren erwartet, aber die hatten ein rabenschwarzes Wochenende. Im Sprintrennen ging es noch mit P4 für Norris und P6 für Piastri. Aber schon die Quali zeigte, dass den McLaren noch rund zwei bis drei Zehntel auf die Ferrari fehlen. Am Sonntag ging dann gar nichts, weil beide Autos wegen unterschiedlicher Probleme an der Elektronik gar nicht erst starten konnten. Es war der erste Doppelausfall des Teams seit 1969 (!), sieht man mal vom Rückzug beim Rennen in Indianapolis in 2005 (Michelin-Affäre) ab.

Aber beide Autos noch vor dem Start zu verlieren, ist natürlich etwas blöd. Auch wenn Audi ebenfalls ein Auto direkt in der Box lassen konnte. Aber es zeigt die Komplexität der noch neuen Autos. Generell wirkt McLaren im Moment nicht auf der Höhe und verunsichert. Man ist mit einigem Abstand nur die dritte Kraft im Feld. Aber ich hatte bei den wenigen Runden der McLaren zumindest den Eindruck, dass es leicht aufwärts geht.

Während die Abstände vorne recht groß ausfallen, liegt das Mittelfeld extrem eng zusammen. Das zeigte sich sowohl im Sprint, als auch im Hauptrennen. Zwischen Haas, Alpine und Red Bull gibt es nur einen hauchfeinen Unterschied. Selbst die Racing Bull schieben sich zeitweise zwischen die anderen Teams. Da ich aber noch kein sauberes Rennen ohne Probleme für die Racing Bulls gesehen habe, ist die genaue Lage des Teams schwer einzuschätzen.

Die Überraschung in China im Mittelfeld waren sicher die Alpine. Dass sich Haas vorn als “best of the rest” durchsetzen konnte, hatte man erwarten können. Aber dass die Alpine so stark waren, eher nicht. Da fiel nicht nur bei der guten Fahrt von Gasly aus, sondern auch das erste richtig gute Rennen von Colapinto.

Bemerkenswert war sein erster Stint, der ihn bis auf P2 vorspülte. Es dauerte einige Zeit, bis der deutlich schnellere Antonelli auf frischeren Reifen den Anschluss verlor. Colapinto hielt dann auch Esteban Ocon in Schach, der auf der gleichen Strategie mit harten Reifen im ersten Stint unterwegs war. Ocon schoss den Argentinier dann nach deren Stopps ab, was beide einiges an Zeit kostete. Für Colapinto blieb zwar P10 am Ende, aber das hätte auch locker ein Platz besser ausfallen können.

Aber das Bearman (P5) und Gasly (P6) das Mittelfeld anführen, hatte man sicher auch nicht erwartet. Lawson brachte den Racing Bull auf P7, was ein schönes Ergebnis für RB war. Lawson startete von P14 aus und hatte nicht mal Glück mit der Strategie. Er hatte in Runde 10 schon die harten Reifen aufgezogen, genau eine Runde vor der SC-Phase, was ihn einiges an Zeit kostete. Der siebte Platz ist mehr wert, als man auf den ersten Blick also sieht.

Hinter Lawson landete Isaac Hadjar mit einem Rückstand von 83 Sekunden auf den siegreichen Mercedes. Hadjar hatte in seiner ersten Runde einen Dreher, der ihn an den Schluss des Feldes warf, weswegen der achte Platz eigentlich noch gut ist. Da wäre aber mehr drin gewesen, wenn er das Auto zwischen T12 und T13 verloren hätte.

Aber wenn man 20 Sekunden für den Dreher abzieht, dann bleiben rund 60 Sekunden Rückstand für die Red Bull. Verstappen lag bis zu einem Ausfall hinter Bearman, dem im Ziel rund 57 Sekunden auf die Mercedes fehlten. Der Zeitverlust der Red Bull beträgt pro Runde also etwas mehr als eine Sekunde. Davon entfallen vermutlich 80 % auf das Chassis. Motorseitig sieht Red Bull gar nicht so schlecht aus. Es fehlt die Leistung im unteren Drehzahlbereich, aber beim Clipping und beim Topspeed steht Red Bull nicht da.

P9 ging an Carlos Sainz, der den übergewichtigen Williams dank eines guten Starts und des Ausfalls beider McLaren und von Verstappen in die Punkte brachte. Aber der Williams ist weiter eine größere Baustelle. Zu schwer, aerodynamisch ineffizient und bei der Software scheint man auch noch Probleme zu haben, wie die Probleme bei Albon zeigten.

Audi ging in China leer aus, aber nur knapp. Hülkenberg verpasste den Sprung in Q3 um drei Tausendstel und im Rennen behinderten ihn erst ein schlechter Start und eine klemmende Radmutter bei seinem einzigen Stopp. Allein letzteres kostete ihn 16 Sekunden. Am Ende fehlten ihm aber nur 8 Sekunden auf Colapinto auf P10. Auf die Haas und Alpine fehlten Audi im Rennen rund 0,5 Sekunden, allerdings hatte Hülkenberg eine etwas andere Strategie und den langen Stopp, was das Bild etwas verzerrt.

Bleiben Aston und Cadillac. Bei Aston konnte man am Samstag immerhin feiern, dass man den Sprint mit beiden Autos beenden konnte. Das brachte dann erstmals vernünftige Daten. Die mittlere Rundenzeit von Alonso lag dabei 0,5 Sekunden hinter der von Bearman, was angesichts der Probleme gar nicht so schlecht ist. Am Sonntag musste Alonso dann nach 34 Runden an die Box, weil die Vibrationen zu stark wurden. In den Onboards konnte man sehen, dass der Spanier auf den Geraden immer wieder das Lenkrad loslassen musste.

Cadillac lieferte ein solides Wochenende ab und brachte beide Autos ins Ziel. Das wertet man als Erfolg. Auch beim Speed geht es etwas aufwärts, aber der Abstand zum Mittelfeld beträgt weiter mehr als zwei Sekunden.

Zwei Sachen am Rande: Die TV-Bilder zeigten am Wochenende die Batterieladung, was mich etwas gewundert hat. Denn die Ladung gehört zu den Daten, die eigentlich geschützt sind (weitere sind Reifentemperatur, Tankfüllmenge und diverse Motordaten). Offensichtlich sind das nur geschätzte Daten, die per AI ausgerechnet werden. Darauf weisen die TV-Bilder aber nicht hin. Eine Erklärung wäre nett. Ebenfalls fiel auf, dass die Kameras immer von Onboards gingen, wenn am Ende der Gegengerade geclippt wurde.

Zweitens: Mit der Absage der Rennen in Bahrain und Jeddah eröffnet sich eine riesige Lücke im Kalender. Zwar fährt man am 04.. Mai in Miami, danach folgt aber erneut eine dreiwöchige Pause. Im Grunde bedeutet dies, dass die F1 zwischen dem 30.03 (Japan) und 25.05 (Kanada) nur ein Rennen fährt. Das gibt den Teams sehr viel Zeit, was einige Teams erfreuen wird. Ich gehe davon aus, dass die Saison mit dem Rennen in Kanada erst wieder richtig losgeht. Man wird in Miami Updates sehen, aber ich gehe davon aus, dass die richtige Update-Orgie erst in Kanada losgehen wird.

Rangfolge nach dem Rennen in China:

Mercedes
Ferrari

McLaren

Haas, Red Bull, Alpine, Racing Bulls,

Audi

Williams

Aston
Cadillac

Bilder: Pirelli Daten: GP Tempo, Armchair Strategiest

Das könnte Dir auch gefallen

  Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC   Der Ansprechpartner in Sachen Automobil ist AUTODOC
Racingblog
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.