Das Rennen war besser, als man erwarten konnte. Aber es ist jetzt schon klar, dass dieses Jahr vor allem durch die Entwicklung der Software bestimmt wird.
Die gute Nachricht: Das Rennen war deutlich besser, als man es erwarten konnte. Statt einer Prozession, in der man seine Batterie auflädt, um hier und da mal überholen zu können, ergab sich an der Spitze und im Mittelfeld ein lebendiges und teilweise sehr spannendes Rennen. Die Technik funktioniert für die meisten Hersteller zufriedenstellend und tatsächlich funktioniert die Idee, dass unterschiedliche Batterieladungen zu Überholmöglichkeiten führen, einigermaßen gut. Allerdings wird man abwarten müssen, wie schnell die Teams und die Fahrer herausfinden, wie und wann man boostet um einen Gegner abzuwehren.
Es gibt auch erste Anzeichen für die Rangordnung in der Formel Eins. Ich würde nicht zu viel in die folgende Liste hereinlesen, aber einen Eindruck bekommt man schon. Die Liste besteht nur aus den Rennrunden, also keine Boxenstopps, Outlaps und VSC-Runden.
| Rang | Fahrer | Bereinigte Rennpace | Rückstand |
|---|---|---|---|
| 1 | Kimi Antonelli | 1:22.949 | +0.000s |
| 2 | George Russell | 1:23.040 | +0.091s |
| 3 | Charles Leclerc | 1:23.108 | +0.159s |
| 4 | Lewis Hamilton | 1:23.328 | +0.378s |
| 5 | Lando Norris | 1:23.435 | +0.486s |
| 6 | Max Verstappen | 1:23.518 | +0.569s |
| 7 | Oliver Bearman | 1:24.635 | +1.686s |
| 8 | Arvid Lindblad | 1:24.816 | +1.867s |
| 9 | Gabriel Bortoleto | 1:24.843 | +1.894s |
| 10 | Pierre Gasly | 1:25.126 | +2.177s |
| 11 | Esteban Ocon | 1:25.192 | +2.243s |
| 12 | Liam Lawson | 1:25.211 | +2.262s |
| 13 | Alexander Albon | 1:25.358 | +2.409s |
| 14 | Carlos Sainz | 1:25.603 | +2.654s |
| 15 | Franco Colapinto | 1:25.806 | +2.857s |
| 16 | Lance Stroll | 1:27.213 | +4.264s |
| 17 | Fernando Alonso | 1:27.467 | +4.518s |
| 18 | Sergio Perez | 1:27.676 | +4.727s |
| 19 | Valtteri Bottas | 1:27.680 | +4.731s |
Klar ist, dass die Mercedes in Australien extrem schnell waren. In der Quali betrug der Abstand zu den Ferraris rund sieben Zehntel, aber dieser Abstand findet sich in der Analyse der Rundenzeiten nicht wieder. Was zeigt, dass die Rennpace der Ferrari sehr gut war. Verloren hat man das Rennen, weil man (neue Saison, alte Fehler) die Strategie versemmelte.
Dabei startete das Rennen für die Ferrari sensationell gut. Dank des erwarteten guten Starts der Ferrari, fanden sich die Italiener schnell in den Top 3. Leclerc übernahm die Spitze und lieferte sich einen sehenswerten Kampf mit George Russell. Lewis Hamilton, von P7 gestartet, schaute sich das Spiel von P3 an. Es sah nicht so aus, als ob ein Team hier Vorteile hatte. Allerdings rauschte dann von hinten Kimi Antonelli an. Der hatte einen schlechten Start und musste sich von P7 wieder nach vorn arbeiten. Dabei war er dann pro Runde und um acht Zehntel schneller als das Trio an der Front. Was das Potenzial des Mercedes zeigt.
Das Rennen wurde dann in Runde 12 mit dem ersten (vermuteten) Motorschaden in diesem Jahr unterbrochen. Es erwischte Isaac Hadjar, der zu diesem Zeitpunkt auf P5 lag. Der Red Bull kam rauchend zu stehen, was auf einen Schaden am Motor oder am Turbolader hinweist. Die Unterbrechung kam etwas früh für eine Ein-Stopp-Strategie. Dennoch kamen Russell und Antonelli rein und nahmen die harten Reifen. Ferrari ließ beide Autos draußen, was nicht nur bei Hamilton zu der Frage führte, warum man nicht wenigstens ein Auto an die Box geholt hat.
Es war eine klare Fehlentscheidung von Ferrari. Ob man darauf hoffte, dass eine weitere VSC- oder SC-Phase kommen würde, oder ob man auf gar keinen Fall eine Zwei-Stopp-Strategie einlegen wollte? Jedenfalls blieb man stur beim gefassten Plan und holte Leclerc in Runde 25 rein. Hamilton übernahm kurz die Spitze, kam dann aber auch in Runde 28 rein.
Doch der späte Stopp unter Rennbedingungen kostete Ferrari die Chance auf den Sieg. Der Unterschied zwischen einem Stopp unter Grün und VSC beträgt 10 Sekunden. Der Abstand von Leclerc zu Antonelli auf P2 am Ende: 12 Sekunden, zum Rennsieger Russell waren es 15 Sekunden. Es war also enger, als es auf der Ergebnisliste aussieht.
Hinter den Top 4 klaffte in Australien dann eine große Lücke. Lando Norris im McLaren fehlten nach 58 Runden in einem für ihn störungsfreien Rennen 51 Sekunden. Was umgerechnet einen Verlust von rund einer Sekunde pro Runde ausmacht. Und das mit einem Motor, der gerade das Rennen gewonnen hat.
Andrea Stella suchte über das gesamte Wochenende nach Erklärungen und landete bei zwei möglichen Gründen. Zum einen ist das Chassis nicht da, wo es sein sollte, zum anderen wunderte man sich, warum die Werksautos die Rekuperation und das Batteriemanagement so viel besser beherrschen. Und da kommen dann zwei Dinge zusammen.
Mercedes liefert eine Basis-Software für die Kunden, aber die kann im Rahmen der technischen Regeln, verändert werden. McLaren setzt auf eine Variante der Software, die auf einer älteren Version aufbaut, und will das in den kommenden Rennen ändern. Der andere Punkt ist, wie und wann die Fahrer die Rekuperation nutzen. Im Rennen konnte man sehen, dass Norris im Verlauf der 58 Runden seine Strategie anpasste und dadurch auch schneller wurde. Seine beste Runde fuhr er erst spät im Rennen (Runde 53).
Red Bull ging es nicht viel anders. Bei Verstappen führte eine Drehmomentspitze beim Anbremsen zu einem Unfall in Q1. Im Rennen lief es aber deutlich besser. Er etablierte sich schnell in den Top 10 und klemmte sich dann hinter Norris auf P6. Doch weiter nach vorn ging es nicht, beide Autos hatten ungefähr den gleichen Speed.
Ganz unzufrieden wird man bei Red Bull aber nicht sein. Abgesehen vom Ausfall von Hadjar, der durchaus P5 hätte erreichen können, lief der brandneue, selbst entwickelte Motor ziemlich gut. Man darf nicht vergessen, dass hinter der Entwicklung kein Auto- oder Motorenhersteller steckt und Ford nur als Berater sein Logo auf das Auto klebt. Für ein solches Unternehmen war das erste Rennen also ein Erfolg. Auch wenn der Abstand nach vorn natürlich massiv ist.
“Best of the Rest” wurde Ollie Bearman im Haas, was zu erwarten war. Der Haas hatte schon bei den Tests einen hervorragenden Eindruck hinterlassen, aber gleichzeitig fehlt doch einiges nach vorn. Australien zeigte allerdings ein interessantes, kompaktes Mittelfeld mit Haas, Racing Bull und Audi. Bearman setzte sich am Ende rund sieben Sekunden vor dem Racing Bull von Lindblad, der wiederum Bortoletto im Audi im Genick hatte.
Haas ist ein Team, das man in diesem Jahr im Auge haben sollte. Selten ist das Team so gut in die Saison gestartet, was sicher auch mit dem guten Motor von Ferrari zu tun hat. Aber auch auf der Seite des Chassis scheint man einen guten Weg gefunden zu haben, nachdem TGR in Köln mehr Verantwortung übernommen hat.
Aber auch die Racing Bulls waren stark. Verstappen benötigte einige Runden, bis er sich an Arvid Lindblad vorbeiarbeiten konnte, was zeigte, wie gut einerseits der RB ist, aber auch, wie schnell sich der Rookie in der neuen, überaus komplexen Formel Eins eingefunden hat. Getrübt wurde das Bild allerdings durch ein sehr schwaches Wochenende von Liam Lawson, dem einiges auf seinen Teamkollegen fehlte.
Audi war sicher eine kleine Überraschung am Wochenende. Fehlerlos war man nicht, denn Hülkenberg konnte das Rennen nicht starten, aber das Auto und der neue Motor zeigten sich in der Quali und im Rennen schnell und zuverlässig. Dass man im ersten Rennen gleich Punkte holen konnte, dürfte ebenfalls für Erleichterung gesorgt haben. Tatsächlich war der Audi schneller, als viele dachten, aber die Frage wird sein, wie gut und stabil man die Weiterentwicklung vorantreiben kann. Alles in allem aber eine sehr solide Vorstellung.
Den letzten Punkt sicherte sich Pierre Gasly im Alpine. Die Franzosen setzen auch auf den Mercedes-Motor, waren aber weit, weit weg von Speed der Werksautos und auch von McLaren. Das Team hat insgesamt aber einen Schritt nach vorn gemacht.
Chancenlos waren am Wochenende die Williams. Und man muss es dann auch deutlich sagen: da hat man mehr erwartet. Immerhin hatte man das letzte Jahr auch für den Neustart 2026 geopfert und man hat den (momentan) besten Motor im Heck. Aber das Auto kam zu spät, ist übergewichtig und die Aerodynamik ist nicht ausgereift. Albon fehlten am Ende 27 Sekunden auf P10 und mehr als eine Minute auf den Haas in P7.
Das ist nicht das, was man 2026 erreichen wollte, und ob Williams die Kapazitäten hat, diesen Rückstand wegzuarbeiten, wage ich mal zu bezweifeln. Sicher, der Rückstand wird geringer werden, aber in einem so engen Mittelfeld durchschnittlich 0,7 Sekunden aufzuholen, ist eine Herausforderung. Zumal die Konkurrenz auch nicht schläft.
Ebenfalls ohne Chance: Aston Martin. Der katastrophale Start in die Saison hatte immerhin ein paar positive Seiten. Stroll schaffte 36 Runden mit dem von Vibrationen geplagten Auto. Alonso kam in Runde 15 rein. Stand dann für 15 Minuten an der Box, fuhr aber noch mal für weitere 6 Runden raus. Man behandelte das Rennen als Testfahrt.
Die Probleme bei Aston Martin und Honda sind so tiefgreifend, dass man eigentlich noch weitere 12 Monate benötigt. Das Chassis ist wegen des späten Arbeitsbeginns von Newey nicht fertig (Newey rechnet Richtung Mai, bis alle geplanten Updates da sind, die schon im Februar auf dem Auto sein sollten). Bei Honda brennt der Baum. Oder besser: Er vibriert.
Der Motor liefert Vibrationen, die so stark sind, dass sie das Chassis und die Batterie beschädigen. Man hat laut Newey nur noch die Batterien, die in den Autos verbaut sind, Ersatz kommt erst später. Hinzu kommt, dass der Motor, ebenfalls laut Newey, zu schwach ist und erst mit einer Revision im nächsten Jahr die fehlende Leistung aufholen kann.
Honda gibt die Probleme zu, verweist aber auch darauf, dass es Newey selbst war, der im letzten April Honda darum bat, die Konstruktion der Batterie zu verändern, damit diese in das sehr enge Chassis passt. Dies habe auch dazu geführt, dass man jetzt die Probleme habe. Was durchaus sein mag, aber nichts daran ändert, dass der Verbrenner zu wenig Leistung liefert. Wie auch immer: Wunder sollte man bei Aston nicht erwarten. Man muss es erst mal schaffen, ein Rennen zu beenden, was dauern wird.
Und dann ist da noch Cadillac. Der Abstand, auch zum Mittelfeld, ist brutal. Und das mit dem sicherlich guten Ferrari-Motor. Gut, Cadillac hatte sich dazu entschlossen, das Chassis selbst zu bauen. Geld für hochrangige Ingenieure hat man aber auch nicht ausgegeben. Das führt dann eben zu einem Auto, dem rund vier Sekunden auf die Spitze fehlen. Was dann doch mehr ist, als ich erwartet hatte. Man verweist darauf, dass man halt mit einer Basis beginnen möchte, um sich dann in kleinen Schritten nach vorn zu arbeiten. Aber die beste Runde von Perez im Rennen war nur zwei Sekunden schneller, als die der besten Formel 2 in der Quali. Nur so mal als Perspektive.
Aber ist jetzt Mercedes auch WM-Favorit? Ein guter Start in die Saison schadet sicherlich nicht. Aber diese Saison wird vor allem über die Entwicklung bei Motor-, Energie,- Rekuperation und Batteriemanagement entschieden. Ein Softwareupdate kann McLaren oder Red Bull nach vorn spülen. Dazu kommt natürlich auch weiter die Chassis-Entwicklung. Aber während man die wenigstens sehen und erkennen kann, bleibt die Software im Verborgenen.
Aber sie ist in diesem Jahr besonders wichtig. Zwar ist die maximale Energiemenge, die man rekuperieren kann, auf 8,5 MJ pro Runde begrenzt, aber nicht die Zeit, in der man auflädt. Ein Problem ist momentan, dass die Ladung bei einigen Teams zu langsam erfolgt, weswegen man auch zur Technik des Clipping greift. Das wird sich aber vermutlich im Verlauf des Jahres noch ändern. Wer mehr Energie in kürzerer Zeit in die Batterie bekommt, hat einen erheblichen Vorteil.
Die Hackordnung in der F1 sieht nach einem Rennen aber so aus:
Mercedes
Ferrari
Red Bull
McLaren
Haas
Racing Bulls
Audi
Alpine
Williams
Aston Martin
Cadillac
Bilder: Pirelli



































