Es steht mal wieder ein Sprintwochenende an. Und das auf einer Strecke, die dem McLaren im letzten Jahr gut gelegen hat.
Die relativ kurze Strecke in São Paulo (Polezeit von Norris 1:08.899 min) dürfte für knappe Ergebnisse sowohl in der Sprint- als auch in der Quali für das Rennen sorgen. Zwei Fragen werden am Wochenende interessant sein. Erstens: Kann sich Piastri aus seinem Performance-Loch befreien? Zweitens: Wird Red Bull in Brasilien wieder so gut unterwegs sein, wie in den Rennen zuvor? Bei noch vier zu fahrenden Rennen, plus die beiden Sprints in Brasilien und Katar, wird man beim Rennen am Wochenende zwar keine Vorentscheidung erleben, aber die Weichen für den weiteren Verlauf der WM könnten gestellt werden.
Zuletzt hatte Norris die besseren Karten bei McLaren. Viel wird darüber spekuliert, warum Piastri nicht mal mehr ansatzweise an frühere Leistungen anknüpfen kann. Der Australier selbst sagte nach dem Rennen in Mexiko, dass er seine Fahrweise noch nicht komplett auf das Auto abgestimmt hätte. Was darauf schließen lässt, dass McLaren etwas am Auto verändert hat und Norris mit diesen Änderungen besser zurechtkommt, als sein Teamkollege.
Die auffälligsten Änderungen betrafen den Frontflügel, aber es muss mehr passiert sein. Die Rennen in Mexiko und den USA haben auch gezeigt, dass der thermische Vorteil beim Reifenverschleiß nicht mehr so groß ist. Das kann also auch die Aufhängungsgeometrie und des generellen Setup betreffen, was dann auch besser erklären würde, warum Piastri seinen Fahrstil umstellen muss.
Das Autodromo Carlos Pace ist eine schnelle Strecke, mit einem kurzen, sehr engen Mittelteil. Mechanischer Abtrieb ist gefragt, aber vor allem auch ein hohe aerodynamische Effizienz. Als guter Vergleich dienen da durchaus die Sektoren 2 und 3 aus Mexiko. Und hier war Norris klar schneller und Red Bull findet sich erst hinter Ferrari wieder. Es gibt also Hinweise darauf, dass McLaren auch in Brasilien wieder die Nase vorne hat.
Die Frage, ob sich Ferrari und Mercedes im Kampf um den Sieg einmischen können, ist in Brasilien durchaus wichtig. Die Italiener zeigten sich in Mexiko von einer ungewohnt starken Seite und Mercedes hat auf der Strecke auch schon gewinnen können. Ich würde allerdings Mercedes tatsächlich ein wenig stärker als die Ferrari einordnen und denke, dass vor allem Russell durchaus eine kleine Chance auf den Sieg hat.
Dahinter gibt es dann wieder eine schwer einzuschätzende Lage. Wer hätte gedacht, dass Haas in Mexiko so gut ist? Wird sicher mit dem in den USA vorgestellten Update zusammenhängen, aber ob das auf allen Strecken funktioniert, ist dann wieder eine andere Frage. Nicht viel schlechter waren die Williams, die allerdings mal wieder ein katastrophales Rennen hatten. Sainz hatte den Speed für P5 oder P6, fiel aber aus, Albon versemmelte die Quali und startete nur von P20. Dass er dennoch in die Punkte kam, spricht für den Williams.
Der Rest wird sich dahinter einordnen, große Überraschungen erwarte ich zum Saisonende nicht mehr, da die Teams sich voll auf 2026 konzentrieren. Die Autos müssen schließlich in drei Monaten fertig sein.
Strategie:
C2, C3 und C4 gibt es in diesem Jahr, und damit ist man einen Schritt härter unterwegs als im letzten Jahr. Pirelli erklärt den ungewöhnlichen Schritt wie folgt:
„Im vergangenen Jahr waren die Trockenreifen für das Rennen nicht erforderlich, zeigten jedoch beim Einsatz am Freitag- und Samstagmorgen einen hohen Verschleiß sowie Graining, insbesondere an der Hinterachse. Die Strecke war neu asphaltiert worden, so dass eine sehr glatte Oberfläche zurückblieb, die weniger abrasiv war als in den Vorjahren, obwohl es immer noch viele Unebenheiten rund um die Strecke gab.“
Die Einsatzreifen werden also C3 und C4 sein, und damit ist die Chance auf ein Ein-Stopp-Rennen ziemlich hoch, auch wenn sich der Zeitverlust für einen Stopp einigermaßen in Grenzen hält. Aber die Fragen nach den Reifen könnten sich am Wochenende erledigen, denn das Wetter in Brasilien spielt mal wieder eine große Rolle.
Freitag (Sprint-Quali) soll es heiß und trocken sein. Der gesamte Samstag wird laut Wettervorhersage komplett nass, der Sonntag zeigt Regen bis circa 12 Uhr Ortszeit und es wird deutlich. Die Teams werden also nicht nur alle Reifenvarianten benötigen, die Frage nach der Abstimmung wird auch nicht so einfach zu beantworten sein, da man nur die Sessions am Freitag und Samstag hat. Die aber komplett unterschiedliche Wetterverhältnisse zeigen sollen.
Das ganze Wochenende könnte also zur Lotterie werden. Samstags wird man eine Regenabstimmung für die Quali benötigen, aber die Autos stecken danach im Parc Fermé. Änderbar sind dann zwar die Flügeleinstellungen, nicht aber die verwendeten Profile. Wer mutig ist, setzt am Samstag auf ein Trocken-Setup und hofft, dass der Sonntag auch trocken bleibt. Das Risiko werden zumindest die McLaren vermeiden wollen, die ihrerseits aber wissen, dass es schwer werden wird, Max Verstappen in einer Regen-Quali und einem vermutlich verregneten Sprintrennen zu schlagen.
Dazu kommt auch, dass Regen in der Quali immer wieder für Überraschungen sorgt (Hülkenberg im Williams, Magnussen im Haas). Da das Überholen in São Paulo aber relativ gut funktioniert, sollte sich das Sonntag sortieren.


