Ein ausnahmsweise mal abwechslungsreicher Grand Prix in Mexiko, auch wenn der Sieg von Norris zu keiner Zeit in Gefahr geriet.
Da scheinen wir doch noch einen Kampf um die WM zu bekommen, der so spannend wie lange nicht mehr werden kann. Denn der überaus dominante Sieg von Lando Norris in Kombination mit einem erneut schwachen Wochenende von Oscar Piastri hat Norris die WM-Führung gegeben. Wer hätte das noch vor einigen Wochen gedacht? Und sicher ist der Titel für einen der McLaren Fahrer auch nicht, denn Verstappen liegt nur 36 Punkte dahinter. Und 116 Punkte gibt es noch zu holen.
So richtig erklärbar war der große Unterschied zwischen Norris und Piastri in Mexiko nicht. Dem Australier fehlten 6 Zehntel in der Qualifikation und das ist sicher nicht normal. McLaren hat nach eigener Aussage schon überprüft, ob etwas am Chassis von Piastri nicht stimmt, hat aber offensichtlich nichts gefunden. Auf der anderen Seite wird er nicht innerhalb von einem Monat seinen Speed verloren haben.
Es mag am Druck liegen, es mag daran liegen, dass McLaren das Auto aufgrund des Drucks von Red Bull etwas anders abstimmt und Norris damit besser zurechtkommt. Tatsache ist, dass Norris im Moment der klar bessere Fahrer ist und den Druck auf Piastri weiter erhöht. Denn wie wird McLaren reagieren, wenn Verstappen noch näher rückt und Norris in der WM diesen einen Punkt vor Piastri liegt?
Die Überlegenheit von Norris und McLaren in Mexiko war schon erdrückend. Drei Zehntel knüpfte er Leclerc ab, fünf Zehntel fehlten dem Red Bull. Das war schon erstaunlich deutlich, was ich auch im Rennen zeigte. Am Ende lag Norris 30 Sekunden vor Leclerc, der sich gerade so vor Verstappen ins Ziel rettete. 30 Sekunden in 71 Runden sind schon eine Menge Holz.
Die Ferrari zeigten sich in Mexiko stark, was sich in der Quali durch P2 für Leclerc und P3 für Hamilton zeigte, dem nur 0,090 Sekunden auf Leclerc fehlten. Der Brite dürfte nach dem Rennen aber einigermaßen genervt sein. Er lieferte am Start ein enges, aber sauberes Manöver gegen Leclerc, der dann über die Wiese abkürzte, den Platz aber nicht an Hamilton zurückgab. Das wäre zumindest diskussionswürdig gewesen.
Denn das Rennen des Briten hätte völlig anders verlaufen können, wenn er P2 hätte einnehmen können. Denn einige Runden später sah er sich in einem Dreikampf mit Russell und Verstappen verwickelt, was dazu führte, dass er sich verbremste und den Notausgang nahm. Dabei konnte er a) den Ferrari nicht auf dem Asphalt halten und b) verschaffte er sich dadurch einen zu großen Vorteil, was ihm eine 10-Sekunden-Strafe einbrachte. Die Strafe war durchaus gerechtfertigt, aber hätte Leclerc ihm die Position zurückgegeben, wäre er gar nicht erst in diese Situation gekommen.
Allerdings muss man auch erwähnen, dass die Situation für Hamilton im Rennen auch nicht so klar ist. Er ist zwar offensichtlich in der Quali an Leclerc dran, im Rennen kann man aber immer wieder sehen, dass seine Pace schneller abfällt, als das bei Leclerc der Fall ist. Offensichtlich wurde das vor allem nach dem letzten Stopp in Runde 47, als Antonelli, Piastri und Hamilton gleichzeitig zu einem zweiten Stopp an die Box kamen. Alle drei nahmen frische, gebrauchte Soft und hatten somit die gleichen Voraussetzungen.
Hamilton lag nach dem Stopp knapp 2 Sekunden hinter den beiden Konkurrenten, verlor aber dann im Verlauf der letzten 24 Runden den Anschluss an beide. Am Ende fehlten ihm 6,1 Sekunden auf Russell, der Antonelli gegen Ende des Rennens vorbeiließ. Auf der anderen Seite ist der Gesamtschnitt seiner Stints sehr gut, wie man in der Grafik sehen kann. Dass er am Ende nicht mehr Druck ausübte, ist allerdings zumindest erwähnenswert.
Red Bull fand sich in Mexiko in einer schwächeren Rolle als zuletzt wieder, allerdings machte man das Beste draus. Verstappen startete gut und gewann einen Platz, verlor dann aber diesen im Scharmützel mit Hamilton und Russell an Bearman, der den Niederländer klassisch stehen ließ. Red Bull hatte sich aber für eine interessante Strategie entschieden und Verstappen zum Start auf die Medium gesetzt. Das sollte dann im Verlauf des Rennens Konsequenzen haben.
Denn im ersten Stint hatte der Niederländer Probleme mit den Medium. Er konnte auch den Haas von Bearman nicht halten und verlor das DRS. Die Medium waren am Wochenende klar der schlechtere Reifen und der Soft, zur Überraschung aller, die beste Wahl. Das sollte sich dann für Verstappen zeigen, der seine Medium bis Runde 37 schleppte, ohne dabei allzu viel Zeit zu verlieren.
Umso besser lief es dann für den Weltmeister mit den Soft, während Leclerc auf Medium so seine Probleme hatte. Verstappen gelang durch den langen Overcut auch der Sprung auf P3, der lange von Bearman gehalten wurde, nachdem Hamilton seine Strafe in Runde 23 bei seinem ersten Stopp erledigt hatte. Verstappen setzte seine Segel dann in Richtung Leclerc, der sechs Runden vor ihm seine Soft gegen die Medium gewechselt hatte.
Verstappen reduzierte einen 12-Sekunden-Rückstand im Schnitt pro Runde um sechs Zehntel und lag in den letzten beiden Runden dann im Heck des Ferrari. Die Reifen von beiden Fahrern waren allerdings ziemlich am Ende, wie Verstappen nach dem Rennen bekannte. Die Rennleitung versagte den Fans dann allerdings den Showdown, da man in der vorletzten Runde ein VSC verkündete, da Sainz seinen Williams am Rande der Strecke abgestellt hatte.
Mann des Rennens war allerdings Ollie Bearman. Der hatte es schon geschafft, den Haas in Q3 zu bringen. Am Start profitierte er von den Streitigkeiten an der Spitze und lag nach der ersten Runde auf P3. P4 eroberte er dann, als sich Verstappen, Hamilton und Russell ins Gehege kamen. Das Erstaunliche war dann allerdings, dass er den vierten Platz halten konnte. Verstappen konnte den Briten ebenso wenig etwas anhaben, wie später im Rennen beide Mercedes.
Bearman hat in seiner Rookie-Saison schon einige bemerkenswerte Rennen abgeliefert, aber Mexiko war wirklich etwas Besonderes. So fehlerfrei mit so viel Druck umgehen zu können, ist für einen Rookie schon bemerkenswert. Sicherlich wird Antonelli am Ende der Saison die Rookie-Wertung gewinnen. Aber wenn man sich anschaut, was Bearman aus dem Material herausholt, das ihm zur Verfügung steht, dann muss der Titel eigentlich an ihn gehen. Ferrari wird sich jedenfalls freuen, dass man einen starken Nachwuchsfahrer im Programm hat.
P5 ging an Oscar Piastri, der sich immerhin um einen Platz im Rennen gegenüber seinem Startplatz verbessern konnte. Aber es war mal wieder nicht das Wochenende des Australiers, der wie oben beschrieben nun auch seine WM-Führung verloren hat. Viel Raum hatten McLaren und Piastri aber auch nicht, um mehr aus dem Rennen herauszuholen. Chassis und Fahrer harmonieren gerade nicht wirklich.
Hinter dem McLaren landeten die beiden Mercedes, die im Kampf um die Spitze nicht eingreifen konnten. P6 und P7 sind ungefähr das, was das Team im Moment auf den meisten Strecken leisten kann. Positiv muss man erwähnen, dass Antonelli in den letzten Rennen stärker geworden ist und auch in diesem Wochenende durchaus auf Augenhöhe mit Russell unterwegs war. Der Italiener hat sich wohl langsam im Team eingefunden und schafft es auch, das aus dem Mercedes herauszuholen, was auch Russell kann.
Aber Mercedes selbst hat in diesem Jahr nur auf wenigen Strecken wirklich überzeugen können. Sicherlich, es stehen zwei Siege in einer Saison auf der Liste. Und das gegen nun wirklich starke Gegner. Und sicher ist auch, dass Mercedes sich insgesamt verbessert hat. Aber der Anspruch der Deutschen ist ein anderer und davon ist man im Moment weit entfernt.
Lewis Hamilton landete am Ende auf P8, was ihn sichtlich enttäuschte. Immerhin von P3 gestartet, konnte er sich Hoffnungen auf sein erstes Podium machen. Was dann nach wenigen Runden wieder passé war. Man kann dem Briten zumindest eine Teilschuld an den Vorfällen geben. Denn hätte er nach seinem Abkürzer Verstappen wieder vorbeigelassen, hätte er sich die Strafe gespart.
Es macht den Eindruck, dass Hamilton zwar das Auto besser im Griff hat, es aber insgesamt noch etwas holpert in seinen Rennen. Immerhin werden die Kleinigkeiten, die ihn ausbremsen, sichtbarer, und daran lässt sich ebenso arbeiten, wie an seinem Setup für das Rennen.
P9 ging an Esteban Ocon, der auch mal wieder ein Erfolgserlebnis hatte und die gute Form von Haas unterstrich. Ocon hatte wie viele andere auch auf die Ein-Stopp-Strategie gesetzt und sich durch das Mittelfeld kämpfen müssen. Sein Wechsel von den Soft auf die Medium erfolgte in Runde 27 und er schleppte diese dann 44 Runden durchs Rennen. Eine gute Fahrleistung, auch wenn sie wieder von den herausragenden Leistungen seines Teamkollegen überschattet wurde.
P10 sicherte sich Bortoletto. Der hatte in der Quali klar das Nachsehen gegen Hülkenberg, fuhr aber ein beherztes Rennen. Der Brasilianer hatte auf die in diesem Rennen beste Strategie gesetzt. Er startete auf den Medium, was die bessere Entscheidung war. Sauber nutzte die Strategie, die auch von Verstappen genutzt wurde, und wechselte erst in Runde 37 auf die Soft und sicherte sich gegen Hadjar und am Ende Tsunoda den zehnten Platz.
Ein durchaus sehenswerter Grand Prix führte am Ende aber vor allem dazu, dass die WM für die letzten vier Rennen (plus zwei Sprintrennen) extrem spannend wird. Weiter geht es dann in 14 Tagen in São Paulo. Brasilien liefert meist sehenswerte Rennen ab, und das wird in diesem Jahr sicher nicht anders sein.
Bilder: Pirelli
























