Home Formel EinsF1Formel Eins: Vorschau GP der USA 2025

Formel Eins: Vorschau GP der USA 2025

von DonDahlmann
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Das Rennen in den USA könnte vor allem in der WM eine Vorentscheidung bringen. Vor allem Piastri kann sich keinen weiteren Ausrutscher erlauben.

Die Meldung der Woche kommt von Mercedes. Man hat sich endlich mit George Russell geeinigt und einen Vertrag für das kommende Jahr unterzeichnet. Der Vertrag ist der übliche „1 Jahr +1“ Vertrag, den Mercedes schon länger an Fahrer vergibt. Der Hintergrund dürfte das Interesse von Mercedes an Max Verstappen sein. Der hat zwar auch bei Red Bull verlängert, aber offenbar auch nur für ein Jahr. Wie üblich halten sich alle Seiten alle Optionen offen. Sollte Mercedes, wie viele sagen, 2026 den besten Motor stellen, könnte sich Verstappen zu den Deutschen dann 2027 verabschieden.

Doch den besten Motor zu haben, bedeutet nicht, dass man auch das beste Auto hat. Sieht man ja in diesem Jahr. McLaren hat die Team-WM schon in der Tasche und der Fahrertitel wird ziemlich sicher auch an das Team gehen. Mercedes kämpft derweil um P2 in der WM und die Fahrer haben schon lange keine Chance mehr auf den Titel. Es kann also auch gut sein, dass ein Kundenteam von Mercedes das bessere Auto baut. Aber gepokert wird in der F1 immer und die Fahrer schauen auch, wo sie in den nächsten Jahren die besten Chancen haben.

Man muss Mercedes in diesem Jahr immerhin konstatieren, dass sie sich enorm gesteigert haben. Zwei Siege stehen in den Büchern, aber viel wichtiger ist, dass das Auto auf den meisten Strecken zumindest in der Qualifikation einigermaßen konkurrenzfähig ist. Das sah letztes Jahr noch etwas anders aus. Auf der anderen Seite ist es Mercedes in den vergangenen Jahren nie gelungen, ein Auto auf die Beine zu stellen, das eine Chance auf einen Titel hatte. Gleiches gilt zwar auch für Ferrari, aber von einem Team, das von 2014 bis 2021 dominiert hat, erwartet man ein wenig mehr.

Man kann einwerfen, dass der personelle Aderlass der letzten Jahre Mercedes stark geschwächt hat. Allein mit James Vowels und Andy Cowell hat man zwei herausragende Manager verloren. Doch ungewöhnlich sind solche Veränderungen in einem Team nicht. Red Bull hat mit Adrian Newey (Aston Martin), Rob Marshall (McLaren) und Jonathan Wheatley (Audi) ebenfalls drei wichtige Angestellte gehen lassen müssen, fährt aber dennoch an der Spitze mit. Was, nebenbei bemerkt, auch ein Verdienst von Christian Horner war, der klug genug war, genug Talente ins Team zu holen.

Eigentlich schauen alle Teams, die nichts mit der WM-Entscheidung zu tun haben, seit dem Sommer schon auf das Jahr 2026 und haben keine größeren Updates mehr geplant. Um so überraschender ist es, dass Haas zum Rennen in den USA ein solches angekündigt hat. Das ist nicht ganz ungewöhnlich, Haas hat den Grand Prix in den letzten zwei Jahren schon für ein letztes großes Update ausgewählt. In diesem Jahr ist es allerdings etwas anders, denn während man in den vergangenen Jahren das Update schon auf das folgende Jahr ausgerichtet hat, kann man das in diesem Jahr nicht machen. Die Autos werden 2026 so anders sein, dass man nicht ein einziges Bauteil auf die neuen Autos übertragen kann.

Haas hat allerdings eine besondere Situation, da an dem Auto ja gleich drei Seiten arbeiten. Haas selbst, Dallara und Toyota. Das gibt dem Team etwas mehr Freiheiten, da die Arbeit verteilt werden kann. Gleichzeitig birgt diese Aufteilung auch ein gewisses Risiko, denn die quer über den Globus verteilten Teams müssen eng zusammenarbeiten. Das Upgrade ist daher auch als Test zu sehen, wie gut das funktioniert und wo man für 2026 noch nachbessern muss. Zudem kann dem Haas ein gutes Update nicht schaden, im Moment liegt man nur auf P9 in der Team-WM.

Das Rennen auf dem COTA-Kurs wird schon allein deswegen interessant, weil man hier dann sehen kann, ob die Schwäche der McLaren aus den letzten Rennen sich fortsetzt. Die Briten sprachen immer davon, dass Monza, Baku und Singapur zu den schwächeren Strecken des Teams gehören würden, da hier die mittel- bis sehr schnellen Kurvenkombinationen fehlen würden. Das wäre, abgesehen von Las Vegas, dann für den Rest der Saison passé, und man erwartet, dass die alte Dominanz wiederhergestellt werden kann.

Doch gewisse Unsicherheiten gibt es auch bei McLaren. Das starke Abschneiden von Red Bull in Singapur ist ein solches Warnzeichen. Auf einer Strecke, auf der der Red Bull notorisch schlecht war, landete man vor den McLaren. Bedeutet das aber auch, dass Verstappen jetzt so ein gutes Auto hat, dass er den McLaren auch auf deren Paradestrecken das Wasser reichen kann? Die Sektoren 1 und 3 werden dann spätestens Samstag darüber Aufschluss geben.

Aber ich gehe schon davon aus, dass McLaren den Vorsprung von rund 0,4 Sekunden pro Runde nicht über den Sommer verloren hat. Zumal das Team ja auch mit einigen kleinen Updates nachgesteuert hat. Sollte Verstappen allerdings in den USA erneut siegen, dürfte McLaren vor einem anderen Problem stehen.

Denn dann müssten sie eigentlich Norris mitteilen, dass sie, abhängig von der Situation im Rennen, Oscar Piastri den Vorzug bei der Strategie geben müssen. Einen WM-Titel auf den letzten Metern zu verlieren dürfte bei den Investoren schlecht ankommen. 22 Punkte beträgt der Rückstand von Norris. Das ist nicht viel, aber ausreichend, um eine solche Entscheidung treffen zu können.

Für Piastri heißt das aber auch, dass er sich keine Fehler mehr erlauben kann. Und auch keine schlechte Qualifikation. Die Situation an der Spitze in der Quali ist so eng, dass schon der Unterschied von zwei Zehnteln darüber entscheiden kann, ob man auf P2 oder P6 startet. Landet Piastri zu weit hinter Norris, kann auch die beste Strategie nicht helfen.

Strategie:
Austin ist abermals ein Sprint-Wochenende, was bedeutet, dass die Trainingszeit etwas eingeschränkt ist. Zudem hat sich Pirelli dazu entschlossen, mal wieder eine Mischung zu überspringen. Man bringt C1, C3 und C4 an die Strecke. Der C1 ist für Austin deutlich zu hart und der Zeitverlust, vor allem in Sektor 1 und 3 ist groß. Der C4 dürfte allerdings auch Probleme machen, wenn man ihn versucht, über eine allzu lange Distanz zu fahren.

Der erhöhte Leistungsunterschied zwischen C1 und C3 sollte theoretisch zu zwei Szenarien führen. Wenn Fahrer den C1 bevorzugen, könnten sie ein One-Stop-Rennen bestreiten, bei dem sie ihn mit dem C3 kombinieren. Andererseits würde die Verwendung des letzteren zusammen mit dem C4 mit seiner verbesserten Standfestigkeit zu schnelleren Rundenzeiten führen, würde aber mit ziemlicher Sicherheit zwei Stopps erfordern.

Allerdings könnte das Wetter den C1 interessant machen, denn es soll extrem heiß werden. Bis zu 35 Grad werden in Austin erwartet, was die Streckentemperaturen auf weit über 50 Grad hochtreiben wird. Das ist Gift für den C4 auf den Long Runs, was die Auswahl für die Reifen im Rennen schwieriger macht. Man wird mit Sicherheit auf den C3 starten, die sich im Verlauf des Jahres auch bei hohen Temperaturen als stabil gezeigt haben.

Das deutet aber auch darauf hin, dass das Rennen zu einem überwiegenden Teil aus Reifenmanagement bestehen wird, was nicht für ein besonders aufregendes Rennen spricht. Das Sprintrennen am Samstag wird daher interessanter als sonst, da man hier dann sehen kann, ob man mit dem C3 überhaupt eine ganze Sprintdistanz fahren kann.

Bilder: Pirelli

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