Die F1 begibt sich in die Hitze von Singapur und McLaren fragt sich, wie gut der erneuerte Red Bull tatsächlich ist.
Gegenwärtig diskutiert man in der F1 viel darüber, wie man die Serie aufpoliert. Die letzten Rennen waren eher langweilig und Liberty Media mag das nicht. Denn langweilige Rennen treiben die Zuschauer vom Fernseher und den Streams weg, was auf lange Sicht dann die allgemeine finanzielle Bewertung der Serie, der Teams und natürlich von Liberty Media gefährdet. Im vergangenen Jahr hatte Inhaber John Malone die F1 von den anderen zum Unternehmen gehörenden Entertainment Marken abgetrennt, auch weil man darauf gewettet hat, dass der Wert der F1 ausreichend ist. Doch schon ein paar schlechte Rennen machen die Inhaber nervös.
Der Druck lastet dabei primär auf der FIA, die wiederum eigene Probleme rund um ihren Chef hat, der im Dezember zu Wiederwahl steht und mit Tim Meyer einen veritablen Gegenkandidaten hat. Doch die Frage, wie man die Serie attraktiver machen kann, lässt sich nicht verschieben. Insofern ist es kein Wunder, dass FIA-Chef Mohammed Ahmed bin Sulayem in diesem Jahr mehrfach Teams und Hersteller mit neuen Ideen überrascht hat.
Erst sollten es V10 sein, weil die aber keiner wollte, V8 mit einem minimalen Hybridsystem und das schon ab 2029. Auch hier waren die Hersteller unzufrieden, haben sie doch gerade Millionen in die neuen Motoren gesteckt, die 2026 kommen.
Das Problem der F1 liegt zudem nicht bei den Motoren. Dass man in der Serie nicht mehr überholen kann, liegt an der Aerodynamik und den Bremsen. Das erste Problem versucht man ab 2026 mit der Abschaffung des Ground-Effects und der Einführung aktiver Aerodynamik zu beheben. Das wird vermutlich auch auf Dauer funktionieren.
Das zweite Problem sind die Bremsen. Moderne F1-Autos verzögern von 300 km/h auf 100 km/h in knapp 70 Metern. Da bleibt nicht viel Raum für ein Ausbremsmanöver, die man auch immer seltener sieht. Sie kommen vor, aber meist nur dann, wenn jemand auch auf frischeren Reifen unterwegs ist. Da sich die Strategien im Rennen meist sehr ähneln, fallen diese Unterschiede auch oft genug weg.
Eine mögliche Lösung läge demnach darin, die Bremsen „schlechter“ zu machen, das heißt, den Bremsweg zu verlängern. Was aber natürlich auch die Sicherheit tangiert. Aber es wäre die einfachste und kostengünstigste Lösung, die Show zu verbessern. Fahrer hätten mehr Spielraum in den Bremszonen, Talent auf der Bremse wäre wieder gefragt. Man könnte natürlich auch komplett „Old School“ gehen und wieder manuelle Getriebe einführen, was die Bremsmanöver zusätzlich interessanter machen würde. Letzteres wird wohl eher nicht passieren.
Aber die F1 muss sich fragen, was sie sein will – eine Serie, die die Speerspitze der Automobiltechnik ist? Oder steht der Entertainmentfaktor im Vordergrund? Dann kann man auf die Technik verzichten und die Fahrer mehr fordern.
Vorschau Singapur
Gefordert wird in Singapur vor allem die Physis der Fahrer. Der Kurs ist anstrengend, nicht allein aufgrund seines Layout, sondern vor allem wegen des Klimas. Das gleicht in Singapur eher einer Waschküche. 30 Grad, 80 % Luftfeuchtigkeit (24 Grad Taupunkt) erleichtern die Arbeit der Fahrer in dem fast zwei Stunden langen Rennen nicht.
Passenderweise gibt es gerade so etwas wie Spannung in der WM. Die letzten beiden Siege von Max Verstappen und der desolate Auftritt von McLaren in Baku haben die WM noch etwas knapper werden lassen. Piastri hat 25 Punkte Vorsprung auf Norris und Verstappen hat sich mit 69 Punkten Rückstand zumindest in eine bessere Position gebracht. Damit erhöht er etwas den Druck auf beide McLaren-Piloten, die sich in den verbleibenden sieben Rennen keine gröberen Schnitzer mehr erlauben können.
Allerdings kommen nun auch Kurse, die dem McLaren wieder besser liegen sollten als Monza und Baku. Singapur dürfte eventuell noch eng werden, weil die mittelschnellen Kurven fehlen, aber man hatte ja auch in Monaco gezeigt, dass man auch auf engen Kursen dominieren kann. Mit COTA, Brasilien, Qatar und Abu Dhabi kommen dann noch vier Strecken, auf denen McLaren klar vorn liegen werden. Angesichts dessen sind die Chancen von Verstappen auf den WM-Titel eher gering.
Aufpassen muss McLaren aber auch auf Ferrari, die sich auf den langsamen Kursen in diesem Jahr immer stark gezeigt haben. Allerdings gibt es bei den Italienern noch die Frage, wie gut das Chassis mit den hohen Streckentemperaturen zurechtkommt. Ferrari arbeitet in diesem Jahr in einem engen Fenster bei den Reifentemperaturen, was man in Kanada sehen konnte, als Ferrari sich in einer ziemlich starren Strategie gefangen sah. Auch die Tatsache, dass selten zum Undercut gegriffen wird, unterstreicht die Probleme.
Auch der Mercedes mag keine hohen Streckentemperaturen und schon gar nicht in Kombination mit einem griffigen Asphalt. Auf eine Runde funktioniert das, weswegen man die Mercedes in der Quali vorn erwarten kann. Im Rennen sieht es dann aber anders aus. Was Mercedes hier helfen könnte, wären ein, zwei SC-Unterbrechungen. Eine weitere interessante Frage wird sein, wie sich Antonelli auf dem doch anspruchsvollen Kurs schlägt. So richtig konnte er ja in diesem Jahr nicht überzeugen und die Zweifel wachsen, ob der Antonelli tatsächlich so gut ist, wie Mercedes sich das erhofft. Dass er Russell in der Quali immer noch nicht schlagen kann, spricht nicht gerade für ihn.
Da man in Singapur praktisch nicht überholen kann, wird im Mittelfeld schon die Quali darüber entscheiden, wer da die Nase vorn hat. Einen echten Favoriten kann ich da nicht erkennen, da weder Williams noch die RB in diesem Jahr konstante Ergebnisse erbringen konnten. Es dürfte ein hektische Qualifikation werden, vorwiegend in Q2.
Strategie:
Pirelli hat seit letztem Jahr keine Änderungen vorgenommen, wobei C3 als hart, C4 als mittel und C5 als weich gilt. Obwohl es den noch weicheren C6 gibt, wurde bei der Bekanntgabe der Compounds für den zweiten Teil der Saison am Wochenende des Großen Preises von Ungarn bei vor der Sommerpause durchgeführten Bewertungen der weichste Reifen im Jahr 2025 ausgeschlossen, da die auf die Reifen ausgeübten Kräfte und die hohen Temperaturen bei dieser Veranstaltung möglicherweise zu Überhitzungsproblemen führen.
Medium und Hard werden eindeutig die Verbindungen der Wahl für das Rennen sein, aber Soft könnte für jeden Fahrer ins Spiel kommen, der seinen zusätzlichen Grip zu Beginn oder bei einer Safety-Car-Phase gegen Ende des Rennens optimal nutzen möchte. Daher könnte es ein zu berücksichtigender Faktor sein, auf den großen Leistungsunterschied zwischen relativ neuen Softs und Mediums oder Hards zurückgreifen zu können, die viele Runden absolviert haben.
SC-Phasen können das Rennen massiv beeinflussen. Vor allem im Mittelfeld gibt es immer wieder Teams, die eine SC-Phase auslassen, um dafür nach vorn zu rutschen. Man hofft dann einfach, dass eine weitere SC-Phase kommen wird, bei der dann wieder alle an die Box gehen. Der Undercut dürfte ebenfalls eine große Rolle. Da McLaren in Sachen thermischer Belastung am besten mit den Reifen umgeht, dürfte das Team auch die größten Spielräume für einen Undercut haben.
Bilder: Pirelli



